ElliMcBeer
Habe ich es übersehen oder hat hier tatsächlich noch niemand Amy Chuas Buch angesprochen? Oder ist das Thema zu heikel, zu langweilig, zu überholt? Immer wieder die Frage nach Disziplin und Konsequenz ... Natürlich ist es überzogen. Natürlich möchte ich mein Kind nicht bestrafen indem ich sein Stofftier verbrenne. Aber ich vermisse schon hier und da konsequente Eltern in meiner Umgebung. Wie sagten tatsächlich einige Eltern meiner Schwester (=Erzieherin) neulich im Kindergarten: "Ich will ja nicht der Buhmann sein".
Hi, das wurde hier schon kurz thematisiert, etwas länger aber auch im Erziehungsforum. Aber da werden ja auch gern mal sämtliche Klischees zusammengeworfen, alles einmal kräftig umgerührt, und dann wird "Smart Love"-Soße drübergegossen oder ein selbstgerechtes "Wenn ich mich für Kinder entscheide, dann muss ich auch für sie da sein, und das bis zum 18. Lebensjahr rund um die Uhr" in die Welt hinausgeschmettert. Ist das Buch denn inzwischen draußen? Interessant fände ich es allemal, weil ich mit Uli nach seiner Südkorea-Reise Ende letzten Jahres ein interessantes Gespräch über die unterschiedliche Bewertung von Bildung, Drill und Privatleben in Asien gegenüber der westlichen Welt hatte... LG Nicole
Naja, das ist immer so ne zweischneidige Sache. Die Konsequenz, mit der Frau Amy Dingens das Ganze vorantreibt, vermittelt den Kindern natürlich, nur was wert zu sein wenn sie was leisten, nur akzeptiert zu werden wenn sie den Wunschvorstellungen der Eltern entsprechen, nur geliebt zu werden wenn sie absoluten gehorsam praktizieren. Wohin das führen kann, seh ich so ähnlich gerade bei meiner besten Feuerwehr, die jetzt nach nem Burn-out auch ihre Kindheit aufarbeitet. Tragisch und absolut unnötig. Denn gerade bei Frau Chua hab ich das Gefühl, sie lebt ihre eigenen Träume über ihre Kinder aus, das finde ich prinzipiell immer daneben. Auf der anderen Seite seh ich das ähnlich wie du, das Konsequenz und auch das Heranbringen der Kinder an eine gesunde Selbsteinschätzung in weiten Teilen bei vielen vernachlässigt wird. Ich könnt immer die Krise kriegen wenn ein Kind für Dinge über den grünen Klee gelobt wird, obwohl diese Dinge offensichtlich falsch und nicht altersgerecht erledigt wurden. Denn was bekommt das Kind dann für ein Bild von sich selbst? Und wie verheerend kann es für diese Kinder sein, wenn sie sich selbst so verkehrt einschätzen? Sei es in ihren körperlichen Fähigkeiten oder aber auch in kognitiven Dingen. Und fallen dann ganz schnell auf die Schnauze bzw bekommen auf dieselbe wenn sie merken, dass sie sich überschätzt haben (weil sie es gar nicht anders können) und in vielen Dingen weniger sind als nur Mittelmaß. Und dann bist du nachträglich eben doch der Buhmann, das finde ich viel schlimmer als mal zwei Minuten sagen: "Hier, das haste aber nicht richtig gemacht, mach's nochmal" und ein Kind dann für das gute, altersentsprechende Ergebnis loben Und das ist nur ein beispiel von vielen... LG, alex
