Sonja M
Liebe Frau Dr. Dotzauer, vielen Dank für Ihre hilfreichen Antworten! Mein Baby ist jetzt 8 Monate alt und ich bin gerade verzweifelt. Ich habe mit ca. 5 Monate angefangen, das Weiterschlafstillen abzugewöhnen und die Stillabstände seit es 6 Monate alt ist, auf 3 Stunden in der Nacht ausgeweitet. Das hat für ein paar Wochen wirklich super funktioniert. Ich musste zwar immer wieder noch mit Sch oder Streicheln beruhigen, aber das ging wirklich gut. Dann plötzlich wurde das Beruhigen schwieriger und dann hat es überhaupt nicht mehr funktioniert. Ich stille bisher trotzdem nur alle 2,5-3 Stunden, aber habe deshalb seit über 3 Wochen sehr viel Geschrei in der Nacht. Ich weiß einfach nicht mehr weiter, das Geschrei macht mich fertig und ich bin kurz davor, das Weiterschlafstillen wieder anzufangen... Einzelne Nächte zwischendrin waren super, einzelne etwas besser, aber insgesamt wirklich so viel Geschrei. So viel Geschrei gab es vorher noch nie... Wenn ich es dann zum Weiterschlafen bringe, schläft es oft nur 5 min und dann geht das Geschrei wieder von vorne los. Auch mehr Körperkontakt oder Begrenzen helfen nicht... Das geht so lange, bis wieder Stillzeit ist, und dann schläft es wieder 1,5-2 h. Einschlafen ist kein Problem, auch ohne Stillen. Warum klappt die Weiterschlafsprache plötzlich nicht mehr seit über 3 Wochen? Kann das mit der Entwicklungsphase zusammenhängen, die mit ca. 8 Monaten ist? Wie soll ich mit dem Geschrei in der Nacht umgehen? Am Tag ist das Baby neugierig und lacht viel. Danke schon einmal! Viele Grüße Sonja
Liebe Sonja, schön, dass Sie auch schon gute Zeiten und bessere Nächte durch die "Weiterschlafsprache" hatten. Mit 8 Monaten ist es natürlich schon ein großes Baby, durchsetzungsstark und vehement. Vorsichtshalber möchte ich nochmal daran erinern, dass wirklich tagsüber ausreichend Kalorien, also kaloriendichtes Essen (zB Joghurt etc.) angeboten werden sollte. Gerne im Zweifel auch tagsüber nach den Mahlzeiten stillen, damit der nächtlicher Hunger sich in Grenzen hält. Ich habe schon oft erlebt, dass Kinder die tagsüber wirklich durch das angebotete Essen satt werden, das nächtliche Stillen weniger einfordern. Grundsätzlich werden die Kinder ja wegen der Schlafphasenwechsel wach und erwarten das, was sie gewöhnt und vertraut sind, sie sind nachts desorientiert, daher schnell lautes Schreien und wissen nichts über den Unterschied von 2stdl oder 2,5 stdl. "Antworten". Zum Schreien in der Nacht: das regelmäßige Erwachen in der Nacht ist ein Mischprodukt aus Erwartungen zB Stillen (Dopamin-Oxytocin-Aktivierung des Belohnungszentrums) und Erfordernissen zB Nahrung weil Hunger oder zB Wiedereinschlafen weil müde. Leider ist die kindliche Anfrage nach elterlicher Hilfestellung mit Schreien und nächtlicher Desorientierung (oft gar nicht ganz wach) verbunden. Gleichzeitig mit dem Schreien kommt es zu einer Aufregung, die das Weiterschlafen verhindert. Mein Rat dazu: lieber nochmal das Licht anmachen und das Kind aufwecken bzw. zur Orientierung bringen. Sozusagen: "Ach Mama du bist es"... ja genau... und dann funktionieren oft auch wieder Trostmaßnahmen und das Ein- bzw Weiterschlafen. Es kann leider auch passieren, dass das Kind 2 Std. wach bleibt, wenn es sich maximal aufregt. Dann schläft es erst wieder nach 2 Std weiter, dann auch ohne Stillen, denn die nächste Schlafphase nimmt es mit in den Schlaf. Was ist nun passiert? Ihr Kind ist älter, reifer geworden. Entwicklung ist passiert. Damit müssen alle lernen umzugehen. Es wird auch noch heftiger, denn mit zunehmendem Alter kommt die Motorik und auch der eigene Wille ins Spiel. Was kann jetzt noch helfen: 1.Tagsüber altersgemäßes Schlafen. Lieber 2 Tagschläfchen als 3, lieber mehr Schlafdruck und dadurch selbstständigeres Einschlafen üben. 2. Ein Übergangsobjekt sollte tagsüber auch außerhalb des Bettes mit emotionaler Bedeutung aufgeladen werden. Denn das Kind soll sich ja irgendwann selber helfen können. 