Mitglied inaktiv
Hm. Habe unten in den Threads nachgelesen und überlegt, warum ich mich fürs Arbeiten gehen entschieden habe. Weil ich eine lange Ausbildung gemacht habe und hoch qualifiziert bin ? Weil wir das Geld brauchen? Weil ich meinen Traumjob habe? Weil ich es nicht "nur" mit Kindern und Haushalt aushalte? Weil ich (Ossi) so sozialisiert bin, weil ich es früher nie anders kennengelernt habe? Ja, ich habe eine sehr lange Ausbildung und sehr spezielle Qualifikation. Was inzwischen entsprechendes Gehalt nach sich zieht. Ich könnte vermutlich stundenweise berufsfremd arbeiten, ungelernt, müßte dann aber meine eigentliche Qualifikation verschweigen oder ständig mit dem ARgwohn leben, ich hätte mir was zu Schulden kommen lassen, weil sonst keiner verstehen würde, warum ich nicht in meinem eigentlichen Job arbeite... Ja und nein. Gemessen an dem Lebensstandard, den wir haben und auch durch ERsparnisse halten wollen, brauchen wir das Geld. Vielleicht nicht in der vollen Höhe, vielleicht würde es sogar nur mit dem Gehalt meines Mannes reichen. Dann aber ohne mehrere Reisen, ohne Ferienlager fürs große Kind etc. Das würde gehen. Wollen wir aber nicht. Ja, ich habe an sich genau in dem Bereich einen Job, den ich von Anfang an wollte. Nur leider hat sich in den Jahren meiner Berufstätigkeit das Profil dieses Jobs verändert und es hängt jetzt eine Menge dran, was ich überhaupt nicht mag. Es geht aber nicht ohne diese Dinge. Ich bin also halb und halb glücklich und gefrustet, gestresst damit. Und ja, an manchen Tagen bin ich durchaus froh, zur Arbeit zu können, zu Hause raus zu kommen. In den Anfangsjahren meiner Ehe wäre ich nicht auf die Idee gekommen, nicht zu arbeiten, sicher eine Frage der Sozialisation. Aber eigentlich , eigentlich ist es so: Ich würde wahnsinnig gerne nicht oder nur ein wenig arbeiten gehen, mit eine Nische suchen, wo ich nur das machen kann, was mir an meinem Job auch heute noch Spaß macht. Würde ich mit Kußhand finden. Ehrenamtlich oder so. Und dann hätte ich entspannt Zeit für meine Kinder, würde mir mit Sicherheit eine Menge interessante Freizeitbeschäftigungen für mich ausdenken können, die mir auch Erfolgserlebnisse und Anerkennung bringen. Nur eins kann ich mir absolut nicht vorstellen: Hausfrau zu sein. Im echten Sinne des Wortes, die Frau die hauptveranhtwortlich den Haushalt schmeißt und die Familie bekocht und so weiter. Das bringe ich nicht, das liegt mir nicht, da wäre ich nur gefrustet und hätte einen Mißerfolg am anderen. Aber mir den Luxus des zu Hause Bleibens zu gönnen der es wäre wenn ich NICHT die Aufgaben der Hausfrau übernehme - das fände ich der Familie gegenüber absolut unfair, weil die ja dann auf die Vorteile aus meinem Job verzichten müßte, ohne etwas dafür zu bekommen. Also hole ich mir meine Anerkennung aus meiner Arbeit, die ich gut kann auch an den STellen die ich nicht so gerne mag und mein Mann und ich teilen uns den Haushalt (plus einmal in der Woche kommt eine Putzfee und ja, ich gebe zu , der Tag ist der wo die Bude am Saubersten ist pro Woche.). Mit einer 20-Stunden-Stelle wäre ich übrigens wesentlich glücklicher, auf meiner jetzigen "Karrierestufe" gibts aber keine Teilzeitstellen mehr, wir haben nicht mal mehr ne STechuhr, damit wir die Überstunden nicht so genau abbummeln können. Ich leiste mir noch den Luxus, möglichst wenige Überstunden zu machen. Übrigens habe ich versucht, einen Karriereschritt zurückzugehen zugunsten einer größeren Zufriedenheit und familienfreundlicherer Arbeitszeiten. Den Job habe ich aber nicht bekommen, weil ich ja schon auf der anderen Ebene gearbeitet hatte und das als ungünstig fürs Firmenklima angesehen wurde. Ich bewundere die Leute, die es schaffen, aus einer Lebensunzufriedenheit heraus ihren ganzen Lebensstil umzukrempeln und materiell freiwillig bis zum Anschlag zurückzustecken, um sich zu verwirklichen bzw. andere Werte in den Vordergrund zu stellen, ich kann es nicht. Und PS: Eine Bekannte von mir wollte nach 4 Jahren Kinderpause (2 Kinder nacheinander bekommen) Teilzeit zurück in ihren Job, den sie noch hatte. Hätte sie auch gedurft, aber nicht mehr in der Filiale von früher, nahe ihrem Wohnort, sondern an der Hauptstelle 1,5 STd. Fahrt entfernt. Und Teilzeit