Frage im Expertenforum Kinderwunsch an Dr. med. Friedrich Gagsteiger:

Endometriose und IVF

Frage: Endometriose und IVF

Hannah1990

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Hallo Herr Dr. Gagsteiger, mir haben Ihre Antworten bei anderen Beiträgen immer sehr weitergeholfen und nun habe ich selbst eine Frage. Bei mir wurde bei einer transvaginalen Hydrolaparaskopie Endometriose Grad II an den Beckenwänden und vermutlich auch an den Eileitern festgestellt. Da meine beiden Eileiter verschlossen sind, sind wir auf eine IVF angewiesen (das SG meines Partners ist normal). Ich bin hin und hergerissen, ob ich mich einer Bauchspiegelung unterziehen soll, um die Endometriose entfernen zu lassen oder direkt mit einer IVF beginnen kann? Ich habe die Befürchtung, dass durch diesen Eingriff mein ovarielle Reserve weiter sinken könnte. Ich bin 35 Jahre alt und mein AMH-Wert lag Anfang des Jahres bei 1,04. Habe Sie eine Empfehlung für mich? Vorab herzlichen Dank und viele Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihr Vertrauen. Ihre Überlegung ist absolut berechtigt: Wenn beide Eileiter verschlossen sind, ist die IVF tatsächlich der entscheidende Weg zur Schwangerschaft. Die zentrale Frage ist dann nicht mehr, ob eine Operation die natürliche Fruchtbarkeit verbessert, sondern ob sie die Chancen einer IVF relevant erhöht — und genau das ist bei einer Endometriose Grad II nicht automatisch der Fall. Bei einer leichten bis mäßigen Endometriose an den Beckenwänden würde ich vor einer IVF nicht grundsätzlich zu einer Bauchspiegelung raten, wenn keine starken Beschwerden, keine größeren Endometriome am Eierstock und kein konkreter Verdacht auf entzündliche oder flüssigkeitsgefüllte Eileiter bestehen. Gerade bei einem AMH von 1,04 und einem Alter von 35 Jahren sollte man sehr sorgfältig abwägen, ob man durch eine Operation Zeit verliert oder die ovarielle Reserve zusätzlich belastet. Wichtig ist besonders die Frage, wie die verschlossenen Eileiter aussehen. Wenn ein Eileiter zu einer Hydrosalpinx erweitert ist, also Flüssigkeit enthält, kann diese Flüssigkeit die Einnistung deutlich verschlechtern. In diesem Fall wäre vor einem Embryotransfer häufig eine operative Sanierung oder zumindest ein Verschluss des betroffenen Eileiters sinnvoll. Wenn die Eileiter dagegen zwar verschlossen, aber nicht flüssigkeitsgefüllt erweitert sind, ist der Nutzen einer Operation vor IVF deutlich weniger klar. Ich würde deshalb pragmatisch vorgehen: Zunächst sollte nochmals sehr genau per Ultraschall — gegebenenfalls auch durch eine erfahrene Kinderwunschpraxis oder Endometriose-Sprechstunde — geprüft werden, ob eine Hydrosalpinx vorliegt und ob Endometriome an den Eierstöcken bestehen. Wenn keine Hydrosalpinx und keine größeren Endometriome vorhanden sind, spricht vieles dafür, eher zeitnah mit der IVF zu beginnen, statt vorher operativ einzugreifen. Eine Operation wäre aus meiner Sicht eher dann zu erwägen, wenn Sie deutliche Schmerzen haben, wenn eine Hydrosalpinx vorliegt, wenn größere Endometriome am Eierstock bestehen, wenn der Ultraschall auf eine tief infiltrierende Endometriose hinweist oder wenn der Zugang zu den Eierstöcken bei der Punktion sonst schwierig wäre. Ihre Sorge bezüglich der ovariellen Reserve ist ernst zu nehmen. Besonders Eingriffe am Eierstock können die Reserve beeinträchtigen. Eine reine Entfernung oberflächlicher Herde an der Beckenwand ist meist weniger problematisch, aber jede Operation bedeutet Zeit, Narkose, Entzündungsreaktion und ein gewisses Risiko. Bei Kinderwunsch sollte eine Operation deshalb immer einen klaren Nutzen haben — nicht nur „weil Endometriose da ist“. Meine Tendenz wäre daher: Wenn keine Hydrosalpinx, keine größeren Endometriome und keine starken Beschwerden bestehen, würde ich eher nicht zuerst operieren, sondern zeitnah eine IVF planen. Wenn bei der Diagnostik aber eine Hydrosalpinx bestätigt wird, sollte diese Frage vor einem Transfer sehr ernsthaft besprochen werden. Besprechen Sie bitte mit Ihrem Kinderwunschzentrum ganz konkret diese drei Punkte: Gibt es eine Hydrosalpinx? Gibt es Endometriome am Eierstock? Würde eine Operation in meinem individuellen Fall die IVF-Chance tatsächlich verbessern — oder eher Zeit und ovarielle Reserve kosten? Dann lässt sich die Entscheidung meist deutlich klarer treffen. Herzliche Grüße F. Gagsteiger


