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@ all: AD(H)S - ein Sammelbegriff?

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hallo, ich zerr den AD(H)S strang einfach nach oben und stelle die frage in der überschrift mal provokant... mich würde es interessieren, wie ihr alle (auch die mütter mit "normalen" kindern) das phänomen AD(H)S seht und damit umgeht? ob es in euren augen ein sammelbegriff ist, und wenn ja, was konkret man tun kann, um den kindern den weg ins erwachsenenalter zu erleichtern? ich muss gestehen, im grunde weiss ich nicht besonders viel zu dem thema. irgendwann hab ich mal den artikel in der wikipedia dazu gelesen, aber mich nicht wirklich intensiv damit auseinander gesetzt. aber hier im forum ist mir schon aufgefallen, dass viele mütter über ihre extrem stressigen kinder klagen, bei denen teilweise ja eine aufmerksamkeitsstörung diagnostiziert wurde bzw. wo dies noch untersucht wird. es wird auch gehäuft gesagt, dass die kinder eine lese-/schreib-/rechenschwäche haben, oder als hochbegabt eingestuft werden... dann kommen die unterschiedlichsten beschreibungen, was AD(H)S eigentlich ist: die einen sind die aggressiven, die anderen die träumer, wieder andere die nervigen clowns (um es mal kurz zu fassen). aber wenn das der fall ist, drängt sich mir der gedanke auf, dass doch dann eigentlich fast kein kind der norm entspricht (oder zumindest ein grosser prozentsatz nicht), und die mit einer aufmerksamkeitsstörung diagnostiziert eigentlich behandlungsbedürftig ist. auch die hochbegabten (oder ist das nur der stolz der eltern?) oder die mit einer lernschwäche behafteten summieren sich da ja dazu. weiter drängt sich mir die frage auf, wenn das ein massenphänomen ist, ob da in unserer gesellschaft, in unserem selbstverständnis und in unserem bildungssystem nicht etwas grundlegend schief läuft? ich kann mich nicht daran erinnern, dass in meinem schuljahrgang irgendein besonders schwieriges kind gewesen wäre. es gab nur einen rabauken am gymnasium, der war wirklich furchtbar. irgendwann hatten seine eltern ein einsehen, und er ist auf die realschule gewechselt. seitdem war er lammfromm und ein musterschüler. seine mutter habe ich während meiner banklehre öfters am schalter bedient, und sie hat immer nur loblieder auf ihn gesungen und gesagt, dass der schulwechsel das beste war, das passieren konnte... aber sein verhalten war ja nicht "krankhaft"... und obwohl ich die frage oben etwas provokant gestellt habe - im grunde bin ich ja genauso betroffen, weil meine tochter zwar ein intelligentes mädchen ist (laut ihrer lehrerin hätte sie das zeug zur klassenbesten, ohne auf irgendeiner "hochbegabung" rumzureiten), in ihren leistungen aber der klasse hinterherhinkt. oder zumindest ihrem potenzial entsprechend hinterher hinkt. sie bekommt es nicht gebacken, ihre aufgaben ohne betreuung/anleitung selbständig zu lösen, und irgendwie leidet darunter auch ihre ganze persönlichkeit. sie realisiert, dass sie "anders" ist, dass sie den von der lehrerin an sie gerichteten erwartungen nicht gerecht wird, und das kratzt natürlich ganz stark an ihrem selbstbewusstsein. mir wird natürlich im hinblick auf die weiterführende schule (nach der grundschule) angst und bang, weil ich befürchten muss, dass sie früher oder später mit pauken und trompeten untergeht... und weil ich weiss, dass ich als vollzeitberufstätige mutter mich nicht in dem maße um die förderung von anna kümmern kann, wie ich es eigentlich müsste. immerhin habe ich die SPZs und das kommunikationszentrum der uniklinik mainz angeschrieben und warte jetzt auf die zuteilung der termine, aber wenn dann wöchentlich wiederkehrende therapiesitzungen folgen sollen, weiss ich gar nicht, wie ich das zeitlich bewerkstelligen soll... auch finde ich, dass der lehrplan der kinder heute einfach mit viel zu viel unnötigem zoich vollgepackt ist. es wäre sinnvoller, das ganze zu entschlacken und den kindern eher eine solide grund- und allgemeinbildung mit auf den weg zu geben, statt immer mehr ballast in den lehrplan zu packen... was nutzt differentialrechnung, und die bestimmung biochemischer prozesse und philosophisches gewäsch, wenn die kinder einen einfachen dreisatz nicht hinbekommen, die rechtschreibung nicht beherrschen, oder nicht mal sagen können, wer goethe war oder wo sibirien liegt (einfach, weil die zeit fehlt, wesentliche dinge intensiv einzuüben, zu wiederholen und zu vertiefen)... wie gesagt, eure meinungen sind gefragt... denn ich sehe hier zwei aufgeweckte mädchen (naja, bei der kleinen kann man noch keinerlei prognosen abgeben, ausser, dass sie wohl mal extrem mitteilsam wird), und die grosse ist auf dem weg, es trotz bester "anlagen" es nicht zu schaffen... liebe grüsse, martina


