KryoKinderwunsch95
Guten Tag Frau Windisch, mein Sohn geht seit knapp 2 Wochen in die Kinderkrippe, Wir stecken noch in der Eingewöhnung. Kurz zu meinem Kind : er ist 15 Monate alt,war schon früh mobil und hatte einen hohen Bewegungsdrang. Er konnte mit 11 Monaten bereits laufen und zeigt einen hohen Drang danach zu klettern, zu rennen und hat wahnsinnig viel Energie. In der Krippe bekam ich die Rückmeldung, dass mein Sohn nicht stillsitzen möchte. Dieses Verhalten kenne ich bereits von zuhause. Das Sitzenbleiben beim Essen fällt ihm schwer, er möchte immer wieder loslaufen und kommt aber wieder zurück zum Tisch, wenn er mehr essen möchte. In der Krippe hat er sich "geweigert" am Sitzkreis teilzunehmen, er wollte auch nicht auf dem Schoß gehalten werden- das mag er generell nicht, auch ist er ungerne auf dem Arm. Er beginnt sich zu überstrecken und möchte losgelassen werden. Er möchte lieber selbstständig die Umgebung erkunden. Er möchte auch niemals an die Hand, wenn wir zb spazieren gehen. Er mag wenig Körperkontakt, wenn dann nur wenn er es möchte- was für mich absolut okay ist. Zb abends im Bett beim Einschlafen. Auch das Wickeln ist sehr zappelig, er dreht und windet sich oft auf dem Wickeltisch. Ich kenne mein Kind nun ja nicht anders und versuche bestmöglich auf seine Bedürfnisse einzugehen. Da es nun aber mehrfach negativ in der Kinderkrippe angesprochen wurde, würde ich Sie bitten mir eine Einschätzung zu geben, ob dies altersentsprechend ist bzw. eben einfach "sein Charakter" oder ob hier schon professionelle, externe Hilfe nötig ist- zb durch Ergotherapie? Aber ist er dafür nicht eigentlich zu jung? Die gesamte Krippensituation ist für ihn auch absolutes Neuland. Bis dato kannte er keine Fremdbetreuung. Aktuell habe ich durch die Aussagen aus der Krippe das Gefühl er ist durch seine "wilde, unruhige Art" eine "unzumutbare Belastung" durch sein wildes Verhalten, was mir als Mutter ein unschönes Gefühl gibt. Ich danke vielmals für eine Einschätzung.
Hallo, generell gibt es nicht ein "zu jung" für Ergotherapie, da speziell weitergebildete Ergo`s auch im Säuglingsbereich schon unterstützen, z.B.bei Regulationsproblemen, Überempfindlichkeiten/sensomotorischen Auffälligkeiten, wie bspw.bei Veränderungen der Lage/Gleichgewichtssinn, Reaktion auf Berührungsempfinden, usw. - oft gibt es da zusätzlich noch den Hintergrund von Kaiserschnitt, Frühgeburt, auffälliger Körperspannung,etc. Ich würde dem Bewegungsdrang nachgehen und Eltern-Kleinkindsport ausprobieren, um dem rennen, klettern, toben entgegen zu kommen. Gleichzeitig kann ein ständiges auf-ab-in-her, nicht sitzen bleiben/still halten auch ein Hinweis darauf sein, die Körperspannung aufrecht zu erhalten durch ständige Bewegung - im Sitzen bleiben ohne sich durch Bewegung stets zu stimulieren hat auf die Körperspannung auch nochmal eine andere Anforderung (es ist ein kompensieren von eigentlich zu niedriger Körperspannung durch in-Bewegung-bleiben). Beobachten Sie, ob es Hinweise auf schlaffe Körperhaltung in ruhigen Momenten gibt: z.B.lehnt sich an statt frei zu stehen, sitzt mit rundem Rücken/schlaff durchhängend da, gab es beim Stillen nur kurzes Trinken mit vielen Pausen, häufig Mund offen statt geschlossen mit übermässig viel speicheln/sabbern (Hinweise Körperspannung Mundbereich), späteres