Mitglied inaktiv
Hallo Herr Dr. Posth ! Vielen Dank für Ihre bisherigen Antworten zum Thema Loslösung. Die Vater-Sohn Beziehung wird dank Ihrer Ratschläge zunehmend besser. Allerdings frage ich mich ob mein Sohn (ab Mai 3 Jahre) dieses Jahr schon reif ist für den Kindergarten. Ich bin mit meiner Meinung noch ein Jahr zu warten völlig alleine. Zumal im August ein Geschwisterchen kommt, wodurch sich mein Sohn wahrscheinlich dann völlig abgeschoben fühlt. Ist KiGa für 3-jährige denn wirklich wichtig ? Sollten wir es dieses Jahr zumindest versuchen ? Woran erkenne ich Kindergartenreife ? Von allen Seiten kommt der wissende Ratschlag das es ja so wichtig für Kinder sei in den KiGa zu gehen - Thema Sozialverhalten, Abnabelung, Selbstständigkeit..... Zeitgleich wird darüber gelacht wie anhänglich mein Sohn seinen Eltern gegenüber ist..... Vielen Dank für Ihre Antwort ! Tanja
Liebe Tanja, die Unkenntnis in der Bevölkerung über entwicklungspsychologische Vorgänge beim Kind ist weit verbreitet. Leider macht sie auch vor höheren Entscheidungsgremien und vor der offiziellen Politik nicht halt. Daran ist die Psychologie z.T. wahrscheinlich selber Schuld. Erstens produziert sie zu viele Widersprüche, zweitens versteckt sie sich hinter zu viel Fachvokabular und drittens scheut sie die Öffentlichkeit. Das gilt dann nicht für die "Vulgärpsycholgie", von der zahllose Zeitschriften und Feuilletons leben. Und da bedient sich dann die Meinung der Bevölkerung. Zwar ist es richtig, daß ein Kind Kontakt in einer außerfamiliären Gruppe braucht, aber dieser Kontakt ist schon durch familiäre Unternehmungen und durch das Spiel auf der Straße beinahe regelmäßig gegeben. "So isoliert" wohnen heutzutage nur noch die Wenigsten. Ab 4 Jahre ist dann aber auch die institutionalisierte Kinderbetreuung richtig und sinnvoll, v.a. um den spielerischen und lernbegierigen Impuls der Kinder zu strukturieren. Jetzt ist auch das Alter gekommen, da Kinder eigenständig an ihren Sozialkontakten arbeiten können. Bis dahin sind sie nahezu immer auf eine Ersatzbezugspersonen außerhalb der Familie angewiesen, was zu den häufigen Schwierigkeiten und Problemen in der Frühbetreuung führt, wenn es nicht beachtet wird. Also, Sie denken schon in die richtige Richtung. Viele Grüße
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