Silvia3
Eine Ungeheuerlichkeit jagt die Nächste. Wer hätte gedacht, dass sich unser engster Verbündeter auf das Niveau von Putin begeben würde und sich einfach ein ganzes Land einverleiben will. Wie sehr ihr das: Sollten die rechtschaffenen NATO-Staaten Grönland gemäß Artikel 5 gegen eine amerikanische Invasion verteidigen oder sollen wir mit den Schultern zucken und sagen "ist weit weg, geht uns nichts an"? Ich bin gespalten. Mein Gerechtigskeitssinn sagt mir, wir sind Mitglied der NATO und müssen Grönland verteidigen. Mein Verstand sagt: Die USA sind so übermächtig, die schießen uns in Grund und Boden. Anderseits hat es die übermächtige russische Armee es in 4 Jahren auch nicht geschafft, die Ukraine kleinzukriegen. Vielleicht kann man auch die Amis in Schach halten. Aber all das (Ukraine und ggf. Grönland) ist eine so kranke Verschwendung von Leben, Ressourcen und Chancen, das ist einfach unerträglich.
Hallo mal wieder 👋 > Mein Gerechtigskeitssinn sagt mir, wir sind Mitglied der NATO und müssen Grönland verteidigen. Aboluter Wahnsinn. Sind für den von Dir geteilten ´Gerechtigkeitssinn` in der Ukraine nicht schon genug Menschen gestorben? Ist das noch so ein ´war to end war` - ´wir` zeigen es den Amis und anschließend herrschen Recht und Gerechtigkeit? Was glaubst Du - von einem hypothetischen ´Sieg` der Rest-Nato gegen die USA ausgehend - passiert anschließend? Wir nehmen uns Russland und China vor (was macht eigentlich Dein Russisch?)? Egal - es wird nicht passieren. Wackeldackel bleibt Wackeldackel, auch wenn er einen albernen Mechanismus hat, der es ihm ermöglicht, sich gelegentlich auf die Hinterbeine zu stellen. EU-Armee ist eine lächerliche Vorstellung - dann hätten wir z.B. einen polnischen General, der Franzosen, Deutsche und Österreicher in die ´Abnutzung` treibt? Man kann Grönland als Teil der westlichen Hemisphäre sehen, die durch die Monroe-Doktrin abgedeckt wird. Sicherheitsinteressen stehen über dem Völkerrecht, auch und gerade für die USA. Alles andere ist naiver Kinderglaube. < 60.000 Grönländer haben nichts zu entscheiden; wobei sie den Dänen auch nicht gerade innig verbunden sind. Kopenhagen zahlt die Rechnungen. Ob die USA sich die Insel wirklich ´einverleiben` wollen, wird sich zeigen; sie dürfen seit Jahrzehnten militärisch dort so präsent sein, wie sie wollen (das war der Preis dafür, dass sie sich Grönland nicht schon früher geholt haben); sie wollte es die letzten Jahre bloß nicht. Moratorium auf Bergbau - das wird fallen müssen. Ansonsten? 👀
"Ob die USA sich die Insel wirklich ´einverleiben` wollen, wird sich zeigen; sie dürfen seit Jahrzehnten militärisch dort so präsent sein, wie sie wollen (das war der Preis dafür, dass sie sich Grönland nicht schon früher geholt haben); sie wollte es die letzten Jahre bloß nicht. Moratorium auf Bergbau - das wird fallen müssen. Ansonsten?" Wie ich unten schon als Antwort auf Leena schrieb, ist Trumps Sicherheitsargument in Bezug auf Grönland wegen der beliebig erweiterbaren Militärpräsenz Blödsinn. Außerdem bin ich recht zuversichtlich, dass zumindest bei einem drohenden Militär-Einsatz gegen einen NATO-Partner der Kongress Donald Trump in den Arm fallen wird. Ob diese Zuversicht berechtigt oder doch naiv ist, werden wir sehen.
Ich bekomme das Thema in den islandischen Nachrichten mit, da fängt gefühlt jede Nachrichtensendung des Jahres mit dem Thema Grönland an. Und die Stimmung ist extrem angespannt, zumal jeder im Hinterkopf hat: Sind wir dann die nächsten? Der designierte US-Botschafter für Ísland, Billy Long, hat ja schon den "Witz" gemacht, dass Ísland dann der 52. US-Bundesstaat würde und er selbst Obermotz von Ísland. Kam gar nicht gut an, bei der Bevölkerung. Ich bin ja nicht sicher, wie es ausgeht, wenn Trump wirklich jedem Grönlander 100.000 Dollar bietet, wie viele sich dann dafür entscheiden würden. Grundsätzlich ist die überwiegende Mehrheit der grönländischen Bevölkerung aber vehement dagegen. Ich finde es absolut inakzeptabel, die Meinung der Bevölkerung zu übergeben. Zumal kein sachlicher Grund besteht, warum Grönland US-Territorium werden sollte. Die Verträge von 1951 erlauben den USA, dort nach Belieben militärisch tätig zu werden. Das Schreiben von Trump an Norwegen, weil Norwegen ihm einfach nicht den Friedensnobelpreis gegeben hat, obwohl er 8 Kriege + beendet habe, findet er, ihm ist Frieden egal und er nimmt sich, was er haben will..?!? Wenn Europa Grönland und Dänemark "opfert", ist damit unsere Welt, wie wir sie kennen, hinfällig, inklusive NATO, EU, Schengen etc. Es geht ja nicht "nur" um Grönland.
"Zumal kein sachlicher Grund besteht, warum Grönland US-Territorium werden sollte. Die Verträge von 1951 erlauben den USA, dort nach Belieben militärisch tätig zu werden." Genau das macht die Strategie ja genauso durchsichtig wie seinerzeit Putins Argumentation, er fühle sich durch ein Verteidigungsbündnis wie die NATO in seiner Nachbarschaft "bedroht". Jens Spahn plappert Trumps Unfug trotzdem nach.