Hannah1990

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Hallo Herr Dr. med. Friedrich Gagsteiger, ich möchte mich bei Ihnen für Ihre ausführliche und einfühlsame Antwort auf meine Frage bedanken. Nach Rücksprache mit meiner Kinderwunsch-Klinik liegt keine Hydrosalpinx vor. Von größeren Endometriome an den Eierstöcken war keine Rede. Schmerzen habe ich "nur" an den ersten beiden Tage meiner Periode.  Ich befinde mich seit einigen Tagen in meiner ersten IVF-Stimulation mit 300 Einheiten Pergoveris pro Tag und habe heute (an ZT 7) meinen ersten Ultraschall sowie eine Blutabnahme. Nochmals herzlichen Dank. Ihre Antworten helfen enorm weiter. Liebe Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag, ganz herzlichen Dank für Ihre freundliche Rückmeldung. Es freut mich sehr, dass meine Antwort Ihnen etwas helfen konnte. Vor allem ist es sehr beruhigend, dass Ihre Kinderwunschklinik keine Hydrosalpinx/Saktosalpinx, also keinen flüssigkeitsgefüllten und problematischen Eileiter, festgestellt hat. Damit entfällt einer der wichtigsten Punkte, der vor einer IVF manchmal besondere Aufmerksamkeit erfordern würde. Auch dass keine größeren Endometriome beschrieben wurden und Sie nur an den ersten beiden Tagen der Periode Schmerzen haben, spricht insgesamt eher für eine weitgehend unauffällige und gut vertretbare Ausgangssituation. Der heutige Ultraschall und die Blutwerte zeigen nun, wie Ihre Eierstöcke auf Pergoveris reagieren und ob die Dosierung gut passt. Ich wünsche Ihnen sehr, dass die Stimulation harmonisch verläuft und sich daraus schöne, reife Eizellen entwickeln. Herzliche Grüße Ihr Dr. med. Friedrich Gagsteiger


Hannah1990

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Hallo Herr Dr. med. Friedrich Gagsteiger, ich wollte mich noch einmal zurückmelden. Leider reagiert mein Körper nicht besonders gut auf die Stimulation. Es wurden nur 3 Follikel im US gesehen, die schon sehr sprungreif aussehen, daher soll ich heute Abend bereits auslösen. Die PU ist für Freitag geplant und uns wurde zu einer ICSI geraten. Leider ein für mich sehr niedeniederschmetterndes Ergebnis trotz hoher Stimulation. Viele liebe Grüße und nochmals herzlichen Dank.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Ich kann sehr gut verstehen, dass dieses Ergebnis für Sie im ersten Moment niederschmetternd ist – gerade wenn man mit einer hohen Stimulation startet, hofft man natürlich auf mehr Follikel und mehr Sicherheit. Trotzdem möchte ich Ihnen vorsichtig Mut machen: Drei Follikel sind wenig, aber es ist nicht „nichts“.Entscheidend ist jetzt nicht allein die Zahl, sondern ob sich daraus reife Eizellen gewinnen lassen, ob diese befruchtet werden können und wie sie sich anschließend weiterentwickeln. Auch aus wenigen Eizellen kann sich manchmal ein guter Embryo entwickeln. Dass Ihnen zur ICSI geraten wurde, ist in dieser Situation gut nachvollziehbar. Wenn nur wenige Eizellen zur Verfügung stehen, möchte man die Chance auf eine Befruchtung so gut wie möglich nutzen und keine Möglichkeit unnötig verschenken. Wichtig ist auch: Eine schwächere Reaktion in einem Zyklus bedeutet nicht automatisch, dass es immer so sein muss. Manchmal reagiert der Körper trotz hoher Dosis unerwartet zurückhaltend. Das kann mit der individuellen Eierstockreserve, der Zyklussituation, der Follikelkohorte dieses Monats oder auch mit kleinen hormonellen Unterschieden zusammenhängen. Für jetzt würde ich versuchen, den Blick auf das Naheliegende zu richten: Heute korrekt auslösen. Die Punktion am Freitag abwarten. Schauen, wie viele reife Eizellen tatsächlich gewonnen werden. Dann die Befruchtung und Embryonalentwicklung beurteilen. Erst danach kann man wirklich sagen, wie dieser Versuch einzuordnen ist. Vor der Punktion ist leider vieles noch Spekulation. Ich weiß, dass das leichter gesagt als getan ist. Aber gerade in der Kinderwunschmedizin gilt oft: Wir dürfen enttäuscht sein – aber wir sollten einen Versuch nicht zu früh abschreiben. Manchmal kommt aus einem kleinen Anfang doch noch etwas sehr Wertvolles. Ich drücke Ihnen für Freitag von Herzen die Daumen. Mit herzlichen Grüßen Ihr Dr. med. Friedrich Gagsteiger