sprechen, etc. Gleichzeitig würde ich die Körperwahrnehmung fördern (nicht nur durch Bewegung, das macht er ja genug), sondern auch durch Spürinformationen mit Druck: und gerade bei Kindern, die das nicht mögen gilt: lieber mit starkem Druck/fester Berührung arbeiten als leichte/streichelnde Berührungen, da erste besser toleriert werden und gleichzeitig auch regulieren/entspannen, bauen Sie es als Ritual 2x tägl.im Alltag mit ein (und wenn es nur 3-5 min.sind), z.B.nach dem Baden, immer nach dem Wickeln und abends im Bett, z.B.verbunden mit einer Entspannungsmusik oder Sternenhimmel-Licht-projektion und wenn er es dann trotzdem nicht aushält, dann dabei etwas zur Beschäftigung in die Hand geben, um dabei die kleine Massage mit festem Druck umzusetzen. Es eignet sich auch einölen/eincremen und nach baden/duschen ein "abrubbeln" mit dem Handtuch, ein drücken der Körperpartien mit der eigenen Hand umschlossen und dann stückweise die Arme/Beine/Rücken/Hüfte damit spüren lassen. Durch eine gute Körperwahrnehmung verbessern sich so langweilige sitzen-bleiben-Situationen und der Druck/Zug/Spürinfo`s für den Körper regulieren. Beobachten Sie, ob ihr Kind "empfindlich" auch gegenüber Materialien reagiert (verweigert z.B. Knete, Fingerfarben, Schaum, Sand), sind Haare kämmen, eincremen, abtrocknen problematisch, rankuscheln/macht sich steif bei Körperkontakt, können das Hinweise auf eine taktile Überempfindlichkeit sein (Berührungsempfinden) und da sollte man auch schon in diesem Alter mit Ergotherapie eingreifen. Wickeln würde ich (wenn es sich nicht grad um eine volle Stuhlgang-Windel handelt) mal im Stehen ausprobieren, das ist ein bisschen Übungssache, aber da wälzt er sich evtl.nicht so hin/her wie im Liegen. Das Ansprechen durch die Krippe ist als Rückmeldung für die Eltern zu sehen, wie ihr Kind mit den Alltagssituationen in der Krippe zurecht kommt und nicht als Kritik an Ihnen/ihrem Kind. So kann man sich absprechen - ja, zu Hause ist es genauso oder es tritt nur in Gruppensituationen auf und im häuslichen Umfeld nicht. Vielleicht kann zusammen herausgefunden werden, was ihm dabei hilft, den Sitzkreis länger mit zu machen, z.B. in einen Sitzsack setzen oder auf ein Luftkissen oder etwas zur Beschäftigung in die Hand geben oder zur Beobachtung (Wasser-Sanduhr o.ä.). Generell ist natürlich zu beachten, dass dort alles neu, aufregend und interessant ist und das die Unruhe natürlich mit verstärken kann - aber sie sagten ja, dass er sich zu Hause auch so verhält. Vielleicht ist auch das Abdrücken/Spürinformationen geben, Handmassage etc.ein Mittel, um ihm das Sitzen im Sitzkreis zu erleichtern - wenn ein/e Erzieher/in direkt hinter ihm sitzt und feste Druckberührungen gibt oder auch einfach nur eine Körperbegrenzung zum sich-selber-spüren - mal zum ausprobieren. Hält die Unruhe und nicht sitzen/innehalten können, auch auf Berührungen/kuscheln abwehrend reagieren gleichbleibend an, auch weit nach dem Ankommen in der Krippe (ein ankommen dauert länger als die Eingewöhnung), würde ich die sensorische Wahrnehmung bei spezialisierten Ergo`s mal prüfen lassen (z.B. Weiterbildungen in Sensomotorik im 1.Lebensjahr, Behandlung von Kleinkindern, bei Regulationsstörungen, S.I.-Therapie (sensorische Integration). Alles Gute, Kristin Windisch
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