"Eine Ungeheuerlichkeit jagt die Nächste." Ja, so oder so ähnlich ist mein Gefühl auch seit Jahresanfang. Andererseits ist dieses außenpolitische Dauerfeuer vielleicht auch ein Zeichen dafür, dass Trump nicht "spinnt" oder an "fronto-temporaler Demenz" leidet, wie ja spekuliert wird, sondern dass er innenpolitisch immer mehr unter Druck gerät. Die Epstein-Akten sind immer noch nicht vollständig veröffentlicht, gegen die ICE-Einsätze organisieren sich mittlerweile Bürgermilizen, und Jon Stewart meinte kürzlich in seiner Talkshow als Reaktion auf den häufig bemühten Vergleich, Trump sei ein zweiter Hitler, lakonisch: "No. Hitler was popular." Und gleichzeitig schadet Trump mit seiner Mischung aus außenpolitischem Hü und Hott und seinen mafiösen Drohgebärden sowohl gegenber seinen Verbündeten im Äußeren als auch den Leuten im Inneren, die noch einigermaßen für Stabilität sorgen wie Fed-Chef Powell, dass die USA wirtschaftlich ins Taumeln geraten. Neben einem Zusammenbruch der politischen Weltordnung droht dann auch eine globale Wirtschaftskatastrophe. Vor gut einer Stunde habe ich gelesen, dass Trump Deutschland jetzt auch in seinen neu zu gründenden "Sicherheitsrat" eingeladen hat. Frankreich hat ja bereits dankend abgelehnt, woraufhin er Macron für ohnehin politisch tot, da bald nicht mehr im Amt erklärt und mit 200% Zöllen auf Wein und Champagner gedroht hat. Es ist einfach wahnwitzig. Vielleicht sollte Deutschland, statt 1 Milliarde Euro Schutzgeld an einen Erpresser zu zahlen (das dann über dunkle Kanäle womöglich sogar auf privaten Konten landet), lieber endlich den Rücken gerade machen und dieses Geld in die Hand nehmen, um sich mit der Ukraine zusammenzutun und von deren Vorsprung in Sachen Drohentechnologie und KI-gesteuerte Kampfrobotik investieren. Damit könnten wir in relativ kurzer Zeit auch zumindest einen Teil unseres militärischen Rückstands wettmachen. Leider ist mir Friedrich Merz in Bezug auf Trump aber bisher zu wischiwaschi, und Leute wie Jens Spahn kriechen vor dem MAGA-Fürsten ohnehin im Staub. Wir sollten uns vielleicht lieber ein Beispiel an Kanadas Premier Carney nehmen, der Trump gegenüber deutlich Stellung bezieht, schon am 6. Januar Schutzmaßnahmen zur Arktis eingeleitet und den Kontakt zu den EU-Partnern gesucht hat, und der gerade mit China in Verhandlungen ist - nicht, weil Herr Xi so ein netter Mensch ist und er ihn so mag, sondern weil China wenigstens berechenbar agiert, man über konkrete Interessen vernünftig verhandeln kann und man mit den USA nun einen gemeinsamen Gegner hat. Klang für mich ein bisschen nach dem, was Habeck auch in seinem letzten Gespräch über Grönland vorgeschlagen hatte. #WirhättenHabeckhabenkönnen wird so langsam zum Mantra. Aber gut, jetzt müssen wir halt mit dem arbeiten, was da ist. Was bei den MAGA-Kontakten in unserer aktuellen Regierung und Merz' Blackrock-Vergangenheit evtl. nicht ganz einfach wird. Abgesehen von den aktuellen Ankündigungen der EU, den USa bei der angedrohten Verhängung von Zöllen ebenfalls Zölle entgegenzusetzen, hielte ich es für eine sehr sinnvolle Maßnahme, die MAGA-Truppe nun genau da zu verletzen, wo man sie am empfindlichsten treffen kann: Bei den wirtschaftlichen Interessen. Mir fiele da so einiges ein: - Verbot der Nutzung von US-Digitalplattformen und -Clouds in sämtlichen öffentlcihen Einrichtungen in Deutschland und in der EU - Besteuerung und Regulierungsmaßnahmen für selbige - Boykott der Fußball-WM in den USA - und, wo jeder von uns auch mitmachen kann: Boykott von Waren/Marken aus den USA und stattdessen lieber europäische (oder kanadische und koreanische) Alternativen nutzen. Welche das sind, zeigt das Bild im Anhang. Eine dänische Supermarktkette kennzeichnet inzwischen europäische Produkte mit einem schwarzen Stern, so etwas wäre bei uns auch denkbar.
Noch 'ne Ergänzung zu dem langen Text: Mir hat gerade jemand als Tipp für den Boykott von US-Produkten die Apps "Detrumpify Yourself" und "Made O'Meter" empfohlen. Mit beiden kann man im Supermarkt herausfinden, wo Produkte hergestellt wurden, mit der ersten App durch Scannen des Strichcodes auf dem Produkt, bei der zweiten App reicht ein Foto.
"Mit beiden kann man im Supermarkt herausfinden, wo Produkte hergestellt wurden, ..." Na dann, viel Spaß beim nächsten Einkauf. 😉 Ich finde, dass es ja das eine ist, keinen Tesla mehr zu kaufen, aber nun jedes Lebensmittel vor Kauf zu scannen? Wieviel müssten das tun, damit es irgendwie und irgendwann eine Wirkung zeigt? Ich kann das Anliegen zwar verstehen, aber diese Art der Ausführung ist doch Unfug. Und bitte, dass mir jetzt keine:r mit Symbolik kommt. Denn einen Herrn Trump interessiert das einen Scheißdreck.
Nein, selber Scannen wird in der Masse nicht funktionieren. Ich habe aber schon vom ersten Supermarkt in Island gehört, wo US-Produkte gekennzeichnet sind, da kann man sich dann beim Zugreifen überlegen: Will ich oder will ich nicht? Klar ist Island ein kleiner Markt, keine 500.000 Einwohner. Die alleine werden sich global nicht auswirken. Aber wenn in der westlichen Welt immer mehr Menschen bewusst keine US-Produkte mehr kaufen, erzeugt das sehr wohl eine Wirkung.
"Aber wenn in der westlichen Welt immer mehr Menschen bewusst keine US-Produkte mehr kaufen, erzeugt das sehr wohl eine Wirkung. " Nein. Nie bekommst Du diese Massen mobilisiert. Letzten Endes ist es sehr mühsam, solche Massen hinter sich bezüglich der Sache, zu vereinen. Dazu geht es uns noch nicht dreckig genug. Auch im politischen Europa fehlen uns die Leader. Früher saß ich mal in einer Elternversammlung. Alle Eltern wollten die. In der Sache war man sich einig und großartige Verfechter:innen im mündlichen gab es da. Als es dann zur Tat gehen sollte, waren zwei Elternteile übrig geblieben. Die anderen hatten Angst. Angst, dass es sich nachteilig auf ihre Sprößlinge auswirkt. Aber auf die Schulter haben sie mir alle geklopft. So wie in der Politik. Ein Politiker hat viel zu verlieren, denn er möchte wieder gewählt werden, respektive seine Partei. Also tanzt er nach der Pfeife des Herrn.
