Catsara
Sehr geehrter Herr Dr Gagsteiger, Heute war unserer blastotransfer einer 3AA an Tag 6. Aufgrund eingeschränkter spermienmotilität wurde sich kurzfristig für eine ICSI entschieden. Von sechs punktierten eizellen waren fünf reif und alle fünf konnten befruchtet werden. Heute an Tag PU plus 5 waren noch 3 da. Davon 2 mit 3 AA und die dritte wird noch beobachtet, da sie in der Entwicklung noch etwas verzögert ist. Nun bitte ich um Ihre Einschätzung bezüglich der Qualität, da ich unterschiedliches gelesen habe, beziehungsweise verstanden habe. Ist eine blasto mit 3 AA als hochwertig anzusehen? Oder ist es eher im mittleren feld? Wie sind die erfolgsaussichten Ihrer Meinung nach? Danke im voraus für Ihre fachliche Einschätzung Freundliche Grüße
Zunächst einmal: Das ist ein sehr ordentliches Ergebnis. Wirklich. Ich ordne es Ihnen ruhig und nüchtern ein. 1. Von der Punktion bis zur Blastozyste – das Gesamtbild 6 Eizellen punktiert 5 reif 5 befruchtet (100 % Befruchtungsrate bei reifen Eizellen – sehr gut) 3 Blastozysten an Tag 5/6 Das ist eine sehr solide Entwicklungsquote. Gerade bei kurzfristiger ICSI wegen eingeschränkter Motilität zeigt das: → gute Eizellqualität → gute funktionelle Spermienkompetenz trotz Motilitätsproblem Das ist wichtiger als jede einzelne Blastogradierung. 2. Was bedeutet „3AA“? Zur Einordnung: Die Zahl (1–6) beschreibt das Expansionsstadium. Die beiden Buchstaben bewerten: erster Buchstabe: Innere Zellmasse (ICM → später Embryo) zweiter Buchstabe: Trophektoderm (→ spätere Plazenta) AA bedeutet: sehr kompakte, gut definierte ICM homogenes, dichtes Trophektoderm Das ist die beste morphologische Kategorie. Und die „3“? Stadium 3 = voll expandierte Blastozyste, aber noch nicht schlüpfend. Das ist kein Nachteil. Viele sehr gute Schwangerschaften entstehen aus 3AA. 3. Ist 3AA hochwertig? Ja. Nicht „mittleres Feld“. Nicht „so lala“. Sondern: oberes Qualitätssegment. Natürlich gibt es auch 4AA, 5AA etc. Aber die morphologischen Unterschiede zwischen 3AA und 4AA sind klinisch weniger relevant als viele denken. Die Buchstaben sind entscheidender als die Zahl. 4. Tag-6-Blastozyste – problematisch? Nein. Tag 5 ist minimal günstiger als Tag 6 – statistisch. Aber Tag-6-Blastozysten mit AA-Qualität haben sehr gute Implantationsraten. Die Entwicklungsdynamik ist nur ein Faktor unter vielen. 5. Wie sind die Erfolgsaussichten? Ohne Ihr Alter zu kennen, nur allgemein: Eine einzelne 3AA-Blastozyste liegt – je nach Alter – grob im Bereich von: unter 35 Jahre: 50–60 % klinische Schwangerschaft 35–38: ca. 40–50 % 38: altersabhängig zunehmend genetisch limitiert Morphologisch gehört Ihre Blastozyste jedenfalls in die Kategorie, mit der man absolut realistisch hoffen darf. 6. Was mir besonders gefällt Nicht nur die eine Blastozyste. Sondern: 3 Blastozysten insgesamt 2 davon 3AA eine weitere noch in Entwicklung Das zeigt Reproduktionspotenzial, nicht nur ein Einzelglück. 7. Ein wichtiger Gedanke Morphologie bewertet: äußere Struktur Zellorganisation Sie kann aber keine Chromosomen prüfen. Der entscheidende Faktor bleibt – statistisch – das Alter der Eizelle. Aber rein morphologisch: Das ist ein Transfer, den man guten Gewissens durchführen kann. 8. Realistisch bleiben – aber positiv IVF bleibt Wahrscheinlichkeitsmedizin. Auch eine perfekte 5AA garantiert nichts. Und eine 3BB kann schwanger machen. Aber Sie haben hier keinen „Kompromisstransfer“. Sie haben eine sehr gute Blastozyste. Mein Fazit: 3AA an Tag 6 ist qualitativ hochwertig. Die Ausgangssituation ist solide. Die Chancen sind real und keineswegs nur theoretisch. Jetzt beginnt der schwierigste Teil: Geduld. Und die können Sie medizinisch nicht mehr beeinflussen – nur noch begleiten.
