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Demonstration der Iraner in München

Demonstration der Iraner in München

Mehtab

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Mir dreht sich gerade alles im Kopf, nachdem ich ein paar Stunden bei der Demo mit 250.000 Menschen auf der Theresienhöhe war.  Vor knapp 50 Jahren fanden die gleichen Massen-demonstration gegen Schah Reza Pahlavi, der alles andere als ein Demokrat war, statt. Letztendlich musste der Schah den Iran verlassen und die Mullahs rissen die Macht an sich. Jetzt demonstrieren die Menschen und schreien: "Reza Reza Pahlavi (gemeint ist der Kronprinz und Sohn des damaligen Schahs) our king!" Der wurde tatsächlich aus Amerika eingeflogen und sprach bei der Demonstration. Ich habe ihn selber nicht mehr gesehen, weil ich ging, als sich immer mehr Menschen vor mich drängten und mir die Sicht nahmen. Als ich mit Erlaubnis der Polizei und des Sicherheitsdienstes mein Fahrrad aus dem abgesperrten Bereich, der erst abgesperrt wurde, nachdem ich dort mein Fahrrad geparkt hatte und bei der  Demo war, herausholte, fuhr gerade eine Blaulichteskorte ein. Nun steht es schon in den Nachrichten, es war tatsächlich Reza Reza Pahlavi. Ansonsten hat anscheinend niemand ein Konzept, wie es wirklich weitergehen könnte, wenn die Mullahs tatsächlich die Macht abgeben müssen. Für mich ist das alles surreal. Der Kronprinz des damaligen undemokratischen Herrschers, der aus dem Land gejagt wurde und zeitlebens den Iran nicht mehr betreten durfte, soll jetzt die Lösung sein. Ich bin jetzt sehr ernüchtert. Ist der Kronprinz wirklich ein Demokrat? Was, wenn wieder einfach irgend-jemand, der am grausamsten ist, die Macht im Iran an sich reißt? Ich erlebe gerade das zweite Mal das Gleiche mit umgkehrten Vorzeichen. Kann das wahr sein?


Lauch1

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Dass seit der Islamischen Revolution ein faschistisches Regime installiert wurde und es alleine in den letzen Wochen mehrere 10.000 Tote Iraner gegeben hattest Dir aber schon klar? 


Mehtab

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Was meinst du denn, warum ich bei diesem Wetter demonstriert habe? Ist dir klar, dass das im Iran, falls das Mullah-Regime wirklich stürzen sollte, wieder keine Demokratie werden wird, wenn sich nicht alles grundlegend ändert? Meinst du eine Diktatur wie sie die Iraner vorher hatten, wäre jetzt wieder an der Reihe?


Lauch1

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Das glaubst Du und ich eben was anderes. Wir werden sehen. An einen Sturz der Mullahs habe ich vor Wochen geglaubt, mittlerweile nicht mehr. Hoffentlich irre ich mich. Dir wünsche ich alles Gute.


Mehtab

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Ob das Mullah-Regime wirklich stürzt, weiß keiner, aber man sollte darauf vorbereitet sein, denn jede Revolution ist noch daran gescheitert, dass sich zuerst alle darin einig waren, dass das alte Regime stürzen muss, und wenn es dann wirklich stürzte, war niemand da, der einen richtigen Aufbau-Plan für einen neuen Staat hatte, und irgendjemand, meistens der nächste Diktator (im Iran die Mullahs), ergriff gleich die Macht. Das war heute schon sehr beeindruckend: 250.000 Menschen, die fest daran glauben, dass das Mullah-Regime stürzen wird. Ich fragte mich, wie das tatsächlich zu bewerkstelligen wäre. Aber man möchte sich dem Glauben daran gerne anschließen. Alle wollten den Sturz des Regimes, dann muss es doch so sein, wenn 250.000, und das sind sehr viele, das wollen. Die Demonstranten hatten Amerika- und Israel-Fahnen, was mir nicht gefallen hat, aber eine große Auswahl für Unterstützer haben sie wohl auch nicht, und da ist dann Trump halt der Held. Was hat er denn wirklich für das iranische Volk gemacht? Die Mullahs werden vielleicht schon zittern angesichts der amerikanischen Militärpräsenz, und nach dem Agieren Amerikas in Venezuela können sie sich alles andere als sicher fühlen, aber wie kommt es im Iran nach dem angerichteten Massaker am eigenen Volk zum Machtübergang an das Volk? Ich hatte gehofft, dass jemand mit Bezug zum Iran hier mitliest, denn ich habe viele Gedanken und Fragen und würde dem iranischen Volk so sehr wünschen, dass es in Frieden und Freiheit leben kann, so wie es heute immer gefordert wurde. Über den Weg dahin, fehlten heute leider die Ausführungen (außer Handelsboykott und Schließung der Konsulate), und ich frage mich immer noch, wie das gelingen könnte und habe Bedenken, einfach den Kronprinzen des damaligen Diktators auf den Tron zu setzen. 