Ich weiß, was Du meinst. Trotzdem erlebe ich es in Island, dass das Thema sehr viele Menschen direkt emotional betrifft. Dazu die Angst, selbst als Bundesstaat der USA zu enden... nachdem man selbst erst mühsam und über einen sehr langen Zeitraum die Unabhängigkeit von Dänemark erreicht hat. Um diese Unabhängigkeit unbedingt zu bewahren, kannst Du da sehr wohl Menschen mobilisieren. Aber vielleicht hast Du Recht und zu vielen Menschen in Europa ist es am Ende des Tages egal, wenn anderen ihre Unabhängigkeit einfach widerrechtlich genommen wird.
"Nein. Nie bekommst Du diese Massen mobilisiert. Letzten Endes ist es sehr mühsam, solche Massen hinter sich bezüglich der Sache, zu vereinen. Dazu geht es uns noch nicht dreckig genug. Auch im politischen Europa fehlen uns die Leader." Das ist er wieder, der Defätismus. Das ist jetzt in diesem Fall zwar eine persönliche Kritik, aber ich kenne es von nicht wegen, vor allem Deutschen, dass alles, was nicht hundertprozentig sicher ist, sofort wieder zerdacht oder zerredet wird. In diesem Fall erklärt man aber mit so einer Haltung jeden Bürgerprotest und jede Graswurzelbewegung von vornherein für tot. Natürlich braucht es einen langen Atem für so etwas, und die Erfolgsaussichten sind nicht garantiert. Deshalb wird ja dafür geworben, damit immer mehr Leute mitmachen. Genau deshalb gibt es auch solche (kostenlosen) Apps, die Hilfestellungen bieten. Niemand wird dazu gezwungen, seinen Wocheneinkauf für die sechsköpfige Familie damit zu bestreiten, und natürlich scannt man nicht bei jedem Einkauf jedes einzelne Produkt. Dass man sich z. B. lieber die Fritz- oder Sinalco-Cola in den Einkaufswagen legen sollte als die Coca Cola, dürften die meisten selbst wissen. Die App ist für Waren gedacht, bei denen man sich nicht sicher ist, und die meisten gehen vermutlich nicht mit einer ausgedruckten Liste mit Markenlogos in den Supermarkt. Die Boykott-Bewegung gegen US-Produkte ist meines Wissens schon letztes Jahr nach der Verhängung der ersten Strafzölle gegen Kanada entstanden und dann auch nach Europa geschwappt. Gehört haben davon schon sehr viele, und es gibt sogar Umfragen dazu in Deutschland, bei denen sich über 60 Prozent dafür ausgesprochen haben, zumindest teilweise mitzumachen. Es macht auch nichts, wenn man persönlich nicht auf ein bestimmtes Abo oder Produkt nicht verzichten möchte, dafür aber das weglässt, worauf er gut verzichten kann, Es geht darum, Bewusstsein dafür zu schaffen, dass man gerade als Konsument Einflussmöglichkeiten hat. Der Boykott von Produkten der Marke Müllermilch wegen ihrer A*D-Nähe ist auch nicht wirkungslos, die Firma berichtet von Umsatzrückgängen. Es tut mir sehr leid, dass du mit deinem Engagement in der Elternschaft so negative Erfahrungen gemacht hast, das meine ich ehrlich. Natürlich schwingt gerade bei Protesten und Entscheidungen, mit denen man sich sichtbar macht, bei vielen die Angst vor persönlichen Nachteilen mit. Wer aufmuckt, macht sich nicht nur Freunde, und da ist es Abwägungssache, wie viel einem "die Sache" wert ist. Aber erstens sind Konsumentscheidungen ja etwas Privates, mit dem sich niemand angreifbar macht, und zweitens braucht demokratische Mitbestimmung nun mal auch Haltung - vielleicht nicht um jeden Preis, aber doch auf die Gefahr hin, dass einem mal zeitweise etwas stürmischerer Wind um die Ohren weht. Stillhalten, weil es mal schwierig wird, kann doch hoffentlich nicht die Lösung sein. Ist es übrigens auch in der Politik nicht, wie sich gerade wieder zeigt. Der mühsam mit Trump ausgehandelte "Zolldeal" nach seiner Androhung von Strafzöllen gegen die EU letztes Jahr wurde ja von vielen kritisiert und ist jetzt, wie wir sehen, krachend gescheitert. Obwohl die EU den Kauf von fossilen Brennstoffen in Höhe von jährlich 650 Mrd. und zusätzlich 600 Mrd Investitionen in den USA zugesichert hat, legt Trump jetzt wieder nach, sobald ihm jemand widerspricht. Zum Glück liegt der Deal, soweit ich weiß, noch ununterzeichnet in der EU. Ich hoffe deshalb, wir kommen da noch mit einem blauen Auge davon. In der Rede, die ich oben verlinkt habe, bemüht Carney übrigens auch ein Gleichnis über das stillschweigende Mitmachen, mit dem er andere Staaten in Davos dazu aufruft, den Rücken gerade zu machen. Er zitiert ein Bild von Vaclav Havel aus dessen Essay "Die Macht der Machtlosen" über einen Gemüsehändler im Kommunismus, der das verlogene System so lange mitträgt, wie er jeden Morgen in seinem Laden ein Schild aufstellt, das das aktuelle Regime unterstützt. Der Gemüsehändler ist davon auch nicht überzeugt, aber das muss er auch nicht, so lange er rituell die Phrasen und Gesten des verlogenen Systems mitträgt. Damit ist er ein kleines Rädchen von vielen, und je mehr Rädchen, umso mehr Schwungmasse. Vielleicht findest du das pathetisch, ich fand das sehr inspirierend. Und möchte selbst lieber unbequem sein, statt mitzumachen.
"Schwungrädchen"? Echt 😏 Das meinige Leben hat mich da eines anderen belehrt. Und zwar immer wieder. Davon mal ab, bin ich persönlich nicht davon überzeugt, dass man Herrn Trump damit in irgendeiner Art und Weise beeinflussen kann, weil man die Packung M&M oder die Levi's nicht kauft. Protest ja, aber bitte sinnvoll. Waren im Supermarkt zu scannen ist es nicht.