Hi, ich seh' das ähnlich wie du und habe in meiner Familie dazu auch ein sehr abschreckendes Beispiel: meine Kusine, das Ein und Alles meiner Tante. Vielleicht sollte ich dazu sagen, dass meine Tante Pädagogin ist und einen sehr hohen Leistungsanspruch an ihre eigene Erziehung hat; beruflich hat sie viel mit lern- oder sozial behinderten Kindern zu tun. Meine Kusine war (inzwischen hat sie sich massivst gebessert) einer der anstrengendsten Teenager, den ich kannte: Weil sie kaum realistisches Feedback bekam, sondern immer überschwänglich für alles und jedes gelobt wurde (und zwar unterschiedslos, egal, ob sie nur ihren Teller selbst zur Spülmaschine getragen oder etwas wirklich Tolles geschafft hatte), war sie immer extrem unsicher, wie "gut" sie etwas jetzt wirklich gemacht hatte. Wenn sie bei Kleinigkeiten kein Feedback bekam, hat sie so lange insistiert und Aufmerksamkeit für sich eingefordert, bis jemand reagiert hat - nicht selten bekam sie dann natürlich auch unwirsche Reaktionen zu spüren. Ich fand das sehr tragisch für sie (weil sie sich unter Gleichaltrigen mit diesem Verhalten natürlich keine Freunde gemacht hat und deshalb auch ein sehr einsamer Teenager war) und bin seitdem ein Feind dieses (für mich sehr amerikanischen) Stils. LG Nicole
Ohhhh.....meine unten erwähnte Freundin ist auch Pädagogin ....aber nein nein nein wir wollen hier die Vorurteile und so weglassen :-) Im Kindergarten werde ich meist sehr ungläubig angesehen, wenn ich die "Kunstwerke" meiner Kinder, die sie dort anfertigen und in eine Schublade quetschen, meist noch vor Ort in die Tonne werfe. Die wirklich tollen Bastelsachen landen in einer Mappe im Kiga, alle anderen Papierprodukte in besagter Schublade. Das sin wirklich unzählige Zettelchen mit ein paar Strichen drauf. Da wir 3 Kinder haben malen 3 Kinder auch viel. Und die schönsten Bilder malen sie zu Hause, wenn sie in Ruhe am Tisch sitzen. Wir hängen viele Bilder auf. Aber diese Kritzeleien aus dem KiGa lasse ich eben nach schnellem durchgucken gleich dort. Oha....das darf dann wirklich niemand sehen denn ich werde wirklich mit strafenden Bliicken versehen! Aber die Kinder selbst, die ich natürlich erst frage, ob ich das gleich wegwerfen darf weil eben nicht so dolle, waren bis dato immer einverstanden ;-)
Ich sehe das mittlerweilen auch bei vielen Studenten. Die sind oft wie vom Blitz getroffen wenn man sie kritisiert. Das sind sie oft garnicht gewohnt. Ich finde das dann auch hart wenn man an der Uni erstmals mit Kritik konfrontiert wird und dann nicht weiss wie man damit umgeht. Mir waere der Erziehungstil von Amy Chua zu anstrengend. Es ist so freudlos. Allerdings sagt sie in den Auszuegen die ich gelesen habe immer wieder wieviel Spass sie alle hatten. Ich kanns nur nicht so recht glauben.
Hi Alba, ja, darüber klagt Uli auch - ein sehr aktuelles Thema ist in der Fakultät z. B. auch die Bewertung von wissenschaftlichen Arbeiten, die - obwohl qualitativ und wissenschaftlich unter aller S*** - trotzdem mit der Erwartungshaltung eingereicht werden, es könnte noch für eine Belobigung reichen... LG Nicole
dass viele die schuld auch immer bei anderen suchen. lehrer, banknachbar, profs sind schuld. vermutlich wird auch das sehr von den eltern eingeflösst. mein kind ist ja eigentlich super in der schule, wären da nur nicht die anderen...
