Shanalou
Die Grünen haben wieder in BaWü gewonnen! Vor 4 Wochen hätte ich das noch nicht geglaubt. Cem hat einen wirklich guten Wahlkampf hingelegt. Und immerhin hat die AXD unter 20%! Zwar, wie erwartet, deutliche Zuwächse, aber um einiges weniger, wie man hätte befürchten können. Schade um die SPD, aber die ist unter die Räder gekommen. Wenigstens hat in BW die große Mehrheit der Bürger noch alle Sinne beieinander! Wenigstens mal etwas positives!
Naja. Wenn ich auf die AfD schaue, sehe ich, was politisch schief läuft. Man kann unter 20% auch schön reden. Man sollte die Zahl beachten und die Zuwächse. Und man beachte das Versagen von der SPD. Selbst schuld! Grün muss ich nicht schön reden. Zusammen mit der CDU haben sie es geschafft, dass man in BaWü nun ganz schlecht dasteht. Mir ist zwar bewusst, dass alle anderen Parteien hier keinen Deut besser sind, aber toll machen es weder Grün noch Schwarz. Das ist nicht eine Wahl für Grün oder Schwarz sondern, zumindest ich wählte gegen die AfD. Und dann wählte ich das geringere Übel.
Es war vor allem eine Wahl um den Ministerpräsidenten und Hagel hat sich nicht wirklich in Szene gesetzt. Die wirtschaftlich Situation in BW hat kaum etwas mit der Landespolitik zu tun, sondern ist ein Versagen von Entscheidungsträgern in den Großkonzernen! Das schwierige Zeiten bevorstehen, ist unbestritten. Aber ich muss auch sagen, dass eine gewisse Erdung vielen hier mal ganz gut tun könnte. Ich find das Ergebnis auf jeden Fall sehr positiv.
"Die wirtschaftlich Situation in BW hat kaum etwas mit der Landespolitik zu tun, sondern ist ein Versagen von Entscheidungsträgern in den Großkonzernen!" Das gehört alles zusammen. Politisch kostet mich die kWh 80 Cent. Wer will da eAuto fahren? "Aber ich muss auch sagen, dass eine gewisse Erdung vielen hier mal ganz gut tun könnte." Das kann ich verstehen, nur sind das die Bürger gewesen, die auch konsumieren. Die in die Kneipen gehen, Häuser bauen und Geld ausgeben. Oder halt die Jahreskarte im Schwimmbad, auch wenn sie nur 3x da waren. Und - nicht zu vergessen, all die Zulieferer die weniger Geld ihren Mitarbeitenden ausschütteten, als eben Porsche oder Audi. Ich finde es zu einfach gedacht zu sagen, dass der Wahlsieg schön sei. Vor allem wenn ich mir die Zuwächse der AfD ansehe. Selbst in meinem schönen Örtchen bin ich weit weg von politisch schön zu reden. Schau'n wir mal, wenn es hier in BaWü noch ärger wird, ob man zur nächsten Wahl das auch noch so einsortiert.
Das klappte aber auch nur, weill Cem Özedemir bekannt und beliebt ist. Und ein Realpolitiker. In Berlin laufen da andere Gestalten rum, die deutlich weiter links und weltfremd sind. Und deshalb kann man das Ergebnis aus NRW mitnichten auf den Bund übertragen.... Ansonsten sehe ich, dass eine Mehrheit eher konservativ gewählt hat. Wenn man Afd und CDU zusammenrechnet hätten die auch eine deutliche Mehrheit. Gäbe es die AfD nicht und die konservativen Wähler hätten alle CDU gewählt, gäbe es eine klare CDU Mehrheit. Da haben die Grünen jetzt Glück gehabt...
Baden-Württemberg ist auch ein konservatives Bundesland - bis auf die Uni-Städte vielleicht, aber selbst die sind konservativer als z. B. Münster, Göttingen, Berlin oder Bremen. Gäbe es die A*D nicht, hätten viele gar nicht gewählt, denn diese Partei mobilisiert sehr viele Politikverdrossene.
