User-1764253499
Guten Tag Herr Dr. Gagsteiger, 1. IVF mit Rekovelle Starker LH Abfall daher kam Luveris für 3 Tage dazu. Mit Ovitrelle 34 Stunden vor Punktion ausgelöst. Das Ergbnis: Von 11 Follikel waren 9 leer. 2 Eizellen konnten punktiert werden. Beide Eizellen hatten laut Biologe top Qualität von 1-4 seien beide eine 1. Eine hat es zur Blastozyste geschafft an Tag 5 in B Qualität. Die andere ist leider an Tag 4 stehen geblieben. 4 Monate später 2. IVF mit Pergoveris. Ab Tag 5 kam Ganirelix dazu. Ich sollte an Tag 10 morgens Ganirelix + Pergoveris und am gleichen Abend wieder Ganirelix spritzen. Auch sollte ich am gleichen Abend mir Triptofem auslösen. 36 Std vor Punktion. Die Ovitrelle habe ich dann 12 Stunden nach der Triptofem gespritzt, 24 Stunden vor Punktion Es konnten 11Eizellen entnommen werden und 6 ließen sich befruchten. Der Biologe meinte Eizellen wurden diesmal als nicht optimal eingestuft. Sie sind im Ultraschall auch sehr ungleichmäßig gewachsen. Hat es damit was zu tun ? Vor 4 Monaten hatten die Eizellen nach der Punktion top Qualität (auch wenn es nur 2 waren) jetzt nicht optimal. Wie schätzen sie die Situation ein? Wie würden Sie weiter vorgehen? Haben diese befruchteten Eizellen überhaupt eine Chance ? Ich bin 34 Jahre. AMH von 3.8. Vielen Dank für Ihre Antwort
Guten Tag, vielen Dank für Ihre sehr klaren und detaillierten Angaben. Ich gehe die Punkte der Reihe nach durch. 1. Einschätzung der ersten IVF (Rekovelle-Stimulation) Warum waren 9 von 11 Follikeln „leer“? Bei FSH-Stimulation kann es – bei manchen Frauen und oft durch äußere Einflüsse – zu einem Disharmonie-Wachstum kommen: äußerlich große Follikel, aber innerlich keine oder unreife Eizellen. Das passiert besonders dann, wenn: das LH zu stark abfällt (wie bei Ihnen, weshalb Luveris ergänzt wurde), die Auslösespritze zeitlich nicht optimal passt (z. B. zu spät oder zu früh), die Follikel sehr heterogen gewachsen sind. Dass die beiden gewonnenen Eizellen Top-Qualität hatten, zeigt aber etwas Wichtiges: ➡️ Wenn die Eizellen reif sind, haben Sie eine sehr gute individuelle Qualität. Ihre „biologische Eizellqualität“ scheint also gut zu sein. 2. Einschätzung der zweiten IVF (Pergoveris-Stimulation) Hier waren die Voraussetzungen anders: Sehr ungleichmäßiges Follikelwachstum Das ist ein häufiger Grund für durchwachsene Eizellqualität. Wenn im Ultraschall z. B. Follikel bei 13 mm, andere bei 16 mm oder 20 mm stehen, bedeutet das: sie reifen nicht synchron, die Eizellen befinden sich an verschiedenen Reifestadien, die Auslösung trifft nicht alle optimal. ➡️ Ungleichmäßiges Wachstum = häufig weniger homogene Eizellqualität. Komplexes Auslöseprotokoll (Triptofem + Ovitrelle 12 h später) Das ist ein „Doppel-Trigger“, der absolut gängig und sinnvoll sein kann – aber nur, wenn die Timing-Feinheiten stimmen: Triptofem (GnRH-Agonist) setzt LH/FSH aus der Hirnanhangsdrüse frei → sorgt für Reifung. Ovitrelle bringt ein „zweites HCG-Signal“. Wenn der Abstand zu kurz oder zu lang ist, kann es passieren: Dass manche Eizellen zu früh ovulieren. Oder dass einige Follikel noch zu unreif bleiben. Das würde zu Ihrem Befund passen. Ihre aktuelle Situation 11 Eizellen → 6 Befruchtungen ist ein guter Wert. Dass der Embryologe einige Eizellen „nicht optimal“ einschätzt, bedeutet nicht automatisch, dass sie keine Chance haben. Wichtiger sind: wie sie sich bis Tag 3/5 entwickeln, ob sie kompaktieren, wie die Fragmentierung aussieht. Mit 34 Jahren und AMH 3,8 haben Sie biologisch sehr gute Voraussetzungen. 