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Zöliakie - wenn Gluten krank macht

Zöliakie - wenn Gluten krank macht

Zöliakie ist eine ernste Darmerkrankung, bei der es zu einer chronischen Entzündung der Darmschleimhaut kommt. Die Betroffenen leiden an starken Verdauungsbeschwerden wie Durchfällen und Bauchschmerzen.

Weil durch die Darmentzündung zu wenig Nährstoffe aufgenommen werden können, bleiben die Kinder in der Entwicklung und im Wachstum zurück. In Deutschland geht man mittlerweile davon aus, dass eines von 500 Kindern die Veranlagung für Zöliakie in sich trägt. Die Krankheit bricht jedoch nur bei jedem vierten Träger auch aus.

Am häufigsten erkranken Kinder im Alter von 1 bis 8 Jahren. Die ersten Krankheitszeichen treten oft 3 bis 6 Monate nach dem Beikoststart auf, wenn das Kind bereits Vollkornbrei, Brot oder Zwieback zu essen bekommen hat. Es kommt zu Durchfall, übelriechendem Stuhl und Erbrechen. Manche Kinder sind blass, müde, abgeschlagen, haben keinen Appetit oder zeigen einen aufgetriebenen Bauch bei dünnen Gliedmaßen. Andere Kinder schlafen schlecht, sind übellaunig und reizbar. Bei den meisten Betroffenen zeigt sich nicht das ganze Bild der Krankheit - bei 80 bis 90 % der Betroffenen treten untypische Formen auf.

Glutenunverträglichkeit als Ursache

Für die chronische Darmentzündung und den damit verursachten Schleimhautschaden im Dünndarm ist das Klebereiweiß Gluten verantwortlich. Gluten ist ein in den meisten Getreidesorten enthaltenes Eiweiß. Bei Zöliakie-Patienten reagiert der Körper falsch auf Gluten. Er hält Gluten für einen feindlichen Stoff, den man bekämpfen muss und bildet dagegen Abwehrstoffe. Diese Antikörper greifen aber auch den Dünndarm an und führen zu einer Zerstörung der Dünndarmschleimhaut. Schon kleinste Mengen an Weizen, Dinkel, Roggen, Hafer oder Gerste können ausreichen, um bei Zöliakie-Patienten Beschwerden im Darmtrakt auszulösen.

Eine Zöliakie wirkt sich langfristig negativ auf die Beschaffenheit der Darmzotten aus und beeinträchtigt somit die Aufnahme von Nährstoffen aus der Nahrung. Normalerweise werden dem Nahrungsbrei im Dünndarm über die Darmzotten Nährstoffe entzogen. Die Nährstoffe werden anschließend über das Blut in die verschiedenen Organe geschleust. Bei einer Zöliakie ist die Dünndarmschleimhaut entzündet, die Darmzotten sind deshalb verkümmert und die Nährstoffe können deshalb nur schlecht aufgenommen werden. Der Verzehr glutenhaltiger Nahrungsmittel wie Weizen, Roggen, Gerste oder Dinkel befeuert bei den Betroffenen die Entzündungsprozesse. Dadurch wird die Darmschleimhaut immer wieder angegriffen und die Darmzotten auf Dauer zerstört.

Wie kommt es zur Zöliakie?

Die einzig bislang bekannte Ursache für Zöliakie ist eine genetische Veranlagung. Alle Menschen, die an Zöliakie erkranken, tragen bestimmte Gene (HLA-DQ2 und/oder HLA-DQ8), die für die Überreaktion auf Gluten verantwortlich sind. Deshalb tritt Zöliakie auch familiär gehäuft auf: 10 bis 15% der engsten Verwandten (1. Grades) eines Zöliakie-Patienten sind ebenfalls betroffen.