Catsara
Sehr geehrter Herr Dr Gagsteiger, Herzlichen Dank für ihre fundierte und verständliche Einschätzung. Dass Sie sich hier extra Zeit nehmen, finde ich nicht selbstverständlich. Nun bin ich leider bereits 47 Jahre und was ich noch nicht ganz verstehe ist, warum eine sehr gute Blastozyste trotzdem genetisch auffällig sein kann? Bzw nicht implantationsfähig sein kann. Ich habe bereits 2 Kinder spät geboren (39 und 41 Jahren bd spontane SS) mit 45 Jahren mittels IUI ss aber ich hatte einen Unfall und das Kind verloren. Ich hoffe, Sie sehen noch meine Nachfrage und können mir etwas dazu sagen. Danke im voraus
Guten Abend, Ihre Vorgeschichte mit spontanen Schwangerschaften mit 39 und 41 sowie einer IUI-Schwangerschaft mit 45 ist biologisch bemerkenswert. Das spricht dafür, dass Ihre Ovarien lange gut funktioniert haben. Nun zu Ihrer Kernfrage – und die ist absolut berechtigt: Warum kann eine sehr schöne Blastozyste genetisch auffällig sein? 🧬 1️⃣ Morphologie ≠ Genetik Eine Blastozyste wird nach Aussehen beurteilt: Zellzahl Kompaktheit Qualität der inneren Zellmasse Qualität des Trophektoderms Das sagt uns: 👉 Wie gut sich der Embryo bis Tag 5/6 entwickelt hat 👉 Wie stabil sein Zellteilungsprozess bisher war Was wir nicht sehen: 👉 Ob die Chromosomen korrekt verteilt sind. Ein Embryo kann perfekt aussehen – und trotzdem eine Trisomie haben. 🔬 Was passiert biologisch mit zunehmendem Alter? Mit zunehmendem Alter – besonders deutlich jenseits der 43–44 – steigt die Rate an Fehlverteilungen der Chromosomen in der Eizelle massiv an. Der Grund liegt in der Eizellbiologie: Die Eizelle ist seit der eigenen fetalen Entwicklung „eingefroren“ Die Spindelapparate altern Kohäsionsproteine verlieren Stabilität Die Chromosomentrennung wird fehleranfälliger Das Ergebnis: 👉 Ein hoher Anteil der Eizellen enthält eine falsche Chromosomenzahl 👉 Auch wenn sie sich zunächst normal teilen Bei 47 Jahren liegt der Anteil genetisch unauffälliger Eizellen leider im einstelligen Prozentbereich. Das ist keine Frage der „Qualität“ im Sinne von Lebensstil oder Disziplin. Es ist reine Biologie. 📊 Zahlen zur Einordnung Ungefähr (Register- und PGT-A-Daten): Mit 40 Jahren: ~30–40 % euploide Blastozysten Mit 43 Jahren: ~10–15 % Mit 45+: oft < 5 % Mit 47: sehr häufig < 2–3 % Das bedeutet: Eine schöne Blastozyste kann sich hervorragend entwickeln – aber statistisch ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie genetisch nicht korrekt ist. 🌱 Warum implantieren manche trotzdem? Einige genetisch auffällige Embryonen: implantieren gar nicht führen zu sehr früher Fehlgeburt entwickeln sich nur kurzzeitig Ihr Verlust nach IUI mit 45 passt leider in dieses biologische Muster. Das heißt nicht, dass „etwas falsch gemacht“ wurde. 🧠 Wichtiger Punkt: Morphologie bleibt trotzdem relevant Eine sehr gute Blastozyste hat: eine höhere Implantationswahrscheinlichkeit eine höhere Chance, wenn sie genetisch korrekt ist Aber: Sie selektiert nicht zuverlässig gegen Aneuploidien. Das ist der entscheidende Unterschied. ❤️ Und jetzt kommt der persönlich wichtige Teil Sie haben: zwei spontane Schwangerschaften jenseits der 39 eine IUI-Schwangerschaft mit 45 Das zeigt, dass Sie biologisch lange eine gute Eizellreserve hatten. Mit 47 verschiebt sich die Statistik stark – aber nicht absolut auf Null. Die Frage ist eher: 👉 Wie viele Versuche sind realistisch sinnvoll? 