bitte schön, aber mit Frühdienst ab 7 Uhr und Spätdienst bis 20 Uhr, schön regelmäßig aufgeteilt. Sie hatte ihren Traumjob, eigentlich. Und ein tolles Gehalt. Aber die Bedingungen waren selbst mit Kita im Ort die 6 bis 18 Uhr offen hat nicht realisierbar, da der Mann einen Job mit unregelmäßigen Arbeitszeiten und häufigen Dienstreisen hat. Also hat sie gekündigt und ist jetzt Hausfrau, kocht, bügelt, betreut ihre Kinder ohne Hort, ist notorisch unzufrieden mit ihrer Situation (obwohl ihre Wohung immer blitzt und ihr Essen lecker schmeckt und ihre Räume immer saisongerecht mit selbstgebastelten Dekos ausgestattet werden usw. - das sagt nicht sie von sich sondern das ist mein Eindruck wenn ich dort bin...) und hat eigentlich nie Zeit für irgendewas... Eine andere Bekannte hat am Ende ihrer Lehre das 1. Kind bekommen und geheiratet, sich nach dem 2. Kind scheiden lassen und der neue Mann war arbeitslos, sie hatten beide Hartz IV und das 3. Kind kam. Sie hat immer Arbeit gesucht, die sollte von 9 bis 13 Uhr sein, mit Menschen zu tun haben, hier in der Nähe (Land) sein und keinesfalls in dem erlernten Beruf, ausßerdem sollte auch noch mehr Kohle rumkommen als bei Hartz IV. Leider gabs nie so einen Job. Einmal sollte sie vom Arbeitsamt aus dann zu einer PC- und Bewerbungsschulung. Doch just zu diesem Zeitpunkt entwickelten sich quälende Rückenschmerzen , die dann infolge der nötigen Krankschreibung den Antritt der Schulung verhinderten. Und die im Laufe der Jahre mehreren Jobannoncen in ihrem erlernten Beruf hatten immer auch Spätdienste mit drin. (Wobei man sagen muß, daß sich in ihrem erlernten Beruf in den letzten Jahren so viel verändert hat, daß man da schwerlich nach so langer Zeit wieder reinkommt...)Das große Kind ist jetzt 12 Jahre alt. Jede hat ihre ganz persönlichen Gründe für ihre Entscheidung, oder sie läßt sich entscheiden, aber auch mit Grund. Und es ist bei weitem nicht jede Frau und Mutter hier rundum mit sich im Reinen damit, geschweige denn glücklich. So ist das Leben. Danke fürs Zulesen. Lg Uli
Hallo Uli, du schreibst mir aus dem Herzen. Ich habe zwar nicht alle Beiträge hier zu diesem Thema gelesen, aber so am Rande immer mitverfolgt und dieses Thema ist hier anscheinend auch ein Dauerbrenner. Ich gehe auch arbeiten, schon seit meine Maus 6 Monate als ist. Wir haben einen lieben Opa, und die paar Stunden am Tag hat sie locker verkraftet. Ich glaube meine Entscheidung arbeiten zu gehen wäre anders ausgefallen, wenn wir Opa nicht hätten. Die beiden sind ein Herz und eine Seele und noch heute (sie ist 5 1/2 Jahre alt) ist es Opa´s Privileg, morgens zu kommen und die Maus in den KIGA zu bringen. So fängt der Tag schon entspannt an, die beiden können sich Zeit lassen und ich komme nicht genervt an meiner Arbeitsstelle an. Ich weiß, es hat nicht jeder so einen Opa und es muss auch anders gehen, aber ich freu mich, dass das so ist. Zusätzlich müssen wir mind. 2x in der Woche zur Therapien, da unsere Süße entwicklungsverzögert ist. Sie hat schon super aufgeholt, geht in einen normalen KIGA und kommt auch ganz regulär in die Schule. Aber das nur zu den äußeren Umständen. Ich bin auch ständig hin- und hergerissen. Sicherlich ginge es auch irgendwie ohne, aber nur mit riesigen Einschränkungen. Und eigentlich bin ich sehr froh, dass wir uns so das 2. Auto leisten können und ich nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln (wir wohnen auf dem Land) zu den Therapien fahren muss. Auch finde ich es schön, wenn wir uns zumindest einmal im Jahr einen Urlaub auf dem Bauernhof gönnen können. Dies entschuldigt dann auch so manchen Stress. Und wie du schon schreibst, manchmal muss man einfach auch von zu Hause raus. Und so machner Stresstag im Job ist dann doch Ablenkung und Entspannung von zu Hause. Das schlechte Gewissen nagt zwar auch immer wieder mal an mir, aber die Zeit nach dem KIGA (Teilzeit) bis abends werden von meiner Tochter und mir in vollem Umfang genutzt. Da ist dann halt auch mal nicht aufgeräumt, wenn jemand kommt. Aber das juckt mich mittlerweile auch nicht mehr, denn meine Familie ist mir wichtig und nicht was andere Leute denken. Dies soll natürlich nicht abwertend denen gegenüber klingen, die ganz zu Hause für Ihre Familie da sind. Im Gegenteil, ich bewundere diese Frauen, denn es bedeutet schon sehr viel, seine eigenen Interessen ganz hinten anzustellen und einiges an Selbständigkeit aufzugeben. Hut ab. Leider gehöre ich nicht zu der Gruppe, die das könnte. Und ich denke, jeder muss das für sich selbst entscheiden. Ein Urteil darüber, ob das Gut oder Schlecht ist, denke ich, darf sich eigentlich niemand erlauben, denn man muss erst mal in der Situation sein, um das beurteilen zu können. Schöne Ostern noch wünscht euch Lucia