Lauch1

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Na das Gekreische hier hätten wir aber gehört, wenn die USA in die Proteste eingegriffen hätten. War leider nicht so. Was meinst Du denn wie das Regime sonst wegkommt? Durch Glückwunschschreiben von UN & Co?


Mehtab

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Das war eben meine Frage. Da hätte ich gerne Ideen gelesen und kein Geplappere, das keinerlei Substanz enthält.


Nurmalsoeben

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Kennst du Gilda Sahebi? Ich halte sie für eine sehr kluge Journalistin mit wachem Blick für die Iran-Problematik, auf YouTube findest du einige ihrer Beiträge zum Thema, auch im Gespräch mit verschiedenen Journalisten: https://www.youtube.com/results?search_query=Gilda+Sahebi+Iran


Lauch1

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Dann wird es schwierig wenn Dir die Fakten nicht passen: Zur Demo aufgerufen und unter großem Applaus empfangen hat und wurde nun einmal Reza Pahlaw.


Nurmalsoeben

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Interessant, dass die Demo quasi als Rahmentermin der Sicherheitskonferenz gleich mit organisiert wurde. Wäre ich als spontan zur Demo Dazustoßende aber vielleicht auch nicht gleich drauf gekommen.


Mehtab

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Ich dachte mir im Nachhinein auch, dass das ein Treffen der iranischen Royalisten aus ganz Europa war, was aber nicht die Wünsche der Menschen im Iran widerspiegeln dürfte. Nur wenige auf der Demo waren gegen Reza Pahlavi.  Das macht die Machtübernahme im Iran nicht einfacher, falls das Mullah-Regime doch stürzen sollte. Die Opposition ist zersplittert. Ein bisschen König geht wahrscheinlich nicht. Ich war dort, weil ich gegen das Mullah-Regime demonstrieren wollte, und war dann überrascht, dass so viele dort wieder einen König der Pahlavi-Dynastie wollten. Andere Oppositionsgruppen kamen dort gar nicht zu Wort, was ich immer noch schade finde. Die hätte man durchaus in irgendeiner Form in eine sechstündige Demonstration integrieren können, selbst wenn Reza Pahlavi zur Demo aufgerufen hatte.


Nurmalsoeben

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Eigene Redebeiträge muss man ja bei den Organisatoren einer Demo einreichen, damit sie eingeplant werden können. Wer weiß, woran das in diesem Fall gescheitert ist - ob man nun eine bestimmte Ausrichtung der Demo bewusst wollte oder andere interessierte Gruppen zu spät einbezogen wurden oder das Programm bekamen - who knows? Aber 250.000 Teilnehmer sind schon eine gewaltige Masse, meine Herren! Das war auf jeden Fall ultra-professionell organisiert, nicht nur der mit Blaulichteskorte organisierte Auftritt des Shah-Sohns. Allein die Zahl der Ordner, die man da braucht...


Mehtab

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Antwort auf Beitrag von Nurmalsoeben

Ja, das war schon gut organisiert, viele Ordner, aber auch viel bayerische Polizei, und alles verlief friedlich. Geplant waren 100.000 Teilnehmer. Ich hatte zuerst gar nicht mitbekommen, dass da so viele Leute hinter mir waren. Der Druck wurde immer größer, und erst als ich die Demo vor dem offiziellen Ende verlassen wollte, merkte ich, wie schwierig es war, überhaupt irgendwie nach hinten durchzukommen. Ich war wirklich froh, als ich da wieder raus war. Solche Menschenmengen sind meine Sache nicht. Passieren hätte da nichts brauchen. Ich habe mich gefreut, als ich dann gelesen habe, dass es 250.000 Menschen waren, die gegen die Mullahs demonstrierten, wenn das auch die Mullahs nicht interessieren dürfte. Und auch so ein Gemeinschafts-gefühl. Alle waren sich einig: "Die Mullahs müssen weg." Nur, was soll und kann man machen, dass die wirklich verschwinden. Die haben sich jetzt in 47 Jahren festgekrallt und das iranische Volk als Geißel genommen. 