Trump kann man damit natürlich nicht persönlich beeindrucken, weil er nicht nur keine politische oder strategische Kompetenz, sondern auch keine Wirtschaftskompetenz besitzt. Außerdem verdient er selbst sein Geld (und das nicht zu knapp) mit seiner und Melanias Kryptowährung, deren Anlage vor allem von seinem Schwiegersohn Herrn Kushner verwaltet wird. Und er ist bekanntlich nicht in der Lage, über seinen eigenen Horizont oder den seines unmittelbaren Umfelds hinauszudenken oder hat daran zumindest kein Interesse. Was er seiner Bevölkerung und er Welt erzählt, ist noch mal etwas ganz anderes. Es geht aber eben einerseits darum, seine Solidarität mit Produkten aus der EU (und deren demokratischen Partnern) zu bekunden und sich teilweise aus altgewohnten Abhängigkeiten zu lösen (ist bei Coca Cola, Amazon, Microsoft, Netflix und Co. auch generell kein Schaden im Hinblick auf Marktkonzentrationen), und andererseits natürlich auch um die Signalwirkung für eine Wirtschaft, die sich an Trump und seine Entourage heranwanzt - sei es aus Opportunismus oder Ignoranz oder beidem. Und ja, ich sehe auch bei mir z. B. die Widersprüche, in ETFs mit hohem US-Firmenanteil zu investieren und andererseits Produkte zu boykottieren. Aber wie gesagt, Perfektion verlangt auch keiner. Und du musst ja nicht mitmachen, wenn du nicht magst. Ich wollte nur dein kategorisches "Nein, kannste vergessen" gegenüber Leena nicht einfach so stehen lassen.
"Ich wollte nur dein kategorisches "Nein, kannste vergessen" gegenüber Leena nicht einfach so stehen lassen." Sei so gut, zitiere mich richtig. Meine Antwort stand in einem anderen Kontext. Und zwar ging es hier um die Massen die man mit dem Vorschlag des scannens von Lebensmitteln bräuchte, um überhaupt eine Wirkung zu erreichen. Ich finde diesen Vorschlag tatsächlich überambitioniert, unsachlich, nichtsnützend und vollkommen weg von der Realität. Und im übrigen auch ungeeignet.
Finde ich sehr anstrengend, da diese Firmen zwar teilweise US-Mütter haben, aber die Produkte in Deutschland/der EU hergestellt werden. Wenn ich Coca Cola boykottiere, verlieren die Mitarbeiter an den 13 deutschen Produktionsstandorten wahrscheinlich als erste ihre Arbeitsplätze. Dasselbe gilt für viele andere Produkte. Die Konzernmutter sitzt zwar in den USA, aber produziert werden die Produkte von deutschen GmbHs. Gerade im Lebensmittelbereich haben wir nur wenig Direktimporte aus den USA, ganz anders als z. B. Kanada. Ein Verbraucherboykott macht m. E. nur bei Konsumgütern Sinn, die direkt aus den USA kommen, so dass sich das auch direkt auf Arbeitsplätze in den USA auswirkt. Aber davon gibt es nicht viele. Selbst die oft genannten Harley-Davidson-Motorräder werden für den EU-Markt nicht in den USA gebaut, sondern in Thailand. Laut Copilot importieren wir für rund 14 Mrd. USD pharmazeutische Produkte aus den USA, danach folgen mineralische Brennstoffe und Fahrzeuge bzw. Fahrzeugteile für die Privatnutzung. Ein großer Posten ist auch Elektronik, also wahrscheinlich die Hardware von Apple & Co., die aber größtenteils in Asien gefertigt wird. Ich sehe daher hier weniger die Verbraucher in der Pflicht als vielmehr a) die Industrie, die versuchen sollte, alternative Quellen zu finden, und b) unsere Regierung (inklusive EU), die endlich eine Digitalsteuer einführen sollte, die die Tech-Milliardäre empfindlich trifft. Denn die haben ja eine riesengroße Mitverantwortung an dem Schlamassel, in dem wir hier alle stecken. Sie haben Trump und seine Entourage möglich gemacht und halten sie an der Macht. Ich lese mich gerade schlau, inwieweit ich mich von Microsoft, Google usw. lösen kann. Einfach ist das nicht. Deren Produkte sind so stark mit unserem Alltag verwoben, die kann man nicht wechseln wie eine Automarke. Darüber hinaus steht mir auch die eigene Bequemlichkeit im Weg. Ich liebe mein iphone und iOS und habe wenig Lust, auf Samsung und Android umzusteigen. Auch unsere Alexas sind mir ans Herz gewachsen, sie machen das Leben schon ein ganzes Stück leichter. Europäische Alternativen gibt es meines Wissens nicht. Seit einigen Monaten habe ich Wero eingerichtet. Bisher habe ich noch kein einziges Mal eine Gelegenheit gehabt, damit zu zahlen. Alle Online-Händler, bei denen ich in letzter Zeit eingekauft habe, bieten nur Paypal an, usw. usf.
"b) unsere Regierung (inklusive EU), die endlich eine Digitalsteuer einführen sollte, die die Tech-Milliardäre empfindlich trifft. Denn die haben ja eine riesengroße Mitverantwortung an dem Schlamassel, in dem wir hier alle stecken. Sie haben Trump und seine Entourage möglich gemacht und halten sie an der Macht." Eine Digitalsteuer ist überfällig, hinzu kommt, dass gerade auf EU-Ebene dringend schärfere Regulierungsinstrumente gerade für Social Media, aber auch im Bereich AI hermüssen. Aktuell stehen wir AV-Übersetzer z. B. gemeinsam mit den Sprechern und Autoren massiv unter Druck, weil Netflix nach US-Recht Knebelverträge aufsetzt, mit denen Film- und Fernsehproduzenten und die ihnen zuarbeitenden Agenturen erpresst werden, für human generierte Inhalte (bei Sprechern die Stimmen, bei Autoren, Übersetzern und Untertitlern die Texte) bei Beauftragung durch den Streaming-Anbieter automatisch und kostenlos das Recht abzutreten, damit AI zu trainieren. Nach EU-Recht verstößt das gegen Persönlichkeits- und Urheberrechte, aber bisher ist das so geregelt, dass man sich dem nur durch ein aktives Opt-Out entziehen kann, statt Netflix vor den Bug zu schießen. Auch hier führt die Verlagerung der Entscheidungsebene auf das Ende der Nahrungskette natürlich dazu, keine einheitliche Gegenantwort entsteht, sondern es Glückssache ist, wie viele sich freiwillig (und oft zum persönlichen Nachteil) entscheiden, sich dagegen zu wehren. Abgesehen davon fände ich es sehr wichtig, wenn sich neben der Industrie auch die Behörden (in Deutschland, aber auch innerhalb der EU) von Software aus Kalifornien unabhängig machen würden und auf Open-Source- und EU-Alternativen umsteigen würden. Das gilt auch insbesondere für Palantir, obwohl es da laut Aussagen der zuständigen Politiker bisher keine Alternativen gibt, die auch nur annähernd an den Leistungsumfang