Die Darmentzündung ist solange aktiv, wie der Betroffene glutenhaltige Lebensmittel isst. Achtet man strikt auf glutenfreie Nahrung, bessern sich die Sympthome und die Entzündung der Darmschleimhaut klingt ab. Die Zöliakie tritt oft auch mit anderen Erkrankungen auf. Dazu gehören unter anderem Diabetes, Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse oder der Haut. Ferner tritt eine Zöliakie häufiger in Verbindung mit anderen genetischen Erkrankungen auf wie z. B. bei Menschen mit Down-Syndrom oder dem Turner-Syndrom.

Unbehandelt kommt es wegen der schlechten Versorgung mit Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen zu einer Mangelernährung, die zu Kleinwuchs, Rachitis, Blutgerinnungsstörungen, Knochenschmerzen, Schäden am Zahnschmelz und verspätet einsetzende Pubertät führen kann. Auch Kinderlosigkeit kann bei Frauen durch eine unbehandelte Zöliakie auftreten.

Diagnose von Zöliakie

Besteht der Verdacht auf Zöliakie, muss das Kind vom Kinder- oder Jugendarzt sehr genau untersucht werden. Wichtig: Bis die eindeutige Diagnose feststeht, sollten die Kinder normale Kost zu sich nehmen. Vor der Diagnostik darf keine Auslassdiät erfolgen, da sonst die Untersuchungsergebnisse nicht eindeutig ausfallen könnten. Der Arzt wird wahrscheinlich einen Bluttest veranlassen bei dem die IgA-Antikörper bestimmt werden.

Eine Antikörperbestimmung im Stuhl ist ungeeignet. Das entnommene Blut kann auch auf die relevanten Genkombinationen hin untersucht werden, die für Zöliakie infrage kommen. Um die Diagnose zu erhärten, bedarf es einer Gewebeprobe aus dem Dünndarm. Hierbei wird bei einer Magen-Darm-Spiegelung dem Kind die Gewebeprobe entnommen und untersucht.

Da sich bei einer Zöliakie häufig bereits ein Mangel an lebenswichtigen Stoffen entwickelt hat, wird neben dem Blutbild auch der Blutspiegel von Vitamin B12, Folsäure, Speichereisen, Calcium, Leberenzymen, Glucose, Vitamin D, Zink und dem Hormon, das die Schilddrüse stimuliert (TSH), festgestellt.

Steht am Ende der Diagnostik fest, dass ein Kind Zöliakie hat, ist auch eine Untersuchung von Eltern und Geschwistern empfehlenswert, da die Krankheit familiär gehäuft auftritt.

Therapie bei Zöliakie

Bislang gibt es nur eine Möglichkeit, die Krankheit in den Griff zu bekommen: Die Betroffenen müssen sehr konsequent und ein Leben lang auf glutenhaltige Lebensmittel verzichten. Dazu gehören alle Produkte, die in irgendeiner Form Roggen, Hafer, Weizen, Gerste oder verwandte Getreidesorten, wie z.B. Dinkel oder Grünkern, enthalten. Natürlich auch Mehl, Grieß, Stärke, Getreideflocken, Müsli und Paniermehl. Außerdem alle Produkte in denen normales Mehl enthalten ist wie Brot und Brötchen, Kuchen, Gebäck, Pizza und Nudeln.

Gluten tritt aber auch versteckt in Stabilisatoren, Emulgatoren, Geschmacksverstärkern, Verdickungsmitteln und anderen Lebensmittelzusatzstoffen auf. Sogar in manchen Wurstwaren, Fertigsoßen und -suppen, Puddingpulver, Malzgetränke, Malzbonbons, Malzkaffee und Bier ist Gluten enthalten. Außerdem können sogar Senf, Ketchup, Sojasoße, Eis, Brotaufstriche, Gewürzmischungen, Chips und anderen Knabbereien Gluten enthalten. Auch bei einem Restaurantbesuch sollte man genau überlegen, was das Kind essen kann. Selbst bei Nachfrage kann es deshalb sein, dass Gluten mit Glutamat verwechselt wird und die Soße zwar frei von Geschmacksverstärkern (Glutamat) ist, jedoch mit einem normalen Mehl gebunden wurde - also sehr wohl Gluten enthält.