Übrigens finde ich die mangelnde Fehlerkultur der Union im Nachgang ziemlich bemerkenswert. Am Sonntagabend hat Robin Alexander, dem man nun wirklich nicht unterstellen kann, ein Grünen-Freund zu sein, die CDU auch deutlich dafür kritisiert, dass sie sich ihrer Sache mit Manuel Hagels Wahl viel zu sicher gewesen seien. Friedrich Merz hat ihn beim Parteitag sogar schon als "künftigen Ministerpräsidenten" begrüßt. Und um von dieser Selbstgefälligkeit abzulenken, wird jetzt auf diesem Eva-Video herumgeritten, obwohl Hagel den Auftritt selbst als "Mist" bezeichnet hat.
Es rächt sich - wie beim Staat auch - wenn Konzerne eben nicht in den Fortschritt investieren. Sei es in Technik oder in Menschen. Wer pleite geht, ist in 99% aller Fälle selbst schuld.
Nein, da muss ich dir deutlich widersprechen. Wenn es die AfD nicht gäbe, hätten viele nicht gewählt oder die FDP. CDU Wähler mit A*D Wählern gleichzusetzen ist absoluter Unsinn! Merke, die A*D ist in erster Linie rechtsradikal und extrem wirtschaftsliberal, sie ist nicht konservativ. Mit der Russlandnähe können sehr viele hier überhaupt nichts anfangen. Bei den Umfragen zum Ministerpräsidenten hat Özdemir sagenhafte Werte erreicht. Die CDU hat mit Hagel einfach ins Klo gegriffen. Ich will nicht bestreiten, dass der rechte Rand der CDU mit der A*D liebäugelt, aber die allermeisten sind mit der Kombination Schwarz/Grün sehr zufrieden gewesen und wollten auch genau diese Koalition weiterhin haben. Die Frage war nur, unter welchem Ministerpräsidenten. Die Grünen in BaWü sind politische Mitte und keinesfalls links einzuordnen.
Schlechte Verlierer, würde ich sagen. Anstatt vor der eigenen Haustüre zu kehren, anderen die Schuld zuzuschieben, ist schon etwas erbärmlich.
"Nein, da muss ich dir deutlich widersprechen. Wenn es die AfD nicht gäbe, hätten viele nicht gewählt oder die FDP. CDU Wähler mit A*D Wählern gleichzusetzen ist absoluter Unsinn!" Das Zitat nur, damit mein Posting zuzuordnen ist, falls ich wieder ganz unten am Ende des Stranges lande. Ich finde sowieso, dass in der Einordnung der Parteien auf dem Links-Rechts-Spektrum oft große Missverständnisse herrschen. Die Grünen in Baden-Württemberg sind deutlich konservativer als z. B. die SPD. Cem Özdemir ist konservativ, Franziska Brantner ist konservativ - nur eben gekoppelt mit dem Wunsch nach einer ökologischen und klimapolitischen Wende. "Links" sind Ricarda Lang, die Grüne Jugend oder Luisa Neubauer. Selbst Felix Banaszak würde ich eher als "mittig" bezeichnen. Und die CDU in Baden-Württemberg ist konservativ, während die CDU unter Friedrich Merz und Co. von konservativ nach wirtschaftslibertär gerutscht ist - damit hat sie auch die FDP überflüssig gemacht. Christian Lindner müsste sich also vor allem über Friedrich Merz ärgern, der ihn erst quasi mit der Aussicht auf eine Koalition gelockt, dann aber fallen gelassen hat wie eine heiße Kartoffel, als die Partei bei der Wahl abgestraft wurde. Die FDP steht im Parteienspektrum nach heutiger Ausrichtung (also der von Lindner übernommenen) auch weiter rechts als CDU/CSU und hat mehr Überlappungen mit der A*D. Weshalb sich die Traditions-FDP-Wähler hier in der Forumsrunde auch eher von der A*D abgeholt fühlen als von der CDU/CSU.
