Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

2 1/2 Stunden stillen

Frage: 2 1/2 Stunden stillen

Mitglied inaktiv

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Mein Kind ist eine Woche alt, und wir haben beim Stillen folgende Problemchen, die sich sicher in den Griff bekommen lassen, ich weiß nur nicht recht wie ich das angehen soll. Stillmahlzeiten spielen sich vor allem in der Nacht, aber auch Tags wie folgt ab. Er meldet sich, ich lege ihn an. Nach 20 Minuten ist er müde, oder faul und läßt los, schläft ein. Ich lege ihn ins Bett. Sofort beginnt die Quengelei und er läßt sich nur durch erneutes Anlegen beruhigen, trinkt aber nicht wirklich, sondern nuckelt nur rum bis er wieder einschläft. Das geht dann 20 Mal so. Bis zu 2 Stunden, was besonders in der Nacht sehr kraftraubend ist. Will er einen Schnuller, weil Hunger hat er ja nicht?! Will er bei uns im Bett liegen? Problem Nummer 2: Anlegen: Man muß ihm anfangs immer 10 - 15 Mal die Brustwarze in den Mund stecken bis er lossaugt. Davor nuckelt er nur und läßt wieder aus, sucht aber mit dem Kopf und steckt notfalls die Faust in den Mund. Wenn man ihm den kleinen Finger in den Mund steckt saugt er soforrt wie wild. Plötzlich geht ihm dann jedesmal ein Licht auf und er packt zu und saugt brav. LEgt sich das noch? Ist er ungeschickt oder bin ich es? Beim Wickeln strampelt der Kleine wie wild. Habe nun herausgefunden, dass ein Schnuller währenddessen Wunder wirkt. Besteht die Gefahr einer Saugverwirrung? Außer beim Wickeln bekommt er nie einen Schnuller. Danke für die Antworten! Tati


Biggi Welter

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? Liebe Tati, Ihr Baby ist ja noch ganz neu auf dieser Welt und Sie beide müssen sich erst an das neue, gemeinsame Leben gewöhnen. So kleine Babys brauchen oft sehr lange beim Stillen und das von Ihnen beschriebene Verhalten ist alles andere als ungewöhnlich. Es ist zum einen so, dass gerade so kleine Babys tatsächlich eine Art von Marathonstillen betreiben und zum anderen braucht und sucht Ihr Kind Ihre Nähe, denn Babys sind von Natur aus Traglinge, die den dauernden Kontakt zur Mutter/Vater suchen. Eine typische Stillmahlzeit für ein so kleines Baby kann folgendermaßen aussehen: das Kind trinkt eine kurze Weile, hört auf, döst vielleicht sogar weg und beginnt erneut kurz zu trinken usw. Dieses Verhalten heißt Clusterfeeding und ist absolut normal für kleine Babys und vor allem am späten Nachmittag und abend kommt es verstärkt zu solchen Cluster-Phasen. Das Dauerstillen kann sehr anstrengend und auch nervend sein, aber es hat seinen Sinn. Rein wissenschaftlich gesehen ist es so, dass das Baby durch den Stillmarathon die Prolaktinausschüttung anregt und so dafür sorgt, das die Milchbildung angeregt wird und genügend Milch für das Kind zur Verfügung steht. Sehr viele schlafende Babys reagieren ungemein ungehalten auf Lageveränderungen und schrecken auf, wenn sie vom Arm ins Bett gelegt werden. Eine jede Lageveränderung reizt das Gleichgewichtsorgan im Ohr und kann dazu führen, dass das Baby aufwacht. Wenn ein Baby liegend (an der Brust) einschläft und liegen bleiben kann, die Lageveränderung also wegfällt, sind die Chancen, dass es weiterschläft erheblich besser. Möglicherweise wird das Kind auch wach, weil das Bett kälter ist als der Körper von Mutter oder Vater. Diese Temperaturunterschiede können ebenfalls zum Aufwachen führen. Hier hilft es, das Baby in eine Decke zu wickeln und in die Decke eingewickelt hinzulegen. Auch der Kopf sollte in der Decke liegen, denn selbst ein vorgewärmtes Bett hat eine andere Temperatur als Mamas (oder Papas) Körper. Ihr Baby will keinen Schnuller! Es ist nicht das Baby, das den Schnuller braucht, sondern es sind die Eltern und das sollte sich jede Mutter und jeder Vater bewusst machen. Beim Schnuller handelt es sich um nichts anderes als um eine Brustattrappe, eine Kopie. Und nun ist es eben so, dass eine Kopie nie wirklich das Original vollständig erreicht und das gilt auch und besonders für den Schnuller. Diese Attrappe kann manchmal sinnvoll und hilfreich sein, wenn sie überlegt und wohl dosiert eingesetzt wird. Aber Eltern sollten sich auch der Nebenwirkungen des Schnullers bewusst sein: • Schnuller sind künstliche Sauger und können beim Baby zum falschen Saugen an der Brust führen. Diese sogenannte Saugverwirrung kann ernsthafte Stillprobleme nach sich ziehen. • Durch Schnuller wird die Zeit, die das Baby an der Brust der Mutter verbringt eingeschränkt, was die Milchbildung der Mutter negativ beeinflussen kann. • Kinder ohne Schnuller erkranken seltener an Mittelohrentzündungen. • Schnullergebrauch kann Kieferfehlstellungen begünstigen. • Schnullergebrauch kann zu einer ungünstigen Mundatmung führen. Eine offene Mundatmung führt zu einer erhöhten Infektanfälligkeit und kann Haltungsprobleme begünstigen. • Kinder, die einen Schnuller hatten, brauchen häufiger eine logopädische Behandlung Ein Aspekt, der auch nicht zu vernachlässigen ist, ist, dass Eltern dem Kind den Schnuller zunächst angewöhnen und dann (nach einer mehr oder weniger langen Zeit) wieder abgewöhnen. Das Abgewöhnen des Schnullers kann sehr nervenaufreibend für alle Beteiligten sein. Ein „schnullerabhängiges" Kind kann in der Nacht sehr oft die Eltern aus dem Bett springen lassen, weil es zum Wiedereinschlafen oder Weiterschlafen den Schnuller braucht und ihn alleine nicht findet. Da Ihr Baby anscheinend Probleme hat, die Brust richtig zu fassen und korrekt zu saugen, ist von der Verwendung eines Schnullers eher abzuraten. Das Beste ist, Sie wenden sich an eine Stillberaterin in Ihrer Nähe, die sich anschauen kann, wie Ihr Kind saugt und wie Sie es anlegen. Im direkten Gespräch können Sie dann gemeinsam mit der Kollegin Lösungen finden, wie Sie und Ihr Kind recht bald lernen, gut zurecht zu kommen. Wenn Sie mir Ihren Wohnort mit Postleitzahl angeben, suche ich Ihnen gerne die nächstgelegene LLL-Stillberaterin heraus. LLLiebe Grüße Biggi Welter


Mitglied inaktiv

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Hallo! Meine Tochter mußte ich am Anfang auch immer wieder und wieder anlegen, bis sie endlich die Brust richtig genommen und getrunken hat. Ich vermute, daß es daran lag, daß sie im Bauch oft am Daumen gelutscht hat und wohl die saugtechnik an der Brust erst richtig üben mußte, das ist nämlich etwas anders als am Daumen. Das Problem hat sich aber nach ein paar Tagen geduldigen Übens (und ziemlich wunder Brustwarzen meinerseits) von selbst gelegt. Ich habe aber immer sehr darauf geachtet, daß sie richtig angelegt war. Alles Gute Martina A.


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