Nurmalsoeben

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"Solche Menschenmengen sind meine Sache nicht. Passieren hätte da nichts brauchen." Ich war ja Anfang 2024 bei der großen Demo gegen Rechts in Freiburg, und bei solchen Anlässen kann man wirklich sehen, WIE GUT unsere Behörden und unser Rechtsstaat tatsächlich funktionieren. Das Sicherheitskonzept bei so hohen Teilnehmerzahlen muss absolut stimmen, und eigentlich ist es auch so gedacht, dass man sich bei Unwohlsein/Panik jederzeit an Ordner/Polizeikräfte wenden kann, die einen da rausholen. So eine Riesendemo zusätzlich zur MSC unter Kontrolle zu halten, das ist auch eine Riesen-Leistung der Behörden und der Ordnungskräfte. Das allein müsste schon allen Kritikern daran, dass Deutschland angeblich "dem Untergang geweiht" wäre, den Wind aus den Segeln nehmen. Eskalationen gibt es nur sehr selten, und die sind meistens lokal absolut begrenzt.


Nurmalsoeben

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Antwort auf Beitrag von Mehtab

Hallo, ich denke, dass Reza Pahlavi nicht eigens wegen der Demo eingeflogen wurde, sondern wegen der MSC sowieso in München ist, oder? Das fände ich sonst auch äußerst surreal. Du kannst ja mal auf der Speaker-Seite der Münchener Sicherheitskonferenz nachsehen, da sind alle Beitragenden alphabetisch aufgelistet. Mich bestürzt die Lage der Protestierenden im Iran seit einigen Wochen sehr, vor allem die Abschaltung des Internets, um die schreckliche Realität vor der Weltöffentlichkeit geheimzuhalten. Die Forderung nach einem US-Militärschlag gegen das Mullah-Regime geht aber ja nicht nur von Reza Pahlavi selbst, sondern auch von vielen Menschenrechtlern im Iran aus, die offenbar der Ansicht sind, dass ein Sturz des Mullah-Regimes anders nicht möglich sein wird. Es gibt aber auch hierzulande Deutsch-Iraner, die genau das kritisieren, weil es Erinnerungen an die unselige Verquickung zwischen Öl- und strategischen Interessen zwischen Iran und USA/damals GB wachruft. Hoffnung geben kann einem vielleicht, dass eine autoritäre Monarchie wie zum damaligen Zeitpunkt mit einer so starken feministischen und kurdischen Bewegung im Iran, wie es sie heute gibt, nicht so ohne weiteres möglich sein wird. Resa Pahlavi Junior wird auch klar sein, dass es allenfalls übergangsweise eine konstutionelle Monarchie geben kann, weil die Menschen im Iran nach Demokratie hungern. Die internationale Solidarität gerade mit der iranischen Frauenbewegung ist - für meine Begriffe - unter jungen Leuten riesig. Auch wenn niemand wissen kann, wie es am Ende ausgehen wird - es bleibt doch die Hoffnung, dass die Rückkehr der Pahlavi-Dynastie in den Iran ein positiver Neuanfang sein kann. Fest steht auch, dass Pahlavi junior ganz anders unter internationaler Beobachtung stehen wird als sein Vater, der mir aus früheren Medienberichten in Deutschland eher als Glamourikone und Freund des Westens in Erinnerung geblieben ist. Dass es historisch ganz anders war, habe ich erst viel später erfahren.


Mehtab

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Antwort auf Beitrag von Nurmalsoeben

Ja, du hast Recht, Reza Pahlavi spricht auf der Siko.


Nurmalsoeben

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Immerhin hat Pahlavi auf der MSC Gelegenheit, sich mit Sicherheitspolitikern zu treffen und konkret auszustauschen - dem dürfte auch klar sein, dass er mit Trump und Netanjahu nur über "Deals" weiterkommen wird und ansonsten nicht viel zu erwarten hat. Er braucht also demokratische Unterstützer in Europa, die nicht nur Sonntagsreden halten. Pistorius und Röttgen traue ich da von deutscher Seite schon auch zu, dass sie das nicht von der Seitenlinie kommentieren und einfach "laufen lassen".