heranreichen. Ich finde aber, dass sich z. B. die anderen Bundesländer eine dicke Scheibe von Schleswig-Holstein abschneiden könnten. "Ich lese mich gerade schlau, inwieweit ich mich von Microsoft, Google usw. lösen kann. Einfach ist das nicht. Deren Produkte sind so stark mit unserem Alltag verwoben, die kann man nicht wechseln wie eine Automarke. Darüber hinaus steht mir auch die eigene Bequemlichkeit im Weg. Ich liebe mein iphone und iOS und habe wenig Lust, auf Samsung und Android umzusteigen. Auch unsere Alexas sind mir ans Herz gewachsen, sie machen das Leben schon ein ganzes Stück leichter. Europäische Alternativen gibt es meines Wissens nicht. Seit einigen Monaten habe ich Wero eingerichtet. Bisher habe ich noch kein einziges Mal eine Gelegenheit gehabt, damit zu zahlen. Alle Online-Händler, bei denen ich in letzter Zeit eingekauft habe, bieten nur Paypal an, usw. usf." Ich denke auch gerade darüber nach, auf Linux umzusteigen und mich von Microsoft zu verabschieden, hier gibt es auch Initiativen, die Workshops zum Thema anbieten. Ich stoße da aber auch an Machbarkeitsgrenzen, da mein Untertitelprogramm, das ich täglich brauche, nur auf Windows bzw. Parallels läuft. Der Anbieter ist ein bulgarisches Unternehmen, und nicht nur die Software ist super, sondern auch der Support - da eine Alternative zu finden, ist quasi unmöglich. So ähnlich geht es mir mit Google als Suchfunktion. Auch die ist zwar im Laufe der Zeit durch die vermeintliche "Nutzeroptimierung" durch Standortlokalisierung schlechter geworden, aber Alternativen wie Startpage ode Ecosia liefern einfach nicht genug Treffer für die feinen Verästelungen, in die ich mich oft aus Recherchegründen begeben muss. Und bei PayPal geht es mir ähnlich wie dir. Da habe ich es eine Zeit lang mit Sofortüberweisung und Klarna versucht, aber beides ist an vielen Stellen gar nicht möglich. Samsung kann ich zwar empfehlen, aber so was ist natürlich einfach Gewohnheitssache - meine Kinder sind verappelt (Kind2 studiert Illustration und Design, da ist das bisher praktisch alternativlos) und würden wohl auch nicht ohne weiteres umsteigen.
Ich habe mich auf diesen Absatz bezogen: "Nein. Nie bekommst Du diese Massen mobilisiert. Letzten Endes ist es sehr mühsam, solche Massen hinter sich bezüglich der Sache, zu vereinen. Dazu geht es uns noch nicht dreckig genug. Auch im politischen Europa fehlen uns die Leader." Da ging es nicht um die Apps, sondern um Waren-Boykotte innerhalb der EU allgemein. Darunter war auch meine Antwort eingeordnet, auch wenn man das leider im Strang vielleicht nicht erkennt. Das mit den Apps ist, wie gesagt, ein Angebot und, hier eingestellt, eine Information für Leute, die das ggfs. mitmachen wollen. Es ist eine Idee, kein Appell. Wie du das findest, hattest du ja schon geschrieben.
Ich habe gerade einen Artikel in der islandischen Zeitung Morgunblað gelesen, der mich an die Diskussion hier erinnert hat: "Apps, die Konsumenten dabei helfen, die Herkunft von Produkten zu ermitteln und so amerikanische Marken zu boykottieren, haben in Dänemark die Spitze der Charts erreicht."
Danke, Leena! Die Dänen sind natürlich auch durch alle Generationen viel digitalisierter als wir. Ich selbst hatte den Tipp von einem Faktenchecker-Paar, mit denen ich mich viel austausche und teile so etwas dann weiter. Stößt in der Regel auch auf offene Ohren.
Man kann doch ein Land mit Menschen nicht verkaufen - Irrsinn. Das geht vielleicht in seiner Immo Bubble. Die Europäer müssen zussammenhalten. Jetzt - er ist zum Glück eh bald endgültig weg, deshalb haut er jetzt so auf die K.... . Kein normaler Mensch glaubt ihm ( Grönland ist kein kleiner Eisblock). Demokratie ist nie Verschwendung an Leben. Hör auf deinen Gerrechtigkeitssinn!
Der aktuelle Stand (Verhandlungen): - massiver Ausbau der militärischen Infrastruktur (´Golden Dome`) - die NATO-´Partner` beteiligen sich finanziell - sollte das unsägliche ´Uran-Abbau`-Moratorium (´Wir brauchen keine Wertschöpfung, das Geld kommt aus Kopenhagen`) fallen, haben US-Firmen die Hand auf den Bodenschätzen. Es war bei verschiedenen Kommentatoren noch die Rede von Grönlands Bedeutung für die Nutzung des Weltraums und die Passage Richtung Ostküste der USA - das wird womöglich abgedeckt durch den ersten Punkt? 🤔 Das Ganze innerhalb weniger Wochen. Trump mag befremdlich agieren, aber gewisse Erfolge kann man ihm nicht absprechen. Und er hat einen Haufen Probleme geerbt. Es ist natürlich traurig, dass Ihr um Eure "Schlacht um Grönland" gebracht werdet - zumindest habe ich den Eindruck, dass gerade das linksliberal/progressive Deutschland ganz dringend endlich in einem ordentlichen Krieg auf der ´richtigen Seite` stehen möchte, ein reinigendes Stahlgewitter, wo viele Männer (Rechte? Frei nach Jette Nitzard: ´Die können dann wenigstens keine Frauen mehr schlagen`) und ein paar Frauen mit ihrem Leben, ihren Gliedmaßen und ihrer seelischen Gesundheit für ´unsere Werte` einstehen.
Das ist ein ausgesprochen ekliger Beitrag: "Es ist natürlich traurig, dass Ihr um Eure "Schlacht um Grönland" gebracht werdet - zumindest habe ich den Eindruck, dass gerade das linksliberal/progressive Deutschland ganz dringend endlich in einem ordentlichen Krieg auf der ´richtigen Seite` stehen möchte, ein reinigendes Stahlgewitter, wo viele Männer (Rechte? Frei nach Jette Nitzard: ´Die können dann wenigstens keine Frauen mehr schlagen`) und ein paar Frauen mit ihrem Leben, ihren Gliedmaßen und ihrer seelischen Gesundheit für ´unsere Werte` einstehen." Nein, ich will keinen Krieg. Ich will nicht, dass irgendjemand stirbt. Nicht einmal ein/-e MAGA-Fan-US-Soldat/-in. Aber ich finde das "Recht des Stärkeren" scheiße und es entspricht nicht meinen Werten. Dafür finde ich Autonomie und Selbstbestimmung ein verdammt hohes Gut. Und rechtsstaatliche Grundsätze auch. Ohne Freiheit ist ziemlich viel ziemlich wenig wert. (Abgesehen davon glaube ich nicht, dass US-Firmen in absehbarer Zeit gesteigertes Interesse an grönländischen Bodenschätzen haben, momentan halte ich das nicht für wirtschaftlich lohnend. Aber das Problem, dass die Firmen sich nicht begeistert drauf stürzen, hat Trump ja wohl schon beim Öl in Venezuela.)
