Frage im Expertenforum Kinderwunsch an Dr. med. Friedrich Gagsteiger:

Zwei IVF Behandlungen, immer noch Morula an Tag 5

Frage: Zwei IVF Behandlungen, immer noch Morula an Tag 5

Ano90

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Guten Tag Herr Gagsteiger, ich habe bereits zwei IVF Behandlungen hinter mir. Die Ausbeute der Eizellen lag immer bei 9-10. Die Befruchtung bei 80%. Im Embryoscope waren jedoch an Tag 5 jedes Mal nur Morula Stadien zum Transfer vorhanden. Ich hole mir gerade noch eine zweite Meinung in einer anderen Klinik ein. Ich bin echt verzweifelt & weiß nicht genau, ob es sich lohnt, weiter zu machen. Bisher habe ich im Forum gelesen, dass in solchen Situationen selten im weiteren Verlauf Blastozysten entstehen. Wir befinden uns gerade in der Diagnostik und machen DNA-Fragmentationsanalyse bei meinem Mann und ebenfalls Genetik. Haben Sie Erfolge nach zwei Morula Stops, bei denen noch Blastozysten entstehen? Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, bevor ich inhaltlich antworte, eine ganz zentrale Rückfrage: 👉 Wie alt sind Sie aktuell? Das Alter ist für die Einordnung eines wiederholten Morula-Stops entscheidend und beeinflusst Prognose und Strategie maßgeblich. Kurzfassung vorweg   Ja, es gibt Fälle, in denen nach zwei Morula-Stops später noch Blastozysten entstehen. Aber: Das gelingt selten ohne gezielte Änderungen – ein einfaches „Weiter so“ ist meist nicht erfolgversprechend.   Ihre bisherige Situation – knapp eingeordnet   Günstig:   9–10 Eizellen ca. 80 % Befruchtungsrate → spricht nicht für ein primäres Befruchtungsproblem   Auffällig:  wiederholt Entwicklungsstopp im Morula-Stadium an Tag 5 Was ein Morula-Stopp an Tag 5 meist bedeutet   Die kritische Phase ist der Übergang von Tag 3 auf Tag 5:   Aktivierung des embryonalen Genoms hier zeigen sich DNA-, Eizell- oder Kulturprobleme   1. Spermienfaktor   Die laufende DNA-Fragmentationsanalyse ist absolut richtig. Erhöhte Fragmentation ist typisch bei Morula-Stops – auch bei normalem Spermiogramm. ➡️ Konsequenzen je nach Befund: Vorbehandlung, optimiertes Timing, ggf. Separationskammern/Selektion.   2. Eizell-Feinqualität / Stimulation   Auch bei guter Anzahl möglich:  Reife- und Mitochondrienstörungen suboptimale hormonelle Feinabstimmung   ➡️ Sinnvoll: Protokollwechsel, angepasstes LH/FSH-Verhältnis, Trigger-Modifikation. 3.  Labor- und Kulturbedingungen (besonders wichtig!)   Dieser Punkt wird oft unterschätzt: Embryonen mit Grenzpotenzial reagieren sehr sensibel auf: Kulturmedien Sauerstoffkonzentration Inkubator-Stabilität Entscheidung Tag-3- vs. Tag-5-Transfer   Manche Labore sehen bei solchen Konstellationen deutlich bessere Ergebnisse als andere Es gibt Paare, bei denen erst nach Laborwechsel Blastozysten entstanden sind   ➡️ Genau deshalb ist eine Zweitmeinung sinnvoll – nicht, weil jemand „schlecht arbeitet“, sondern weil Labore unterschiedlich gut mit schwierigen Embryonen umgehen.   4. Genetik   Die genetische Abklärung ist korrekt. Zwei identische Verläufe machen hellhörig, sind aber kein endgültiges Ausschlusskriterium.    Wie realistisch ist ein Weitergehen?    Die Erfolgschance kann reduziert sein, ist aber nicht null Ein weiterer Versuch ohne Änderungen: eher geringe Aussicht Ein weiterer Versuch mit klarer neuer Strategie: medizinisch sinnvoll     Mein pragmatischer Rat    Alter mit einbeziehen (entscheidend für die Prognose) Diagnostik (DNA-Fragmentation, Genetik) abwarten Mit der Zweitklinik gezielt besprechen:   Was wird konkret anders gemacht? Warum könnte Ihr Embryotyp dort profitieren?   Erst dann entscheiden    Wenn Sie möchten, können Sie mir zusätzlich kurz sagen: ob Frisch- oder Kryotransfers geplant waren welches Stimulationsprotokoll verwendet wurde   Dann kann ich es noch präziser einordnen. Mit freundlichen Grüßen Dr. Friedrich Gagsteiger


