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Guten Tag Prof. Radke, mein Sohn (11 Jahre) hat einen Calprotectinwert von 800. Ich Mutter bin selbst seit 16 Jahren von einer Colitis ulcerosa betroffen. Aber ich starte mal von Beginn: Er hatte vor ca. 1 Jahr in Anschluss an einen Magen-Darm Infekt (Sapo Virus) länger Beschwerden und auch Monate später immer mal wieder insb. Nachts - vorher nie. Immer mal wieder einige Tage Nachts wässrigen Durchfall mit Übelkeit. Oft ging es ihm Früh wieder gut. Dann war einige Monate Ruhe und keinerlei Symptome und wir erleichtert. Nun hatte er vor ein paar Wochen wieder über eine Woche Beschwerden, wachte immer um 4 Uhr früh auf und klagte über Übelkeit, Magendruck, eine Art Sodbrennen - kein Durchfall. Ein paar Nächte hat er sich 1x Übergeben und danach ging es im besser. Tagsüber war nichts mehr (außer Müdigkeit durch den Schlafmangel). Wir waren also nochmal beim Kinderarzt. Letztes Jahr immer ohne Befund, diesmal mit Ergebnis Calprotectinwert von 800. Es wurde nur noch auf Heliocobactor pylori und Zöliakai getestet - negativ. Blut völlig in Ordnung - auch der CRP unauffällig. Obwohl es ihm jetzt besser geht und er aktuell keine Beschwerde mehr hat, war die zweite Probe 6 Tage später der Calprotinwert wieder gleich hoch. Nun sollen wir zum Kindergastroenterologen. Von einer Klinik habe ich nun direkt einen Termin zur Spiegelung bekommen und bin mir nun unsicher. Gibt es andere mögliche Ursachen für diesen stark erhöhten Wert? Die Übelkeit hatte er zuletzt vor 2 Wochen. Er hatte in den letzten 6 Monaten selten mal Durchfall (wenn nur 1 x), noch nie Blut im Stuhl, auch selten Bauchweh - nur diese Phase mit Übelkeit. Trotzdem so ein hoher Wert und damit diese Verdachtsdiagnose? Ich mache mir auf Grund meiner Krankengeschichte natürlich große Sorgen, dass er nun auch so jung schon von einer CED betroffen sein könnte und Frage mich aber trotzdem ob ich ihm wirklich direkt eine Kolo- und Gastroskopie zumuten muss? Ach so, in der Familie ist leider noch ein weiterer CED Betroffener (Cousin Mutter). Macht es das wahrscheinlicher, dass er auch betroffen ist? Danke vorab für Ihre Meinung zum Thema. Viele Grüße
Bei Ihrem Sohn ist die Sachlage eindeutig. Es muß eine CED durch eine vollständige endoskopische Untersuchung des oberen (Gastroduodenoskopie) und unteren Magen-Darm-Trakts (Ileokoloskopie) ausgeschlossen werden. Ihre Bedenken bezüglich Magen-Darm-Spiegelung kann ich verstehen. Sie sind allerdings im Wesentlichen unbegründet. Ich selbst habe im Laufe von 40 Jahren Kindergastroenterologie tausende Endoskopien durchgeführt - nie ist etwas Schlimmes passiert. Mit der Endoskopie kann die Schleimhaut visuell beurteilt werden. Zudem - sehr wichtig - werden Schleimhautproben für eine mikroskopische Untersuchung entnommen. Haben Sie also keine Angst davor. Die Untersuchungen laufen standardisiert nach einem in ganz Europa (Porto-Kriterien) abgestimmten Verfahren ab. Alternativen zu einer Endoskopie gibt es leider nicht. Es kann gut sein, daß bei Ihrem Kind nach der Endoskopie noch eine MRT-Untersuchung sowie Sono durchgeführt werden. Das Risiko CED ist bei Ihrem Sohn aufgrund der Familienerkrankungen etwa um 7 bis 10 % höher als in der sog. Normalbevölkerung. Also: Augen zu und durch. Die schlechteste Lösung wäre "Kopf in den Sand stecken".
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