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Hallo Martina, erstmal möchte ich Deine Fragen von unten beantworten: - inwiefern fumi schwierigkeiten mit ihrer selbstwahrnehmung hatte Ihr Selbstbewußtsein war sehr schlecht und sie knabbert da immer noch dran. Ihre Selbstwahrnehmung war eigentlich okay. Gut, sie hat halt nicht gemerkt, wenn sie aus der Konzentration rutschte. Das war etwas, was völlig unbewuß0t ablief. - wie genau sich ihre ängste äussern Sie hatte sher konkrete Ängste, keine generalisierten Ängste. Feuer war bei ihr immer ein Problem. Sie mochte nicht mal an St. Martin eine Laterne mit Kerze haben, sie bestand auf einem elektrischen Laternenstab. Und das kommt manchmal noch hoch. Dann mag sie abends nicht alleine bleiben, weil sie sich stundenlang darum Gedanken macht, wie sie bei einem Feuer ihren Bruder und das Kaninchen retten soll. - ob die medikation unumgänglich war Tja, gute Frage. Ich weiß ja nicht, wie es ohne geworden wäre. Wir haben uns aus drei Gründen nach wirklich langen Überlegungen für die Medis entschieden. Erstens schlug die Therapie mit dem Einzelfallhelfer nicht gut an. Die Fortschritte waren sehr langsam und es gab viele Rückschläge. Da haben die Medis die Erwartungen erfüllt: Die Automatisierung klappte viel besser. Zweitens litt sie selber sehr unter dem Zustand vor den Medis. Sie war ja nicht mehr sooo klein, als die Diagnose gestellt wurde. Die Diagnose war daher für sie einerseits eine Erleichterung: Sie war nicht mehr faul und dumm, sondern sozusagen im Hirn falsch verdrahtet. Andererseits war es für sie schwer zu verstehen, daß sie trotzdem nicht sozusagen direkt so reagieren konnte, wie sie eigentlich reagieren wollte. Sie WOLLTE sich ja immer konzentrieren, sie WOLLTE fokussiert arbeiten, sie KONNTE es nicht - und für ein Kind ist es kaum zu ertragen, wenn man sagt: "Das lernst Du mit der Zeit!" Zumal sie ja schon lange mit dieser großen Diskrepanz zwischen Wollen und Können lebte. Insofern war es vielleicht vergleichbar mit einem Menschen, dem man die Diagnose "Querschnittslähmung" an den Kopf knallt - und dann den Rollstuhl verweigert, weil man doch bittergerne möchte, daß er noch ein bißchen versucht, ohne zu laufen. Drittens stand der Schulwechsel an. Sie hatte die Hauptschulempfehlung in der Tasche, trotzdem haben wir uns für eine Realschule entschieden. Nach den Tests war allen klar, daß sie auf der Hauptschule hoffnungslos unterfordert gewesen wäre. Unsere Angst war, daß sie dort resigniert und dann sozusagen versumpft. Andererseits war die Therapie zu langsam, als daß sie auf der Realschule den Standard würde halten können. Ich kann ein Kind ja nicht zwei Jahre in eine Art Warteschleife schicken, bis die Therapie anschlägt. Die Schule mußte ja weitergehen - ohne allzu dramatische Auswirkungen auf ihr Selbstbewußtsein und ihre Motivation. Übrigens war Fumi zu jedem Zeitpunkt absolut in die Entscheidung eingebunden. Sie durfte jeden Morgen entscheiden, ob sie die Tablette nimmt oder nicht. Wenn sie keinen Effekt gespürt hätte, hätte sie von selber sofort aufgehört. Auch das Absetzen der Medis war eine gemeinsam getroffene Entscheidung. Und Fumi weiß, daß sie jederzeit über eine Wiederaufnaheme der Medis mit dem Arzt und mir reden kann, wenn sie das für richtig erachtet. Ich vermute, alleine das "ich könnte, wenn ich wollte" macht viel aus für sie. Das Gute an den Tabletten ist ja, daß sie sofort wirken und die Wirkung auch innerhalb von wenigen Stunden wieder aufhört. Methylphenidat ist KEIN Depotmedikament, wie die meisten anderen Psychopharmaka. - wie lange es dauerte, bis vom ersten verdacht eine konkrete diagnose gestellt wurde Etwa ein Jahr. - wie die langzeitprognosen sind Die sind super. Wie gesagt, sie ist inzwischen ohne Medis und hat die Methoden und "Tricks", sich wieder in die Konzentration zu nehmen, weitgehend automatisiert. Alle Beteiligten sehen sie mittelfristig auf dem Gymnasium, was ihren kognitiven Fähigkeiten entsprechen würde. Sie kann ihr Potential inzwischen gut nutzen. Auch ihr Selbstbewußtsein ist viel besser geworden. Übrigens "verwächst" sich AD(H)S in mehr als der Hälfte aller Fälle in der Pubertät. Es mag sein, daß das bei Fumi auch eine Rolle gespielt hat. - ob das ganze z.b. auch durch ernährung/sport positiv beeinflusst wird Fumi war nie ein Kind, das sich mit den klassischen "ADS-Auslösern" sattgegessen hat. Sie mochte lange gar keine Schokolade und ißt sie immer noch nicht so gerne. Ihr ist ein Teller mit Rohkost jederzeit lieber als Süßkram. Ihr Schwäche sind Gummibärchen, aber auch das ist überschaubar. Insofern habe ich über eine Ernährungsumstellung nie wirklich nachgedacht - zumal es sehr schwer gewesen wäre, da sie ja schon immer mittags im Hort bzw. jetzt in der Schule ißt. Bewegung ist für sie tatsächlich unglaublich wichtig. Deswegen tut ihr ja der rhythmisierte Unterricht an der Ganztagsschule so gut. Dort hat sie jeden Tag eine Stunde Sport, und dazwischen Bewegungspausen, wo es ein gezieltes Angebot an Übungen gibt. Als sie jetzt wegen dem Unfall im Dezember fast drei Monate keinen Sport machen durfte, war das definitiv erkennbar. Sie litt sehr darunter - und ich auch *grins*. Sie sagt selber, sie sei "sportsüchtig". Zu "AD(H)S als Sammelbegriff" bin ich etwas zweispältig. Ich blicke auch verwundert auf die ganzen AD(H)S-Kinder, die überall wie die Pilze aus dem Boden schießen. Es gibt einen Erklärungsansatz dafür, den ich sehr interessant finde. Das Buch dazu ("Eine andere Art, die Welt zu sehen" von Thom Hartmann, da ist es: http://www.amazon.de/Eine-andere-Welt-sehen-Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom/dp/3795007356/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1205876558&sr=8-1) hat Suka derzeit ;-). Aber so ungefähr geht das so: Im Laufe der Evolution haben sich zwei "Arten" von Menschen herausgebildet, die beide ihren wichtigen Platz in der Gesellschaft hatten. Das eine sind die Sammler, die dafür zuständig waren, Nahrung geduldig zu sammeln. Das andere sind die Jäger, die Nahrung jagten und so für das Eiweiß sorgten. Für beides braucht man sehr unterschiedliche Fähigkeiten. Ein Jäger muß sich für einen kurzen Moment konzentrieren, aber er braucht einen sehr starken Fokus in diesem kurzen Moment. Der Sammler braucht die Konzentration länger, dafür aber nicht so stark, denn es geht nicht um Leben und Tod. Wenn er eine Wurzel oder Beere übersieht, ist er nicht gleich Säbelzahntigerfutter. Die AD(H)S-Menschen sind die Jäger, die anderen sind die Sammler. Leider sind Jäger in der heutigen Gesellschaft reichlich unbrauchbar. Egal, ob man im Büro Akten bearbeitet oder als Schreiner an einem Stück Holz feilt: Als Sammler ist man dafür besser gerüstet. Die Jobs für Jäger sterben langsam aus. Ob das so ist, weiß ich nicht. Tatsache ist allerdings, daß AD(H)S'ler mit signifikant erhöhter Wahrscheinlichkeit später Depressionen bekommen. Auch die Selbstmordrate ist bei AD(H)S'lern deutlich erhöht. Übrigens bin ich im Nachhinein der festen Überzeugung, daß ich auch ADS hatte/habe. Ob meine Depressionen daher kommen, weiß ich nicht. Aber manchmal beneide ich Fumi um die Möglichkeiten, die sie heute hat und die ich nie hatte. Und natürlich hoffe ich ganz fest, daß ihr diese Depressionen, wie ich sie habe, später mal erspart bleiben. Ob das dann an der gut therapierten ADS liegt, wird man nie wissen. Aber zumindest weiß ich, daß ich sie mit ihren Problemen nicht alleine gelassen habe. Tatsache ist definitiv: Da, wo wir vor zwei, drei Jahren waren, will keiner von uns wieder hin, auch Fumi nicht. Irgendwas haben wir richtig gemacht, denn vor drei Jahren hätte ich mir nicht träumen lassen, daß Fumi mal Hausaufgaben in unter drei Stunden und ohne Tränen macht. Sorry, lang geworden. Hat jemand durchgehalten ;-). Es ist halt kein leichtes Thema, und auch kein digitales. Was für einen paßt, muß für den anderen noch lange nicht passen. Für Fumi war es so, wie wir es gemacht habenm, zumindest nicht verkehrt - das Ergebnis gibt uns recht. Aber ich würde dieses "Modell" nie für unbesehen auf jedes ADS-Kind übertragbar halten. Nur eines lehne ich absolut ab: Medis OHNE begleitende Therapie. Gruß, Elisabeth.


