Johanna_B
Sehr geehrter Herr Dr. Gagsteiger, ich habe mir verschiedene meiner Ultraschallbilder aus vergangenen Zyklen angesehen und habe eine technische Frage. Soweit ich weiß, wird die Höhe des Endometriums und dessen Dreilagigkeit im Längsschnitt beurteilt. Nun finden sich unter den Aufnahmen auch solche mit dem Vermerk "Uterus quer". Kann man die Höhe des Endometriums und dessen Dreilagigkeit auch im Querschnitt beurteilen? Viele Grüße, Johanna
Sie haben das ganz richtig beobachtet: Die Beurteilung der Endometriumdicke erfolgt standardmäßig im Längsschnitt (Sagittalschnitt) der Gebärmutter. Dort lässt sich die maximale Dicke des Endometriums zuverlässig messen, und auch die typische Dreischichtigkeit (Trilaminarität) ist in dieser Ebene meist am besten zu beurteilen. Aufnahmen mit dem Vermerk „Uterus quer“ dienen vor allem der Beurteilung der Form der Gebärmutter, der Symmetrie, eventueller Myome oder anderer Auffälligkeiten. Im Querschnitt kann man zwar durchaus einen Eindruck von der Beschaffenheit des Endometriums gewinnen, eine standardisierte Messung der Endometriumhöhe erfolgt dort jedoch nicht. Auch die Dreischichtigkeit lässt sich im Querschnitt häufig weniger eindeutig beurteilen als im Längsschnitt. Mit anderen Worten: Für die eigentliche Beurteilung von Endometriumdicke und -struktur ist der Längsschnitt entscheidend. Die Queraufnahme ergänzt die Untersuchung, ersetzt sie aber nicht. Herzliche Grüße aus Ulm Ihr Friedrich Gagsteiger
Johanna_B
Vielen lieben Dank für Ihre ausführliche Antwort! Sond Situationen oder Ultraschallbedingungen denkbar, in denen sich die Dreilagigkeit im Längsschnitt nicht darstellen lässt, wohl aber im Querschnitt? Herzliche Grüße, Johanna
Nach meiner Erfahrung ist das eher die Ausnahme als die Regel. Die Beurteilung der Endometriumdicke und insbesondere der Dreilagigkeit erfolgt standardmäßig im medianen Längsschnitt, weil dort die gesamte Gebärmutterhöhle und das Endometrium am besten erfasst werden. Es gibt allerdings wenige Situationen, in denen ein Querschnitt ergänzend hilfreich sein kann. Beispielsweise bei einer ungewöhnlichen Lage oder Form der Gebärmutter (z. B. starke Ante- oder Retroflexion, Myome oder Adenomyose mit Verziehung der Gebärmutterhöhle) oder wenn die Schallbedingungen ungünstig sind, kann der ideale Längsschnitt technisch schwer zu erzielen sein. Dann kann ein Querschnitt zusätzliche Informationen liefern und zeigen, dass das Endometrium grundsätzlich dreischichtig erscheint. Für die eigentliche Beurteilung und Messung ersetzt der Querschnitt den Längsschnitt jedoch nicht. Wenn sich die Dreilagigkeit im optimalen Längsschnitt nicht erkennen lässt, würde ich dies daher nicht allein aufgrund eines Querschnitts als sicheren Normalbefund werten. Der Querschnitt ist in solchen Fällen eher eine sinnvolle Ergänzung als ein gleichwertiger Ersatz. Ich hoffe, das beantwortet Ihre interessante Frage. Herzliche Grüße aus Ulm Friedrich Gagsteiger
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