Elternforum ADHS und ADS

Morgen Routine mit ADHS

Morgen Routine mit ADHS

Fräulein Christine

Beitrag melden

Hallo an alle,  ich wollte mal rum fragen wie bei euch die Morgende so laufen und was euch so hilft?  In unserer Familie kommt ADHS, vor allem der Träumertyp, gehäuft vor. Auch ich lebe damit.  Mein Sohn ist erst 4 und kann noch nicht diagnostiziert werden, aber mit allem was ich über ADHS weiß bin ich mir zu 99% sicher. So oder so, die Morgende sind bei uns ein ziemlicher Kampf.  Mir fällt es schon nicht leicht Routinen und Struktur einzuhalten ohne mich ablenken zu lassen, ich komme klar, aber es kostet mich Kraft.  Dazu unser kleiner Mann, der sich von jeder Kleinigkeit ablenken lässt und mit seinem Kopf in den Wolken hängt. Ist doch normal für einen Vierjährigen, sagen viele, sind dann aber im direkten Vergleich zu ihren Kindern doch überrascht, wie schwierig das bei uns oft ist. Auch in der Kita fällt es auf.  Manchmal braucht er nach dem Mittaggschlaf so lange um sich anzuziehen, dass die anderen Kinder schon gebessert haben und er sitzt dann alleine am Tisch. Er ist schon anders als die anderen Kinder, sagte die Erzieherin beim letzten Gespräch (eine ganz liebe und bemühte Erzieherin)  Ich versuche den Morgen entspannt zu starten, viel zu loben, einen klaren immer gleichen Ablauf zu haben, eine kleine Liste mit Bilder was wann dran ist, ihm kleinschrittig zu sagen was jetzt zu machen ist... und trotzdem dauert es ewig und endet oft in Tränen. Oft verliere ich dann auch die Geduld, spätestens beim Thema Schuhe anziehen. Ich weiß, dass er das nicht macht um mich zu ärgern. Ich weiß ja wie es ist in so einem Kopft. Und ich will diese täglichen Kämpfe nicht. Aber ich weiß auch langsam nicht mehr, was ich noch besser machen kann.  Kennt das jemand? Was hilft euch?  Ein ganz großes Danke schonmal für euren Input!!! Christine 


kia-ora

Beitrag melden

Antwort auf Beitrag von Fräulein Christine

Hallo Christine.  Bei uns habe ich lange Zeit die Kinder angezogen und sie mussten es nicht selber machen. Zeitlich habe ich ein paar Dinge verschoben. Als erstes Frühstück (=Milchflasche) im Bett - geht auch noch mit 6 Jahren. Dazu 2 Geschichten vorlesen.  Da ist schon mal was im Bauch. Zähneputzen, wenn die Kids im Auto angeschnallt sind.  Brotdose mache ich schnell.  Mehr muss ein Kind ja morgens gar nicht schaffen. Essen, anziehen, Zähne putzen. Dafür rechne ich 60-70 Minuten.  Bei mir kommt noch Zeit für Haushalt und Tiere dazu. Das mache ich lieber bevor die Kids wach sind und rechne dazu 30-40 Minuten ein. LG


Fräulein Christine

Beitrag melden

Antwort auf Beitrag von kia-ora

Ich danke dir!  Milchflasche im Bett ist auch unser erstes Frühstück und eine Geschichte gibt es im Bad. Anziehen tue ich ihn auch, aber auch das ist nicht so einfach. Der eine Fuß will die Socke anziehen, der andere kann nicht denn er schläft noch. Die Hände durch die Ärmel sind dann Züge, die durch einen Tunnel fahren. Mal ein schneller ICE, mal eine langsamer Dampflok und mal fällt der Zug aus und die Hand geht nicht durch den Ärmel.  Sein Kopf ist so voller Ideen. Ich finde das einerseits großartig und versuche auch mit aufzuspringen und ein Spiel draus zu machen. Es ist trotzdem manchnsl zum Verzweifeln.  Das mit dem Zähneputzen ist einen Versuch Wert. Danke für Deine Antwort, das hilft sehr! Viele Grüße 