👉 Ist PGT-A eine Option? 👉 Oder steht irgendwann das Thema Eizellspende im Raum? Das sind strategische Entscheidungen – keine emotionalen. 🎯 Zusammengefasst Eine schöne Blastozyste kann genetisch auffällig sein, weil: Das äußere Erscheinungsbild nichts über Chromosomenzahl aussagt. Mit 47 die Fehlerquote der Eizellreifung biologisch extrem hoch ist. Die Selektion im Labor genetische Fehler nicht sicher erkennt. Das ist keine Schwäche Ihres Körpers. Das ist die Grenze der menschlichen Eizellbiologie. Wenn Sie möchten, können wir im nächsten Schritt über realistische Erfolgsaussichten pro Transfer oder über sinnvolle Strategien sprechen – ganz nüchtern, aber mit Respekt vor Ihrer Geschichte. Herzliche Grüße Dr. Gagsteiger
Catsara
Erneut bedanke ich mich bei Ihnen und ich würde mich sehr freuen, wenn Sie erneut Ihre Einschätzung zu Erfolgsaussichten und Strategien ausführen. Ich schätze sehr Ihre empathische und realistische sowie hoch qualifizierten Einschätzung. Es bleibt immer verständlich, dass finde ich toll. Beste Grüße
Catsara
Ich möchte noch kurz anmerken, dass ich mit 45 Jahren keine FG hatte sondern durch einen Unfall.
Sehr geehrte Frau …, vielen Dank für Ihre erneute Rückmeldung – und auch für die wichtige Klarstellung bezüglich der Schwangerschaft mit 45. Dass diese nicht durch eine Fehlgeburt, sondern durch einen Unfall verloren ging, ist medizinisch bedeutsam. Es zeigt zunächst, dass Sie mit 45 schwanger werden konnten und dass sich die Schwangerschaft offenbar regulär entwickelt hatte. Das spricht für eine damals noch vorhandene Eizellkompetenz. In diesem Zusammenhang darf ich jedoch noch eine wichtige Rückfrage stellen: Hat der Unfall damals die Gebärmutter selbst betroffen oder bestand eine direkte Verletzung der Schwangerschaft? Falls es zu einer uterinen Verletzung, einer Ausschabung unter schwierigen Bedingungen oder zu intrauterinen Narben gekommen sein sollte, könnte das theoretisch Einfluss auf die spätere Implantationsfähigkeit haben. Wenn hingegen die Gebärmutter strukturell unversehrt geblieben ist, ergibt sich daraus in der Regel kein zusätzlicher negativer Faktor für spätere Schwangerschaften. Nun zur realistischen Einschätzung mit 47 Jahren – medizinisch und unter Berücksichtigung der rechtlichen Situation in Deutschland. 📊 Erfolgsaussichten mit 47 Jahren (eigene Eizellen) Ich spreche bewusst klar und respektvoll: Mit 47 liegt die Wahrscheinlichkeit pro Embryotransfer schwanger zu werden meist bei etwa 2–5 % pro Stimulationszyklus häufig darunter Lebendgeburtsrate pro Zyklus statistisch unter 2–3 % Und das selbst bei: guter Klinik sehr schöner Blastozyste optimal aufgebauter Schleimhaut Der limitierende Faktor ist nahezu immer die genetische Integrität der Eizelle. Mit zunehmendem Alter steigt die Aneuploidierate stark an – mit 47 liegt der Anteil genetisch unauffälliger Embryonen statistisch nur noch im sehr niedrigen einstelligen Bereich. Das ist keine Frage von Disziplin oder ärztlicher Kunst. Es ist Biologie der Meiose. 