Meine beiden Lieblingssaetze "but it's sort of right" (Nein, nein, dies ist eine Wissenschaft und Dinge sind entweder richtig oder falsch oder wir wissen es noch nicht so genau und bei letzteren wuerde ich diese Frage nicht stellen weil ich fuer die Diskussionen die das nach sich ziehen wuerde keine Zeit habe) und "but you know what I meant" (Nein, weiss ich nicht, weil ich kein Hellseher bin und ausserdem keine Lust und Absicht habe aus Deinen 3 Stichworten eine plausible Antwort zusammen zu fabulieren). Grrr.
doch, hatten wir mal. das ist aber auch wirklich ein erziehungsextrem. kürzlich in einem schlimmen boulevard-mag "beim är-te-äll" hatten sie ein anderes extrem gegenübergestellt. eine lassie-faire-lady aus d`dorf. ich denke, die mischung aus den beiden stilen wäre ok. grüßt snuggles
ups hatte ich nicht gesehen. Bin ja auch nicht so häufig hier :-( Sorry ...und ach - es IST ja auch ein heikles Thema - gerade hier im RuB hahah! Eine gute Freundin meinte neulich zu mir, ich solle mal nicht so streng sein zum Lütten ( knapp 2,5 Jahre alt) schliesslich sei er krank und wir auch und wir sollten dann doch unsere Energie aufsparen für Wichtigeres..... da musste ich wirklich schlucken um sie nicht an zu keifen...denn sie ist anscheinend sehr häufig auf dem Energiespartrip und wenig streng :-) Gestern war bei mir wieder ein sehr strenger Tag. Die Kinder trampelten mir wunderbar auf der Nase herum und ich wurde strenger und strenger und am Nachmittag waren alle glücklich vereint im Garten am spielen. Es hatte sich also doch nochmal beruhigt .... Ach ja....die lieben Kinder. Ja, sie brauchen Grenzen, ja sie brauchen klare Regeln, und ja, ich sporne sie gerne an etwas besser zu machen, wenn ich weiss es ist für sie möglich. Aber ein Leben ohne Party? Dann könnten mein Mann und ich keine ehrlichen Vorbilder sein *lach*
ich bin auch eher streng, konsequent und mag unsere festen rituale. und nach langem holladrio und kämpfchen scheint es langsam zu fruchten... klopftaufholz, snuggles
... und werde es mit Sicherheit auch nicht lesen. Es ist ganz anders, als das, was ich gerne lese. Das hier sind nur ein paar Zeilen und es lohnt sich ganz bestimmt mehr(3. Abschnitt): http://www.efraimstochter.de/astridlindgren/friedenspreis_des_deutschen_buchhandels.shtml
... ich auch nicht, nur im Netz recherchiert:
http://de.wikipedia.org/wiki/Amy_Chua
So schlecht hört sich das, was andere schreiben, die das Buch gelesen haben, gar nicht an:
"Ein Großteil des Buches handelt jedoch davon, wie sie sich von diesem rigidem Kurs abwandte, nachdem ihre jüngste Tochter rebellierte und sie die Notwendigkeit erkannte, mehr Freiheiten zu gewähren"
"Das Buch sei aber „wider Erwarten witzig geschrieben“ und „entwaffnend ehrlich gegen sich selbst“. (Buchbesprechung Anne Rieck in aspekte).
Ergo: Der Erziehungsstil wird zwar wohl beschrieben, aber die Autorin hat offensichtlich selbst erkannt, dass er in dieser Ausprägung nicht durchzuziehen ist.
Insofern sehe ich in dem Werk auch keinen "Erziehungsratgeber", sondern vielmehr eine autobiographische Beschreibung.
Wie snuggles schrieb, macht die Mischung aus beiden Erziehungsstilen sowieso mehr Sinn. Manchmal kann man die Zügel locker lassen, manchmal muss man sie eben etwas anziehen.
Schlaflos, die mitunter recht streng sein kann ... Mir geht es da oft so wie Dir, ElliMcBeer.
Habe manchmal das Gefühl, die Kids erst in die Spur bringen zu müssen... Wenn das erfolgt ist, dann "läuft" es hinterher meist ganz gut. Hängt vielleicht auch mit der Dreierkonstellation zusammen.