3. Der Papa könnte unterstützen zB beim nächtlichen Einschlafen und in der ersten Nachthälfte. Sie schlafen in einem anderen Zimmer. Dann bringt er das Baby zum Stillen. Dann satt stillen und dann entweder nimmt er es wieder mit oder Sie kümmern sich in der 2. Nachthälfte. Optimalerweise haben Sie in der 1. Nachthälfte schon mal vorgeschlafen. Irgendwann (in Monaten, oder Jahren) wenn das Kind aufwacht, gibt es nur noch eine Erinnerung, also eine verbale Rückversicherung: schschsch alles ist gut, dreh dich rum, nimm dein Kuscheltier und schlaf weiter. Das ist das Ziel... Wann das Kind soweit ist, ist moralisch neutral. Also wenn Sie derzeit nachts fix und fertig sind und lieber in der Schlaf stillen, können Sie das natürlich machen. Sie wissen ja jetzt um die Zusammenhänge Bescheid und können es dann verändern, wenn sie ganz sicher sind und ihre klare Haltung allen hilft. Ich würde es nochmal mit dem Papa besprechen , denn die besten Erfolge habe ich, wenn die Papas mithelfen und der quälende Schlafmangel auf mehrere Schultern verteilt ist. Wenn das keine Option ist, dann entscheiden SIe nach ihrer Energie. Alles Gute für Sie Daniela Dotzauer
Sonja M
Liebe Frau Dr. Dotzauer, vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort! Ich habe sehr viel darüber nachgedacht. Ich hoffe, es ist in Ordnung, wenn ich noch ein paar Nachfragen stelle. 1) Das leuchtet mir ein, dass die Babys nicht wissen, wann sie ohne Stillen weiterschlafen sollen und wann wieder Stillzeit ist. Aber wie kann man das lösen? Ich dachte immer, dass das der Sinn von "Schlaftrainings" ist? Sind dann feste Uhrzeiten sinnvoller? Also z. B. das erste Stillen gegen 23 Uhr und die zweite gegen 2 Uhr, auch wenn die erste zufällig erst um Mitternacht war? Würde das helfen oder bringt das nichts? 2) Das Schlimmste für mich am Ganzen ist nicht einmal der Schlafmangel (der ist natürlich auch nicht schön), sondern das Geschrei in der Nacht. Mit dem Lichtanmachen habe ich probiert und werde es noch weiter machen. In der ersten Nacht hat es toll geholfen, danach leider gar nicht mehr. Meine Frage: Wie lange muss ich noch "Durchhalten", bis es besser wird? Ich lese so viel darüber und überall steht, dass es eine Woche heftigen Protest gibt und es danach besser wird. Bei mir geht der (teilweise heftige) Protest nun schon 5 Wochen... (Obwohl ich dachte, ich hätte es davor schon abgewöhnt.) Und deshalb zweifle ich langsam an dem Ganzen, habe aber noch nicht aufgegeben, weil ich diese 3-Stunden-Abstände schon unbedingt will. 3)Würden Sie mir ein professionelles Schlafcoaching empfehlen? Es kostet natürlich viel Geld und da ich mich schon so viel in die Thematik eingelesen habe und auch meiner Meinung nach konsequent umgesetzt habe, will ich es nur machen, wenn man mir auch wirklich neues Werkzeug an die Hand gibt. Vielen Dank noch einmal und viele Grüße Sonja
Guten Tag, @1: feste Uhrzeiten sind nicht die Lösung Ihres Problems. Ihr Kind braucht eigenregulative Strtegien unabhängig von der Uhrzeit. @2: Kein Mensch kann vorhersagen, wann ihr Kind das Schlafphasenverbinden lernt. Wenn sich in 5 Wochen nichts verändert hat, sollte nochmal das Prozedere hinterfragt werden. @3: auch diese Frage kann ich Ihnen leider nicht beantworten. Nachdem Sie schon so viel wissen und umgesetzt haben, kann ich Ihnen nicht versprechen dass Sie in einem professionellem Schlafcoaching auch wirklich ein neues Werkzeug an die Hand bekommen. Manchmal ist es auch eine Frage der Reife und ich wünsche Ihnen eine baldige Verbesserung ihrer Situation. Herzliche Grüße Daniela Dotzauer
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