Schlechte Verlierer und "Trick verrissen", wie man früher gesagt hätte. Ich schreibe das ja schon lange, die Union ist der festen Überzeugung, die Macht gepachtet zu haben und fühlt sich unbesiegbar, weil sie so viel Lobby-Unterstützung hat, und wen dann mal einer ihrer Kandidaten doch verliert (weil sich der Wähler erdreistet, anders zu entscheiden oder Peinliches im Wahlkampf auftaucht), dann sind die anderen schuld und unfair. Wenn man das mit dem Wahlkampfverhalten der Union selbst vergleicht, muss man sich wirklich mühsam ein Lachen verkneifen, um das nicht absurd zu finden. Und wenn die SPD so etwas Ähnliches versucht (wie mit dem angeblich von CDU und Grünen abgelehnten Antrag für ein A*D-Verbot), dann wird ihr das sofort zum Verhängnis, und sie muss öffentlichkeitswirksam zurückrudern. Letzteres würden Spahn & Co. ja nie tun, die sind wie Teflon, egal, was sie alles auf dem Kerbholz haben. Trump macht es ja vor.
"......dann sind die anderen schuld und unfair." Wir leben in einer Empörungskultur. Schuld ist und hat immer der Andere. Alle Parteien machen das. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal der Union.
Also in diesem Fall bin ich anderer Meinung. Ich hab selten erlebt, dass man eine Wahlniederlage einer anderen Partei ankreidet und das auf dem Niveau eines Kindergartenkindes. Das schafft nur die CDU und, wahrscheinlich noch besser, die CSU. Kein CDUler wählt jemand anders, wegen dieser "Rehaugenaffäre", die ticken doch alle genauso 😂. Und bei den Umfragen hat der Herr Hagel schon vor dieser Ungeheuerlichkeit gegen Herr Özdemir abgestunken. Die BaWü CDU ist dermaßen peinlich, dass es schon weh tut. Sollen sie doch mit der A*D koalieren, der Fronmaier wär sofort dabei, dann hätten sie ihren Ministerpräsidenten.
"Wir leben in einer Empörungskultur. Schuld ist und hat immer der Andere." Ich finde, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. "Empörungskultur" ist nicht das gleiche wie mangelnde Fehlerkultur und fehlende Selbstreflexion. Geschrei können alle gut, da gebe ich dir Recht, vor allem in den Sozialen Medien. Aber hier geht es ja um das Eingeständnis, eine Wahl de facto verloren zu haben, auch wenn das Ergebnis hauchdünn war. Ich fühle mich da ehrlich gesagt an Frau Wagenknecht bei der Bundestagswahl erinnert. Oder, wie gesagt, an die USA, wo bei einer knappen Wahl auch das Feilschen und Verhandeln losgeht. Nur haben wir hier ganz andere Verhältnisse, und die CDU darf ja regieren und Ämter bekleiden - nur eben nicht das des Ministerpräsidenten. Ich muss dir übrigens widersprechen, dass "alle" Parteien da genauso wären wie die Union - gut, Teile der FDP und der A*D vielleicht. Bei den anderen dauert es zwar manchmal etwas, bis ein Fehler eingeräumt wird, aber dann wird in der Regel zurückgerudert. Frau Wagenknecht nehme ich da jetzt mal aus, für die ging es um das Überleben ihrer Partei auf Bundesebene und ihre eigene politische Zukunft.
