Frage im Expertenforum Kinderwunsch an Dr. med. Friedrich Gagsteiger:

Partner

Frage: Partner

Madlen1988

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Sehr geehrter Herr Dr. Gagsteiger, mein Partner (42 Jahre) und ich haben einen Kinderwunsch. Wir versuchen seit kurzem, schwanger zu werden.  Nun bereitet mir ein Vorfall große Sorge: Vor 4 Wochen verspürte mein Partner nach dem Geschlechtsverkehr (mit Ejakulation) plötzlich Druck auf dem Penis, er versuchte zu urinieren und plötzlich kam ein großer Schwall Blut mit größeren Gewebestücken aus der Harnröhre. Er stand unter Schock. Ich wollte sofort mit ihm in die nächste Notaufnahme eines Krankenhauses fahren, jedoch verweigerte er sich.  Er trank viel Tee, im Urin war bis zum nächsten Tag noch Blut zu sehen. Danach nicht mehr, jedenfalls nicht mit bloßem Auge ersichtlich. Aus Angst seinerseits, dass es wieder zu einem ähnlichen Vorfall kommen könnte, verzichtete er die nächsten vier Wochen komplett auf Geschlechtsverkehr und vermeidete jegliche Erektion. Lediglich 1x (ca. 10-14 Tage nach dem Vorfall hatten wir kurz Sex - jedoch ohne Ejakulation, da passierte nichts).  Vorgestrige Nacht hatten wir dann wieder Geschlechtsverkehr, er hatte noch keine Ejakulation, verspürte wieder einen Druck und das gleiche Szenario spielte sich erneut ab. Viel Blut aus der Harnröhre, mehr als beim ersten Vorfall und dieses Mal auch in regelmäßigen Abständen deutlich ausgeprägt. Er hatte das Gefühl, dieses staute sich im Penis und er müsse es herausdrücken. Am Abend waren dann auch wieder größere Gewebestücke dabei. Jetzt wird es wieder langsam weniger. Ich habe heute beim Urologen angerufen, er sollte sofort vorbeikommen. Jedoch verweigerte er sich aus Angst wieder.  Ich bin wirklich in großer Sorge, hauptsächlich um ihn und auch welche eventuellen Folgen es bezüglich unseres Kinderwunsches haben kann. Können Sie einschätzen, welches die Ursachen der genannten Problematik sein könnten und wie ich ihn dazu ermutigen kann, es ärztlich abklären zu lassen? 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Sehr geehrte Fragestellerin, Ihre Sorge ist hier absolut nachvollziehbar. Das von Ihnen geschilderte Geschehen gehört dringend urologisch abgeklärt und sollte nicht weiter beobachtet oder „ausgesessen“ werden. Zweimal eine ausgeprägte Blutung aus der Harnröhre mit Blutkoageln bzw. vermeintlichen „Gewebestücken“, jeweils im Zusammenhang mit Geschlechtsverkehr/Erektion, ist nicht normal. Dahinter können durchaus gut behandelbare Ursachen stecken. Denkbar sind beispielsweise eine Blutungsquelle in der Harnröhre, Prostata oder den Samenwegen, eine Entzündung, eine Verletzung beziehungsweise ein eingerissenes Gefäß, ein Stein oder eine Gefäßveränderung. Seltener müssen Veränderungen der Harnwege einschließlich eines Tumors ausgeschlossen werden. Die beschriebenen Stücke müssen übrigens nicht tatsächlich Gewebe sein – geronnenes Blut kann wie größere Gewebestücke aussehen. Besonders wichtig finde ich, dass es nach vier Wochen erneut und diesmal stärker aufgetreten ist. Dass die Blutung anschließend wieder verschwindet, ist leider keine Entwarnung. Eine Blutungsquelle kann zwischen den Episoden vollständig symptomlos sein. Ich würde Ihrem Partner deshalb sehr deutlich sagen: Er muss nicht zum Urologen gehen, weil wir bereits etwas Schlimmes vermuten, sondern damit festgestellt wird, woher das Blut kommt. Je länger er aus Angst vor der Untersuchung wartet, desto größer wird wahrscheinlich auch seine Angst. Der Urologe kann zunächst völlig unspektakulär mit Gespräch, Untersuchung, Urin- und Blutuntersuchung sowie Ultraschall beginnen und danach entscheiden, ob beispielsweise eine weitere Bildgebung oder eine Spiegelung der Harnröhre und Blase erforderlich ist. Da der Urologe ihn aufgrund Ihrer Schilderung heute sofort sehen wollte, würde ich dieses Angebot unbedingt wahrnehmen. Bei erneut stärkerer Blutung, Kreislaufproblemen, starken Schmerzen oder insbesondere wenn er wegen Blutkoageln nicht mehr urinieren kann, gehört er unmittelbar in eine urologische Notaufnahme. Für Ihren Kinderwunsch lässt sich dagegen zunächst etwas beruhigen: Aus diesen Blutungen kann man noch überhaupt nicht ableiten, dass seine Fruchtbarkeit beeinträchtigt ist. Harnröhre und ableitende Harnwege sind nicht dasselbe wie die spermienbildende Funktion des Hodens. Je nach Ursache könnten allerdings Prostata, Samenwege oder Harnröhre beteiligt sein. Genau deshalb sollte die Ursache zunächst geklärt werden. Ein Spermiogramm kann man anschließend in Ruhe durchführen – im Augenblick hat die Abklärung der Blutung eindeutig Vorrang. Und bis zur Untersuchung würde ich angesichts der zweimaligen Auslösung durch Geschlechtsverkehr tatsächlich auf weiteren Geschlechtsverkehr und Ejakulation verzichten. Nicht aus Sorge um Ihre Chancen auf eine Schwangerschaft, sondern damit nicht erneut eine möglicherweise noch bestehende Blutungsquelle provoziert wird. Vielleicht hilft Ihrem Partner dieser Satz: Die Untersuchung ist nicht das, wovor er Angst haben muss – sie ist der Weg heraus aus der Ungewissheit. Nach dem zweiten, stärkeren Ereignis würde ich ihm wirklich sehr ans Herz legen, seinen Mut zusammenzunehmen und noch heute die urologische Untersuchung wahrzunehmen. Ich wünsche Ihnen beiden sehr, dass sich dahinter eine unkompliziert behandelbare Ursache findet – aber bitte lassen Sie es jetzt abklären. Herzliche Grüße Ihr Dr. F. Gagsteiger


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