Sogar bei der Verarbeitung von Arzneimitteln werden glutenhaltige Hilfsstoffe verwendet. Fragen Sie deshalb immer bei einer neuen Verordnung in der Apotheke nach, ob das Medikament auch glutenfrei ist.

Glutenfreie Ernährung

Steht man am Anfang der Ernährungsumstellung, sollten Eltern die Inhaltsstoffe verarbeiteter Lebensmittel sehr genau lesen und auf glutenhaltige Zutaten hin prüfen. Seit 2005 besteht zwar eine Kennzeichnungspflicht für glutenhaltige Zutaten, trotzdem gibt es viele Ausnahmen. Bis man etwas Sicherheit gewonnen hat, kann man anfangs auch nur Produkte verwenden, die ausdrücklich als "glutenfrei" deklariert sind. Naturbelassene Milchprodukte, Marmeladen, reine Fruchtsäfte und Mineralwasser dürfen laut Lebensmittelgesetz keine Gluten-Zusätze enthalten. Mit der Zeit entwickelt man Routine und weiß z. B. welche Schokolinsen Gluten enthalten und welche Marke glutenfrei ist.

Glutenfrei sind in der Regel Lebensmittel wie Milch, Joghurt, Quark, Käse, Butter, Öl, Fleisch, Fisch, Tofu, Obst, Gemüse, Kartoffeln, Reis, Hirse, Amaranth, Quinoa, Maniok, Soja, Buchweizen, Mais. Auch Eier, Nüsse und Kastanienmehl oder Johannisbrotkernmehl vertragen die Betroffenen meist problemlos. Inzwischen gibt es in Drogerien, Biomärkten und Reformhäusern eine ganze Reihe als glutenfrei deklarierter Brote, Mehle und anderer Produkte, die von Zöliakie-Patienten gegessen werden können.

Um zuhause ganz sicher zu gehen, sollten glutenfreie Lebensmittel getrennt von glutenhaltigen Nahrungsmitteln aufbewahrt werden. Und auch beim Kochen sollte man darauf achten, Bestecke, Kochlöffel oder das Kochgeschirr gut zu reinigen, bevor man sie für das glutenfreie Essen verwendet.

Vitaminmangel ausgleichen

Zu Beginn der Diät kann es sein, dass der bestehenden Mangel an Vitaminen, Spurenelementen -und Nährstoffen mit zusätzlichen Präparaten auszugleichen werden muss. Grundsätzlich gilt: Unternehmen Sie bei Zöliakie nichts auf eigene Faust, sondern halten Sie im Zweifelsfall Rücksprache mit dem behandelnden Arzt. Wird die Diät konsequent eingehalten, kann sich der Dünndarm regenerieren. Die Durchfälle lassen nach und das Kind hat wieder Appetit. Die Stimmungslage und das Allgemeinbefinden des Kindes bessern sich. Die Kinder entwickeln sich bei konsequenter Diät körperlich und seelisch völlig normal und sind voll leistungsfähig.

Diätfehler führen bei älteren Kindern oder Erwachsenen nicht unbedingt zu Durchfall oder anderen typischen Symptomen. Wenn die Diät jedoch langfristig nicht konsequent eingehalten wird, steigt das Risiko von Osteoporose (Knochenschwund) oder Lymphknotenkrebs an. Auch das Risiko an anderen Autoimmunerkrankungen wie Diabetes Typ 1 oder an einer Form der Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion zu erkranken, steigt an.

Um sein Kind möglichst konsequent glutenfrei zu ernähren, müssen auch enge Verwandte, Freunde, Lehrer, Kindergarten und Familien mit denen das Kind durch Spielkameraden Kontakt hat, über die Erkrankung und die nötige Diät informiert werden. Auch das Kind selbst muss seinem Alter entsprechend informiert sein, damit es z. B. versteht, warum es nur bestimmte Kekse und spezielles Brot essen darf.

Weitergehende Informationen über die Krankheit und die damit verbundene Ernährung finden Sie bei der Deutschen Zöliakie Gesellschaft.

von Dagmar Fritz

Zuletzt überarbeitet: Oktober 2016

   

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