Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Mal eine ganz andere Frage ...

Rund ums Baby Adventskalender 2025
Frage: Mal eine ganz andere Frage ...

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Hallo Herr Dr. Posth, bin mir nicht sicher, ob ich hier mit meiner Frage richtig bin, es geht um seelisch-geistige Entwicklung..im weitesten Sinne. Und zwar konkret darum, ab wann ein Kleinkind (1 bis 3 Jahre)wie lange ohne Eltern/Zuhausebetreuung auskommt, also wieviele Stunden Kindertagesstätte ideal wären. Leider ist berufliches Vorankommen für mich nur bei Ganztagsbetreuung unseres Sohnes möglich. Wäre dann von 9 bis 17 Uhr in einer Kita, also abends nur noch wenige gemeinsame Zeit. Oder aber ich stecke noch zurück (was finanziell ginge) und warte bis er etwas älter ist (vielleicht wenigstens 3 Jahre ?). Ich würde schon gerne wieder voll einsteigen, aber nicht auf Kosten des Wohlbefindens unseres Babys. Gibt es dazu einen Rat ? Auch, inwieweit andere Kinder in dem Alter wichtig sind, bzw. überfordern ... Danke, Natascha


Dr. med. Rüdiger Posth

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Liebe Natascha, das ist eher ein gesellschaftspolitische Frage, und ich stelle mir jetzt ein öffentliches Forum vor, bei dem die beliebten Experten auf dem Podium schlaue Sätze sagen, während das gemeine Publikum unten staunen darf, wieso die da oben so viel wissen. Aber im Ernst, ich kann Ihnen diese Frage nicht wirklich beantworten. KarinF hat es ja in gewisser Weise schon für mich getan, in dem Sie offen bekannt hat, daß sie meine Antworten (gerade in diesem Punkt?) nicht immer logisch findet. Das kann sie auch gar nicht, da sie ja offenkundig selbst sich schon einer anderen Logik unterworfen hat. Und da ist das Dilemma! Die Prämissen werden zu unterschiedlich gesetzt. Die einen wählen die Prämisse der Selbstverwirklichung in Familie und Beruf und reklamieren dafür die notwendigen Rechte. Also unterziehen Sie alle frühkindliche Psychologie diesem (Ego-)Paradigma. Die (oft belächelten) anderen machen die frühkindliche emotionale Entwicklung des Menschen zum Paradigma und fordern von der Gesellschaft die hierfür notwendigen Änderungen (wofür es ja reale Ansätze gibt). Dazu zähle ich, nicht nur von Berufs wegen. Derzeit sprechen nahezu alle ernsthaft geführten, wissenschaftlichen Untersuchungen dafür, die frühkindliche emotionale Entwicklung zum Pradigma zu machen. Das ist unbequem für die Gesellschaft und deswegen unterschlägt sie die Ergebnisse solcher Untersuchungen ganz gerne und setzt vordergründige Erziehungshaltungen als Lösung für das Familien- und Kinderproblem dagegen. Der Buchmarkt und die Zeitschriften sind voll davon. Zum Vorteil der Kinder? Viele Grüße


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Tja, ich schätze mal Dr. Posth wird eher dazu raten beruflich zurückzustecken. In den meisten anderen Ländern der Welt würde man ihn deswegen sehr belächeln. Würdest Du Dir dieselben Gedanken machen, wenn Dein Mann oder die Oma die Betreuung übernehmen würde? Wo ist denn da der Unterschied zu einer (oder zwei) zuverlässigen Erzieherin, die außerdem eine entsprechende berufliche Ausbildung und Erfahrung vorweisen kann? Rein persönlich bin ich der Meinung, daß ein Baby durchaus mehrere feste (!) Bezugspersonen verkraften kann und sogar haben sollte und daß eine Erzieherin sicherlich sogar besser mit meinem Kind umgehen kann als ich (EDV-Spezialistin). Sicherlich ist eine Krippe auch Stress für das Kind (wegen des Trubels), aber eine Großfamilie würde auch Stress bedeuten - es wird lernen damit umzugehen. Der Mensch ist tausende von Jahren bis vor kurzem in Großfamilien (8-16 Kinder) mit berufstätigen Eltern (Haus und Hof und Feldarbeit und Martkverkauf) aufgewachsen. Sorry, daß ich ungefragt geantwortet habe - aber ich dachte ein paar Gedankenanregungen können nicht schaden. Ich selber lese immer sehr gerne Dr. Posth's Beiträge auch wenn ich sie meistens nicht für logisch erachte - nur durch vielfältige unterschiedliche Information unterschiedlicher Meinungen ist es einem möglich sich seine eigene Meinung zu bilden. Meiner Tochter ging es in der Krippe sehr gut (12 -30 Monate, 8-15.00 Uhr) - wobei ich auch grundsätzlich eine positive Erwartungshaltung hatte - das macht sehr viel aus. Servus Karin


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hr. dr. posth hat die frage ja aus fachlich-wissenschaftlicher sicht schon hervorragend beantwortet, und ich bin ganz seiner meinung, dass dem kind vorrang gegeben werden sollte. nun noch mein emotionaler senf: ich hatte eine mutter die früh wieder ganztags arbeiten gehen musste, und fühlte mich als kind deswegen oft beschissen. ein so kleines kind braucht seine mutter, keine betreuungspersonen, auch wenn "pflegeleichte" kinder dies nicht allzu offensichtlich rüberbringen. meine mutter weiss heute noch nicht, wie sehr ich sie immer vermisst habe und dachte, ich wäre nicht gut genug damit man bei mir bleiben kann, und ich hätte es mir nie im leben anmerken lassen um sie nicht zu belasten. bleib zuhause... lg sandra