Bei linksliberal/progressiv fühle ich mich angesprochen, finde es aber witzig, dass ausgerechnet Jette Nitzard als Prototyp dafür herhalten muss. Was das Bespielen der Aufmerksamkeitsökonomie auf Social Media und in der Öffentlichkeit angeht, hat sie mehr Gemeinsamkeiten mit Trump. Weil ich von ihr vorwiegend Provokationen und das Getue drumherum kenne, weiß ich nicht mal, wofür sie inhaltlich steht. Das ist als Bashingversuch von linksliberal-progressiver Politik ähnlich sinnvoll wie Lauchs Zusammenwerfen von (meist eher konservativ-traditionalistischen) Umweltprotesten gegen Wind- und Wasserkraft mit "grüner Politik". Das mit dem "reinigenden Stahlgewitter" erlaube ich mir, nicht zu kommentieren, ich habe nämlich keine Lust, mich dumpf provozieren zu lassen. Das Wichtigste hat Leena gesagt. In allzu großer Sicherheit wiegen, dass es bei der aktuellen Absprache zwischen Rütte und Trump bleibt, möchte ich mich aber nicht, denn Trump agiert nicht nur "befremdlich", sondern unberechenbar. Ich würde ihm auch maximal zugute halten, dass er gerade mit dieser Unberechenbarkeit das, was wir "die westliche Welt" nennen, auf den Plan ruft, mit größerer Entschlossenheit zu reagieren, um das Schlimmste zu verhindern. Mark Rütte ist in diesem Spiel leider die undankbare Rolle des Gerontologie-Pflegers oder gesetzlichen Betreuers zugefallen, mit dem polternden Opa eine Runde an die frische Luft zu gehen und ihm (vermutlich zum x-ten Mal) zu erklären, dass die NATO-Partnerschaft in der Arktis und die bestehenden Verträge genau die Sicherheitsgarantien sind, die Trump so lauthals einfordert. Die Schnelligkeit, mit der Trump und sein Umfeld agieren (und die man an den Fortschritten von Project 2025 grafisch gut beobachten kann), wird ja gerade in rechtslibertären Kreisen gerne lobend hervorgehoben, zuletzt auch von Ex-US-Botschafter Sondland im Interview mit Jessy Wellmer. Es gehört aber - neben der Selbstbeweihräucherung - auch ziemlich viel Naivität dazu, diesem Narrativ blindlings zu folgen - es sei denn, man wünscht sich tatsächlich auf die Dauer kriegerische Auseinandersetzungen im internationalen Machtkampf und innenpolitisch faschistische Zustände. Denn das Schlechtreden der zugegeben langsamen und mühseligen Arbeit von Verhandlungen und dem Aufbau von Vertrauen zugunsten kurzfristig profitabler, eigennütziger Hauruck-Aktionen führt weg von demokratischer Ordnung und internationalen Partnerschaften hin zu "Jeder kämpft für sich und gegen alle anderen, notfalls auch mit Gewalt". Was den Abbau von Bodenschätzen in Grönland angeht: Dieser Artikel zeigt, was da für Hindernisse im Weg stehen: https://euractiv.de/news/groenlands-rohstoffreichtum-ist-nur-schwer-zugaenglich/ Wie dort auch steht, rennen die USA offene Türen ein mit dem Ansinnen, diese Bodenschätze zu fördern, auch wenn die US-Diplomatie sich da deutlich mehr rhetorisches Gleitmittel zulegen muss, um vor Ort nicht als plumpe, räuberische Kolonisatoren wahrgenommen zu werden. Die Kooperation der Leute vor Ort würden sie nämlich brauchen. Und die zweite Frage ist, ob Investoren dafür zu gewinnen sind - in der Vergangenheit wurden viele Vorhaben mangels Rentabilität und Umsetzbarkeit wieder abgebrochen.
>Aber ich finde das "Recht des Stärkeren" scheiße und es entspricht nicht meinen Werten. Dafür finde ich Autonomie und Selbstbestimmung ein verdammt hohes Gut. Kraftausdrücke sind nicht wirklich ein Ersatz für tatsächliches Engagement. Letztendlich sind nur Werte relevant, die man auch durchsetzen kann. Zum Durchsetzen gehören mit hoher Wahrscheinlichkeit Tote, oft sehr viele Tote. Das nicht sehen zu wollen, ist Heuchelei. > Und rechtsstaatliche Grundsätze auch. Ohne Freiheit ist ziemlich viel ziemlich wenig wert. Noch so ein paar BS-Bingo-Worte. Die politischen Freiheiten spielen im Leben der meisten Menschen kaum eine Rolle, verglichen mit der Frage, ob der Müll abgeholt wird, die Kinder sicher aus der Schule nach Hause kommen und im Bedarfsfall ein Krankenhaus erreichbar ist. Das Leben im ´Unrechtsstaat` DDR war für die meisten Menschen durchaus lebenswert, d.h. sie sind keine nennenswerten Risiken eingegangen, um sich dem zu entziehen. Außerdem gibt es keine absolute Freiheit, nirgendwo; es ist immer eine Abwägung. Absolute Freiheit bedeutet Chaos und absolute Rechtlosigkeit. Für die ´Freiheit` wurden in Afghanistan, Irak, ... Vietnam und Korea Millionen Zivilisten zu Tode gebombt. Immer mit dem Argument, dass es gegen Deutschland und Japan ja auch geklappt hat, moralisch geboten war und die Menschen dort anschließend dankbar und glücklich waren. Freiheit ist der am meisten missbrauchte Begriff, seit das Christentum als Unterwerfungsinstrument aus der Mode gekommen ist. Keine westliche Regierung interessiert sich ernsthaft für die Freiheit der Menschen (oder ihre körperliche/seelische Unversehrtheit) in Sudan, auf Haiti oder Kuba, in Syrien, der Ukraine, Venezuela oder Afghanistan. Hauptsache, die Länder verstehen sich nicht zu gut mit Russland oder China. Je, eklig.