🧬 Strategische Optionen – medizinisch betrachtet 1️⃣ IVF mit eigenen Eizellen ohne genetische Testung Rechtlich in Deutschland zulässig. Vorteil: kein invasiver Embryonentest keine zusätzliche Selektion Nachteil: viele Transfers ohne Einnistung erhöhte Fehlgeburtswahrscheinlichkeit Das kann sinnvoll sein, wenn Sie wissen, dass die Wahrscheinlichkeit gering ist, Sie diesen Weg aber noch gehen möchten. 2️⃣ IVF mit genetischer Testung (PGT-A) Hier ist die rechtliche Lage klar zu benennen: Die Präimplantationsdiagnostik ist in Deutschland durch das Embryonenschutzgesetz streng geregelt. Eine routinemäßige Aneuploidie-Testung zur Altersselektion ist nicht zulässig. Sie ist nur in sehr engen Ausnahmefällen erlaubt (z. B. bei schwerwiegenden genetischen Erkrankungen nach Ethikkommissionsprüfung). Deshalb gilt ausdrücklich: Ich darf Ihnen keine PGT-A-Behandlung empfehlen. Ich führe eine solche Selektion in Deutschland nicht durch. Wir können hier ausschließlich informieren, nicht raten. Behandlungen im Ausland sind für Patientinnen nicht strafbar, eine aktive Mitwirkung deutscher Ärztinnen oder Ärzte wäre jedoch rechtlich problematisch. 3️⃣ Minimalstimulation / natürlicher Zyklus Kann körperlich schonender sein, verändert jedoch nichts an der genetischen Altersbiologie. 4️⃣ Eizellspende Rein medizinisch verändert sich hier die Statistik deutlich: Lebendgeburtsraten pro Transfer liegen häufig bei 40–60 %, da die Eizelle jung ist. Auch hier ist die rechtliche Situation in Deutschland restriktiv geregelt, und ein modernes Fortpflanzungsmedizingesetz existiert bislang leider nicht. 🎯 Zusammenfassende Einschätzung für Sie Sie hatten: spontane Schwangerschaften mit 39 und 41 eine IUI-Schwangerschaft mit 45 Das zeigt, dass Ihre reproduktive Biologie lange stabil war. Mit 47 verschiebt sich die Wahrscheinlichkeit jedoch deutlich. Die zentrale Frage ist weniger, ob es theoretisch möglich ist – sondern wie hoch der Einsatz im Verhältnis zur statistischen Chance sein soll. Wenn Sie noch 1–2 IVF-Versuche mit eigenen Eizellen durchführen möchten, in dem Bewusstsein, dass die Wahrscheinlichkeit gering ist, ist das medizinisch legitim. Wichtig ist nur, dass die Erwartungshaltung realistisch bleibt. ❤️ Persönlich formuliert Mit 47 kämpft man nicht gegen die Gebärmutter. Nicht gegen das Labor. Nicht gegen die Klinik. Man kämpft gegen die Biologie der Eizelle. Und die ist leider nicht verhandelbar. Aber sie ist nicht absolut Null – nur sehr niedrig. Wenn Sie möchten, können wir im nächsten Schritt noch konkreter rechnen (Eizellzahl, Blastozystenrate, kumulative Wahrscheinlichkeit), damit Sie eine klare Entscheidungsgrundlage haben. Herzliche Grüße Dr. Gagsteiger
Catsara
Danke für Ihre Ausführungen. Über weitere konkrete Berechnungen freue ich mich sehr um meine Erwartungen realistischer zu verändern. Meine Gebährmutter blieb, zum Glück, unversehrt. Ursache hatte nichts mit der GB zu tun. Ich hatte bisher immer einen sehr guten Schleimhaut Aufbau. Im aktuellen Zyklus lag die bei 10 mm. Herzliche Grüße Frau T.