Hannah1990

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Hallo Herr Dr. Gagsteiger, für Ihre Antwort möchte ich mich ganz herzlich bedanken mit einem kurzen Zwischenstand. Am Freitag konnten 3 reife Eizellen entnommen werden von denen 2 befruchtet wurden (ICSI). Leider erfahren wir erst aufgrund des morgigen Feiertages erst am Dienstag ob und wie es weiter geht und müssten uns recht schnell entscheiden für einen Transfer an PU+4 oder an PU+5. Ganz liebe Grüße.  


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Abend, vielen Dank für Ihre freundliche Rückmeldung und den Zwischenstand. Dass 3 reife Eizellen gewonnen werden konnten und davon 2 befruchtet wurden, ist zunächst einmal ein wichtiger Schritt. Ich verstehe aber sehr gut, dass man sich nach der Stimulation vielleicht eine höhere Zahl gewünscht hätte und dass die Situation jetzt emotional sehr angespannt ist. Die Entscheidung zwischen einem Transfer an PU+4 oder PU+5 sollte man jetzt sehr eng mit dem Labor besprechen. Grundsätzlich hat ein Transfer an Tag 5 einen wichtigen Vorteil: Man sieht dann deutlich zuverlässiger, welcher Embryo tatsächlich die Entwicklung bis zur Blastozyste schafft. Gerade wenn zwei befruchtete Eizellen vorhanden sind, kann diese zusätzliche Beobachtungszeit helfen, den Embryo auszuwählen, der am ehesten einnistungsfähig erscheint. Der andere Embryo kann — wenn er sich ebenfalls gut entwickelt — gegebenenfalls kryokonserviert werden. Das entspricht auch der modernen Tendenz in der Reproduktionsmedizin: Der Blastozystentransfer an Tag 5 wird besonders bei guter Entwicklung häufig bevorzugt, weil die Embryonenauswahl dann sicherer ist und man eher einen einzelnen, besonders aussichtsreichen Embryo transferieren kann. Auch internationale Fachgesellschaften betonen, dass der Single-Embryo-Transfer — gerade bei guter Prognose — wichtig ist, um Mehrlingsrisiken zu vermeiden. Man muss aber ehrlich dazusagen: Bei nur 2 befruchteten Eizellen besteht bei einer verlängerten Kultur bis Tag 5 immer auch das kleine Risiko, dass kein Embryo die Blastozyste erreicht und dann kein Transfer mehr stattfinden kann. Deshalb ist die Entscheidung nicht schematisch, sondern hängt sehr stark davon ab, wie die Embryonen am Dienstag aussehen. Ich würde am Dienstag ganz konkret fragen: Wie haben sich beide Embryonen bisher entwickelt? Sind sie zeitgerecht geteilt? Gibt es Fragmentierungen oder Entwicklungsverzögerungen? Wie hoch schätzt das Labor die Chance ein, dass einer oder beide Embryonen bis Tag 5 zur Blastozyste werden? Und: Würde das Labor in dieser konkreten Situation eher zum Transfer an PU+4 oder zur Weiterkultur bis PU+5 raten? Wenn beide Embryonen am Dienstag gut und stabil aussehen, spricht sehr viel dafür, bis PU+5 weiterzukultivieren, weil man dann die bessere Auswahl hat. Wenn hingegen nur ein Embryo klar gut wirkt oder die Entwicklung unsicher erscheint, kann auch ein früherer Transfer an PU+4 sinnvoll sein, um die Chance auf einen Transfer nicht unnötig zu verlieren. Mein persönlicher Rat wäre daher: Nicht aus Angst vorschnell entscheiden, sondern am Dienstag die konkrete Embryonalentwicklung abwarten. Wenn beide Embryonen realistische Chancen auf Tag 5 haben, ist der Tag-5-Transfer meist die aussagekräftigere und elegantere Strategie. Wenn das Labor aber Bedenken hat, darf ein Transfer an PU+4 ebenfalls eine gute und vertretbare Entscheidung sein. Ich drücke Ihnen sehr die Daumen. Auch aus 2 befruchteten Eizellen kann ein sehr guter Embryo und eine gute Schwangerschaft entstehen. Herzliche Grüße Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


