Frage im Expertenforum Recht an Nicola Bader:

Unstimmigkeit bzgl. interdisziplinärer Frühförderung

Frage: Unstimmigkeit bzgl. interdisziplinärer Frühförderung

KCHG

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Sehr geehrte Frau Bader, leider weiß ich nicht, wie ich mit folgender Situation korrekt umgehen sollte: Es geht um die (mögliche) interdisziplinäre Frühförderung unseres 2,5 Jahre alten Sohnes über die Lebenshilfe. Der Kinderarzt hat bei keiner U-Untersuchung irgendwelchen Förderbedarf festgestellt. Mein (noch) Ehemann findet unseren Sohn nicht altersgemäß entwickelt. Deshalb folgte ein neuer Termin beim Kinderarzt speziell zu diesem Thema mit dem Ergebnis: Alles in Ordnung. Daraufhin hat mein (noch) Ehemann einen Termin zur Diagnostik bei der IFS ausgemacht, den ich mit unserem Sohn absolviert habe. Leider hat unser Sohn bei diesem Termin nicht mitgearbeitet, z. B. gar nicht gesprochen, obwohl er daheim durchaus viel von sich gibt. Ebenso sah es im Bereich der Körpermotorik aus: Er ist nicht auf dem ausgelegten Seil balanciert, obwohl er im Kinderturnen problemlos auf Linien laufen kann etc. Daher wurden diese Bereiche auch als "nicht auswertbar" dokumentiert und es wurde im Gesamtergebnis ein umfassender Förderbedarf (Logopädie, Physiotherapie und Heilpädagogik - zunächst für ein Jahr) festgestellt. Da ich dies etwas merkwürdig fand und nachfragte, wurden zunächst ein weiterer Anschauungstermin im Bereich Logo und Physio und ein paar wenige Einheiten Heilpädagogik als "Kompromiss" gefunden. Für mich okay. Gleich am nächsten Tag wurden wir - nun von der Leitung der Frühförderstelle - zum Gespräch gebeten, dass das so nicht ginge: Das Ergebnis sei eindeutig! Und falls unser Sohn so schüchtern sei, dass er nicht mitarbeitet, so sei dies ebenfalls therapiebedürftig, zu enge Bindung etc. Etwas in die Enge getrieben - auch wegen der anderen Sichtweise meines (noch) Mannes - stimmte ich der Frühförderung zu. ... fühlte mich aber nicht gut dabei. In Rücksprache (und Zustimmung) mit meinem (noch) Ehemann holte Ich eine Zweitmeinung sowohl bei einem Logopäden als auch bei einem Physiktherapeuten ein. Die Logopädin kam zu dem Ergebnis, dass unser Sohn keine auffälligen Defizite hat. Der Physiotherapeut sagte, dass unser Sohn zwar kein Bewegungswunder sei, dies zu beobachten ist, aber aktuell kein oder nur geringer Handlungsbedarf besteht. So, und nun stehe ich da: Als Mutter möchte ich das Beste für unseren Sohn. Klar, soll er jede notwenige (!) Förderung bekommen, aber ich möchte auch keine "Überförderung". Es ist mir ganz unwohl bei dem Gedanken, ein "normales" Kind, mit seinem eigenen Entwicklungstempo in unnötige Therapien bringen, dies es mehr "krank" darstellen, als es eigentlich ist und womöglich eine Therapiespirale losgetreten wird, aus der man schwierig wieder rauskommt. (Die Dame der IFS hat sofort gesagt, dass nach dem ersten Jahr eine Verlängerung nicht unwahrscheinlich ist.) Was würden Sie mir raten? Soll ich die Frühförderung unter diesem Umständen "geschehen" lassen. Was würde v. a. im Falle einer Scheidung passieren, wenn ich der Frühförderung (aufgrund der kinderärztlichen Meinung und der Zweitmeinungen) nicht zustimmen würde. Hätte dies womöglich Auswirkungen auf das Sorgerecht? Würde mir Kindeswohlgefährdung unterstellt? ... obwohl ich doch genau das Wohl unseres Sohnes im Auge habe? Hier ist noch wichtig, dass mein (noch) Ehemann und ich wohl keine "friedliche" Trennung hinbekommen werden, da er unseren Sohn keinesfalls bei mir in Bayern aufwachsen lassen möchte, sondern mit ihm zurück in seine Heimat nach Sachsen will. Gerade deshalb sucht er ständig nach "Fehlern", die ich im Umgang mit unserem Sohn mache. Bitte geben Sie mir einen Rat!!! Vielen Dank!!! PS: Unser Sohn besucht noch keine Kindertagesstätte (Oma betreut ihn dreimal pro Woche halbtags, da wir keinen Platz bekommen haben).