Im aktuellen Stern ist ein Artikel darüber, hab ihn gekauft und gelesen, das Geheimnis lt. Kinderpsychologen ist demnach einfach eine gesunde Mischung aus Disziplin, Regeln (die ja auch Sicherheiten geben) und Lob, Aufmunterung und vor allem ganz viel LIEBE! Den Tag mit Terminen und Kursen vollzustopfen, bringt nichts, denn Kinder sind vor allem dann kreativ, wenn sie Zeit haben und sich langweilen. Diese Kinder können zwar unheimlich viel Wissen abrufen, aber sie sind nicht kreativ und mutig genug, auch mal was zu riskieren. Ich bin auch kein Freund davon, mein eigenes Leben dem der Kinder komplett unterzuordnen. Ich finde, Kinder müssen auch lernen, das Eltern Schwächen haben und sie können es auch mal verkraften, wenn man sich als Eltern streitet, sofern der Streit nicht ausufert und unter die Gürtellinie geht. Kinder müssen lernen, dass die Welt halt nicht immer rosarot ist. Wichtig ist nur, auch beim Streiten sachlich zu bleiben und nicht zu schreien oder zu schimpfen. Meinem Großen Sohn verlange ich eine Menge ab, vor allem was Respekt und Toleranz anderen Menschen gegenüber angeht. Ich HASSE es, wenn ich sehe, wie manche Teenager mit ihren Eltern sprechen. Respekt ist für mich das Wichtigste. Aber Respekt verschafft man sich eben nicht durch Drill und Härte, sondern dadurch, das man ein Vorbild ist und zuhört. Also als Eltern sollte man immer ein offenes Ohr haben und die Kinder ernst nehmen, dann geben sie einem genau das auch zurück.
Kann bei Cure nur unterschreiben! Trotzdem sollte man sein Kind auch mal ein bisschen antreiben (man muss es ja nicht gleich uebertreiben) - nicht nur Begabung/Talent ist wichtig, sondern auch Fleiss! LG Connie
ist auch ein wunderbares Stichwort in diesem Zusammenhang, Cure! Auch ein KiGa Beispiel: ein Junge dort tritt regelmässig seinen Vater und erfreut sich daran, erzählt es anderen Kindern stolz. Sein Vater steht stumm daneben und sagt nix. Dann muss ich mich jedesmal zusammenreissen denn am liebsten würde ich dem Jungen mal ein wenig "erziehen" - aber es ist ja nicht mein Kind - es sind auch glücklicherweise nicht meine Eltern .... Respekt vor allen Menschen zu haben - das ist eine sehr wichtige Aufgabe innerhalb der Erziehung und gar nicht sooo einfach das immer ordnungsgemäss vorzuleben. Beispiel Autofahren wenn man sich selbst über andere Autofahrer aufregt aber die Kinder hinten riesige Ohren bekommen ;-)
mein junge hat mal, postete ich glaube ich auch, einer frau mit kinderwagen die tür vor der nase zugeschlagen. ist noch nciht lange her. ich war total entsetzt und habe das sehr energisch thematisiert. seit kurzem ist er die hilfsbereitschaft in person: hält türen auf, hebt sachen auf, die anderen runterpurzeln, macht älteren im bus platz - toll. und er findet es auch toll, weil er feststellt, dass sich die meisten menschen darüber freuen.
haben die Kinder aber nicht, weil die Eltern streng sind, sondern, weil es ihnen vorgelebt wird. Kinder, die brav erscheinen, weil sie vor ihren Eltern kuschen, sind dressiert, aber nicht erzogen. Ich mag kecke, freche, lebenige, auch mal widerwortgebende Kinder. Das, was man von außen als Respektlosigkeit ansehen könnte, ist oft einfach nur überschäumende Lebensfreude.... Man sollte " Frechheit" nicht mit Frechheit verwechseln, die wirklich unangenehmen Kinder haben oftmals die strengsten Eltern. Es gibt ein paar wichtige Regeln im zwischenmenschlichen Umgang ( die aber selbstverständlich sein sollten), darüber hinau ist doch alles verhandelbar.