Ano90

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Guten Abend, erstmal vielen Dank für die ausführliche Antwort. Ich bin bald 36jahre alt und mein amh lag bei der letzten Untersuchung bei 0,6. wir haben bei beiden IVF mit 300ie pergoverist stimuliert und beim zweiten Versuch zuätzlich die ersten fünf tage mit letrozol. Es wurde das antagonisten Protokoll durchgeführt. Meine alte Klinik riet mir, nach der Genetik den letzten Versuch so weiter zu machen. Meine neue Klinik hat mir jetzt die Diagnostik angeboten. Ich habe wirklich große Angst, dass es niemals klappen wird. Geplant waren Frischtransfers und ich habe auch beide Male eine Morula transferiert bekommen. Mit freundlichen Grüßen 


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Morgen, vielen Dank für Ihre offene Rückmeldung.      Kurze Einordnung Ihrer Ausgangslage   Alter: fast 36 Jahre → relevant, aber noch kein Ausschlusskriterium AMH 0,6 ng/ml: eingeschränkte Reserve, Qualität > Quantität Eizellzahl: 9–10 → für dieses AMH überdurchschnittlich gut Befruchtung: ~80 % → sehr gut Problem: wiederholter Morula-Stopp an Tag 5, trotz Frischtransfer 👉 Das Muster ist reproduzierbar – daher erklärungsbedürftig, aber nicht gleichbedeutend mit „es klappt nie“.     Bewertung des bisherigen Vorgehens   Stimulation (300 IE Pergoveris, Antagonistenprotokoll, einmal Letrozol):   Bei niedrigem AMH nicht falsch Aber: relativ hoch dosiert, evtl. zu wenig feinjustiert Letrozol-Zusatz allein reicht oft nicht, um die Entwicklungsdynamik zu ändern Frischtransfer von Morulae:   medizinisch vertretbar zeigt, dass Implantation versucht wurde ersetzt aber keine Ursachenklärung   Warum „einfach so weitermachen“ kritisch ist   Ein dritter identischer Zyklus ohne Änderungen hätte aus fachlicher Sicht:   geringe Wahrscheinlichkeit, plötzlich Blastozysten zu sehen hohes Risiko weiterer emotionaler Erschöpfung   Dass Ihre neue Klinik jetzt Diagnostik anbietet, ist deshalb der richtige Schritt.   Die zwei entscheidenden Stellschrauben jetzt   1.  Labor & Kultur (sehr wichtig!)   Gerade Embryonen mit Grenzpotenzial reagieren extrem sensibel auf:   Kulturmedien Sauerstoffbedingungen Stabilität des Inkubators Entscheidung Tag 3 vs. verlängerte Kultur ev. sogar Tag 6   ➡️ Es gibt reale Fälle, in denen erst nach Laborwechsel Blastozysten entstanden sind – nicht wegen „besserer Medizin“, sondern wegen besserer Passung zum Embryotyp. Das allein rechtfertigt eine Zweitmeinung. 2.  Strategieanpassung statt Wiederholung   Sinnvolle Optionen (abhängig von Diagnostik):   moderateres / individualisiertes Stimulationsschema verändertes LH/FSH-Verhältnis anderes Trigger-Timing ggf. bewusster Tag-3-Transfer, wenn die Blastokultur wiederholt scheitert klare Einbindung der Ergebnisse der DNA-Fragmentation    Zu Ihrer größten Sorge   „Ich habe große Angst, dass es niemals klappen wird.“ Ehrlich und klar:   Ihre Befunde sprechen nicht für „aussichtslos“ Aber sie verlangen eine andere Strategie Hoffnung entsteht hier nicht durch mehr Versuche, sondern durch bessere Entscheidungen    Mein Fazit   Ihr Alter erlaubt weitere realistische Versuche Ihre Eizellzahl ist ermutigend Der wiederholte Morula-Stopp ist ein Signal, kein Endpunkt Die neue Klinik geht den richtigen Weg   Mit freundlichen Grüßen Dr. Friedrich Gagsteiger


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