Dr. med. Rüdiger Posth

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Liebe Sandra, danke für Ihre Offenheit und Ehrlichkeit, denn es gibt keine bessere Wahrheit als die von Betroffenen. Die Offenheit vor sich selbst wird Ihnen sicher auch helfen, jedenfalls wünsche ich mir das für Sie. Alles Gute


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Danke für Deinen Beitrag den ich persönlich auch sehr interessant finde ... Hast Du Deinen Vater denn auch vermißt? Ich denke nein. Warum dann nicht? Ich selber kenne nur die andere Seite - meine Mutter hat 12 Jahre im Beruf ausgesetzt. Es ging mir nicht schlecht dabei. Mein Vater war quasi nicht anwesend - denn einer mußte doch die Familie ernähren. Durch meine Berufstätigkeit hat meine Tochter einen Vater der wesentlich mehr präsent ist (6 Monate Erziehungsurlaub, zwischendurch weitere 5 Monate Projektpause in denene er zu Hause war, kaum Überstunden, er bringt sie normalerweise in den KiGa). Ich selber sehe mich also eher als Halbwaise - was ich bedauere. Mein Vater hat mich nur genervt wenn er mal da war, da er sich nicht in die Familienregeln einpassen wollte. Interessant finde ich wie ich oft von Vätern angefeindet werde, die aber selber sich kaum um ihre Kinder kümmern (Arbeitszeit von 8.30 - 17.30)und meinen 30 Minuten (wenn überhaupt und nur wenn das Kind gut gelaunt ist) spielen am Tag sei genug, Hauptsache die Mama ist zu Hause. Interessant finde ich auch, ob es für ein Kind gut ist in einer überwiegend weiblichen Umgebung aufzuwachsen. Mhm, schade das es keine eindeutigen beweisbaren Lösungen gibt wie in der Mathematik. Das macht die Sache sehr schwer. Servus Karin


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Tatsächlich kennt eine Erzieherin die Kinder oft besser als die Mutter - viele Mütter (oder gar der Vater) wissen nicht in welchem Alter ein Baby nicht mehr gefüttert werden muß sondern selbständig aus der Tasse trinken, oder ab wann es die Farben lernen kann, oder ab wann es ein Gefühl für Menge, Zahlen, Zeit entwickeln kann und kann es dann auch nicht entsprechend altersgerecht fördern. Mal abgesehen von den sozialen Fertigkeiten. Es gibt LÄnder (z.B. USA) in denen manche Mutter meint ihr Kind so viel besser zu kennen, daß sie es sogar der Schulpflicht entzieht (ist dort möglich) um es selber zu unterrichten. Traust Du Dir das zu? Warum traust Du Dir aber zu Dein Kind in den ersten 1-4 LJ passend (besser als eine Erzieherin/Lehrerin) zu fördern, wenn Du meinst es später dann nicht mehr zu können? Erscheint mir als Widerspruch. ich persönlich fände eine Kombination aus Krippe (für jedes Kind) und zu Hause-Betreuung durch BEIDE Elternteile am besten. Auch die Eltern können sehr aus dem Erfahrungs- und Ausbildungsschatz der Erzieher profitieren. Wenn dem nicht so wäre, würde dieses Forum nicht von einem Akademiker betreut werden müssen sondern von einem Vater/Mutter mit sehr vielen Kindern. Aber dennoch wertet man Dr. Posths Wissen aufgrund seiner Ausbildung als wichtiger ein.... Würde mich über eine Antwort freuen denn nur durch Diskussionen lernt man dazu.... Servus Karin


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Und du bist der Meinung, dass alle 25 Kinder einer Klasse Mathe am besten donnerstagsmorgens um 10.15 Uhr lernen? Wer da sein Hirn nicht auf Mathe sondern auf Deutsch eingestellt hat, der hat eben in den 45 Minuten Pech. Hast du dich denn mit Homeschooling bzw. Unschooling beschäftig? Ich glaube kaum, dass eine Mutter alle Fächer alleine unterrichtet...schließlich machen das die Lehrer auch nicht.


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hallo karin, nun, wenn es dir so sehr auf die ausbildung ankommt: ich bin diplom-sozialpädagogin und habe mir mein studium damit finanziert, abiturienten nachhilfeunterricht zu geben. ich traue mir erstens zu, mein kind besser zu kennen als eine erzieherin (hast du eine ahnung davon, was der hauptteil deren ausbildung ist?) und würde mir zweitens auch zutrauen, mein kind zu unterrichten. dies hat nicht dass du mich falsch verstehst: mein kind wird kiga und schule besuchen, vermutlich allerdings nicht die regelschule. lg sandra


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nein, meinen vater habe ich nicht vermisst, da er den ganzen tag zuhause war. er konnte nur sehr bald meine betreuung nicht mehr übernehmen, da er an multipler sklerose erkrankt ist und als ich zwei jahre alt war einen so schweren schub hatte, dass er mir nicht mehr gerecht werden konnte. lg sandra


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Hallo ! Danke Herr Dr. Posth. Mein Gefühl sagt mir eigentlich auch sehr oft, dass ich "kindbezogener" entscheiden soll. Aber wenn man sich wirklich ganz darauf einlässt zum Wohl des Kindes da zu sein, hat das wirklich erhebliche persönliche Konsequenzen. (ich rede jetzt eher von strukturellen Veränderungen als sowas wie der völligen Selbstaufgabe ...) Aber vielleicht auch erheblich süsse, zufriedene Kinder... Ich danke Ihnen und habe gut verstanden, was Sie meinen. Natascha


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