kea2

Beitrag melden

Antwort auf Beitrag von Fräulein Christine

Er sollte auf jeden Fall so früh aufstehen, dass Zeit zum Trödeln ist. Sowohl unser Sohn (mit Diagnose, mittlerweile 16) als auch ich können morgens nicht aus dem Bett springen und uns mal eben fertig machen, wie andere Menschen das tun. (Ok, wir können schon, haben dann aber super schlechte Laune.) Wir brauchen erstmal ein paar Runden Snooze auf dem Wecker bis wir überhaupt aus dem Bett kommen, dann brauchen wir länger im Bad, beim Frühstück etc. Dabei haben wir beide keinen Bock auf großartige Gespräche oder Radio oder so etwas.  Als unser Sohn 4 war, gab das auch immer Theater, weil wir wollten, dass er sich morgens selbst anzieht, in Wallungen kommt, etc.  Mittlerweile denke ich, dass es einfacher ist, wenn man solche Kinder in dem Alter anzieht. Dabei würde ich gar kein Brimborium mit Zügen, Bildchen etc. machen, sondern einfach, ok, wir ziehen Dich jetzt an, wir frühstücken jetzt usw. und es tun. Auf Dauer entsteht so eine Morgenroutine entsteht, die Dein Sohn  buchstäblich im Schlaf drauf hat.  Wirklich entspannt, ist aber etwas, was mit ADHS-Kindern schlicht nicht funktioniert, unter anderem, weil die Welt nicht wartet, bis sie zuende getrödelt und geträumt haben. Diese Kinder sind und bleiben lange anstrengend.  Unser Sohn hat seit ca. einem Jahr (also mit 15) ein Mindset, von dem wir denken, dass er damit durch's Leben kommen wird. Das hat etwas mit Reife zu tun und auch mit den Medikamenten, die er seit 1,5 Jahren nimmt. 


luvi

Beitrag melden

Antwort auf Beitrag von Fräulein Christine

Hallo, ich habe ganz lange diese Tätigkeiten für mein Kind übernommen. Vor allem unter Zeitdruck. Ich meine damit, dass ich meinem Kind lange beim Anziehen geholfen habe, ihm die Schuhe angezogen habe usw.  Wenn er sich woanders anziehen musste, hatte er Kleidung dabei, die leicht zum An- und Ausziehen waren, z. B. Gummistiefel.  Ich hab versucht,den Stress aus den Situationen zu nehmen. Belohnungssyszteme hatten wir auch. Einen Punkt zB. fürs selbständige Anziehen. Bei 20 Punkten eine Belohnung.  LG Luvi 


JoMiNa

Beitrag melden

Antwort auf Beitrag von Fräulein Christine

Ich habe zwar kein diagnostiziertes ADHS-Kind, aber einen ausgeprägten Träumer, der sich gerne ablenken lässt. Mit 4 Jahren war selbstständig anziehen unter Zeitdruck eine Utopie. Wir haben ihn komplett angezogen, jeden Morgen. Es fing erst mit ca. 5,5 Jahren so langsam an, klappt seitdem auch einigermaßen zuverlässig. Aber auch mit fast 8 Jahren braucht er noch häufig mehr als eine Erinnerung. Ich weiß, selbstständiges Anziehen wird von vielen Eltern hochgehalten und auch vom Kindergarten verlangt. Aber wenn ein Kind dazu gerade nicht in der Lage ist, bringt der morgendliche Stress niemanden etwas. Falls du den Eindruck hast, es hapert noch an der Motorik, dann kann man das auch am Wochenende oder nachmittags üben. Da war ich aber bei meinem Sohn sicher, dass es nicht das Problem war, denn wenn er unbedingt mitwollte, wenn Papa in den Baumarkt fährt, dann ging es auf einmal sehr schnell. Ich finde, am besten hilft es, möglichst wenig vom Kind morgens zu erwarten (es versteht Zeitdruck nicht und kann auch nichts dafür, dass Pünktlichkeit in unserer Gesellschaft so hoch gehängt wird). Aus dem Anziehen ein spannendes Spiel zu machen ist zwar eine süße Idee, und an manchen Tagen vielleicht die Rettung. Aber das Problem ist, dass Kind schnell gelangweilt davon ist und dann neue Bespaßung erwartet. Daher habe ich das nicht so oft angewendet (ich bin da auch nicht so kreativ, schon gar nicht unter Zeitdruck und Frust). Ich finde es am besten, das Anziehen schnell durchziehen, und daraus kein großes Ding zu machen. Man kann auch einfach über das sprechen, was an dem Tag ansteht oder worauf sich die Aufmerksamkeit des Kindes gerade richtet. Trotzdem noch eine Idee für den spielerischen Ansatz, wenn der bei euch so gut klappt: bei meiner Tochter kommt ein gespielter Streit zwischen den Armen/Beinen, wer zuerst dran ist meist gut an 😉 Bei der Frage, Zeit zum Spielen/Trödeln einplanen oder nicht, scheiden sich die Geister 🙃 Bei uns klappt es am besten, wenn es erst gar keine Gelegenheit zum Spielen gibt. Wir wecken die Kinder so, dass die Zeit nur für anziehen und ein kleines Frühstück reicht. Zähneputzen findet bei uns in der Küche statt, manchmal sogar parallel zum Schuheanziehen. Jeder Raumwechsel kostet Zeit 😆 Da müsst ihr selbst ausprobieren und beobachten. Das Timing muss auch zu euch Eltern passen, jeder hat ja andere Prioritäten und Vorlieben. Ich weiß zum Beispiel, dass ich beim "geplanten" Trödeln lassen viel frustrierter wäre, weil ich trotzdem zig mal erinnere und wir trotzdem knapp dran wären. Andere wären vielleicht mit unserer stark durchgetakteten Morgenroutine nicht klarkommen. Und wenn man einen Frühaufsteher hat, dann lässt sich das Spielen vielleicht gar nicht vermeiden, da der Kindergarten nicht so früh öffnet.