Leena
Um mal aus der "Tagesschau" zu zitieren: " 'Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit' - so heißt der Antrag, den die Mittelstands- und Wirtschaftsunion auf dem CDU-Parteitag in Stuttgart Ende Februar einbringen will. Damit will der CDU-Wirtschaftsflügel den gesetzlich festgeschriebenen Rechtsanspruch auf Teilzeit abschaffen - er soll nur noch bei "Vorliegen einer besonderen Begründung" gelten, heißt es im Antrag." Ich arbeite Teilzeit, seit mittlerweile über 25 Jahren (davon 2,5 Jahre Elternzeit). Und ja, ich weiß, was das für die Versorgung im Alter bedeutet. Aber ich verdiene mit Teilzeit (mehr als 50%) mehr als der Durchschnitt in Vollzeit, liege somit niemandem auf der Tasche - und Zeit ist mir persönlich mittlerweile wertvoller als Geld. Mit dem Geld komme ich klar - Zeit fehlt. Ich will im Moment nicht mehr arbeiten. Ich habe in dieser Zeit 4 Kinder großgezogen. Das Jüngste hat noch ein paar Jahre bis zum Schulabschluss, Nr. 3 ist auch noch regelmäßig hier, die beiden Großen nicht, aber dafür das Enkelkind. Meine Mutter hatte ich betreut, aber sie ist vor einigen Jahren gestorben. Es hängt nicht an der Kinderbetreuung und an der Pflege auch nicht mehr, dass ich nicht mehr arbeiten könnte. Das Enkelkind hole ich einmal pro Woche vom Hort ab, das ginge auch irgendwie mit Vollzeit. Mein Jüngster braucht soweit keine "Betreuung" mehr, möchte aber gerne regelmäßig gefüttert und versorgt werden und ab und zu ein Ansprachpartner ist eigentlich auch wichtig. Ich habe den Haushalt (mit 3 - 5 Personen). Außerdem bin ich noch freiberuflich tätig, als Nebentätigkeit, arbeite z.T. für eine Zeitschrift etc. Damit verdiene ich nicht viel, aber es macht Spaß und öffnet Türen - was ich beides von meinem Hauptberuf im Moment nicht mehr sagen könnte. Da sind die Arbeitsbedingungen schwierig geworden. Außerdem merke ich, dass ich nach all der Zeit und mit mittlerweile 50 Jahren nicht mehr so belastbar bin. Irgendwie bin ich "grund-erschöpft", stecke 10-Stunden-Arbeitstage nicht mehr locker weg und will manchmal einfach nur noch meine Ruhe. Das letzte, was ich derzeit will, ist es, meine Arbeitszeit aufzustocken oder wirklich wieder Vollzeit zu arbeiten. Ich bin nach 25 Jahren Dauer-Stress nicht mehr so belastbar. Aber für jemanden wie Friedrich Merz oder die Mittelstands- und Wirtschaftsunion falle ich damit wohl unter "Lifestyle Teilzeit", ich könnte ja mehr arbeiten (Stichwort: Fachkräftemangel), ich will aber nicht. Andere mögen das locker stemmen - ich nicht (mehr). Ich habe auch viele Kollegen, die Teilzeit arbeiten - entweder, weil sie so mit finanziellen Abstrichen eine Work-Life-Balance mit Familie und Beruf hinbekommen, die sonst nicht möglich wäre (so wie bei mir) oder weil sie gesundheitliche Baustellen haben und Vollzeit eben nicht mehr schaffen. Aber um Friedrich Merz insoweit zu zitieren: „Mit Work-Life-Balance werden wir den Wohlstand dieses Landes nicht erhalten können“, es müsse wieder mehr gearbeitet werden. Na, danke...
Hallo Leena, für mich ist die Teilzeit grundsätzlich eine zweischneidige Sache, und abhängig von vielen Faktoren. Wenn du auch im Alter mit dem Geld zurechtkommst, ist mir das egal, aber gerade viele Frauen, die lange Zeit ganz wenige Stunden gearbeitet haben, jammern dann, dass das Geld im Alter nicht reicht und müssen dann mit sozialen Leistungen unterstützt werden. Das finde ich dann gleich nicht mehr so prickelnd. So eine Teilzeit muss man sich erst einmal leisten können. Außerdem hängt das alles auch vom Arbeitgeber ab. Für kleine Unternehmen, die z. B. nur eine Mitarbeiterin haben, kann die Teilzeit der Beschäftigten schon zum Problem werden. Die haben auch keinen Anspruch auf Teilzeit. Du hättest ja auch noch Gründe, die eine Teilzeit rechtfertigen würden, weil du eine Familie versorgst ... Ich denke, dass es nicht viel bringt, jemanden, der nicht will, zu zwingen, Vollzeit zu arbeiten. Das gleiche Problem sehe ich, wenn es immer heißt, dass man bis 70 Jahre arbeiten soll. Wie viele können denn das wirklich? Allerdings schließt die Beendigung des Rechts-anspruchs auf Teilzeit ja eine Teilzeitbeschäftigung nicht aus. Den Rechtsanspruch gibt es ja eh erst seit ein paar Jahren. Vorher haben auch schon viele Teilzeit gearbeitet. Ich sehe die Abschaffung des Rechtsanspruches deshalb nicht als so dramatisch an, allerdings gefällt mir die Argumentation unseres Kanzlers ... auch nicht, denn da hört es sich immer gleich so an, als seien wir alle stinkfaul und müssten erst das Arbeiten wieder lernen.
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