3. Haben diese 6 befruchteten Eizellen eine Chance? Ja – absolut. Erfahrungsgemäß entwickeln sich bei Frauen unter 35 Jahren aus 6 befruchteten Eizellen: 2–3 Blastozysten im Durchschnitt (auch wenn die Morphologie der Eizellen nicht perfekt war) Und entscheidend ist: ➡️ Die frühe Beurteilung der Eizelle korreliert nur sehr begrenzt mit der finalen Blastozystenqualität. Ich habe viele Fälle, in denen „mittelmäßige“ Eizellen sich zu wunderschönen Blastozysten entwickeln – und umgekehrt. 4. Warum waren die Eizellen vor 4 Monaten so gut – und jetzt nicht? Das ist ein sehr häufiger Effekt: Eizellqualität schwankt von Monat zu Monat Gründe: Stress, Schlaf, Erkrankungen, Infekte Zyklusqualität hormonelle Schwankungen unterschiedliche Protokolle Zeitpunkt der Auslösung Follikelkohorte schief oder heterogen ➡️ Eine schlechte Eizellkohorte bedeutet nicht, dass die Eizellqualität dauerhaft schlecht ist. ➡️ Sie zeigt nur, dass dieser Zyklus nicht optimal war. In Ihrem Fall spricht alles dafür, dass der zweite Zyklus weniger harmonisch verlief als der erste. 5. Wie würde ich weiter vorgehen? (Konkrete Empfehlung) Ich erkläre es so, wie ich es auch in meiner Praxis BestFertility empfehlen würde: a) Unbedingt die Entwicklung Ihrer 6 Embryonen abwarten Sie haben gute Chancen auf Blastozysten. b) Ein besser syntonisiertes Stimulation-Protokoll für die Zukunft Mein Vorschlag: Pergoveris + frühes LH-Monitoring Antagonist (Ganirelix) sehr konsequent nach Leitfollikelbeginn Homogenisierung über 1–2 Tage mit konstantem FSH-Signal → evtl. 150–225 IE Pergoveris fix Doppel-Trigger, aber enger abgestimmt: Triptofem 36 h vor Punktion Ovitrelle exakt 32 h vor Punktion (nicht 12 Stunden nach Agonist) c) Ggf. im Vormonat: Östrogeneinnahme (z. B. Progynova) zur Kohortenharmonisierung d) Schilddrüse, Vitamin D, Ferritin prüfen Kleinste Abweichungen können die Kohortensynchronität beeinflussen. e) Besondere Maßnahme (bei wiederholter Disharmonie): Low-Dose-LH-Steuerung 6. Zusammenfassung Ihrer Situation Sie sind 34 Jahre alt →sehr guter prognostischer Faktor. Ihr AMH von 3,8 ist hervorragend. Sie haben gute Eizellen, wie der erste Versuch gezeigt hat. Zyklische Schwankungen sind normal. Der zweite Stimulationszyklus war timing-technisch und wachstumstechnisch suboptimal. Die 6 Befruchtungen haben gute Chancen. ➡️ Unterm Strich: Sehr gute Ausgangslage. Die Situation ist absolut behebbar, und Ihre Chancen sind gut.
User-1764253499
Hallo Herr Dr. Gagsteiger, zwei Fragen würde ich gerne noch stellen. Frage1: Die Behandlung mit Pergoveris hat gezeigt, dass doch mehr zu holen ist als "nur" 2 Eizellen. Nun wollte ich fragen ob der Double Trigger trotzdem Sinn macht oder man ihn unter Pergoveris weglassen kann? Oder sagen Sie lieber keine Experimente ? Ich vermute, es lag an den verschieden großen Follikel. So wie Sie es gesagt haben. In diesem Zyklus war von 8mm bis 20mm alles dabei. Frage 2: Ist es so, dass ein nicht optimaler Follikel durch ein gutes Spermium gepuscht werden kann zu einer guten Blastozyste oder ist das Quatsch? Herzlichen Dank für Ihre sehr ausführliche Antwort und das Sie sich Zeit dafür nehmen !