Sehr interessanter Artikel, Danke. Und zeigt eben, dass es politische Gründe sind, die Investitionen im Weg stehen - irgendjemand will nicht, dass abgebaut wird, zieht die ´Umwelt und Soziales!`-Karte und kommt damit durch. Die Grönländer sind mit der dänischen Versorgung auf hohem Niveau zufrieden und wollen ansonsten ihre Ruhe; ein bisschen wie die Karikatur eines anspruchsvollen GenZ-Teenagers. Oh bitte - schickt sie in die Unabhängigkeit! 🤣 Aber Dänemark wird seine Gründe haben (steigende Immobilienpreise dank Klimawandel? Viking Man`s Burden - ´die brauchen uns!`? Doch Bodenschätze? Geopolitische Relevanz?), und auch die Inuit wollen nicht mehr ohne schmucke Holzhäuser und moderne Technik. Jette Nitzard habe ich als Quelle erwähnt, um dem foreninternen Reinigungstrupp auszuweichen 🙄 Der Satz ist natürlich unsäglich, trifft m. E. aber die Motivation all derjenigen, die weder selber kämpfen würden noch irgendjemanden aus der Familie in den ´Dienst am Vaterland` gestellt sehen wollen (abgesehen vielleicht vom AfD-affinen Neffen); "Heute würde ich nicht mehr verweigern!" schreibt sich leicht. Vulnerable, benachteiligte Minderheiten (einschließlich Frauen) sind zu schonen; wer bleibt übrig für die Rekrutierung? Allzu viele sind es nicht; eher Männer, eher ohne Migrationshintergrund; tendenziell konservativ. Können weg? ´Die Grünen` als Partei werden unter ´linksliberal` eingeordnet; wenn es nicht klappt mit dem Mitnehmen aller Menschen in Solidarität (liberal) wird es halt links (´Ihr seid einfach zu doof oder zu bösartig, und wir können auch anders`. Die bösartigsten Lehrer meiner Schulzeit waren enttäuschte Progressive.
"Noch so ein paar BS-Bingo-Worte. Die politischen Freiheiten spielen im Leben der meisten Menschen kaum eine Rolle, verglichen mit der Frage, ob der Müll abgeholt wird, die Kinder sicher aus der Schule nach Hause kommen und im Bedarfsfall ein Krankenhaus erreichbar ist. Das Leben im ´Unrechtsstaat` DDR war für die meisten Menschen durchaus lebenswert, d.h. sie sind keine nennenswerten Risiken eingegangen, um sich dem zu entziehen." BS-Binge..? Ich dachte, Du hast etwas gegen "Kraftausdrücke"..? Ich finde ja, Worte wie "scheiße" und "verdammt" haben durchaus ihre Berechtigung, solange man sie nicht inflationär benutzt, sondern wirklich nur dann, wenn man sie auch genau so meint. Jeder Mensch ist geprägt von seinen Erfahrungen, seinem persönlichen und familiären Hintergrund. Vielleicht sehen wir deshalb gewissen Dinge ausgesprochen unterschiedlich. Und ich finde Deine Position schwer erträglich. Ich komme aus einer Familie, die lange in der DDR gelebt hat. Ich kenne die Geschichten meiner Großmutter, wenn mein Großvater mal wieder von der Staatssicherheit "abgeholt" wurde und sie mit den Kindern da saß und nicht wusste, ob oder wann oder wie sie ihn wiedersehen wird. Mein Vater war in Hohenschönhausen, bevor er von der BRD freigekauft wurde. Ich habe später Briefe von ihm an seine Eltern aus dieser Zeit gelesen, meine Großmutter hatte alle sorgfältig aufbewahrt. Sie sind alle eigentlich keine Risiken eingegangen, um sich dem DDR-Unrechtsstaat "zu entziehen", wie Du es formuliert hast, sondern um etwas zu verändern. Für mich ist Freiheit, auch und gerade politische Freiheit, wirklich verdammt wichtig.
"Das Leben im ´Unrechtsstaat` DDR war für die meisten Menschen durchaus lebenswert, d.h. sie sind keine nennenswerten Risiken eingegangen, um sich dem zu entziehen. " Woher stammt diese Information? Selbst erlebt oder selbst angelesen?
Freiheit ist das höchste Gute, das es zu beschützen gilt. Jeder Mensch sollte diese Möglichkeit haben.
Ich gebe zu, dass ich es oft mühsam finde, dir zu antworten, weil deine Texte so vor Zynismus strotzen und ich mich nicht gern auf diese Ebene begeben möchte. Vielleicht ist das deine Form von eristischer Dialektik, um möglichst oft das letzte Wort zu haben? Immerhin hast du meistens deine Hausaufgaben gemacht, was es dann doch irgendwie interessant macht. Außerdem möchte ich höflich bleiben und antworten. Wider Willen musste ich auch grinsen, als ich das hier las: "Die Grönländer sind mit der dänischen Versorgung auf hohem Niveau zufrieden und wollen ansonsten ihre Ruhe; ein bisschen wie die Karikatur eines anspruchsvollen GenZ-Teenagers." Allerdings vor allem deshalb, weil es mich an ähnliche Szenarien in meiner neuen Heimat Ostdeutschland erinnert hat, da stoßen Investorenprojekte oder Fördervorhaben oft auf gleichermaßen kindische und sich selbst ins Knie schießende Reaktionen, die in ein paar Jahren dann wieder von "Wir werden abgehängt"-Debatten abgelöst werden. Vielleicht muss man den Inuit immerhin zugute halten, dass sie echte Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen gemacht haben und deshalb vielleicht mit einer gewissen Berechtigung "zickig" sind als das Bockvolk in der ostdeutschen Provinz. "Jette Nitzard habe ich als Quelle erwähnt, um dem foreninternen Reinigungstrupp auszuweichen 🙄 Der Satz ist natürlich unsäglich, trifft m. E. aber die Motivation all derjenigen, die weder selber kämpfen würden noch irgendjemanden aus der Familie in den ´Dienst am Vaterland` gestellt sehen wollen" Tut mir leid, den Gedankensprung schaffe von Jette Nitzards Böllersatz zum Wehrdienst schaffe ich nicht, ist vielleicht schon zu spät dafür. Aber klar, die riesige Diskrepanz zwischen politisch berechtigten Forderungen nach mehr Verteidigungsfähigkeit des Landes und einer Pazifismuskultur, mit der schon ich aufgewachsen bin (in meinem Bekannten- und Verwandtenkreis haben die wenigsten Wehrdienst geleistet und waren stolz darauf, meine Kinder möchte ich natürlich auch nicht gern in einem Krieg "verheizt" sehen) ist natürlich eine Wunde, in die man Salz streuen kann. Die dürfte den meisten Linksliberalen aber schmerzlich bewusst sein, Zerknirschung und Selbstkritik können die sehr gut. Ich denke aber auch, wenn es zu einer konkreten Kriegssituation kommen sollte (erst mal geht es ja "nur" um Wehrpflicht), die wahrscheinlicher wird, je lascher wir die Ukraine unterstützen - das hat Selenskyj in seiner Rede in Davos ziemlich deutlich gemacht - wird jede*r einzelne von uns mit ihrer "Wohlstandsverwahrlosung" konfrontiert, das gilt nicht exklusiv für Linksliberale. Einen verkniffenen, frustrierten linken Lehrer hatte ich in der Oberstufe auch, der war aber vor allem deshalb so, weil er - so zumindest geisterte es damals durch die Schulflure, genau weiß man so was als Schüler ja nie - aus der DKP austreten musste, um im Schuldienst zu arbeiten. Das war damals übrigens auch eine Zeit, in der die letzten RAF-Mitglieder der Zweiten Generation noch nicht verhaftet waren und man als Linken-Sympathisant fast damit rechnen musste, dass einem nach Aktenzeichen XY die Bude von der Polizei gestürmt wurde - Denunzieren war auch in der BRD beliebt. Aber das ist alles anekdotische Evidenz, auch bei mir: Ich kann mich, wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, überhaupt nicht an so richtig (also für uns Schüler sichtbar) politisch Konservative erinnern. Deshalb habe ich da keinen Vergleichsmaßstab.