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wow Elisabeth, jetzt bleibt mir der Mund offen stehen :o)))) ein Wahnsinnsposting... @spiky Ich fühle mcih einfach mal angesprochen, denn auch ich gehöre ja zu den Meckerliesen und zu einem Kind, bei dem AD(H)S vermutet wurde, aber immer noch nicht diagnostiziert ist - und ich bin da auch immer noch hin und her gerissen. Erst einmal denke ich, dass für viele einfach der Begriff ADHS auch etwas ist, worauf sie sich stützen können. Der Mensch glaubt halt gern und der Mensch möchte aber auch gern für die Sachen, die er glaubt (zu sehen) eine Bestätigung. Ich denke, dass sich vielleicht einige Eltern leichter damit tun, wenn man ihnen die Diagnose ADS, egal ob jetzt mit H oder ohne, LRS oder sonstwas mit auf den Weg gibt, einfach, um ihr Kind zu verstehen, sich Lektüre zu holen (danke Elisabeth, drei habe ich schon durch *gg*) Also etwas zu haben, worauf sie erstmal "bauen" können als einfach nur ein meckerndes, sich ständig verletzendes, träumendes Kind zu haben, was in der Schule oder dem Kiga nicht mitkommt oder aneckt. Für mich persönlich war es natürlich erstmal ein großes Loch, was sich da auftat - aber WENN es stimmt, dass Simon ADHS hat, dann wären viele Sachen für mich einfach einfacher zu verstehen und ich denke, dann kann ich auch anders mit ihm umgehen. In meiner Kindheit bzw. Jugend fällt mir tatsächlich nur ein Junge ein, bei dem ich heute sagen würde "schwer erziehbar und definitiv ADHS" und das war im Kindergarten. Wobei ich natürlich, als Kind, die familiären Hintergründe nicht kannte. Vielleicht hat man sich zu Ost-Zeiten auch deshalb am "Zippel" gerissen, weil unsere Kinderheime und Erziehungsanstalten so verschrien waren (H war selbst zwei Jahre in einer), weil die Strafen für Taten härter waren, weils Verweise und Tadel an der SChule gab. Damals hatte man noch anderen Respekt, auch den Lehrern gegenüber, den Eltern gegenüber - und jetzt frag mich bitte nicht, WARUM... Ich denke aber, dass Beides miteinander zusammen hängt. Ob Simon nun wirklich was hat oder nicht wird sich schon zeigen. Es gibt viele Leute, die sagen, nein. Sogar die Ergotante meint inzwischen, dass sie es sich NICHT vorstellen kann - Simon aber definitiv eine Verhaltensauffälligkeit hat, sie diese aber nicht unter ADHS stufen würde sondern lediglich ne Blockade vermutet, wo die auch immer herkommt. Von mir, vom Kiga, von der alten Tagesmutter, keine Ahnung. Ich merke es auch selbst, wenn ich mich mit ihm ganz gezielt beschäftige (so wie der Tag in der therme zum Beispiel, EIN TRAUM!!!! - ich weiß auch, dass unser Urlaub ein Traum wird) - in dem Moment, wo ich mich mal nicht 100%ig kümmere, flippt er aus. Auch so Sachen, dass er sich stundenlang total vertieft in eine Sache steigern kann, vor allem das Spielen mit so Steiff-Gummi-Tieren oder Malen, dass er im Straßenverkehr auf Ampel und Straße achtet, ist in den Augen der Ergotherapeutin kein Zeichen für ADHS... Dann haben wir da wieder Fräulein Mutter :O) und den Kindergarten und doch ein paar einzelne, die eben sagen, das Kind ist nicht normal... Ich denke tatsächlich, das, was wir heute an Kindern haben, ist das Produkt unserer (wirtschaftlichen) Entwicklung. Ich erinner mich nicht, dass es zu meiner Zeit drei Fernsehsender gab, die von morgens um 6 bis abends 24 Uhr Trickfilme spielten. Oder dass so viele Zusatzstoffe im Essen waren (damals hatten wir auch keine Allergien). Unsere Gesellschaft ist so schnellebig geworden. Damals (also als ich Kind war) sind wir nicht mitm Flugzeug geflogen. Damals hatten wir auch kein Internet. Wir hatten sogar nichtmal ein Telefon *gg* Es gab auch nicht so viele Sportvereine, das ging erst in der Schulzeit los. Kein Englisch für Kindergartenkinder, kein Babyschwimmen. Sogar die Geburt lief anders ab. Wenn ich mir manche Sachen heute ansehe, da muss man ja hyperaktiv werden. Allein schon diese Fernsehsendungen. Es ist doch fast wirklich nichts mehr dabei, wo man als Eltern sagt hey, pädagogisch wertvoll. Außer Löwenzahn natürlich, aber welches Kind schaut schon gern Löwenzahn, wenn nebenan Kim Possible läuft oder ein gelber Schwamm, dem die Augen austreten und der "heilige Algenscheiße" schreit... Interessant wäre mal ein Experiment mit KIndern, die so aufwachsen wie wir als Kinder. Oder noch früher. Ohne fetten Fernseher (bzw. wo wirklich nur der Sandmann gesehen wird und am Wochenende ein Märchen und mit viel Glück kommt einmal im Monat "Wetten dass" wo man sich dann vor der Glotze sammelt), wo abends noch gesungen wird, mit Bio-Lebensmitteln, mit Spieleabenden, ohne Gameboy. Und was dabei raus käme. Gute Nacht, Frau Koch.