Hannah1990

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Hallo Herr Dr. Gagsteiger, die vergangenen Tage waren emotional sehr anstrengend. Ihre Antwort und Einorndung haben mir sehr geholfen alles ein bisschen klarer zu sehen - ganz herzlichen Dank dafür. Heute habe ich die erlösende Nachricht aus dem Labor erhalten, dass sich beide Embryonen geteilt haben und gut aussehen, sodass weiterhin an einem Transfer an PU+5 (morgen) festgehalten wird. Ich versuche nun durchzuatmen und dem morgigen Transfer positiv entgegen zu blicken. Viele liebe Grüße.


Hannah1990

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Hallo Herr Dr. Gagsteiger, ich wollte mich nochmal mit einem kurzen Update bei Ihnen melden. Gestern fand der Transfer einer 4AA Blastozyste statt. Die andere Blastozyste (4AB) wird kryokonserviert. Viele liebe Grüße.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Das ist eine sehr schöne Nachricht – herzlichen Dank für Ihre Rückmeldung. Eine 4AA-Blastozyste ist morphologisch eine sehr gut entwickelte Blastozyste und damit eine sehr hoffnungsvolle Ausgangssituation. Dass zusätzlich noch eine 4AB-Blastozyste kryokonserviert werden kann, ist ebenfalls ein sehr gutes Zeichen und gibt Ihnen erfreulicherweise noch eine weitere gute Chance für einen späteren Versuch, falls dies überhaupt nötig werden sollte. Jetzt beginnt leider die schwierigste Phase: das Warten. In dieser Zeit kann man von außen nicht „spüren“ oder sicher beurteilen, ob eine Einnistung stattfindet. Deshalb bitte nicht jedes Ziehen, jede Veränderung oder auch das Ausbleiben von Beschwerden überbewerten. Entscheidend ist am Ende der Schwangerschaftstest. Ich drücke Ihnen von Herzen die Daumen, dass sich diese schöne Blastozyste nun gut einnistet und weiterentwickelt. Viele liebe Grüße Ihr Dr. Gagsteiger


Hannah1990

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Hallo Herr Dr. Gagsteiger, die Wartezeit war wirklich sehr nervenaufreibend. Glücklicherweise kann ich mich mit positiven Nachrichten bei Ihnen zurückmelden. An PU+14 hatte ich meinen ersten Bluttest und es konnte ein Hcg-Wert von 231 ermittelt werden. Gestern an PU+17 ist der Hcg-Wert auf 1332 angestiegen. Nun muss ich mich bis zum Ultraschall in der nächsten Woche gedulden. Ich danke Ihnen für Ihren Zuspruch! Ganz liebe Grüße.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Das sind wirklich sehr erfreuliche Nachrichten, und ich freue mich sehr mit Ihnen. Ein hCG-Wert von 231 an PU+14 ist ein guter erster Wert. Noch wichtiger ist aber die Entwicklung: Der Anstieg auf 1332 an PU+17 ist sehr kräftig und spricht zunächst für eine sehr schöne frühe Schwangerschaftsentwicklung. Natürlich ist die Zeit bis zum ersten Ultraschall immer noch einmal eine Geduldsprobe. Im Ultraschall in der nächsten Woche wird man dann vor allem schauen, ob die Schwangerschaft in der Gebärmutter richtig angelegt ist und ob sich der Befund zeitgerecht weiterentwickelt. Je nach Schwangerschaftswoche sieht man zunächst vielleicht nur die Fruchthöhle, später Dottersack, Embryonalanlage und Herzaktivität. Für den Moment dürfen Sie diese Werte aber wirklich als sehr positives Zeichen nehmen. Bitte nehmen Sie die Medikamente wie besprochen weiter ein und melden Sie sich früher, falls stärkere Blutungen, stärkere einseitige Schmerzen oder Kreislaufbeschwerden auftreten sollten. Ich drücke Ihnen sehr die Daumen für den Ultraschall nächste Woche und freue mich wirklich sehr über diese gute Entwicklung. Ganz herzliche Grüße Dr. Friedrich Gagsteiger