Wie Du schreibst - jeder wird auch durch seine Familiengeschichte geprägt. Ich habe da weniger Tragisches zu bieten als Du. Inwieweit das Deine Position ´wertiger` machen soll als meine, kann ich nicht nachvollziehen. Die meisten Widerständler konnte selbst im Erfolgsfall die Früchte ihrer Arbeit nicht genießen (geerntet haben andere), hatten oft keine Ahnung, wie brutal die Konsequenzen sein würden und waren nicht mal unbedingt sympatische Menschen (Nein, nicht Dein Großvater - Ich denke an den ´Arabischen Frühling`). Die heutigen westlichen ´Freiheitskämpfer` stehen weitgehend risikolos im Dienst einer unipolaren Ordnung, die m. E. schwer zu rechtfertigen ist und unfassbar viele Menschenleben zerstört hat (man kann immer behaupten, dass sonst alles viel schlimmer wäre); komfortable Logenplätze im Circus Maximus.
>Freiheit ist das höchste Gute, das es zu beschützen gilt. oder so?: "I remain committed to the faith of my teenage years: to authentic human freedom as a precondition for the highest good." Peter Thiel Es gibt nicht ´die Freiheit`.
>" Außerdem möchte ich höflich bleiben und antworten." Ja, aber irgendwann muss jeder Strang zu einem Ende kommen 😂 (die neuen Smilies sind so scheußlich - sogar das hat ´die Redaktion` verschlimmbessert 😒) Und Selen Tsus Reden folge ich nicht, das tun schon zu viele; der Mann ist einfach verzweifelt und hätte gern weniger tote Ukrainer, auch um den Preis eines Dritten Weltkriegs (aber für eine bessere Welt, selbstverständlich...).
"der Mann ist einfach verzweifelt und hätte gern weniger tote Ukrainer, ..." oder besser: ´mehr tote Russen`; das scheint seine eigentliche Priorität zu sein.
Von "wertiger" würde ich bei Meinungen definitiv nicht sprechen. Aber vielleicht habe ich ein bisschen mehr Erfahrung als Du, wie elementar wichtig Menschen ihre Freiheit sein kann.
Die Freiheit von Peter Thiel et al. beruht natürlich darauf, das globale Fußvolk des Kapitalismus auszubeuten bis zum Gehtnichtmehr. Also die wahren Leistungsträger der Gesellschaft - die, die eigentlich demokratische Politiker bräuchten, die sie vor Geld- und Machtkonzentrationen dieser Art schützen. Und nicht solche, die weiter Trickledown-Märchen (auch solche bequemen Lügen) erzählen, bis ihnen die endgültig um die Ohren fliegen.
Wie gesehen wieder mal nur heiße Luft von Donald. Genau wie bei Kanada, Gaza, Venezuela, Iran ... Ein kurzer Aufreger oder eine kurze Attacke (wie in Venezuela), das war's. Heute Hü, morgen Hott. Wir sollten nicht mehr so bereitwillig auf alles anspringen, was er kamellt. Wer wirklich wissen will, wie er tickt: Schaut euch bei YouTube das Interview mit dem Psychologen und früheren Johns Hopkins Medical School-Professor John Gartner über Trumps beginnende Demenz (gesichert) und seine maligne narzisstische Störung an, das ist wirklich interessant. LG
Ich kenne das von dir empfohlene Video und habe auch mit Interesse verfolgt, wie ihn seine Nichte, die ja promovierte Psychologin ist, beurteilt. Aber abgesehen davon, dass schon bei früheren US-Präsidenten psychische Störungen vermutet wurden (u. a. bei Nixon), sehe ich den praktischen Nutzen solcher Analysen vor allem darin, dass man ein Amtsenthebungsverfahren wegen Amtsuntauglichkeit gegen Trump in die Wege leitet. Das mit dem "Nicht auf alles anspringen, was er kamellt" stimmt für uns Einzelpersonen zwar sicher im Hinblick auf das Füttern von Algorithmen in der digitalen Welt, aber in der Realität ist Trump - egal, ob er demenzbedingt unzurechnungsfähig ist und von seinem Beraterstab nur künstlich "am Leben gehalten" wird oder ein maligner Narzisst ist, der die Welt mit seiner chronisch nach Aufmerksamkeit gierenden Geltungssucht in Atem hält, nun mal der Mann mit dem Zugriff auf 5000 Atomsprengköpfe und im Hinblick auf die Weltpolitik und -wirtschaft das Zünglein an der Waage. Es macht mir auch keinen Spaß, mich immer wieder mit ihm auseinanderzusetzen. Vor allem habe ich keine Lust auf die Erregungszustände, in denen eine diese Bedrohungslage versetzt, deshalb verordne ich mir auch immer wieder Social-Media-Pausen. Aber ich möchte trotzdem gern auf dem Laufenden bleiben, mir hilft Informiertsein gegen Angst und das Gefühl, ohnmächtig ausgeliefert zu sein. Mit der Geschwindigkeit mithalten zu wollen, ist zwar aussichtslos, aber ich schöpfe auch sehr viel Kraft aus dem (Online-)Austausch mit klugen, analytisch denkenden Menschen. Dem Nachrichtenstrom, der sich mit Trump beschäftigt, kann man sich ja ohnehin fast nicht entziehen.
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