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Brauche bitte Ideen

Brauche bitte Ideen

Nela79

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Wende mich mit der Bitte um Ideen,  Erfahrungswette und Inputs an euch. Meine Tochter ist frisch 6 Jahre alt. Und im Augenblick finde ich es sehr herausfordernd mit ihr. Konkret geht es darum, dass sie aus medizinischen Gründen die Mundatmung durch Nasenatmung ersetzen muss. Daher sind wir immer wieder am Erinnern, gefühlt aber ist das total nutzlos, da nach spätestens 30 Sekunden ihr Mund wieder offen ist. Wir haben von der Logopädin kleine Silikonringe, die sie zwischen den Lippen halten soll. Das klappt zwar besser, auch da nimmt sie den Ring immer wieder raus. Wie kann ich meiner Tochter für sie verständlich begreifbar machen, dass ihr Verhalten negative Auswirkungen auf sie hat und dass das Atmen durch die Nase sehr wichtig ist? Und der zweite Aspekt ist, meine Tochter war früher immer sehr selbstständig und auch selbstbewusst, seit einiger Zeit - ich habe das Gefühl seit es im Kindergartenteam einen Wechsel gab und seit in der Gruppe jetzt auch 2jährige Kinder dabei sind, wird sie gefühlt immer unselbständiger und weniger selbstbewusst, dafür wird ihr Ego stärker. Es ist ihr oft langweilig, sie macht Dinge, die sie beginnt, nicht fertig, möchte das machen, dann sieht sie was anderes und möchte das erste dann aufhören und das zweite machen. Ich habe das Gefühl, dass es auch damit zusammen hängen könnte, dass im Kindergarten sie jetzt bei den Großen ist und die sich recht selbst überlassen werden bzw. oft auch z.B. zum Zusammenräumen von dem "benutzt" werden, was kleinere Kinder hergeräumt haben dann aber nicht mehr wegräumen oder sich um kleinere Kinder kümmern sollen, schauen, dass sie das oder das machen. Dafür werden die großen Kinder dann sehr gelobt und haben dann das Gefühl, wertvoll zu sein. Aber dieses innere Gefühl des Selbstbewusstseins das sehe ich nicht mehr und die Selbständigkeit reduziert sich auf anderen anschaffen wollen, was jetzt zu geschehen hat. Irgendwie hab ich das Gefühl, meine Tochter hat sich da so selbst verloren.  Ich bemühe mich schon, sie auf wichtige Werte hinzuweisen (die mein Mann, ist auch ihr Papa, und ich auch so vorleben und leben). Es kommt dann noch ein schwieriges Verhältnis zwischen mir und meinen Eltern dazu (die sehr manipulativ sind), dass wenn ich z.B., wenn wir bei ihnen sind, sage, "bitte mach den Mund zu und atme durch die Nase" oder "bitte schluck erst runter und rede dann, damit wir dich auch verstehen können" meine Eltern sagen "sei doch nicht immer so streng mit ihr", "dauernd hast du was an ihr auszusetzen", "geh, sie ist eh so brav". Ich bin grad echt ahnungslos, wie ich meiner Tochter vermitteln kann, dass das wichtige Dinge sind, auch wenn sie das nicht glaubt und ihr auch von meinen Eltern eingeredet wird, dass ich da falsch liege.  Und wie kann ich meine Tochter für ein gutes Selbstbewusstsein und gute Selbständigkeit stärken?  Puh, langer Text, danke an alle, die sich die Zeit zum Lesen genommen haben und Danke schon jetzt für Ideen und Tipps, aber auch gerne eure Wahrnehmung der Situation! Liebe Grüße Nela


Jenpatoka

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Antwort auf Beitrag von Nela79