Hannah1990

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Hallo Herr Dr. Gagsteiger, leider kann ich nicht von einem positiven Ausgang berichten. Der anfängliche gute Hcg-Wert wurde an SSW 6+1 im Ultraschall mit einem 4 mm großen Eymbro und Herzschlag bestätigt. Beim nächsten Ultraschall genau eine Woche später habe ich leider erfahren, dass sich der Emybro nicht weiter entwickelt hat und es keinen Herzschlag mehr gibt. Nun muss ich leider den Weg der Absaugung in einer kleinen OP gehen. Im Rahmen des Eingriffs wird der Eymbro genetisch untersucht. Parallel versuche ich einen Termin in einer Gerinnungsambulanz zu erhalten sowie bei der Immunologie. Würden Sie mir eine Biopsie der Gebärmutter zum Auschluss von erhöhten Plamsa- und Killerzellen raten? Im Rahmen einer transvaginalen Hydrolaparoskopie im April 2026 wurden keine auffälligen Befunde nachgewiesen, allerdings wurden dabei die Plamsa- und Killerzellen nicht berücksichtigt. Ich weiß, dass Fehlgeburten leider nicht unüblich sind. Trotzdem nimmt mich der Verlauf sehr mit. Bevor ich einen Kyro-Transfer bzw. einen neuen ICSI-Versuch wage, würde ich gern vorab weitere Diagnostik durchführen lassen, um so viel wie möglich ausschließen zu können. Herzliche Grüße


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Es tut mir sehr leid, dass sich der zunächst gute Verlauf nicht fortgesetzt hat. Gerade nach sichtbarem Embryo und Herzschlag ist eine solche Nachricht besonders schmerzhaft. Die genetische Untersuchung des Embryos halte ich für sehr sinnvoll. Häufig liegt die Ursache einer frühen Fehlgeburt in einer zufälligen Chromosomenstörung. Sollte sich das bestätigen, wäre das zwar traurig, aber zugleich eine wichtige und meist beruhigende Erklärung. Auch die Vorstellung in der Gerinnungsambulanz und Immunologie ist nachvollziehbar, wenn Sie vor dem nächsten Schritt möglichst viel abklären möchten. Eine Gebärmutterbiopsie mit Untersuchung auf Plasmazellen und uterine Killerzellen kann ergänzend sinnvoll sein, vor allem zum Ausschluss einer chronischen Endometritis. Die Hydrolaparoskopie beurteilt andere Aspekte und ersetzt diese Schleimhautdiagnostik nicht. Zwingend erforderlich ist eine solche Zusatzdiagnostik nach einer einzelnen Fehlgeburt nicht immer. Wenn Sie sich dadurch aber sicherer fühlen – insbesondere vor einem weiteren Kryotransfer oder ICSI-Versuch –, kann sie gut vertretbar sein. Wichtig ist auch: Die eingetretene Schwangerschaft mit Herzaktion zeigt, dass grundsätzlich eine Einnistung und frühe Entwicklung möglich sind. Das ist trotz des Verlustes ein prognostisch ermutigendes Zeichen. Ich wünsche Ihnen für den Eingriff und die kommende Zeit viel Kraft. Sobald die Ergebnisse vorliegen, können wir die nächsten Schritte gezielt und ohne unnötige Belastung planen. Herzliche Grüße Ihr Dr. Gagsteiger