"Die BaWü CDU ist dermaßen peinlich, dass es schon weh tut. Sollen sie doch mit der A*D koalieren, der Fronmaier wär sofort dabei, dann hätten sie ihren Ministerpräsidenten." Da die letzte Möglichkeit ausgeschlossen ist und die das selbst wissen (sogar Herr Spahn weiß das) werden jetzt wohl noch eine Weile ein paar ehemalige CDU-Granden wie Herr Strobel durch die Talkshows der Republik tingeln und Krokodilstränen vergießen. Sollen sie. In drei Monaten muss aber die neue Regierung stehen, sonst können sie noch mal neu wählen. Und das will wahrscheinlich keiner - am Ende kommt es noch zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Özdemir und Frohnmaier. 😰🤯
Noch mal ich, du interessierst dich doch für Kommunikation bzw. beziehst dich auf selbige. Mirko Lange von "Democracy Intelligence" schreibt zu den aktuellen Reaktionen der Union diesen Text: https://www.linkedin.com/posts/mirkolange_sprachedermacht-larmoyanz-massstab-activity-7437399039823908865-s8NN/ Kleiner Teaser seines Fazits, worin die politische Strategie der CDU besteht: "1. Lagerlogik In der Sprache der Macht gilt kein allgemeiner Maßstab, sondern ein gruppenbezogener. Was der eigenen Seite nützt, ist legitime Härte. Was der Gegenseite nützt, ist unanständig. Moral ist hier kein Prinzip, sondern Ressource. 2. Strategische Empörung In der Sprache der Macht ist Empörung ein politisches Instrument. Wer einen Angriff als unfair markiert, versucht keine ethische Debatte zu führen, sondern die Legitimität des Angriffs zu delegitimieren und die Deutungshoheit zu gewinnen. „Schmutzkampagne“ ist dann ein Kampfbegriff, kein Moralurteil. 3. Opfer-Narrative In der Sprache der Macht mobilisiert es Unterstützer stärker, sich als unfair Behandelter darzustellen, als das Eingeständnis eines harten, aber legitimen Angriffs. Opferrollen erzeugen Solidarität und moralische Aufladung. #Fazit Der scheinbare Widerspruch ist keiner. Er entsteht nur, wenn man von einem universalistischen Moralverständnis ausgeht. Wer Politik jedoch als Machtarena begreift, nutzt Moral selektiv als Waffe, nicht als Maßstab. Das ist absolut konsequent." (Quelle: s. o.)
Ich war mir eigentlich recht sicher, dass Özdemir das Rennen macht - ich denke, die letzten Wochen haben Manuel Hagel das Genick gebrochen. Er war vorher zu unbekannt und ist dann, als es in die heiße Phase ging, wo die Person des Spitzenkandidaten die größte Rolle spielt, auf Social Media über "Eva mit den rehbraunen Augen" und seinen wenig überzeugenden Umgang damit gestolpert und wurde dann vollends sturmreif geschossen, als er die Lehrerin bei einem Schulbesuch anherrschte und den Treibhaus-Effekt peinlich falsch erklärte. Für all diese Dinge wurde er von den jüngeren Wählern ganz klar abgestraft. Ich glaube, viele Leute U50 fingen sich da an zu fragen, ob da nicht der blassgrüne Özdemir doch die deutlich bessere Figur als Landesvater macht. Der CDU den Allerwertesten gerettet hat laut ARD-Wahlkampfanalyse die Gruppe der Ü70jährigen. da muss sich die Union also langsam mal etwas überlegen. Und vielleicht etwas Schlaueres als billiges Grünen-Bashing oder, wie ein Kölner CDU-Mensch, der sich als besonders schlechter Verlierer outete, indem er twitterte, es würde den Menschen in Ba-Wü noch "leidtun, einen Mulim als Ministerpräsidenten gewählt zu haben". Peinlicher geht es wohl kaum. Trotzdem ist der Sieg der Grünen hauchdünn, soweit ich das heute morgen sehe, gerade mal 0,5 %. Und die 18,7% für die A*D sind eine Katastrophe, da gebe ich Caot recht. Nach all dem, was in den letzten Wochen über die clanähnlichen Strukturen der A*D herauskam und Markus Frohnmaier auch noch in der Schlussphase des Wahlkampf in die USA abgedampft ist, was deutlich macht, dass ihn seine Kontakte zur internationalen rechtsradikalen Szene eben doch mehr interessieren als "the Länd", zeigt das, dass A*D-Wählern wirklich alles egal ist, Hauptsache Mittelfinger an "die da oben". Und da sollten die drei restlichen noch im Landtag vertretenen Parteien nach der Wahl sehr ernsthaft in sich gehen, was das eigentlich aussagt. Ich