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einfach missbraucht. Einer ist unbequem und hinterfragt Dinge und hält sich nicht an die Norm - Schwupp, der hat sicher AD(H)S - gleich nen Stempel drauf und eine Erklärung gefunden, um sich nicht weiter Fragen zu müssen, was das wohl sein kann. Ich war mit beiden Jungs zur AD(H)S-Testung, obwohl nur bei Adrian der Verdachtsmoment vom KiGA geäußert wurde. Geäußert wurde ist gut, man ging mir im Kindergarten damit tierisch auf die Nerven. Adrian hat Spielregeln abgewandelt (zu seinen Gunsten) und sich nicht an die allgemeingültigen Regeln halten wollen und wollte den anderen z.B. bei Gesellschaftsspielen seine eigenen Regeln aufdrücken. Ferner hatte man nach 3 Jahren im KiGA die Nase voll und hat sich nicht mehr hauen lassen, sondern mal zurück geschlagen. (Weils die Oma empfohlen hatte.... *grrr*). Wir also zig Kilometer ins Land gereist, zig Termine wahr genommen. Der Kinderarzt/Psychologe war super nett, die Jungs haben alles sehr gut mit gemacht. Und am Ende sagt der gute Mann: "Herzlichen Glückwunsch, sie haben zwei wunderbare Kinder, die zudem ausgesprochen gut erzogen sind!" Zum Abschied sagte er zu den Jungs, dass er viel Spass mit ihnen hatte und er sich gefreut hat, sie kennen lernen zu dürfen. Und dann meinte er zu mir, dass es in seinen Augen schlicht und ergreifend dadran liegt, dass ich keinen Mann habe, der da einfach im KiGa mit der Faust auf den Tisch gehauen hat und mal Tacheles reden würd. Ich wäre zu freundlich und würde mir zu viel gefallen lassen und das sollte ich mal schleunigst abstellen und unsere Interessen besser durchsetzen und ganz klar eine Grenze setzen, wenn ich keine Einmischung dulde. Als er dann noch sagte, dass er sich fragt, warum wir zur Sprachtherapie gehen und ob wir keine anderen Hobbys hätte, bin ich fast aus den Latschen gekippt. Ich meinte, dass man mich im KiGa dazu ziemlich genötigt hätte und ich Müh und Not hatte, jemanden zu finden, der das verordnet (unser Zahnarzt *gg*). Ich fand das wirklich Unfassbar, dass jetzt dann auch von einem "Experten" so gesagt zu bekommen. Bei unseren Dorf- und Wiesenärzten hätte ich hier ansonsten durchaus noch für möglich gehalten, dass sie es einfach runter spielen und zu bequem sind, das zu verordnen. Ich find es ansonsten auch erstaunlich, wer plötzlich alles AD(H)S hat und frag mich schon, ob das alles noch normal ist und wirklich sein kann? Oder ob da vorübergehende Verhaltensstörungen bei einigen Kindern nicht extrem dramatisiert werden?? Andere dahinter liegende "Krankheiten" oder psychische Sympotme pauschalisiert werden.....