Jaha, das stimmt so, meine Erfahrung! In der verwandtschaft haben wir 2 Jungs, die zu Hause funktionieren müssen: keine Widerworte geben machen, was die Eltern sagen nicht laut sein (nur draussen) jeden Abend Zimmer aufräumen (es darf nix stehen bleiben) usw. In Kiga und Schule ticken sie aus, sind frech, kaum zu bändigen etc. Meine sind zu Hause frech (im Rahmen ok, Respekt- von beiden Seiten- ist mir sehr wichtig) und aufmüpfig, testen, wie weit sie gehen können. Aus der Schule gab es noch keine Klagen! Ich bin nicht streng im eigentlichen Sinne, meist aber schon sehr konsequent. DAS wird mir von einigen als Strenge angekreidet?!? Wenn ich sage, ich möchte nicht, dass mein Sohn andere beisst (hatte mal so eine Phase als Kleinkind) sonst gehen wir heim, GEHE ich dann auch wirklich. Ich lebe es vor, ohne viel Gedöns machen die Kinder es nach. So im Großen und Ganzen - denke ich- machen wir das schon gut. Das "Gesamt-Paket" Kind zählt ja, nicht nur das verhalten in einzelnen Situationen. Ich habe über diese Chinesische Mutter nur einen Artikel in der Lokalpresse gelesen (eine ganze Seite). Sie sieht wohl jetzt auch einiges kritisch und würde es so nicht wiederholen. Irgendwie ist ihr die eine Tochter wohl fast entglitten. Ich versuche auch, meine Kids anzustacheln. Der Große hat jetzt mit Schlagzeug spielen begonnen. Natürlich soll er dabei bleiben. Wir haben da feste Regeln aufgestellt: Er übt z.B. je nach Lust und Laune mind. 3x wöchentlich (egal wann und wie lange), ich misch mich da nicht ein. Ist ja sein Training. Aber er muss mind. 2 Jahre dabei bleiben. Klar sporne ich ihn an, aber mich hinzusetzen und zu sagen, Du darfst erst aufs Klo, wenn Du das fehlerfrei spielst, nee! Wir versuchen schon, den Kindern begreiflich zu machen, dass manche Dinge halt viel schöner sind, wenn man lange drauf wartet, sie sich erarbeiten "muss", durchhalten muss usw. Andererseits kann man nur von ihnen erwarten, was man selber bereit ist zu tun. Wenn also Papa immer das neuste Spiel für den PC braucht und Mama ständig shoppen geht, färbt das natürlich auf die Kinder ab.... LG Jana
Hi, nachdem ich so eine Eislauf-Super-Trupper-Übermutter in der Verwandtschaft habe (Schwägerin), muss ich sagen, dass die Frau für mich nicht nur einen Schuss hat, sondern auch ein sehr armes Leben lebt. Letztlich geht es doch nicht darum, dass das Kind erfolgreich UND glücklich wird, sondern das Kind soll erfolgreich werden, damit die eben zumeist höchst erfolglose Mutter glücklich ist und mit dem regelrecht ausgebeuteten Kind prahlen kann. Dummerweise haben diese Frauen seltenst das erreicht, was sie von ihren Kindern mit allen Mitteln fordern...Anders ausgedrückt: Es geht nicht um`s Kind, es geht um die Mutter. Gleichzeitig lernen solche Kinder aber - dank dieser vorgelebten gnadenlosen Rücksichtslosigkeit - selbst nicht, was z.B. wahre Hilfsbereitschaft, gutes Benehmen, das von Herzen kommt oder nicht-zweckgebundene Liebenswürdigkeit sind und auch zwischenmenschlich bedeuten. Letztlich ordnet sich alles im eigenen Leben, aber auch im Umgang mit anderen den Erfolg dieser gedrillten Sprößlinge unter. Wer dem Erfolg des Kindes nicht nützlich ist, wird ebenso ausgemustert wie der, der besser ist. Es darf keine Konkurrenten geben. Dummerweise gibt es aber doch genügend Menschen, die die