glaube schon auch, dass Baden-Württemberg jetzt eine "Richtungswahl" für den Rest des Wahljahres und die Zukunft war, aber anders, als wir Grünen-Anhänger uns das wünschen würden. Cem Özdemir wird nicht drumherum kommen, das zu tun, was er bisher tunlichst vermieden hat (und weshalb ich ihn persönlich nicht besonders mag): Auch dem reichen Baden-Württemberg steht jetzt ein Riesen-Umbruch bevor, denn trotz aller Technologie-Offensiven stirbt die Automobilbranche im Ländle. Das hat zwar nicht vorrangig die Landespolitik verschuldet, aber auch ein bisschen mit, weil man den Bürgern und der ortsansässigen Industrie immer ein bisschen zu wenig zugemutet hat. Energiewende und Zukunftstechnologie gehen nicht ohne Einschnitte für alle, und ich hoffe, Özdemir ist schlau und souverän genug, das gut zu vermitteln und die Menschen da mitzunehmen - von Manuel Hagel und der Union erwarte ich da wenig sinnvollen Input, denn die Union stand in Ba-Wü hauptberuflich immer auf der Bremse, so lange ich denken kann. Dass die SPD so abgestraft wurde, tut mir persönlich weh, genauso wie der verpasste Einzug der Linken in den Landtag, obwohl ich natürlich weiß, wie das zustande gekommen ist. Aber ein Landtag, der bis auf jämmerliche 5,5 % nur aus dem Spektrum Olivgrün-schwarz-braun besteht, ist auch eine Riesengefahr. Auch da hoffe ich auf Özdemir und seine gute Vernetzung in die Bundespolitik, dass das Interesse für die realen Nöte der "Werktätigen", wie man hier sagen würde, nicht unter die Räder kommt, sonst landet bei den nächsten Wahlen die A*D weit über 20 %, und die SPD fliegt aus dem Landtag. Und ich bete ja täglich, dass die Union endlich mal anfängt, sich selbst zu reflektieren und zu kapieren, dass dieser rechtslibertäre Kurs, mit dem sie die Lindner-FDP überflüssig gemacht hat, immer mehr konservative Wähler der A*D zutreibt, und dass sie alle anderen demokratischen Parteien ganz dringend nicht als Sparringspartner und Konkurrenten braucht, sondern als Partner, um konstruktive Politik zu machen. Dass das einen fast kompletten Austausch der aktuellen Führungsriege der CDU im Bund erfordern würde, weiß ich auch, aber frau wird ja wohl noch träumen dürfen...
"Und ich bete ja täglich, dass die Union endlich mal anfängt, sich selbst zu reflektieren..." Man muss aufpassen nur mit einem Auge zu schauen. Die SPD hat massiv Arbeiter:innen an die AfD verloren. Der BSW und die Linke können diese Lücke nicht auffüllen. Die SPD demontiert sich selbst. Sie schafft es nicht mehr die Bürger mitzunehmen. Die Schwäche der linken Parteien steht kausal im Zusammenhang mit dem erstarken der Rechten. Würden mir meine Kunden so weg laufen wie der SPD die Wähler, würde ich mich hinterfragen und an mir arbeiten, statt Dritten vorzuschreiben was sie tun sollten.
"Nicht nur" meinst du wahrscheinlich? Ich glaube, die SPD hat diesmal viele Stimmen verloren, weil sehr taktisch gewählt wurde. Sooo groß waren die Wählerwanderungen von der SPD zur A*D nicht, die meisten A*D-Wähler waren mobilisierte Nichtwähler (wie so oft), dann kamen Wählerwanderungen von der Union, dann von der FDP und schließlich von der SPD und den Grünen. Die SPD muss sich auf jeden Fall programmatisch neu aufstellen, fragt sich nur, wie. Denn sie ist hin- und hergerissen zwischen dem wertkonservativen, aber gewerkschaftsnahen Teil ihrer Wählerschaft, der zur A'D abdriftet, weil ihm die SPD im Bund zu viel für die Leute macht, von denen sich kleine Handwerker und Angestellte am schärfsten abgrenzen möchten - den Grundsicherungsempfängern und Aufstockern. Dieser Teil findet, dass die SPD schon viel zu weit nach links gerutscht ist. Und der andere Teil der klassischen SPD-Wähler, die kleinen Beamten, Lehrer und kleinen Selbständigen sind von der SPD enttäuscht, weil sie im Bund nur noch Seeheimer-Politik macht und gegenüber den CDU-Forderungen einknickt, die für viele SPD-Wähler gar nicht gehen, weil sie ihre persönliche Situation verschlechtern und auch ihrem sozialdemokratischen Anspruch widersprechen. Diese Leute wandern dann zu den Grünen oder den Linken.