Banu28

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Antwort auf Beitrag von Mehtab

Wenn das Mullah-Regime wirklich stürzt, entsteht natürlich sofort ein Macht-Vakuum. Dafür kann auch niemand etwas, denn a) haben die Iraner keinerlei demokratische Erfahrung. b) wurde natürlich von den Mullahs keine Opposition geduldet, die politisches Handwerkszeug hätte lernen und entwickeln können. Und c) gibt es infolgedessen auch keine Identifikations- oder Führungsfigur, die von einer Opposition hätte aufgebaut werden können.  Daher ist die Situation nach einem Sturz natürlich sehr unvorhersehbar und ja, auch anfällig für antidemokratische Kräfte (wie den Sohn des Ex-Schahs, der jetzt Morgenluft wittert). Fazit: Nix Genaues weiß man nich' – man darf gespannt sein. LG


Nurmalsoeben

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Antwort auf Beitrag von Banu28

Dass du den Sohn des Ex-Schahs sofort als "Anti-Demokraten" rahmst, finde ich interessant (nicht unbedingt im positiven Sinne). Worauf stützt du denn diese Behauptung? Skeptisch darf frau ja sein, aber woher kommt diese Wertung?


Nurmalsoeben

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Michel Abdollahi, der am Samstag auch auf der Theresienwiese gesprochen hat, war gestern übrigens auch bei dem "Prozess gegen Deutschland" im Thalia Theater dabei und hat eine flammende (und wie ich finde, sehr gute) Rede gehalten: https://www.facebook.com/reel/765292786194183


kea2

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Viele Menschen vergessen leider nach wenigen Jahren, wie etwas wirklich war. Das wird dann zur "guten alten Zeit", die man gerne zurück hätte. Die DDR wird ja z.B. auch von nicht wenigen verklärt.  Ich sehe diesen Kronprinz auch nicht als Lösung. Der behauptet zwar, er wolle eine Demokratie, aber wenn Leute erstmal Macht haben, wollen sie sie häufig nicht mehr abgeben, und dann werden eben die verfolgt, die dem neuen Diktator nicht passen. Wäre ja nichts neues im Nahen Osten.


Mehtab

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Antwort auf Beitrag von kea2

Genau diese Befürchtung habe ich auch. Da ist die große Hoffnung, dass das Mullah-Regime strauchelt und fällt, und wenn es tatsächlich dazu kommen sollte, dann ist keine einige Opposition mit einem klaren Konzept, wie der Staat aufgebaut werden soll, da, und genau das bräucht man, um das durch den Fall der Mullahs entstehende Machtvakuum zu füllen. Nach dem Fall von Mohammad Reza Pahlavi ergriffen die Mullahs ganz schnell die Macht und füllten das entstandene Machtvakuum. Sehr ernüchternd!  Viele der jungen Leute auf der Demo wussten gar nichts von den damaligen Massendemonstration gegen den Schah, die letztendlich zu seinem Sturz führten.


Nurmalsoeben

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Antwort auf Beitrag von Mehtab

Mir macht in dem Zusammenhang auch etwas Sorge, dass Pahlavi vor allem die Unterstützung der USA und Israels genießt und wir in Europa vor dem Problem stehen, dass große Teile der Bevölkerung die "Einmischung" in den Konfliktherd Iran wohl eher als weiteres Ablenkungsmanöver der aktuellen Staatschefs von ihrer innen- und sozialpolitischen Verantwortung werten würden. Außerdem ist Pahlvai zweifellos ebenfalls ein patriarchaler, autoritärer Charakter, der die multiethnischen, feministischen Proteste im Iran nicht goutiert, und gerade vor dem Hintergrund, dass die aktuelle Protestbewegung ursprünglich von den Frauenproteten ausgegangen ist, kann der Iran keinen neuen Staatschef gebrauchen, der diesen Aspekt ignoriert oder gar unterdrückt. Insofern hoffe ich, dass einige weniger an vorderster Front der Medienberichterstattung stehende Außen- und Sicherheitspolitiker aus Europa sich in Iran engagieren werden und dafür grünes Licht aus dem Bundeskanzleramt erhalten. Also dass Merz das für wichtig genug hält.