Elternforum Mehrsprachig aufwachsen

@Ursel und jeden, der mitsenfen will 😀

Mehrsprachig aufwachsen
@Ursel und jeden, der mitsenfen will 😀

Streuselchen

Liebe Ursel und alle anderen, Ich finde, dass total spannend, wenn Kinder quasi spielend eine zweite Muttersprache lernen. Ich finde, das ist so eine große Chance, die Kind und Eltern nutzen sollten. Man weiß nie wozu die 2. Sprache mal gut ist. Und nie wieder lernt man leichter als im Kinderalter. Wie ist das bei deinen Töchtern liebe Ursel - natürlich auch ihr alle anderen! - gibt es eine Sprache, die stärker ist? Also Deutsch oder Dänisch? Dänisch ist ja logisch die Umgebungssprache, aber du sprichst Deutsch und eigentlich haben die Mütter (so meine Erfahrung) grösseren Einfluss. Ich hatte Mal eine russische Nachbarin. Die Familie ging ihr über alles, russische Traditionen wurden gelebt und wenn die Familie zusammenkam wurde nie Russisch gesprochen. ABER: Ihre Kinder können kein Wort Russisch, weder lesen noch schreiben. Ich konnte es gar nicht fassen. Sie hat's verpasst - meine erstaunte Nachfrage war ihr sehr peinlich. Liebe Grüße


Streuselchen

Antwort auf Beitrag von Streuselchen

Doofe Autokorrektur. Also die russischen Nachbarn sprachen zusammen "nur" Russisch, nicht nie.*Kopfschüttel*


desireekk

Antwort auf Beitrag von Streuselchen

Ich senfe mal mit: Meine Kinder sind in die USA gezogen, da waren sie zwölf und 14. Das ist jetzt neun Jahre her. Ich spreche konsequent und immer mit in Deutsch, sie haben auch noch Kontakt zur deutschen Familie. Trotzdem insgesamt englische immer einen sehr dominanten Raum ein. Hörbücher, zum Beispiel, hört mein großer, fast nur auf Englisch. Der kleine ist im amerikanischen Militär, da gibt es kaum Raum für deutsches, er spricht also noch deutsch, aber Schriftdeutsch ist eine Katastrophe. Wobei er generell nicht sprachbegabt ist und auch seine englische Schrift … Reden wir nicht drüber… Die Freundin meines großen kommt aus Aserbaidschan/Russland. Sie spricht fließend, russisch. … Das wird mal interessant, sollten die beiden Kinder zusammen bekommen…


DK-Ursel

Antwort auf Beitrag von Streuselchen

Aus eigener Erfahrung! Bei meiner Großen war Deutsch bis zum KIGA m.E. sogar einen Tuck vor der dän. Sprache., das fand sie selber auch. danach gleichberechtigt, solange sie hier wohnte. Die jüngere Schwester hat wie viele Nachfolgekinder einige Defizite, spricht aber auch fließend und auf gutem Niveau und da waren beide Sprachen auch gleichberechtigt. Jetzt, wo beide für sich wohnen, ist Dänisch natürlich die vorherrschendere Sprache, aber beide Mädchen kommunizieren ja weiterhin deutsch mit mir, schriftlich wie mündlich. Ich merke nicht wirklich, daß sie Mühe haben, sich mit wem auch immer über was auch immer auf Deutsch zu unterhalten.


Streuselchen

Antwort auf Beitrag von DK-Ursel

Danke Desiree und Ursel für eure Einblicke. Es stimmt schon ... ich habe selbst einige Jahre im Ausland gelebt. Und wenn man im Alltag kein Deutsch braucht, vergisst man ganz schnell. Das habe ich immer bei Telefonaten mit der Familie daheim gemerkt, dass mir bestimmte Worte nicht mehr einfielen. Aber eine andere Sprache noch zu können, einfach so ... ohne Anstrengung einfach so mit auf den Weg bekommen zu haben, das ist ein Riesengeschenk.


Ellert

Antwort auf Beitrag von Streuselchen

Mein Mann hatte einen italienischen Vater der eher gebrochen deutsch gesprochen hat Früher ( Jg 63) hat man die zweite Muttersprache dann eher nicht gelernt weil man nicht als das Gastarbeiterkind gelten sollte, meiner bekam auch einen deutschen Vornamen nur nicht auffallen. Er konnte sich nie mit der italienischen Familie unterhalten bei besuchen, das war eben so. Heute geht man da anders ran, Zweisprachigkeit ist eine tolle Sache unser Enkelkind wird auch zweisprachig aufwachsen.