Minderwertigkeitskomplexe und das Unvermögen dieser Mütter begreifen - und sie eben nicht dafür loben und bewundern. Ich hatte in meiner Jugend auch ein paar dieser Horror-Beispiele an Müttern mit ihren Töchtern kennengelernt. Klar, sie waren erfolgreich, schrieben gute Noten und tanzten in der ersten Reihe. Ich stand in der zweiten Reihe Mitte, hatte damit den besten Platz überhaupt, hatte schlechtere Noten, schloss aber mein Studium recht gut ab, weil ich gelernt hatte, alleine zu lernen, wohingegen diese Mädels schon nicht mehr zur Zwischenprüfung / Vordiplom antraten. Während sie funktionieren mußten, tusste ich mich auf und hottete auf irgendwelchen Konzerten ab. Ich habe meine Jugend genossen - sie hatten im Grunde keine und peinlich wird`s, wenn man der Jugend nicht nur nachtrauert, sondern sie überhaupt erst einmal nachholen muss. Wenn ich mir außerdem heute betrachte, was aus ihnen geworden ist, dann sind das durch die Bank höchst unselbstständige Frauen - sie haben es ja nicht anders gelernt -, die letztlich doch das krasse Gegenteil dessen gemacht haben, das ihre Mütter doch für sie geplant hatten. Und damit doch wieder in Muttis Fußstapfen tappen. Wie sagt Lagerfeld so schön: "Auf Vergangenheit gibt es keinen Kredit." LG Fiammetta
Das sagt Chua in den Auszuegen die ich gelesen habe aber auch selbst, dass es um die Eltern geht und das sei "the Chinese way". Die Kinder seien "es ihren Eltern schuldig" "they owe their parents". Das ist schon fundamental anders als wir das in der Regel im Westen sehen.
Hi, ich weiß. Das Problem ist nur, dass man sein Leben ja schier zwangsläufig mit dem der anderen vergleicht. Wenn alle anderen ähnlich erzogen werden wie ich, dann halte ich das wahrscheinlich für normal. Haarig wird es, wenn der Vergleich besagt, es sei unnormal - was ja passiert, wenn die asiatische Mutti in Amerika Kasernenhofdrill mit ihrem Nachwuchs übt. Die Ansicht, die Kinder seien ihren Eltern weiß-Gott-was schuldig, existiert übrigens bei uns auch. Diese Forderung wird halt nicht mehr so laut ausgesprochen, unterschwellig aber doch geäußert und sei es "nur" durch Aufmerksamheits- oder Liebesentzug. Geh aber eine Generation zurück und Du legst die Ohren an, welche Texte da zum Teil zum Thema "Das ist das Kind mir aber schuldig" kommen... LG Fiammetta
Hi, klassischer Übermutti-Text: "Was habe ich alles für das Kind aufgegeben (wird nie nachvollziehbar spezifiziert...) und kommt da wenigstens ein Fünkchen Dankbarkeit zurück???" Dazu dramatischer Gesichtsausdruck und schrill-jämmerlicher Tonfall. Selbst als Nichtbeteiligter kriegt man da das Gruseln und sich kann wenigstens ansatzweise vorstellen, was diese Kinder mitmachen mußten. LG Fiammetta
Ich glaube ich treffe sehr viel weniger Neurotiker als Du in meinem taeglichen Leben
Vielleicht liegt das daran, dass hier die meisten Muetter sehr frueh zumindestens teilweise wieder arbeiten (muessen) nach der Geburt und weniger Zeit zur Nabelschau und Opferrollenfindung haben.
Ich habe ja viele Familien aus den unterschiedlichsten Kulturenkreisen in meinem Umfeld und es ist sehr interessant die unterscheidlichen Erziehungsweisen zu sehen. Ich kenne auch einige chinesische und ich erkenne bei denen sehr vieles was Chua beschreibt wieder aber nie in diesem Extrem. Warum ihr amerikanischer Mann das mitmacht frage ich mich.