Frage im Expertenforum Kinderwunsch an Dr. med. Friedrich Gagsteiger:

Ultraschall transabdominal

Frage: Ultraschall transabdominal

Johanna_B

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Sehr geehrter Herr Dr. Gagsteiger, da mich das Problem der Dreilagigkeit weiterhin beschäftigt, habe ich ein wenig recherchiert und bin auf folgenden Artikel gestoßen: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0015028209042113. Ich werde deswegen bei der nächsten Kontrolle um einen ergänzenden transabdominalen Ultraschall bitten. Ich würde Sie dazu gerne folgendes fragen: 1. Gesetzt den Fall, das Endometrium stellt sich im transabdominalen Schall schön dreilagig dar, während im transvaginalen Schall keinerlei Dreilagigkeit zu erkennen ist - wäre dann der transabdominale Schall im Längsschnitt ein gleichwertiger Ersatz für den transvaginalen Schall im Längsschnitt? Und gehe ich zu Recht davon aus, dass der transabdominale Schall im Querschnitt kein gleichwertiger Ersatz wäre? 2. Dem Artikel entnehme ich, dass die Ultraschallaufnahmen mit leerer Blase durchgeführt wurden. Beim letzten Embryotransfer wurde ich gebeten, mit voller Blase zu erscheinen, da dann die Sicht deutlich besser sei. Was würden Sie empfehlen? Gehe ich zu Recht davon aus, dass ich nichts falsch mache, wenn ich sicherheitshalber mit voller Blase erscheine? Herzliche Grüße, Johanna


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Vielen Dank für Ihre Nachricht und auch dafür, dass Sie sich so intensiv mit dem Thema auseinandersetzen. Ich freue mich immer, wenn Patientinnen wissenschaftliche Literatur lesen und sich so gezielt Gedanken machen. Der von Ihnen gefundene Artikel greift tatsächlich einen interessanten Aspekt der Ultraschalldiagnostik auf. Zu Ihren Fragen: 1. Transabdominaler versus transvaginaler Ultraschall Sollte sich das Endometrium transabdominal im Längsschnitt klar dreilagig darstellen, während transvaginal keine Dreilagigkeit erkennbar ist, würde ich diesen Befund durchaus berücksichtigen. Das spricht dafür, dass die fehlende Dreilagigkeit im transvaginalen Schall zumindest teilweise durch die Schallrichtung oder die Anatomie beeinflusst sein könnte. Dennoch würde ich den transabdominalen Ultraschall nicht als vollständig gleichwertigen Ersatz ansehen. Der transvaginale Ultraschall besitzt aufgrund der deutlich höheren Auflösung grundsätzlich die größere Aussagekraft. Der transabdominale Schall kann jedoch eine sehr wertvolle ergänzende Information liefern – insbesondere dann, wenn sich die Schleimhaut dort eindeutiger beurteilen lässt. Mit Ihrer zweiten Vermutung liegen Sie ebenfalls richtig: Der transabdominale Querschnitt ist aus meiner Sicht kein gleichwertiger Ersatz für den transvaginalen Längsschnitt. Für die Beurteilung des typischen dreischichtigen Aufbaus ist der mittige Längsschnitt nach wie vor die wichtigste Ebene. 2. Blasenfüllung Hier muss man zwischen Diagnostik und Embryotransfer unterscheiden. Für die reine Beurteilung der Gebärmutterschleimhaut wird der transvaginale Ultraschall üblicherweise mit möglichst leerer Blase durchgeführt. Auch die meisten wissenschaftlichen Studien erfolgen unter diesen Bedingungen. Beim Embryotransfer ist die Situation anders: Eine mäßig gefüllte Blase richtet die Gebärmutter häufig günstiger aus und verbessert die transabdominale Ultraschallsicht während des Transfers. Deshalb bitten viele Zentren ihre Patientinnen bewusst, mit gefüllter Blase zu erscheinen. Sie machen daher aus meiner Sicht nichts falsch, wenn Sie zum Embryotransfer mit einer angenehm gefüllten Blase kommen. Sollte sie zu voll sein und unangenehm drücken, kann man vor dem Transfer jederzeit noch etwas Wasser lassen. Das Ziel ist keine maximal gefüllte, sondern eine angenehm gefüllte Blase. Abschließend möchte ich Ihnen noch einen Gedanken mitgeben: Auch wenn die Dreilagigkeit ein wichtiger Parameter ist, entscheidet sie nicht allein über die Einnistungsfähigkeit der Gebärmutterschleimhaut. Ebenso bedeutsam sind die Schleimhautdicke, die Durchblutung, die hormonelle Situation und letztlich die biologische Rezeptivität des Endometriums. Deshalb würde ich den Gesamteindruck immer höher gewichten als ein einzelnes Ultraschallmerkmal. Ich wünsche Ihnen sehr, dass sich die Schleimhaut in Ihrem kommenden Zyklus optimal entwickelt und drücke Ihnen für den bevorstehenden Transfer weiterhin fest die Daumen. Mit herzlichen Grüßen Dr. med. Friedrich Gagsteiger


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