User-1764253499
...zu Frage 2: Ich meinte Eizelle, nicht Follikel
Guten Tag, vielen Dank für Ihre ergänzenden Fragen – ich gehe gern darauf ein. Zu Frage 1: Double Trigger unter Pergoveris – ja oder nein? Grundsätzlich hat die Stimulation mit Pergoveris gezeigt, dass Ihre Eierstöcke deutlich besser reagieren, wenn LH gezielt ergänzt wird. Das ist ein sehr gutes Zeichen – und bestätigt, dass in Ihrem Fall ein klassischer FSH-Only-Stimulationsansatz nicht optimal wäre. Ob ein Double Trigger notwendig ist, hängt weniger vom Präparat ab, sondern von Ihrem individuellen Reifungsmuster. Der Double Trigger macht vor allem dann Sinn, wenn: die Eizellreifung in der Vergangenheit nicht vollständig war, reife Eizellen gefehlt haben, viele Follikel >17 mm waren, aber die MII-Rate niedrig blieb, oder bei Ihnen die Überlegung im Raum stand, dass der LH-Peak alleine (hCG) nicht ausreicht. Pergoveris verbessert die Reifung, aber ersetzt den Double Trigger nicht unbedingt. Wenn die Reifung im letzten Zyklus unter Pergoveris gut war, kann man den Double Trigger weglassen – das ist völlig legitim. Wenn es aber trotz der besseren Stimulation zu Reifungsproblemen kam, würde ich ihn eher beibehalten. Es ist keine „Experimentiererei“, sondern eine saubere Anpassung an Ihren individuellen Verlauf. Sie hatten in diesem Zyklus sehr unterschiedlich große Follikel (8–20 mm). In solchen Fällen sorgt der Double Trigger oft dafür, dass auch die „Grenzfälle“ besser maturieren. Das heißt: Es kann Ihnen eher helfen als schaden. Ich persönlich würde ihn entweder beibehalten oder erst nach einem Zyklus mit Pergoveris und guten Reifungsraten weglassen. Zu Frage 2: Kann ein gutes Spermium eine suboptimale Eizelle „retten“? Sie meinten natürlich die Eizelle, nicht den Follikel – danke für die Klarstellung. Die kurze Antwort: Ein gutes Spermium kann eine etwas schwächere Eizelle unterstützen – aber nicht vollständig ausgleichen. Die lange, ehrliche Erklärung: Die Eizelle trägt 90 % der frühen Embryoqualität (Mitochondrienzahl, Spindelapparat, Chromosomenorganisation). Das Spermium liefert genetische Information und Aktivierungsfaktoren, die den Start der Embryonalentwicklung auslösen. Wenn die Eizelle nur leicht suboptimal ist (z. B. leichte Granulation, etwas verzögerte Reifung), kann ein sehr gutes Spermium tatsächlich helfen, dass der Embryo weiterkommt. Das sieht man klinisch immer wieder. Was ein Spermium aber nicht „retten“ kann: schwere Reifungsdefizite der Eizelle deutliche mitochondriale Schwäche Chromosomenfehler der Eizelle Degenerationszeichen Was ein Spermium positiv beeinflussen kann: frühe Aktivierung des Embryos Stabilität der ersten Zellteilungen Blastozystenbildung bei grenzwertigen Eizellen (manchmal ja!) Kurz gesagt: Ja, es kann helfen – aber nur innerhalb biologischer Grenzen. Eine Eizelle bleibt der entscheidende Qualitätsfaktor. Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen gerne ein kurzes Fazit für Ihre Entscheidung formulieren: Pergoveris beibehalten – Double Trigger je nach Reifungsrate entscheiden – und: Ein gutes Spermium hilft, ersetzt aber keine vitale Eizelle. Viel Glück und Erfolg wünsche ich Ihnen. Ihr Friedrich Gagsteiger
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