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Liebe Spiky, Du schreibst mir von der Seele. Gerade vor ein paar Tagen habe ich mir sehr ähnliche Gedanken über dieses Thema gemacht und bin, genauso wie Du, zu der Meinung gekommen, dass man hier (in Deutschland) und heutzutage viel zu schnell dazu tendiert, eine Sache zu benennen und in eine Schublade zu tun. Früher, ich denke an die Zeit, wo mein Vater selbst noch ein Kind war, da hat man die Jungs (weiß nicht wie es bei den Mädchen war) spielen lassen und sich nicht so schrecklich viel um sie "gekümmert" und behütet und sich in die Spiele eingemischt und ständige Anweisungen gegeben.... so wie heute oft der Fall ist... wo die Kinder kaum noch KInder sein können und kaum noch selbständig und frei spielen könnnen, ohne dass eine Erzieherin oder eben die Mutter ständig drauf einredet. Ich persönlich unterscheide eher auch zwischen temperapemtvolle und ruhigen oder ruhigeren Kindern. Aber gleich zu sagen, dass ein Kind ADS hat, weil er etwas lebendiger als das andere ist, finde ich ebenfalls nicht gut. Mein Sohn hat Ergotheraphie vom KA aufgeschrieben bekommen wegen seiner unasreichenden Feinmotorik. Da sagt die Therapeutin gleich in der 1. Sitzung: "er könnte ADS haben". Könnte?? Was ist das für eine Aussage? Na ja, ich lasse mich überraschen! Liebe Grüße, Gaby


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Tja.... AD(H)S ist ja eine neurobiologische Störung im Gehirn. Und die Auswirkungen dessen können eben sooooo verschieden sein. mein Sohn hat / hatte (schon im KiGa): - Schwierigkeiten, sich in der großen (? max 25 Kinder bei 2 Erz.) zurechtzufinden, selbst die "Familierngruppe" von 4-5 Personen war oft zuviel. Da fing er an auszuscheren, nicht zuzuhören, Quatscht zu machen etc. In der 1:1 Situation war er meist am erträglichsten - Selbstorganisation in der 1 Klasse: NULL, weniger als NULL. Mindestens 1 verlorene Brotzeitdose, die anderen 4 hab ich selbst irgendwo in der Schule wiedergefunden, Chaos auf und unter dem Schultisch 0 er musste irgendwann alleine sitzen. - er konnte Zuhause eher stundenlang auf seinem Schreibtischstuhl rumschaukeln und sich in diesem Rythmus ergehen, als auch nur 4 Buchstaben zu malen... Hausaufgabern dauerten in der ersten Klasse meistens 1-2 Stunden MIT danebensitzen. Er ist wirklich clever, daran hängt / hing es nicht! - er hjat eine reduzierte Wahrnemung seiner Grenzen zu anderen, auch physisch. Ständig rempelte er andere Kinder an, hat Streit in der Schule und wurde dadurch immer mehr zum Außenseiter. Dabei ist er eigentlich eine total "gute Haut" der es 2 Sekunden hinterher immer total leid tat. Ende vom Lied: keiner wollte mehr so richtig mit ihm spielen. - einfache Arbeitsanweisungen Zuhause waren nicht drin: "Zieh' deine Schuhe aus, wasch' die Hände und komm' zuum Essen" konnte er als 7jähriger einfach nicht abarbeiten. Zum Händewaschen kam er schon gar nicht mehr :-) - obwohl er gerne bastelte, war er feinmotorisch nicht gerade fit. Heute: nach Einstellung des Medikaments, Ergotherapie und Verhaltenstherapie geht es ihm gut, hat wieder nette Freunde, einen Banknachbarn in der Schule und ist ein glückliches Kind. Einfach ist es aber trotzdem nicht immer, besonders dann, wenn über den Tag die Hilfe des Medikaments nachlässt... ICH denke: ich war auch ein "klassisches ADHS-Kind gepaart mit einer guten Begabung, ohne daß ich Hochbegabung behaupten möchte. Ich hatte sooooo großes Glück mit meiner (Waldorf-)Schule, die einen meist ganz anderen Blick auf Kinder hat. Ich denke, auf einer staatlichen Schule wäre es mir sicher NICHT so gut gegangen, mit so viel Verständnis und Zeit. Den Begriff AD(H)S kannte man damals noch nicht so wirklich :-) Zum "Sammelbegriff": die neurobiologische Störung kann eben viele Auswirkungen und "Bilder" haben. Ebenso, wie andere Ursachen die selben Symptomatiken hervorrufen können. In den psychischen Erkrankungen ist man einfach noch nicht so weit, so klare Diagnostik leisten zu können, wie in physischen Krankheiten. Ich halte es auch nicht unbedingt für eine "Modekrankheit", sondern für eine, die eben immer besser erkannt und erforscht wird. Das ist wie Krebs oder Diabetes vor 100 Jahren... Noch dazu kommen eben die Anforderungen, die von au0ßen an die Kinder oft gestellt werden. Der Lebensweg entscheidet sich grundlegend schon zum ersten mal in der 4. Klasse (mit ca. 9 Jahren), wenn bei uns (hier in Bayern) die verbindliche Schulempfehlung ausgesprochen wird. Bis daghin, muss das Kind so "fit" sein ( funktionieren? mit allen Anforderungen klargekommen sein) daß es die Chance hat auf eine Realschule oder ein Gymnasium zu gehen. Ich könnte noch ewig schreiben, aber die Arbeit ruft! Viele Grüße Désirée