Hannah1990

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Hallo Herr Dr. Gagsteiger, vielen Dank für Ihre einfühlsame Antwort in dieser schwierigen Zeit. Die humangenetische Untersuchung unseres Embryos hat eine Chromosomenstörung (Trisomie 13) ergeben. Glücklicherweise habe ich den Eingriff vor knapp zwei Wochen gut überstanden. Nun muss ich abwarten bis mein Körper wieder bereit ist, um mit den Behandlungen fortzusetzen. Aktuell schwanke ich noch zwischen einem neuen ICSI-Zyklus oder dem Kryotransfer mit unserer Blastozyszte aus dem 1. ICSI-Zyklus. Viele liebe Grüße.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Vielen Dank für Ihre liebe Nachricht und dafür, dass Sie mich auf dem Laufenden halten. Zunächst freue ich mich sehr, dass Sie den Eingriff körperlich gut überstanden haben. Ich hoffe sehr, dass Sie sich nun auch seelisch nach und nach von den belastenden Ereignissen erholen können. Geben Sie sich dafür bitte die Zeit, die Sie brauchen. Der Befund einer Trisomie 13 erklärt leider sehr gut, weshalb sich die Schwangerschaft nicht weiterentwickeln konnte. So traurig diese Diagnose auch ist, sie beantwortet zumindest die Frage nach dem Warum. Solche Chromosomenstörungen entstehen in den allermeisten Fällen zufällig und sind kein Hinweis darauf, dass mit Ihnen grundsätzlich etwas nicht in Ordnung ist oder dass sich dies zwangsläufig wiederholen muss. Was Ihre weitere Planung betrifft, würde ich persönlich eher zum Kryotransfer der bereits vorhandenen Blastozyste tendieren. Eine vitrifizierte Blastozyste ist eine wertvolle Chance, und wenn sie den Auftauprozess gut übersteht, bestehen grundsätzlich sehr gute Erfolgsaussichten. Sollte dieser Transfer wider Erwarten nicht erfolgreich sein, können Sie anschließend immer noch einen neuen ICSI-Zyklus beginnen. Letztendlich hängt die Entscheidung natürlich auch von Ihrem Alter, Ihrer Eizellreserve, der bisherigen Behandlungsgeschichte und Ihren persönlichen Wünschen ab. Deshalb sollte die endgültige Entscheidung gemeinsam mit Ihrem Kinderwunschzentrum getroffen werden. Ich wünsche Ihnen jetzt zunächst, dass Ihr Körper sich vollständig erholt und Sie bald wieder mit neuer Kraft und Zuversicht nach vorne blicken können. Nach einer genetisch bedingten Fehlgeburt bestehen trotz dieser schmerzlichen Erfahrung durchaus gute Chancen, dass eine der nächsten Schwangerschaften gesund verläuft. Ich drücke Ihnen dafür ganz fest die Daumen und wünsche Ihnen von Herzen alles Gute. Herzliche Grüße Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger


Hannah1990

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Hallo Herr Dr. Gagsteiger, vielen Dank für Ihre lieben Wünsche für die Zukunft. Ihr Zuspruch tut in dieser herausfordernden Zeit sehr gut. Da ich aktuell auf meinen neuen Zyklus warte, nutze ich die Zwischenzeit um weitere Diagnostik abklären zu lassen: - Humangenetik - Gerinnung - Endokrinologe  - Killer- und Plasmazellen - Vitamin D und Eisenstatus Bei meinen Recherchen bin ich auf das Thema Immunologie gestoßen und habe meine KIR- und HLA-Werte bei der DKMS angefordert. Leider fehlen mir 5 KIR-Gene (Genotyp AA) und mein HLA-Wert ist C2/C2. Der HLA-Wert meines Partners liegt bisher nicht vor. Würden Sie mir empfehlen dieses Thema weiter zu verfolgen und ggf. medikamentös mit Granocyte zu unterstützen?  Ich weiß, dass das Thema unterschiedlich aufgefasst wird. Ihre Einschätzung dazu würde mir sehr helfen. Meine Kinderwunsch-Klinik kennt sich im Bereich Immunologie leider nicht aus. Vorab ganz lieben Dank und viele Grüße.