DK-Ursel

Antwort auf Beitrag von Ellert

Das stimmt, ellert. Als meine Kinder klein waren, geschah so langsam der Umbruch und man merkte, daß neben den alten Vorurteilen und falschen Thesen ,die bei den Leuten rumspukten ( meistens bei denen, die sich noch nie Gedanken zum Thema kindlicher Spracherwerb gemacht hatten, geschweige denn Mehrsprachigkeit) etwas änderte bzw. Andere nachwuchsen. Die Forschung nahm auch zu und entkräftete viele falsche Meinungen zum Thema . Wie sehr diese falschen Meinungen von Leuten, die keine Ahnung hatten, aber andere, vor allem eben auch mehrsprachige Eltern geprägt haben, konnte man sehr gut in den diversen Foren zum Thema oder auch mailingslisten merken. Immer wieder muten wir da frischgebackenen Eltern Mut machen, es gegen alle Widerstände mit 2, manchmal eben auch 3 oder, wenn es nötig war, 4 Sprachen anzugehen. Denn das ist ja im Prinzip schon der erste falsche Gedanke, auch bei denen, die es so chic und praktisch finden, ihrem Kind in babyschühchen Auch schon Englisch ( und es geht IMMER um Englisch, nie um eine Sprache) mitzugeben, obwohl man eben nur deutsch als Muttersprache in der Familie hat. WIR machen das nicht, weil es so toll und praktisch ist, sondern weil wir als Familie in mind. 2 Sprachen leben. Leben müssen. Das ist keine grausame härte, so soll das nicht klingen, aber es is5 eben kein Hobby mal eben so, es ist keine Laune und kein Konzept : es ist unser Alltag. Ich habe noch etlichen Widerstand getroffen, sogar mal eine vorsichtige Bemerkung von Schwiegermutter, die sich um das wohl der Kinder sorgte, die wegen der dt. Sprache mind. von älteren Dänen noch ungnädig behandelt werden könnten. Ich habe besorgte Fragen gehört, ob die Kinder denn auch Dänisch könnten.ich bin echtem Widerstand begegnet ebenso wie gutgemeinten Ratschlägen. Und auch wenn ich auch in manchen Dingen unsicher war wie eine Erstlingsmutter eben ist: bei diesem Thema stand ich fest, da konnte mir keiner wirklich reinreden, da wußte ich ohne viel Forschung und so etwas, daß wir nicht anders KONNTEN. Heute sieht man auch integration schon etwas anders als noch vor 20-30 Jahren, dazu gehört das thema Muttersprache nämlich auch. Und all das hilft, denn einem menschen seine Sprache zu nehmen, ist gleichbedeutend mit ihn eines Teils seiner Identität zu berauben. Wer dass nicht versteht, sollte sich zumindest fragen, wieso manche Diktaturen ihren Minderheiten verbieten, ihre Sprache = Kultur zu pflegen! Schade für Deinen Mann, einmal wegen der familiären Kommunikation , aber auch, weil Italien ihm damit doch ein Stückchen genommen wurde!


Ellert

Antwort auf Beitrag von DK-Ursel

Gerade bei meinem Mann ärgere ich mich und die Kinder fragten das auch imemr wieder warum er es nie gelernt hat er scheint es auch nicht gewollt zu haben denn etwas hätte man doch auch aus den Urlauben mitgenommen ? ich hätte nie gedacht dass die Dänen da bedenken wegen deutscher Sprache hatten, aber die Generation Krieg hat wirklich auch geprägt Heute weiss man so vieles, ich hoffe beim Enkelkind wird das so reibungslos klappen denn es soll sich eben genau in seinen wurzeln erkennen und auch sich mit der Familie unterhalten können.


DK-Ursel

Antwort auf Beitrag von Ellert

Nun ha, ich habe bei ih4 zwar nie ausgeprägten Deutschenhaß gespürt, dennoch erzählte meine Schwiegermutter mir mal, sie habe sich geschworen, nie mehr Deutsch zu reden… tja, und dann komme ich Wegen des Krieges hatte Schwiegermutter Bedenken, ich muß zur Ehrenrettung der Dänen sagen, daß mir nie passiert ist, was sie befürchtete. Die älteren Damen im gemeinnützigen secondhandladen, wo ich viel mit den Kindern war und wir ja, solange wir nur rumguckten, Deutsch redeten, fragten höchstens besorgt, ob die Mädchen auch Dänisch konnten. Konnten sie, also alles gut In der Schule wurden die Kinder durchaus als Nazis beschimpft, und die Familie meiner Freundin, die in unsere Nähe zog, hatte in Kopenhagen noch üblere Dinge erlebt… aber wie gesagt, das ist jetzt jetzt ja auch schon wieder lange her. Damals hatten sogar die jüngeren Dänen Angst vor einem großen wiedervereinigten Dtld., heute mögen sie es schlimmstenfalls nicht, aber daß DK so ein kleines Land ist , dafür können ja nun mal nichts. Die Nicht-Kriegsgeneration hatte aber sehr oft die üblichen Vorurteile gegenüber mehrsprachigkeit, die nicht nur an mir abprallten, weil mir niemand meine Sprache hätte nehmen dürfen, nehmen darf, sondern auch, weil wir dazu beide entschlossen war3n, mein mann und ich, und weil ich nie Zweifel hegte, daß das klappt. Später drehten sich die Bemerkungen auch oft ins Gegenteil, wenn die Leute merkten, daß die Kinder auch Dänisch konnten und damit in der Schule sogar die besten Aufsätze etc schrieben. Dann kam oft, was für ein Vorteil das doch sei, Deutsch sei ja so schwer in der Schule zu kernen! (Das war nun nie mein Beweggrund, aber sei‘s drum). Menschen mit sprachen wie arabisch oder türkisch oder kurdisch oder… haben es da bis heute ja schwerer. Wo ich mic/ dann frage, was Dänen glauben, wie „angesehen und wertvoll“ ihre eigene Sprache wohl angesehen ist, wenn man die in Dtld. spricht…weit kommt man damit ja nun nicht, der praktische Wert, mit dem sie da Sprachen be- un€ abwerten , würde ja just bei so einer „unwichtigen“ Sprache noch mehr ins Gewicht fallen, und ich lernen viele dänische Kinder im Ausland ja auch die Sprache ihrer Eltern, Gott sei Dank.