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Das AD(H)S eine Modekrankheit glaube ich auch nicht. Inzwischen bin ich davon überzeugt,das mein Sohn es von seinem Vater hat,der auch heute noch ein ziemlich schwieriger Zeitgenosse ist. Bei dem ging es im Kindergarten los,dort hiess es nach 4 Wochen : Bitte nehmen sie ihr Kind wieder mit,kann sich hier nicht anpassen. In der Schule ging es weiter,fiel ständig auf.Ist auch wie unser Sohn,der Typ Klassencasper. Die Ausbildung wurde abgebrochen,er hat unzählige Arbeitgeberwechsel hinter sich,weil er sich nach wie vor nicht "anpassen" kann. Kommt ihm einer quer,dreht er sich um und geht. Während der Zeit,als wir zusammen waren,ich habs immerhin fast 6 Jahre ausgehalten,fing er oft grundlos Krach mit mir an.Ich hab den Mann nie verstanden.....wegen Nichtigkeiten stellte er für Tage das Reden ein,und ignorierte mich. Grundsätzlich zählte nur seine Meinung,und wenn ihm was nicht passte,schaltete er auf stur. Als ich mich mal weigerte,ihn mit meinem gebrochenen Fußzeh,aus der Kneipe mit dem Auto abzuholen.....suchte er sich am nächsten Tag ne neue Wohnung. Überhaupt war er dem Alkohol sehr zugewandt. Damals habe ich dieses Verhalten überhaupt nicht verstanden.Und nach 6 Jahren war ich so abgestumpft,das ich leichten Herzens mit Baby gegangen bin. Durch sein Verhalten hat sich dieser Mann alles verbaut,fährt nun bei der Müllabfuhr. Wogegen eigentlich nichts zu sagen wäre,wenn er andererseits nicht hochintelligent wäre.Dort ist er völlig fehl am Platz. Zur Zeit spricht er auch mal wieder nicht mit mir,und benimmt sich im Vergleich zu seinem Sohn der 9 Jahre alt ist,wie ein Kleinkind. Bei mir selbst habe ich festgestellt,aber bewusst wurde mir das auch erst nach der Diagnose,ich gehe ungern einkaufen. Eine Shoppingqueen wird aus mir nie werden,Shoppingtouren sind mir ein Greul. Sobald ich ein Kaufhaus betrete,vergesse ich,erschlagen von der Flut an Waren,was ich da eigentlich wollte. Ich muss mich extrem anstrengen,das zu suchen,und zu finden,was ich eigentlich dort wollte.Konzentrieren kann ich mich kaum noch,und bin heilfroh wenn ich den Laden wieder verlassen kann. Vorzugsweise gehe ich nur noch in Supermärkte einkaufen,die ich in und auswendig kenne,weil mich alles andere einfach nur stresst. Ich denke also,und darüber wird auch viel geschrieben,ADHS ist genetisch bedingt. Diese Kinder gab es auch früher schon,nur wurde mit denen anders umgegangen.Heute werden sie ja teilweise mit Samthandschuhen angefasst,wenn ich manche Lehrerin an unserer Grundschule sehe,wundert mich auch nicht,das manche Kinder unter dem Tisch sitzen,und den Unterricht als Spaßstunde verstehen. Dabei habe ich festgestellt,das mein Sohn klare Regeln und Anweisungen, der braucht,seitens der Lehrer. Hat er Unterricht bei der Klassenlehrerin,läufts gut,die kann ihn gut ihn Schach halten,und er reagiert auch auf sie. Die Lehrerin ist denke ich schon über 50 und kann auch schon mal durchgreifen,was anderen widerum völlig abgeht. Und DAS hat mein Sohn sofort raus.Da hagelts dann natürlich Klagen vom entsprechendem Lehrer. Damit will ich sagen...früher,ich gehöre ja auch zu den älteren Semestern,wurden manche Verhaltensweisen gar nicht geduldet.Es kam z.B. gar nicht in Frage das lehrer geduzt wurden. Beim gespräch gestern mit meinem Sohn erfuhr ich,das sie die Lehrer noch immer,und das jetzt im 3. Schuljahr,duzen. Also zu meiner Zeit,hätte sich das niemand gewagt. Da predige ich zu Hause was von Anstand und Benimm,und die rennen zur Schule und duzen die lehrer,incl. Rektor. Man darf mich Spiesser nennen,aber das finde ich völlig unangebracht. Da wundert mich dann gar nicht mehr,wenn jeglicher Respekt und Anstand Erwachsenen gegnüber abhanden kommen. Wahrscheinlich fielen deshalb früher "solche" Kinder nicht in dem Maße auf,wie heute. Ich plädiere jetzt nicht für die Erziehung mit dem Rohrstock,aber wenn ich sehe mit was für "Strafen" mein Sohn im Unterricht bedacht wird,wenn er was ausgefressen hat,kann ich nur noch lachen. Was die Ernährung angeht,kann ich hier nicht viel verändern. Ich bin heilfroh das Junior überhaupt einigermaßen isst. Ich kenne kein Kind was derart wählerisch ist,wie mein Sohn.Dabei gibts hier schon von jeher alles auf den Tisch,in meiner Familie gibts nichts,was nicht gegessen wird. Nur mein Kind schlägt da völlig aus der Art. Naschen tut er so gut wie gar nicht. Wenn mal Schokolade im Haus ist,verspeise die meist ich. Wenn Besuchskinder da sind,ists mir oft schon peinlich,das ich denen nicht mal was anbieten kann.,weil einfach kein Naschen im Haus ist. Naja,und wegen nem Ü-Ei mach ich mich jetzt nicht jeck,wenns dann sowas mal gibt. Medikamente sind bei uns leider unumgänglich geworden. Es sei denn,ich möchte das Abziehbild des Vaters aufziehen. Und nein,DAS möchte ich nicht. Ich möchte für mein Kind wenigstens einen guten Schulabschluss und eine gute Ausbildung. Ohne die Medis wäre seine Karriere vorprogrammiert. Und dabei schaue ich nicht tatenlos zu. Wenn ich die finanziellen Mittel hätte,käme er gar nicht auf die normal weiterführende Gesamtschule....Mir graut vor dem Tag. aber ich habe sie leider nicht,und muss nun zusehen,wie ich ihn da durch bringe. Mir bluten grad die Finger..... Grüßle Birgit


