Tanja92
Hallo ihr Lieben, ich wollte mal fragen, ob es hier noch Mamas mit Kindern (4/5) gibt, die ein sehr intensives Temperament haben. Mein Sohn ist eigentlich ein liebevoller, kluger Junge, aber er hat aktuell große Schwierigkeiten mit Regulation – im Kindergarten kommt es z. B. zu Schlagen und Beleidigungen, vor allem in stressigen Situationen oder Übergängen. Zuhause merke ich auch, dass er oft sehr aufgedreht ist und schwer runterkommt, obwohl er auch ruhig spielen kann (z. B. Lego). Wir sind gerade dabei, das mit Kinderarzt/Kiga abzuklären und ich würde mich sehr über Austausch mit Eltern freuen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Wie geht ihr damit um? Was hat euch geholfen? 💛
Also der Kinderarzt hilft maximal in medizinischen Fragen. Mit deinem Problem wirst du da keinen Erfolg haben. Ne gute Erzieherin könnte eventuell, vielleicht nen Tipp haben. Vielleicht mal bei der Erziehungsberatung anfragen? Ich versuche Termine (also Stress) zu reduzieren und viel in der Natur unterwegs zu sein.
Huhu, zuerst muss ich meiner Vorrednerin widersprechen, denn natürlich ist der Kinderarzt der erste Ansprechpartner bei auffälligem oder aggressivem Verhalten im Kiga oder gegenüber anderen Kindern. Er kann zum Beispiel zur Ergotherapie überweisen oder auch in ein Frühförderzentrum. Für impulsive Jungs wie deinen Sohn ist es wichtig, dass sie möglichst wenig Medien konsumieren: wenig fernsehen (max. eine Stunde in diesem Alter, eher weniger), kein Gameboy, keine X-Box oder Playstation. Die schnellen, bunten Bilder reizen das Gehirn unruhiger Kinder zusätzlich, das ist Gift für so ein Kind. Stattdessen sollten diese Kinder sich körperlich stark ausagieren können. Zum Beispiel im Sportverein (Fußball-Minis, Frühschwimmer usw.), aber auch täglich draußen in der Natur – auch nachmittags, also nicht nur im Kiga. 5 Jahre ist zudem ein sehr gutes Alter für Ergotherapie, damit das Problem bis zum Schulalter möglichst wieder weg ist. Ich bin Lehrerin, und ich kann nur sagen: Solche Kinder machen es sich sonst leider in der Schule oft selbst schwer: Sie ecken bei der Lehrerin, bei den Klassenkameraden und auch bei deren Eltern an. In diesem Alter steuern die Eltern die Freundschaften noch stark mit, und ein aggressives Kind wird nicht nach Hause zum Spielen eingeladen, sondern von Eltern gemieden. Oft beschweren sich andere Eltern auch bei der Lehrerin, wenn das eigene Kindgeschlagen wurde. Deshalb würde ich jetzt aktiv werden und mit dem Kinderarzt über eventuelle Ergotherapie reden. Beschönige dabei nichts, stelle deinen Sohn auch nicht als "eigentlich lieb" dar, sonst kriegt ihr keine Verschreibung. Ich würde ruhig ehrlich sagen, dass sein Verhalten im Kindergarten für Probleme sorgt und dass du begründete Angst hast, dass er dieses Verhalten mit in die Schule nimmt, wenn jetzt nichts geschieht. Sei hier ruhig nachdrücklich. Bei der Ergotherapie lernen Kinder in kleinen Gruppen spielerisch, sich auf andere einzustellen, mit ihnen adäquat und konstruktiv zu kommunizieren, ihre Bedürfnisse verbal zu äußern. Sie bekommen kleine Aufgaben und Projekte (z.B. Zirkusspiel), die sie gemeinsam lösen müssen. Sie lernen dabei ganz nebenbei und unbemerkt, sich in eine Gruppe einzufügen, jeden zu Wort kommen und mitmachen zu lassen. Also alles soziale Skills, die Routine und Fairness im Umgang mit anderen Kindern vermitteln. Das ist etwas, dass man nicht durch Ermahnungen des Kindes erreichen kann, sondern ausschließlich durch Übung und Training. Falls ihr das macht: dem Kind nicht sagen, dass es da hinmuss, weil es sich nicht gut verhalten hat. Sondern sagen: "Da gibt es ein tolles Angebot für Kinder in deinem Alter. Wir glauben, dass dir das Spaß machen wird, deshalb gehen wir da hin." Es sollte nicht problematisiert werden, damit das Spielerische erhalten bleibt. Das Kind muss nicht wissen, dass es "Therapie" macht, das ist unnötig. Und die Ergo funktioniert dann sogar besser. Falls der Ki-Arzt keine Ergo für nötig hält, was gut sein kann, würde ich zumindest einige Termine bei einer Erziehungsberatung wahrnehmen. Auch das ist pures Gold wert, denn Außenstehende sehen die Knackpunkte im Alltag, bei denen man ansetzen kann, meist viel besser als man selbst (weil man zu tief drinsteckt). Oft sind nur wenige Beratungsgespräche nötig, um im Alltag Verbesserungen zu erreichen. Auch dies würde ich jetzt machen, und nicht erst, wenn dein Sohn in der Schule bereits Probleme bekommen hat. Kostenlose und nette Erziehungsberatung bieten zum Beispiel die Caritas, die Diakonie und der Kinderschutzbund an sowie weitere gemeinnützige Vereine und öffentliche Einrichtungen. Auch danach, welche er da empfiehlt, kann man den Kinderarzt fragen. LG