Frage im Expertenforum Babyschlaf an Dr. med. Daniela Dotzauer:

Monatelanges Dauerstillen nachts

Frage: Monatelanges Dauerstillen nachts

Nisipisi

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Hallo! Unser Kind, knapp acht Monate alt, hat bisher keine Nacht länger als drei Stunden geschlafen - das war als er 40 Grad Fieber hatte. Ansonsten wacht er seit Monaten alle 30-45 weinend auf und lässt sich nur mit der Brust beruhigen. Was das mit mir, meiner Gesundheit und meiner Psyche macht muss ich nicht erwähnen. Seit zwei Tagen probieren wir aus, ihn anders zu beruhigen und stoßen auf Geschrei. Gekreische. Viele Tränen. Bei ihm und bei mir.  Ich bin total verzweifelt und fühle mich so unendlich schlecht, brauche aber ganz dringend etwas mehr Ruhe und vorallem Schlaf. Ist das der richtige Weg, ihn zu begleiten und aufzuzeigen, dass er es auch ohne Brust/Milch schafft? Bitte um Hilfe!


Dr. Dotzauer

Dr. Dotzauer

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Guten Tag, Ich höre Ihre Verzweiflung und empfehle Ihnen daher professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die theoretischen Hintergründe des Babyschlafs kann ich Ihnen vermitteln, jedoch ist die Umsetzung oft ziemlich schwierig. Da reicht es nicht aus den Weg zu kennen, sondern man braucht auch Weggefährt:innen. Ihr Baby hat von Anfang an als Beruhigungs- und Einschlafsprache die Brust kennengelernt. Das Beruhigen mit der Brust aktiviert über das Dopamin/Oxytocin- System das Belohnungszentrum im Gehirn, was einerseits schnell zur Ruhe führt aber andererseits sehr stabil fixiert bleibt. Wenn Sie jetzt nachts eine neue Beruhigungssprache (tragen, schuckeln, Stimme...vagale Beruhigung) ausprobieren, welche Ihr Kind gar nicht kennt, ist es klar, dass Protest und Unverständnis beim Kind resultiert. Bei Ihnen löst das ebenfalls Verzweiflung und Tränen aus, was wiederum beim Kind Unsicherheit schürt. Daher meine Empfehlung, nicht einfach nachts schwierige Neuerungen zu versuchen, sondern ersteinmal am ersten Tagschlaf, zB nach 2,5 Wachstunden (müde) eine neue Einschlafroutine zu etablieren. Natürlich muss ihr Kind dazu sicher satt sein, ruhig und eineigermaßen gut drauf sein. Dann könnten Sie das Zimmer abdunkeln und mit einem Leselicht ersteinmal mit dem Sortierkörbchen (interessante Objekte gemeinsam untersuchen) ein Team werden. Solange bis deutliche Signale der Müdigkeit kommen. Dann das Licht ausmachen und dann das Kind ruhig, leise und lagweilig umhertragen (aufrechte Position) und selber wirklich ruhig sein und das eigene ruhige Nervensystem auf das Baby übertragen. Das kann auch Papa probieren, allerdings ist ihr Baby den Papa im Einschlafkontext ja nicht gewöhnt, sodass auch da mit Protest gerechnet werden muss. Ganz schnelles Ablenken durch den Papa und das Gewinnen des Babys für die spannenden Objekte könnte die Situation retten. Trotzdem muss das Baby schlafbereit "runtergekuschelt" werden und gerne legen sich Bezugsperson und Baby ins Elternbett anfangs. (aufpassen ddass keiner rausfällt). Später muss das Baby das Ablegen mitbekommen, sonst wähnt es sich auf dem Arm und das ist auch eine Einschlaferinnerung, welche nicht mit elterlichem Schlaf vereinbart ist. Allerdings braucht es ein schrittweises Umgewöhnen, denn die erlebte Einschlafrealität sah nun 8 Monate anders aus für ihr Baby. Erst wenn es mit dieser Form des Ein- und Weiterschlafens (ohne Brrust) vertraut ist, macht es Sinn die erste Nachthälfte anzugehen. Die meisten Erfolge habe ich, wenn die Väter mithelfen, denn schließlich gab es beim Papa nie eine Milch... Aber wie gesagt da sind viele einzelne Schritte notwendig, zb auch das Gewöhnen an ein Übergangsobjekt (Kuscheltier) welches mühevoll tagsüber mit emotionaler Bedeutung aufgeladen werden muss. Das Drehen an vielen verschiedenen Rädchen und die damit verbundenen Lernvorgänge brauchen definitiv Zeit und Geduld. Gleichzeitig sehe ich, dass sie sich verständlicherweise schnell Veränderung wünschen, daher empfehle ich Ihnen eine "Weggefährtin", die Sie anleitet, motiviert und mit Ihnen diesen schwierigen Weg geht. Alles Gute für Sie Daniela Dotzauer


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