Nicola Bader, Rechtsanwältin

Nicola Bader, Rechtsanwältin

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Hallo, ich an Ihrer Stelle würde mich auf die Frühförderung einlassen. Zum einen ist es nur für ein Jahr und zum anderen schauen dann Spezialisten noch mal genau, ob mit Ihrem Kind alles in Ordnung ist. Wenn Sie das nicht tun, kann das Jugendamt es schlimmstenfalls sogar anordnen. Außerdem stehen Sie als nicht kooperieren dar. Schaden wird es dem Kleinen nicht. Liebe Grüße NB


Pamo

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Ich würde der Frühförderung erst mal zustimmen. Denn schaden wird sie nicht, sondern könnte dem Kind sogar Spaß machen. Wenn sie gar nichts mehr bringt, kann sie sanft auslaufen. Allerdings würde ich den Vater die Koordination der Termine und das Bringen und Holen überlassen. Lass dich nicht dafür einspannen. Wenn er nämlich regelmäßig freimachen und warten und fahren muss, dann wird er vielleicht bald weniger Dringlichkeit sehen.


desireekk

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Ich bin absolut bei Pamo! Soo schlimm ist die Förderung ja nicht, App bekommt ein paar Stunden ungeteilte Aufmerksamkeit, hüpft und springt. Durch die Gegend lernt ein paar neue Reime, das ist doch erst mal wunderbar. Aber wie schon gesagt wurde: Stimme der Frühförderung zu, und bitte deinen noch-Ehemann, die Termine auszumachen und auch wahrzunehmen. durch die Scheidung bist du beruflich ab jetzt ein gespannter und wirst mehr arbeiten müssen, da diese Förderung für ihn so wichtig ist, kann er sicher auch die Termine wahrnehmen. Spätestens da klinken sich 50 % der Väter aus, und wenn er zu den anderen 50 % gehört: ist doch super! Deswegen wird er noch lange nicht mit dem Kind umziehen können. Im Gegenteil: das Kind hat einen Förder Platz an eurem jetzigen Wohnort, und es steht an der solchen Therapie nicht wirklich gut an, wenn er komplett neue Therapeuten bekommt. Übrigens würde ich eurer Gemeinde ganz gehörig auf die Füße steigen und zusehen, einen Ganztagsplatz für den jungen Mann zu bekommen schreibe der Gemeinde/die Stadt, setze eine Frist von drei Wochen und behalte dir weitere juristische Schritte vor, das ganze geht mit Einschreiben raus. VG D


BlueJasmine

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Grundsätzlich stimme ich meinen Vorrednerinnen bzgl. der Frühförderung zu, aber wenn ich "zu enge Bindung" lese, schrillen bei mir alle Alarmglocken. Das ist eine veraltete Theorie, die von der überwiegenden Mehrheit von Fachleuten als Blödsinn angesehen wird, die aber leider noch viel zu oft Anwendung findet. Google mal "zu enge Mutter-Kind-Bindung". Da findest du unzählige Artikel darüber, welche negative Folgen diese Diagnose für die Kinder hatte. Gerade bei einem 2,5Jährigen finde ich diese "Unterstellung" absurd, wenn nicht sogar boshaft. Jeder gut ausgebildete Pädagoge weiß mittlerweile, dass Kinder sich besonders selbstbewusst im Umgang mit anderen Personen zeigen, wenn die Mutter-Kind-Bindung besonders gut ist. Und gerade Psychologen sollten das auch wissen. Die Aussage macht die Dame in meinen Augen also mindestens inkompetent. Auch die Aussage, dass es nach einem Jahr auf jeden Fall weitergehen wird, ist unprofessionell. Da schreit mich "finanziell lukrative Kundenbindung" an. So einer Person würde ich mein Kind nicht anvertrauen.


Pamo

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Ja, es zeigt sich daran, wieviele Deppen unterwegs sind. Auch dass ein Arzt überhaupt meint, so ein kleiner Knopf müsse notwendigerweise kooperieren, sonst stimmt etwas nicht: Das ist Inkompetenz, denn es ist die Aufgabe des Arztes/Therapeuten, die notwendige Empathie und Soft Skills mitzubringen, um das Kind zu motivieren. Schuld ist nie das Kind. Trotzdem kann das Rumhüpfen in der Frühförderung Spaß machen. Nur auf das Gequatsche der o.g. Deppen würde ich nichts geben.


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