Sehr geehrte Frau T., gut – dann rechnen wir es nüchtern und transparent durch. Nicht um Hoffnung zu nehmen. Sondern um Klarheit zu schaffen. Ich arbeite mit realistischen, nicht optimistischen Durchschnittswerten für 47 Jahre. 🧮 Schritt 1: Wie viele Eizellen sind realistisch? Mit 47 Jahren liegt die ovarielle Reserve meist deutlich reduziert. Typischer Verlauf pro Stimulation: 3–6 Follikel 2–4 gewonnene Eizellen 1–3 reife (MII) Eizellen Ich rechne mit einem mittleren Szenario von 3 reifen Eizellen. 🧬 Schritt 2: Befruchtung ICSI-Befruchtungsrate: ≈ 60–70 % → aus 3 reifen Eizellen entstehen statistisch 2 befruchtete Eizellen 🌱 Schritt 3: Entwicklung zur Blastozyste Mit 47 ist die Blastozystenrate reduziert. Realistisch: 20–40 % → aus 2 befruchteten Eizellen entsteht statistisch 0–1 Blastozyste Viele Zyklen enden ohne übertragbaren Embryo. 🧬 Schritt 4: Genetische Wahrscheinlichkeit Hier liegt der entscheidende Punkt. Euploidrate mit 47: ≈ 1–3 % Das bedeutet: Selbst wenn eine Blastozyste entsteht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie genetisch nicht korrekt ist. Statistisch gerechnet: Von 100 Blastozysten sind vielleicht 1–3 genetisch unauffällig. 🎯 Was bedeutet das pro Zyklus? Wenn wir alles kombinieren: Chance auf eine genetisch gesunde Blastozyste pro Stimulationszyklus: ≈ 1–2 % Das deckt sich mit den klinischen Lebendgeburtsraten unter 3 %. 📈 Kumulative Wahrscheinlichkeit Jetzt wird es interessant. Wenn die Chance pro Zyklus 2 % beträgt: Nach 1 Zyklus → 2 % Nach 3 Zyklen → ca. 6 % Nach 5 Zyklen → ca. 10 % Nach 10 Zyklen → ca. 18 % Und das ist rein mathematisch – ohne Berücksichtigung von: emotionaler Belastung körperlicher Erschöpfung finanziellen Ressourcen ❤️ Jetzt kommt die ehrliche Einordnung Biologisch möglich? Ja. Statistisch wahrscheinlich? Nein. Null? Nein. Sehr niedrig? Ja. 🔍 Vergleich mit Eizellspende (rein medizinisch) Lebendgeburtrate pro Transfer: 40–60 % Nach 2 Transfers liegt man oft über 70 % kumulativ. Der Unterschied entsteht ausschließlich durch die junge Eizelle. 🧠 Entscheidungslogik Sie haben zwei mögliche innere Ziele: „Ich möchte es mit meinen eigenen Eizellen noch versuchen – auch wenn die Chance klein ist.“ „Mein Ziel ist primär ein weiteres Kind – unabhängig von der genetischen Herkunft.“ Beides ist legitim. Aber es sind unterschiedliche Strategien. Meine strukturierte Empfehlung Wenn Sie mit 47 noch mit eigenen Eizellen arbeiten möchten, würde ich realistisch sagen: → 1–2 Versuche sind emotional vertretbar → darüber hinaus muss man sehr ehrlich prüfen, ob Aufwand und Ertrag im Verhältnis stehen Nicht aus Pessimismus. Sondern aus Respekt vor Ihrer Zeit und Energie. Wenn Sie möchten, können wir das noch individueller machen: Wie ist Ihr AMH? Wie war die letzte Stimulationsantwort? Wie viele Eizellen wurden gewonnen? Gab es Blastozysten? Dann rechnen wir nicht theoretisch – sondern konkret für Sie. Herzliche Grüße Dr. Gagsteiger
Catsara
Gerne hier noch weitere Informationen meinerseits: Wie ist Ihr AMH? 0,5 Wie war die letzte Stimulationsantwort? Menogon 150 ie plus letrozol 7,5mg für 5 Tage. An Zyklustag 6 EZ davon 5 reif. Hiervon alle befruchtet. Davon 3 blastozysten. 1 stehen geblieben an tag 6. 1 blastozyste mit 3aa und eine mit 4aa (an tag 6). Die 3aa wurde transferiert. Bluttest ist am 23. Februar. Nehme Nahrungsergänzngsmittel : coenzym Q 10, vit D, vit B komplex. Folsäure Dankend und herzliche Grüße Frau T.
