Blaumeise
Sehr geehrter Herr Dr. Gagsteiger, ich wende mich noch einmal an Sie, weil Sie mir hier schon einmal geholfen haben. Meine Kinderwunsch-Behandlung geht jetzt schon über zwei Jahre und der unerfüllte Wunsch besteht seit über drei Jahren (ich bin 37). Meine Frage bezieht sich jedoch nicht direkt auf die weitere Therapie. Für den Fall, dass unser nächster Kryo-Transfer wieder keinen Erfolg bringt, würde ich gern im Sommer eine Fernreise machen, um auf andere Gedanken zu kommen und wieder etwas Freude zu empfinden. Mein Traum-Reiseziel liegt allerdings in Südamerika. Da es sich um ein Zika-Risikogebiet handelt, schiebe ich diese Reise schon seit Jahren auf. Mein behandelnder Arzt empfiehlt mir und meinem Mann, die Reise zu machen, da man sich anschließend auf das Virus testen lassen kann. So weit, so gut. Sollte der Test aber positiv ausfallen und eine Infektion vorliegen, müssten wir mindestens drei (manche Quellen sagen auch sechs) Monate warten, bevor wir eine neue ICSI Behandlung starten könnten. Mit diesem Zeitverlust könnte ich nicht gut leben, allerdings ist das auch das Worst case Szenario. Es klingt vielleicht paradox, dass ich diesen Reisewunsch jetzt so stark verspüre (wo man mit steigendem Alter doch immer weniger Zeit zu verlieren hat), aber der Kinderwunsch fordert das psychische Wohlbefinden so sehr heraus und ich möchte mir bzw. uns etwas Gutes tun. Was mich an dem Thema so ärgert: ich mache mir so viele Gedanken darüber und wäge ab. Gleichzeitig kenne ich viele Frauen, die schwanger bzw. mit Kinderwunsch in tropische Länder gereist sind und nicht mal von dem Virus wussten und sich keine Gedanken gemacht haben - und bei diesen Frauen ist alles gut gegangen. Wie schätzen Sie die Situation ein? Würden Sie auf Nummer sicher gehen und ein anderes Reiseziel wählen? Herzliche Grüße
Guten Tag,, nach zwei Jahren Kinderwunschbehandlung und über drei Jahren unerfülltem Kinderwunsch entsteht irgendwann das Gefühl: Das Leben darf nicht nur noch aus Warten, Planen, Verzichten und Hoffen bestehen. Der Wunsch nach einer Reise, Freude, Abstand und innerer Erholung ist deshalb überhaupt nicht paradox, sondern sehr menschlich. Trotzdem würde ich die Situation bei Zika nüchtern und ehrlich abwägen. Nach aktuellen Empfehlungen gilt: Wenn beide Partner aus einem Zika-Gebiet zurückkehren, sollte mit einer Schwangerschaft beziehungsweise einer Kinderwunschbehandlung mit Schwangerschaftschance in der Regel mindestens drei Monate gewartet werden. Das RKI nennt ausdrücklich diese 3-Monats-Frist, wenn beide Partner aus einem Zika-Gebiet zurückkehren. Auch WHO und CDC bewegen sich aktuell in ähnlichen Größenordnungen: etwa zwei Monate für Frauen und drei Monate für Männer, weil das Virus im Sperma länger nachweisbar sein kann. Wichtig ist aber: Ein Test nach der Reise ist keine perfekte „Freigabe“ für eine sofortige Behandlung. Die CDC schreibt sogar ausdrücklich, dass Zika-Tests nicht empfohlen werden, um zu entscheiden, ob es sicher ist, schwanger zu werden. Bei asymptomatischen, nicht schwangeren Personen wird eine Zika-Testung ebenfalls nicht routinemäßig empfohlen. Das liegt daran, dass PCR-Nachweise nur in einem begrenzten Zeitfenster sinnvoll sind und Antikörpertests durch Kreuzreaktionen mit anderen Flaviviren, zum Beispiel Dengue, schwer interpretierbar sein können. Meine persönliche Einschätzung wäre deshalb: Wenn Sie sagen: „Drei Monate Pause nach der Reise wären für mich emotional und biologisch noch akzeptabel“, dann kann man eine solche Reise nach guter reisemedizinischer Beratung, konsequentem Mückenschutz und klarer Planung vertreten. Wenn Sie aber sagen: „Ein positiver oder unklarer Befund und eine anschließende Wartezeit würden mich psychisch sehr belasten und ich könnte diesen Zeitverlust kaum ertragen“, dann würde ich eher zu einem anderen Reiseziel raten. Nicht weil das Risiko riesig sein muss, sondern weil die Konsequenz im ungünstigen Fall für Sie sehr schwer wiegt. Der Vergleich mit anderen Frauen ist verständlich, aber unfair zu Ihnen selbst. Viele Menschen gehen Risiken ein, weil sie diese gar nicht kennen. Dass es bei ihnen gut gegangen ist, beweist leider nicht, dass die Entscheidung medizinisch gleichwertig war. Sie dagegen wissen um das Risiko, Sie sind 37, und Sie befinden sich mitten in einer zeitkritischen reproduktionsmedizinischen Behandlung. Das verändert die Bewertung. Ich würde es deshalb so formulieren: Sie brauchen dringend Erholung, Lebensfreude und Abstand vom Kinderwunschdruck. Das ist medizinisch und seelisch absolut berechtigt. Aber die Erholung sollte Ihnen nicht anschließend ein neues Angstthema oder eine erzwungene Behandlungspause bescheren. Wenn Ihr Traumziel eindeutig als Zika-Risikogebiet eingestuft ist und Sie bei einer Wartezeit von drei Monaten innerlich sehr leiden würden, wäre aus meiner Sicht ein schönes, aber reproduktionsmedizinisch „unkomplizierteres“ Reiseziel die klügere Lösung. Vielleicht wäre ein guter Kompromiss: Sommerreise ja – aber diesmal nicht in ein Zika-Risikogebiet. Südamerika läuft Ihnen nicht weg. Ihre aktuelle Behandlungsphase ist dagegen tatsächlich zeitlich sensibler. Herzliche Grüße Dr. Friedrich Gagsteiger
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