Hallo,  ich versuche mal meine Gedanken dazu, dir mitzuteilen. 1.) zur Gesundheit: ja, deine tochter ist schon 6 Jahre alt und sie kann schon einige Sachen mehr sowie ist eigentlich verständiger als z.b. ein zweijähriges Kind, ABER sie ist keine kleine Erwachsene. Vorschulkinder und Kinder in der Grundschule haben noch nicht den Weitblick für viele Dinge, die (weit) in der Zukunft liegen (z.B. "wenn du weiterhin an deinen Daumen nuckelst, hast du bald/spätstens als Teenager schiefe Zähne und brauchst eine Zahnspange." Die Kinder hören zwar, was du sagst und dass es irgendwann eine Konsequenz gibt, aber das liegt für sie zu weit weg, das können sie noch nicht richtig fassen und machen daher in der Regel weiter.) das heißt für euch Eltern, ihr müßt eure Tochter weiter daran erinnern. Vielleicht hilft ja so etwas wie "wenn du jetzt es schaffst für 5 Minuten selber an deine Atemtechnik zu denken, dann malen wir zusammen ein Bild (oder irgendetwas kleines, das sie mag). Dieses dann immer mehr- zeitlich- ausweiten. 2.) Wenn deine tochter sich so stark verändert hat seit dem Gruppenwechsel bzw. die Umstrukturierung, dann würde ich die Erzieher*innen um ein Gespräch bitten und dabei deine Beobachtungen schildern. Du könntest das Personal bitten, sich für die Kindergartenzeit zu überlegen, wie sie deine Tochter stärken und weiter voranbringen möchten. Außerdem würde ich die Erzieher*innen daran erinnern, dass SIE die Hauptverantwortung zum Thema Aufsichtspflicht haben und nicht die Vorschulkinder. Ja, sie können die Kinder mal für einen kurzen Moment bitten aufzupassen, z.B. weil sie sie Gruppe verlassen müssen, um noch etwas zu holen o.ä. Zweitens sind die Vorschulkinder nicht hauptverantwortlich für das Aufräumen. Sie können gebeten werden bei den kleinen mitzuhelfen, aber ich finde die jüngeren Kinder können auch schon mit aufräumen. 3.) Für Zuhause kannst du deine Tochter darin unterstützen, dass du sie ermutigst, Dinge zuende zu bringen. Ebenso könnte sie kleine Dinge in eurem Alltag übernehmen/ erledigen. Schaut mal gemeinsam, was das sein könnte z.B. den Geschirrspüler ausräumen, immer Tisch decken o.ä. Sie für ihre erledigten Sachen und wenn sie sich an die Regeln bei euch hält loben. ABER Achtung: achtet darauf dass das Lob Ernst gemeint ist und nicht überhand nimmt, dass sie sozusagen abhängig vom gelobt werden wird. Desweiteren haben Vorschulkinder oft einen höheren Bewegungsdrang. Versucht dem nachzukommen, in dem ihr viel nach draußen geht (auf den Spielplatz, in den Wald, in den Park o.ä.). Falls sie noch in keinem Sportverein ist, könnte dies eine Möglichkeit sein, mal in verschiedene Sportarten hereinzuschnuppern, damit sie etwas für sich findet. 4.) Wenn dir deine Eltern nicht guttun, würde ich die Besuchszeiten stark reduzieren. Oder eine Weile nur deinen Mann mit deiner Tochter hinschicken. Ob du mit deinen Eltern ein klärendes Gespräch führen kannst, was dir im Umgang mit ihnen nicht gefällt, musst du selber entscheiden.    Viele Grüße Jenpatoka


JoMiNa

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Antwort auf Beitrag von Nela79

Generell finde ich deine Erwartungen an deine Tochter relativ hoch. Sie ist  keine "fertige" Erwachsene und noch ziemlich am Anfang ihrer sozialen Entwicklung. Da gehört es dazu, dass die Kinder mal auf "Abwege" geraten und auch sozial unerwünschte Verhaltensweisen ausprobieren. Das muss nicht heißen, dass deine Tochter diese später dauerhaft übernimmt. Also wenn du merkst, dass sie anfängt, dich herumzukommandieren, dann gib ihr ein negatives Feedback. Wenn du mal Kinder beobachtest, sie sind da auch sehr direkt. Du kannst deine Tochter zusätzlich unterstützen, indem du mit ihr möglichst direkt nach so einer Situation erklärst, warum ein anderes Kind es nicht gut fand und wie sie hätte sich besser verhalten können. Aber kurz und knapp. Lange Erklärungen, vor allem ohne konkreten Anlass, bringen meiner Meinung nach in dem Alter wenig. Zum Kindergarten: generell finde ich es in Ordnung, wenn die älteren Kinder mehr Pflichten haben und dafür vielleicht auch mehr dürfen. Das ist innerhalb einer Familie auch so. Aber es sollte natürlich fair bleiben, also zum Beispiel alle Kinder müssen aufhören mit spielen und sich am Aufräumen beteiligen, aber die kleinen bekommen die einfacheren Aufgaben. Du kannst schon ein Gespräch mit dem Kindergarten führen, ich würde mir aber erstmal aus der Sicht der Erzieherinnen die Regeln und Abläufe erklären lassen. Denn in dem Alter sind Kinder oft noch Ich-bezogen und fühlen sich schnell "ungerecht" behandelt, obwohl es vielleicht objektiv nicht so ist. Mit der Mundatmung finde ich es wirklich schwierig. Selbst Erwachsenen fällt es meist sehr schwer, sich lange angewöhntes Verhalten abzugewöhnen... Es ist eigentlich ganz normal, dass sie es ständig vergisst und in die alten Verhaltensmuster zurückfällt. Ich würde es mit den Tipps der Logopädin weiter probieren, aber keine schnellen Erfolge erwarten. Vielleicht haben deine Eltern sogar ein Stück weit recht, dass du da zu "belehrend" klingst. Es ist natürlich nachvollziehbar, da du die langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen im Kopf hast, und nur das beste für deine Tochter willst. Aber vielleicht kannst du versuchen, bei dem Thema mehr Verständnis für deine Tochter zu haben und mehr auf Augenhöhe mit ihr zu kommunizieren. Eventuell auch mal spielerisch und mit Humor und nicht nur mit den Konsequenzen drohen. Und noch zu deinen Eltern: Ich zweifle nicht dran, dass du das Verhältnis als schwierig empfindest. Aber die von dir zitierten Sprüche finde ich bis zu einem gewissen Rahmen normal. Das machen viele Großeltern, auch bei anderen Themen ("ach komm, das 3. Stück Kuchen wird schon nicht schaden"). Da braucht man ein bisschen Fingerspitzengefühl, um zum einen die wirklich wichtigen Punkte durchzusetzen, zum anderen ab und zu auch mal ein Auge zuzudrücken und deiner Tochter zu "gönnen", dass jemand ihre Partei ergreift und sie ein bisschen verwöhnt. Dadurch verlieren die Kinder nicht gleich den Respekt vor ihren Eltern.