"Würden mir meine Kunden so weg laufen wie der SPD die Wähler, würde ich mich hinterfragen und an mir arbeiten, statt Dritten vorzuschreiben was sie tun sollten." Noch mal dazu. Ich kenne noch ein paar SPD-(nahe) Politiker aus Freiburg und eine SPD-Politikerin hier in Sachsen (mit der ich mich aktuell aber wegen Iran streite, weil sie meine Position "inhuman" und "zu verkopft" findet, ich finde ihre blauäugig. Die Parteibasis vor Ort hat ja sowieso andere Kämpfe, ist sich dieser Problematik auf Bundesebene aber sehr bewusst. Ich glaube, die SPD krankt (wie alle bürgerlichen Parteien, da würde ich die Grünen inzwischen durchaus mit dazu rechnen) an dem Spagat zwischen Realpolitik und Wählererwartung. Dabei gilt, wie Robin Alexander bei Caren Miosga richtig gesagt hat, dass ""Wahlen in der Mitte entschieden" werden. Wenn CDU und Grüne in mehreren Landesregierungen einigermaßen erfolgreich Poltiik der Mitte mit modernen Akzenten macht, dann wird die SPD dafür nicht mehr gebraucht. Und Sozialpolitik für Grundsicherungsempfänger kann die Linke besser. Da wird die SPD also auch nicht mehr gebraucht. Gleichzeitig sind Wähler aber in ihrem Wahlverhalten einerseits traditionell (also sie halten Parteien, die sie schon lange gewählt haben, auch lange die Treue), aber wenn ihre Erwartungen immer wieder enttäuscht werden, dann wenden sie sich umso unversöhnlicher ab und gerade ein typisch männlicher Reflex (das machen nicht nur Männer, aber ich bezeichne das mangels einer besseren Worts so) ist dann der Stinkefinger, sprich: die A*D. Hinzu kommt speziell in Ba-Wü, ich habe das ja schon öfter geschrieben, das will mir aber ja keiner glauben oder ist beleidigt, wenn ich das schreibe, dass es gerade auf dem Land, obwohl es den Leuten persönlich eigentlich gut geht, auch eine große Angst vor der "komischen Welt der Städter" gibt. Dem zugrunde liegt sicher ein gesundes Misstrauen, aber wenn das geballt zusammenkommt und auch noch ein politisches Angebot findet, dann wächst das zu Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und LGBTQ-Hass. Das funktioniert in Ba-Wü kein bisschen anders als in der ostdeutschen, bayrischen oder saarländischen Provinz, den Nordwesten und die Mitte Deutschlands klammere ich mal explizit aus, weil da die Städte- und Bevölkerungsdichte viel größer und die Konfliktpotenziale zwischen verschiedenen Gruppen realer und sichtbarer sind, aber da wird auch damit umgegangen, das sind keine bloßen Angst-Chimären. Wahrscheinlich fürchten die Wähler ein Stück weit um ihre "heile Welt". Und auf diese Sehnsucht nach der "heilen Welt" oder dem "Früher war alles besser" pfropft sich die A*D auf wie eine fette Zecke, weil sie von Angst, Nostalgie und Misstrauen lebt. Dabei bringt sie den Menschen, die sie wählen, wirklich NICHTS GUTES. Aber das ist manchen in ihrer Wut dann auch schon egal. Letzteres in den Griff zu bekommen, das ist schon eine Aufgabe aller drei größeren demokratischen Parteien, da ist die SPD genauso gefragt wie die CDU und die Grünen. Aber es funktioniert halt nicht, die Wähler ewig wie unmündige Kinder zu behandeln, denen man gar nichts zumuten könnte. Das haben aber gerade die beiden größten Volksparteien lange getan und wie ein Kaninchen auf die Schlange A*D gestarrt. Und jetzt ist die Partei so groß und ihre Wählerschaft so überzeugt, dass nichts anderes mehr hilft als eine Brandmauer und ein Reset durch ein A*D-Verbot, das ist zumindest meine feste Überzeugung. Weil das, was in der Wählerschaft gärt, zu lange kleingeredet und ignoriert wurde, und jetzt ist die sprichwörtliche K*cke am Dampfen.