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Ja, ich halte es für sehr sinnvoll, die Zeit bis zum nächsten Behandlungszyklus für eine strukturierte Diagnostik zu nutzen. Nach einer Fehlgeburt oder wiederholten ausbleibenden Erfolgen entsteht oft der Wunsch, “nichts unversucht zu lassen”. Wichtig ist dabei aber auch, die Untersuchungen nach ihrer wissenschaftlichen Aussagekraft zu priorisieren. Die von Ihnen genannten Punkte – Humangenetik, Gerinnungsdiagnostik (je nach Vorgeschichte), endokrinologische Abklärung sowie die Kontrolle von Vitamin D und Eisen – gehören aus meiner Sicht zu den Untersuchungen, die durchaus sinnvoll sein können. Bei den Killerzellen und Plasmazellen kommt es sehr darauf an, welche Vorgeschichte vorliegt und wie die Befunde erhoben werden. Zu Ihrer eigentlichen Frage bezüglich KIR und HLA-C: Sie haben einen KIR-Genotyp AA und sind HLA-C2/C2. Das bedeutet zunächst einmal nur, dass Ihnen bestimmte aktivierende KIR-Gene fehlen. Wissenschaftlich wird diskutiert, ob insbesondere Frauen mit einem KIR-AA-Genotyp und einem Embryo, der ein väterliches HLA-C2 trägt, ein erhöhtes Risiko für Implantationsstörungen oder bestimmte Schwangerschaftskomplikationen haben könnten. Voraussetzung hierfür wäre allerdings, dass Ihr Partner ebenfalls ein HLA-C2-Allel trägt und dieses an den Embryo weitergibt. Deshalb wäre der HLA-C-Typ Ihres Partners zunächst die entscheidende Ergänzung. Gleichzeitig muss man aber ehrlich sagen, dass die Datenlage weiterhin uneinheitlich ist. Einige Studien zeigen Zusammenhänge, andere konnten diese nicht bestätigen. Deshalb empfehlen die großen internationalen Fachgesellschaften derzeit keine routinemäßige KIR-/HLA-Diagnostik und auch keine standardmäßige Behandlung mit Granocyte (G-CSF) auf Grundlage dieser Befunde allein. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Thema bedeutungslos ist. Gerade bei Patientinnen mit wiederholtem Implantationsversagen oder wiederholten Fehlgeburten, bei denen alle etablierten Ursachen sorgfältig ausgeschlossen wurden, kann eine weiterführende immunologische Beurteilung in einem spezialisierten Zentrum sinnvoll sein. Dort wird dann nicht isoliert auf einen einzelnen Laborwert geschaut, sondern die gesamte Vorgeschichte in die Entscheidung einbezogen. Granocyte ist in diesem Zusammenhang sicherlich die am häufigsten diskutierte Therapie. Es gibt einzelne Studien und Erfahrungsberichte mit positiven Ergebnissen, gleichzeitig fehlen aber bislang überzeugende, hochwertige Daten, die einen generellen Einsatz rechtfertigen. Deshalb würde ich Granocyte nicht allein aufgrund eines KIR-AA-Genotyps empfehlen. Sollte sich jedoch ein stimmiges Gesamtbild ergeben – beispielsweise mit entsprechender Vorgeschichte und passender Konstellation bei Ihrem Partner –, kann man eine solche Therapie im Einzelfall durchaus diskutieren. Das sollte aber idealerweise gemeinsam mit einem Zentrum erfolgen, das auf reproduktionsimmunologische Fragestellungen spezialisiert ist. Mein Rat wäre deshalb: Warten Sie zunächst den HLA-C-Befund Ihres Partners ab. Lassen Sie zunächst die Diagnostik mit der besten wissenschaftlichen Evidenz vollständig abschließen. Sollte sich danach keine andere Erklärung ergeben und bereits wiederholte Fehlgeburten oder Implantationsversagen vorliegen, würde ich eine Vorstellung bei einem erfahrenen reproduktionsimmunologischen Zentrum für sinnvoll halten. Dort kann dann gemeinsam entschieden werden, ob eine Therapie wie Granocyte im individuellen Fall vertretbar erscheint. Lassen Sie sich von dem KIR-AA-Befund bitte nicht entmutigen. Viele Frauen mit genau dieser Konstellation bekommen völlig problemlos gesunde Kinder. Der Befund beschreibt eine mögliche biologische Besonderheit – er ist aber keineswegs gleichbedeutend mit einer schlechten Prognose. Ich wünsche Ihnen sehr, dass die noch ausstehenden Untersuchungen unauffällig ausfallen und Sie Ihren nächsten Behandlungszyklus mit neuem Mut beginnen können. Dafür drücke ich Ihnen ganz fest die Daumen.


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