liebe uli, auch mir sprichst du aus der seele, in so ziemlich allem, was du schreibst: "Weil ich eine lange Ausbildung gemacht habe und hoch qualifiziert bin ?" ja, ich liebe meinen beruf und möchte wirklich nichts anderes machen! und die lange ausbildung habe ich schließlich nicht für einen aushilfsjob an der supermarktkasse gemacht. "Weil wir das Geld brauchen?" ja, in meinem fall sehr stark, weil ich die hauptverdienerin bin und wir ein haus abzahlen. "Weil ich meinen Traumjob habe?" JA! "Weil ich es nicht "nur" mit Kindern und Haushalt aushalte?" ich war bei meiner großen 13 monate daheim, und alles fing an zu bröckeln: mein selbstvertrauen, die beziehung zu meinem mann... ne, das mache ich nicht mehr. es gibt solche und solche frauen. für mich waren diese 13 monate als "nur-hausfrau" tatsächlich hölle. "Weil ich (Ossi) so sozialisiert bin, weil ich es früher nie anders kennengelernt habe?" bin auch als wessi so sozialisiert, weil meine mutter immer gearbeitet hat (allerdings selbstständig und viel daheim. wir waren aber viel ganztagsbetreut von "fremden"). ich kenne es nicht anders und will es nicht anders haben. ja, so ist das. ich verstehe aber auch, was du über das ehrenamtliche schreibst. würde ich im lotto gewinnen, würde ich wohl auf ca. die hälfte der stundenzahl runtergehen, um wirklich mehr zeit für meine ehrenamtlichen sachen zu haben, die in den letzten jahren (seit den kindern) sehr gelitten haben. yep, so ist das.
Hallo Ulimama, ja, du schreibst in der Tat Vieles, was ich zu 100% nachvollziehen kann. Allerdings war meine Mutter NICHT berufstätig, sondern Hausfrau. Dabei hatte sie studiert und einen tollen Job. Den hat sie auch behalten, als ich geboren wurde, Krippen gab es damals (1973) im Westen kaum und somit hat mein Vater in Windeseile wickeln und füttern gelernt und die beiden haben sich Job und Baby (=mich) geteilt. Das ging solange gut, bis meine jüngere Schwester geboren wurde. Ohne Hilfe von außen (Stillzeiten? Kinderkrankentage? Nicht in den 70ern!)und vor allem immer misstrauisch beäugt und teilweise lauthals kritisiert von der Umwelt hat meine Mutter schließlich schweren Herzens ihre Berufstätigkeit aufgegeben... ... ...und darunter die folgenden 18 (!!!!!) Jahre gelitten, solange hat es nämlich gedauert, bis sie wieder einen Job gefunden hatte, der zu ihrer Qualifikation passte. Meine Mutter beneidet mich heute glühend um die Chance, die ich wahrnehme, um die Möglichkeit, die ich habe, mich in meinem Job zu bewähren, zu behaupten und zu verwirklichen. Insofern betrachte ICH es als Privileg, in der Jetzt-Zeit so leben zu können, dass Familie und Beruf vereinbar sind. Und ich werde alles tun, damit meine Töchter in einer Gesellschaft aufwachsen können, in denen auch ihnen ALLE Möglichkeiten offenstehen. Sei es Karriere, Familie oder die (für mich sehr glückliche!) Kombination aus beidem. Das wollte ich nurmal zum Stichwort "Sozialisation" sagen... VlG Annette
Zusammenleben (ob nun als Paar oder als Familie oder als Eltern) ist grundsätzlich, dass man einen Weg findet, die verschiedenen Bedürfnisse unter einen Hut zu kriegen: die von Kindern UND ELTERN und dazu gehören finanzielle und die des "Glücklichseins". Ich arbeite, weil ich denke, dass dies für unseren Kompromiss der richtige Weg ist. Andere tun aus dem gleichen Grund was anderes. Mütter, die zuhause bleiben, sehen dies als ihren Weg an. Jeder, wie er will...
...mehr kann ich dazu auch nicht sagen, dass ist wie aus meinem Herzen gesprochen, genauso und nicht anders. Wer weiß schon was unsere (Ossi-)Mütter alles ausgehalten haben. Einfach weil es so war, weil es so erwartet wurde, weil es keine Alternative gab...
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