Irgendwie fällt meine Wahlanalyse ganz anders aus: Ich bin der Meinung, dass die CDU ein sehr gutes Wahlergebnis eingefahren hat, wenn sie auch nicht den Ministerpräsidenten stellen wird. Im Vergleich zur Wahl 2021 hat die CDU kräftig zugelegt. Natürlich schmerzt es, dass sie so knapp unterlegen ist, aber nüchtern betrachtet haben die doch ein tolles Wahlergebnis erreicht, mit dem sie in einer von Özdemir geführten Regierung durchaus viel mitentscheiden können werden. Die müssen ordentlich viele Ministerien erhalten. Warum sieht denn das keiner, sondern wird immer wieder der Schmarrn mit den rehbraunen Augen, der jetzt schon durch ganz Deutschland gegangen ist, umgerührt. Seit wann ist denn die Konkurrenzpartei schuld, wenn jemand meint, er hätte zu wenig Stimmen erhalten? Die AfD, die hat sich verdoppelt. Wieso kann man da zufrieden sein, weil sie nicht noch mehr Stimmen erhalten hat. Wenn ich mir das anschaue, dann wird mir anders. Verrückte Welt!
Es ist ja auch so, dass die Grünen effektiv Stimmen verloren haben gegenüber der letzten Wahl, wo noch Urgestein Kretschmann antrat. Und ich glaube, ein ganz klein wenig hat sich die CDU darauf ausgeruht, dass sie dann automatisch das Rennen macht, weil anti-grüne Stimmung und so. Und dann hat Özdemir das gemacht, was die CDU immer macht: Er ist voll in die Taktik gegangen, hat sich von den Bundesgrünen thematisch distanziert, aber gleichzeitig die ganze Bande aus Berlin für seinen Wahlkampf eingespannt, um Geschlossenheit zu zeigen, und er hat wirklich nichts ausgelassen an (durchaus auch peinlichen und hart an der Grenze des Sagbaren für einen Grünen) Wahlkampfauftritten, um Bürgernähe zu demonstrieren. Wie ich oben schon schrieb, das mit der Verdoppelung der A*D macht mir auch Angst, und ich kann mich weder der Wahlkampfanalyse von Brantner noch der von Spahn und Co. anschließen. Die konservative Mitte hat über 60 Prozent geholt, auch weil die Parteien links von ihnen zu eigenen Ungunsten Mehrheitsbeschaffer gespielt haben, und die LMAA-Fraktion der Rassisten und Faschisten hat dazu gewonnen. Abgesehen davon würde ich jetzt mal langsam gern erleben, dass sich die CDU von ihrem Mimimi erholt und ihren dreisten Anspruch, dass sie der eigentliche Wahlsieger sei und jetzt die Grünen erpressen müsse, auf ihren demokratischen Kern besinnt. Sprich: Der Bund, insbesondere in Gestalt von Jens Spahn, darf jetzt gerne mal die Klappe halten und die zuständigen Politiker machen lassen. Wenn die so weiter machen, erwartet sie sonst in Rheinland-Pfalz nächsten Sonntag gleich die nächste Schlappe gegen die SPD. Und dann wird's langsam eng für die Union mit "Wegregieren" der A*D durch Übernahme von deren Inhalten.
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