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Und noch als Antwort zu unten: Struktur, Struktur, Struktur im Alltag! Echt, je mehr feste Ankerpunkter der Tag hat, umso einfacher ist es für "diese" Kinder sich zu orientieren und ohne großes nachdenken Dinge durchziehen zu können. Morgens hat mein Sohn einen genau ausgearbeiteten Zeitplan, bis er das Haus verlässt. In 35 min ist Bad, Anziehen, Frühstücken und fertigmachen drin, wenn er mehr Zeit hat, verliert er die Orientierung und vertrödelt... Mitags direkt nach dem heimkommen: ebenso, bis hausaufgaben und Klavierüben vorbei sind. Ebenso wieder ab 17.30 Uhr wenn es zum Aufräumen, Abendessen, Sandmännchen und Bettgehen zugeht. Das hat manchmal auch auf mich eine stark einengende Wirkung, aber wenn ich meine, es anders machen zu wollen / müssen hab ich auch gleich die Quittung :-) Viele Grüße Désirée


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Soweit ich das verstanden habe ist AD(H)S eine wirkliche, körperliche Krankheit. Die gab es auch schon früher z.B. Zappelphilipp. Allerdings bin ich der Meinung dass viele Symptome von AD(H)S auch bei vielen gesunden Kindern vorkommen und eine ganz andere Ursache haben. Früher sind die nicht so aufgefallen, weil Kinder noch wirklich Kinder sein durften und man die Menschen nicht so genormt hat. Es gab Schüchterne und es gab die Bengel. Viele Kinder sind einfach nur sehr aktiv. Aber weil zu viel Aktivität die Norm stört und behindernd wirkt auf rechtzeitige Einschulung, wird Konzentration verlangt. Ist ein kind dazu (noch)nicht in der lage schon gilt es als Verhaltensauffällig. Was ich ganz schlimm finde, habe ich von einer Freundin erfahren, ist dass das in Deutschland so ist, dass es Kann-Kinder und Muss-Kinder gibt. Und wenn die mal in der Schule sind, müssen die auch in der Schule bleiben. Das ist doch absolut kinderfeindlich. Richtig wäre meiner Meinung nach: Das Kind hat die Möglichkeit zwischen 5 und 7 Jahren eingeschult zu werden. Es darf jederzeit ein Versuch gemacht werden, ob es in der Schule schon klar kommt. Merkt man nach ein paar Wochen/ Monaten, dass es nicht funktioniert, kann man es wieder rausnehmen und die Einschulung das Jahr darauf probieren. So haben Kinder und Eltern die Möglichkeit stressfrei den richtigen Zeitpunkt zu finden. Ich bin mir ganz sicher, dass mit allerspätestens 7 Jahren die meisten Kinder absolut schulreif sind und auch was lernen wollen. Die AD(H)S- Fälle würden drastisch sinken. Auch ansonsten wird von Kindern viel zu viel erwartet, meiner Meinung nach. Mit viel Liebe und weniger Druck, könnte man viel ausgleichen. Natürlich wirken die Medikamente. Aber die würden vermutlich auch bei gesunden, aktiven Kindern "helfen", sodass eine Wirkung der Medikamente nicht umbedingt bestätigt, das Kind hatte AD(H)S. Die Kinder die wirklich diese Krankheit haben sollten liebevoll behandelt werden und mit dem nötigen Rückhalt der Eltern sind ist auch da vieles gelöst. Oftmals hat man als Eltern auch nicht viel Wahl, weil gerade Institutionen die Eltern unter Druck setzen. In meiner Klasse früher gab es ein Kind, dass absolut nicht laut vorlesen konnte. Da hat die lehrerin das Kind in eine leeres Zimmer genommen und siehe da es hat perfekt vorgelesen, nur nicht in der Gruppe. Die Lehrerin hat die Empfehlung für die zweite Klasse ausgesprochen obwohl das Kind die "Vorlesefähigkeit" nicht in der Klasse gezeigt hat. Hat sich aber in der vierten Klasse gelegt. Bin ganz sicher heutzutage, könnte man nicht mehr so einfach verhandeln. Korrigiert mich, wenn ich Unrecht habe.


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Die Kinder die wirklich diese Krankheit haben sollten liebevoll behandelt werden und mit dem nötigen Rückhalt der Eltern sind ist auch da vieles gelöst. Danke auch für diesen Kommentar. Wenn ich Beiträge wie Deinen lese,dann weiss ich wieder,warum ich mit der Krankheit meines Sohnes nicht hausieren gehe. Damit kann ich mir nämlich unqualifiziertes Geschwätz wie Deines schenken. Wenn Du Ahnung hättest,wüsstest Du bspw. das,wenn man gesunden Kindern dieses Medikament verabreicht,genau das Gegenteil eintritt,sie werden kleine Zappelphillips. Man wird auch gerne so hingestellt,als werfe man dem Kind mal eben leichtfertig ein paar Pillen ein. Ja glaubst Du denn diese Mütter seien alle komplette Idioten,und beschäftigen sich nicht damit ???? Offenbar ja. Ich sage immer....Leute die ein "solches" Kind nicht zu Hause haben,haben davon nicht wirklich viel Ahnung !!!