Sehr geehrte Frau T., vielen Dank für die sehr konkreten Angaben – das hilft enorm. Und ich sage es gleich vorweg: Ihre letzte Stimulationsantwort war für 47 Jahre außergewöhnlich gut. Das müssen wir sauber einordnen. 📊 Ihre individuelle Ausgangslage AMH 0,5 ng/ml → deutlich reduziert, aber nicht „null“. Mit 47 ist das kein ungewöhnlicher Wert. Stimulation: Menogon 150 IE + Letrozol 7,5 mg 6 Eizellen gewonnen 5 reif alle befruchtet 3 Blastozysten 2 sehr gute Qualität (3AA, 4AA an Tag 6) Das ist keine schlechte Antwort. Das ist für 47 Jahre überdurchschnittlich. 🧬 Was sagt das biologisch? 1️⃣ Eizellkompetenz 5/6 reif → gute Reifung 100 % Befruchtung → sehr gute Oozytenfunktion 3 Blastozysten → exzellente Entwicklungsdynamik Rein morphologisch ist das ein starker Zyklus. 2️⃣ Der limitierende Faktor bleibt die Genetik Trotzdem – und hier bleibe ich ehrlich: Mit 47 liegt die Euploidrate statistisch bei ca. 1–3 %. Das bedeutet: Selbst bei schönen 3AA/4AA-Blastos ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie genetisch nicht korrekt sind. Morphologie schützt nicht vor Aneuploidie. 📈 Jetzt rechnen wir konkret für Ihren Zyklus Sie hatten 3 Blastozysten. Wenn wir konservativ mit 2 % Euploidrate rechnen: 3 Blastozysten × 2 % = 6 % Wahrscheinlichkeit, dass eine davon genetisch korrekt ist. Das heißt nicht 6 % Schwangerschaftschance. Sondern 6 % Chance, dass unter diesen dreien eine euploide ist. Wenn eine euploide dabei ist, liegt die Implantationschance deutlich höher (30–50 %). Das erklärt, warum selbst bei guten Blastozysten oft keine Einnistung erfolgt – nicht wegen der Gebärmutter, sondern wegen der Chromosomen. 🎯 Aber: Ihr Zyklus verschiebt die Statistik leicht Sie produzieren noch Blastozysten. Viele 47-Jährige erreichen: gar keine Blastozyste oder keine reifen Eizellen Das bedeutet: Ihre individuelle Wahrscheinlichkeit könnte leicht über dem Durchschnitt liegen. Nicht dramatisch. Aber messbar. Vielleicht eher im Bereich von 3–5 % pro Transfer statt 1–2 %. Das ist immer noch niedrig – aber nicht hoffnungslos. 🧠 Strategische Überlegung Sie haben: gute Blastozystenbildung gute Befruchtungsrate keine offensichtliche Entwicklungsstörung Das spricht dafür, dass Ihr Engpass rein genetisch ist. Wenn dieser Transfer negativ sein sollte, würde ich realistisch sagen: Ein weiterer Versuch ist vertretbar. Aber ich würde nicht in eine Serie von 5–10 Zyklen gehen, ohne zwischendurch ehrlich zu bilanzieren. 💊 Zu Ihren Supplementen Coenzym Q10 → sinnvoll (200–400 mg täglich) Vitamin D → Zielwert 30–50 ng/ml B-Komplex → ok Folsäure → Standard Wundermittel sind es nicht. Aber sie schaden nicht und können mitochondrial unterstützen. ❤️ Persönlich Ihr Zyklus zeigt: Sie gehören nicht zu den „Null-Reagiererinnen“. Das ist gut. Aber mit 47 entscheidet nicht mehr die Embryologie über den Erfolg – sondern die Chromosomen. Und die sehen wir leider nicht. Der 23. Februar ist jetzt entscheidend. Bis dahin gilt: Statistik ist nicht Schicksal. Aber sie bleibt der Rahmen. Herzliche Grüße Dr. Gagsteiger
Catsara
Herzlichen Dank für Ihre fundierten Antworten. Das hilft mir sehr. Vor allem Ihren letzten Satz: Statistik ist nicht Schicksal. Aber sie bleibt der Rahmen. Ich werde, gemäß dem Fall der aktuelle Transfer ist negativ, mir die gefrorene blastozyste mit 4aa einsetzen lassen und dann Bilanz ziehen. Ich bedanke mich❤️ für Ihre Zeit und Mühe. Es ist wirklich bemerkenswert wie Sie das machen. Beste Grüße Frau T.
Wir begleiten Sie hier sehr gerne und mit großem Engagement. Wenn Sie sich irgendwann einmal dafür bedanken möchten, freuen wir uns natürlich auch über eine kleine positive Rückmeldung auf Google – Sie finden uns ganz einfach über www.bestfertility.de. Herzliche Grüße und weiterhin alles Gute Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger
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