Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Bert und Co.

Frage: Bert und Co.

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Hallo! Unsere Tochter ist 2 3/4 Jahre alt und seit einigen Monaten schlüpft sie ständig in andere Rollen. Zur Zeit rennt sie die ganze Zeit als "Bert" oder "Ernie" oder so durch die Wohnung, sagt dann immer: "Der Bert macht jetzt ..." Sie denkt sich ganze Geschichten aus, die sie erzählt oder spielt, wechselt dann auch die Rollen. Unter ihrem eigenen Namen macht sie so gut wie gar nichts, wenn sie kuscheln will ist sie immer eine kleine Katze oder ein anderes kleines Tier und ich soll dann das Mamatier sein. Wenn sie sich anderen Kindern oder Erwachsenen vorstellt, sagt sie aber schon ihren Namen. Auch wenn man sie anspricht, es sei denn sie ist mitten im Spiel, dann besteht sie darauf, als "Bert" angesprochen zu werden. Sollte man das dann auch tun? Ich finde das extrem ausgeprägt bei ihr und bin manchmal unsicher, ob das noch ganz normal ist, vor allem wegen ihrem Verhalten beim Kuscheln. Ab und zu bestehe ich darauf, dass ich jetzt mit "ihr" kuscheln will und sage das auch, das nimmt sie so hin, versucht aber meist möglichst schnell, es wieder zu "ändern". Sie spielt nicht sooo gerne mit anderen Kindern, selbst mit denen, die sie gut kennt ist sie zurückhaltend. Sie ist sprachlich recht weit, kann sich sehr lange konzentrieren, wenn man ihr vorliest oder Geschichten erzählt, sie tobt aber auch leidenschaftlich gerne. Ich bin einfach unsicher, ob das, was sie macht noch "im Rahmen" ist. Herzliche Grüsse Lotta


Dr. med. Rüdiger Posth

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Liebe Lotta, zunächst einmal kopiere ich Ihnen zwei ältere Antworten hierzu aus meiner Antwortensammlung: 27.4.2003 Liebe Elli, Rollenspiele sind absolut typisch für dieses Alter und Bestandteil der gesunden Persönlichkeitsentwicklung. Realität und Phantasie (eine Form der autonomen virtuellen Welt! im Gegensatz zur manipulierten aus den Medien)werden dabei gerne gemischt. Das Kind erhält auf diese Weise Hoheit über das Geschehen, kann es inszenieren und steuern, was ihm Lust und Macht verschafft. In Wirklichkeit sieht die Welt ja ganz anders aus. Sie tun Ihrem Kind also einen großen Gefallen, wenn Sie sich darauf einlassen. Viel Spaß mit dem Affen und denken Sie nicht, man machte sich als Erwachsener zum sprichwörtlichen Affen! Viele Grüße 28.4.2003 Liebe Tanja, liebe Frauke, die Geschichte mit den imaginären Gefährten wurde hier im Forum schon mehrfach angesprochen. Es müßte sich etwas über den Suchlauf ansteuern lassen. Da gibt es natürlich ganz kuriose Beobachtungen. Grundsätzlich hat es etwas mit der Ausarbeitung der Grenzen des Selbst zu tun. Das Selbst repräsentiert das Ich in der Umwelt. Die eigene Person bleibt dabei im Empfinden immer identisch. Nur das Selbst wird "spaßenshalber" oder trickreich ausgetauscht. Dabei schafft sich das Kind die Möglichkeit, dem Ich durch das Gewissen untersagte Handlungen auf ein Phantom zu übertragen und dort auszuagieren. Zugleich wird das Phantom dazu "mißbraucht", eigene Ängst abzubauen oder dem wahren Selbst gesetzte Grenzen zu verschieben. Beides dient der Stabilität innerer Befindlichkeit. Manche Kinder treiben diese Phantasiegestalten auf ein Niveau von wahrer Konkurrenz zur Realität. Das mag man als Talent ansehen, man kann aber auch spekulieren, das Kind habe das nötig. Dazu müßte man aber die gesamte Biographie des Kindes kennen und untersuchen. Ist also die Rückkehr zum wahren Selbst unproblematisch, und geht die Persönlichkeitsentwicklung ganz normal weiter, ist kein Argwohn angezeigt. Viele Grüße Wenn Sie die Einzeldaten etwas abändern, z.B. statt Affe Ernie oder Bert sich vorstellen, trifft das auch auf Ihre Tochter zu. Die Vermischung von Phantasie und Realität hat auch etwas Lustvolles für die Kinder. Auch diesen Faktor darf man nicht außer Acht lassen. Viele Grüße


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