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Es ist absoluter Unsinn, daß Kinder früher weniger genormt wurden. Im Gegenteil: Früher wurde die Vernormung der Kinder mit Rohrstock und Strafestehen betrieben - oder meinst Du, daß eine gesunde Tracht Prügel ein Kind bei der freien Entfaltung seiner Persönlichkeit unterstützt? AD(H)S-Kinder sind halt auf der Hauptschule und dann in einem Handwerksberuf gelandet. Glücklich-Sein war kein Lebensziel, ebensowenig Selbstverwirklichung im Beruf oder so. Ich will das nicht schlecht machen, wirklich nicht. Aber die Gesellschaft heute ist eben anders. Zum einen gibt es den "klassischen" Handwerksberuf kaum mehr. Möbel kommen von IKEA und das Haus wird aus Beton gegossen. Wo kann da ein AD(H)S'ler seine körperliche Kreativität noch ausleben, ohne in seinen intellektuellen und kognitiven Fähigkeiten beschränkt zu werden? Zum anderen sind berufliche Erfüllung und das individuelle Ausschöpfen seines Potentials sozusagen eine Grundvorausstzung für Glück und Erfolg geworden. Die Individualisierung der westlichen Gesellschaften ist einfach so. Das mag man gut oder schlecht finden (meines Erachtens ist es weder das eine, noch das andere, es hat - wie die meisten Entwicklungen - Vor- und Nachteile), aber man wird das als Einzelperson nicht ändern. Es mag durchaus sein, daß ein AD(H)S'ler im südafrikanischen Urwald einen Überlebensvorteil hat und nicht "passend gemacht" werden muß. Nur: Hier in Mitteleuropa ist es eben nicht so. Als Mutter eines Kindes mit AD(H)S habe ich dann folgerichtig drei Möglichkeiten. 1. Ich verpflanze das Kind in den Amazonas. 2. Ich erwarte von meinem Kind, daß es als nicht-passend durch's Leben geht, ungeachtet der Tatsache, ob der Status "Außenseiter" von ihm gewünscht wird oder nicht. 3. Oder ich gebe meinem Kind Hilfen, damit es seine individuellen Fähigkeiten in der vorhandenen Gesellschaft optimal nutzen kann. Mal ein Vergleich: Fumi hat ja nicht nur ADS, sondern auch Legasthenie. Es gab nie die Option, diese Legasthenie NICHT zu behandeln. Obwohl der kleine Indianer am Amazonas ganz wunderbar ohne Rechtschreibung und Lesen auskommt, finden wir es wichtig und richtig, daß ein Kind hier in Mitteleuropa das lernt. Kein Mensch käme auf die Idee, zu sagen, daß das doch "unnatürlich" und "nicht kindgerecht" ist. Wir gehen davon aus, daß ein legasthenes Kind Schreiben und Lesen lernen WILL, daß es nur am KÖNNEN hapert. Also gibt es Nachteilsausgleich und Therapien und Training und Förderstunden. Ich bin mir absolut sicher: Wenn es ein Medikament gegen Legasthenie geben würde, würden wir es benutzen. AD(H)S-Kinder haben eine Konzentrations-Legasthenie. Sie WOLLEN sich konzentrieren, sie KÖNNEN es aber nicht. Mit welcher Begründung willst Du diesen Kindern die Förderung verweigern? Sollen sie nicht wollen dürfen? Gruß, Elisabeth.


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Ich habe niemals gesagt, dass Eltern von AD(H)S Kindern sich nicht um ihre kinder optimal kümmern. Ich habe im Allgemeinen gesprochen, genauso wie ich im Allgemeinen sage es ist gut für Haustiere wenn sie geliebt werden, oder wenn ich sage, ich denke Musik ist gut für die Seele. Das heisst nicht, dass Menschen die keine Musik möchten nicht auch ihr Seelenheilö finden z.B. durch malen. Es war ganz allgemein gehalten und ich verstehe ehrlich gesagt nicht, wo Du aus meinem Posting irgendwas raulesen könntest was Eltern Vorwürfe macht? Klar gibt es Eltern denen man Vorwürfe machen kann aber auch wieder andere die dfas ganz toll machen. Und das nicht auf AD(H)S bezogen , sondern im Generellen. Bin mir nicht bewusst irgendjemanden irgendwas unterstellt zu haben. Wenn`s so ankam, dann sorry, so war nicht gemeint.


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Ich rede von der Zeit als ich Klein war, Ende 60er Anfang 70er. Ich war zu dem Zeitpunkt nicht in Deutschland, aber ich weiss dass ich nicht mit dem Stock gehauen wurde und dass viele Dinge lockerer waren als heute.


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...dass Ihr (die Ihr mir so offen und ausführlich geantwortet habt) jetzt in der Situation fühlt, Euch rechtfertigen zu müssen. Es stimmt, man muss sich irgendwie immer rechtfertigen, entweder für das "missratene" Kind oder für die Medis, egal... Dennoch danke vielmals für Euere Berichte, umso mehr vor allem für Euere Offenheit. LG von WM


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Ach was,das muss Dir nicht leid tun. Mit der Zeit wächst einem ja ein dickes Fell diesbezüglich. Dennoch,wenn ich dann ab und an mal wieder lese oder höre,mit der Liebe der Eltern und deren Rückhalt,wird das schon...... Dann überkommts mich doch noch manchmal. Selbstverständlich liebe ich mein kind,und natürlich bekommt er hier jeden Rückhalt und Unterstützung....aber manchmal reicht das eben nicht....leider. Mach Dir nix draus.....tu ich auch nicht grüßle Birgit