Baby und Job

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Geschrieben von Nina+Kim am 12.09.2003, 22:11 Uhr

Was sagt ihr eigentlich zur Meinung von Dr. Posth bezügl. Fremdbetreuung?

Hallöchen,

also, ich habe auch zwei Kinder 1,5 und 3 J. die in Kiga und ab 1.10. in die Krippe gehen, weil ich am 1.11. endlich wieder anfange zu arbeiten.
Aber was Dr. Posth immer so negatives schreibt gibt mir echt zu denken, er ist ja der Meinung, dass man unter 2 auf keinen Fall ein Kind weggeben soll, eigentlich unter 3 auch nicht und viele Kinder auch erst mit 4 - wie steht ihr dazu - habt ihr auch mal ein schlechtes Gewissen oder nicht??
Oder lest ihr das gar nicht erst....?

 
18 Antworten:

Re: Was sagt ihr eigentlich zur Meinung von Dr. Posth bezügl. Fremdbetreuung?

Antwort von bine+tom am 12.09.2003, 23:49 Uhr

Hallo Nina,

nachdem ich mich im Forum von Dr. Posth nachgelesen habe , möchte ich Dir antworten.
Mir hat sich der Eindruck aufgedrängt, dass (ob beabsichtigt oder nicht) Frauen, die ihre Kids relativ früh fremdbetreuen lassen, die schlechteren Mütter seien, die sich irgendwelchen Zwängen unterordnen oder noch schlimmer, ihrer Erziehungsaufgabe ausweichen (wollen?).
Zitat: "Die Krippen bedeuten die Zerstörung der Familie" ABER:
Man kann doch nur wählen, wenn man wirklich eine Wahl hat? Es schaut doch so aus, dass man, selbst wenn man wollte, beileibe keinen Krippenplatz nachgeworfen bekommt. Im Gegenteil! In Westdeutschland gehen gerade 4% aller Kinder in Kinderkrippen und -gärten, was ja nach Adam Riese nicht die Mehrheit ist. Und von einer Wahlfreiheit kann da keine Rede sein. Im Osten Deutschlands sieht es da schon etwas anders aus, aber auch da ist alles, wie im "Westen" ebenfalls, historisch gewachsen.

Keine Bange, ich will hier keine Ost-West-Debatte vom Zaun brechen, aber ich finde, im Osten hat man noch eher die Wahl, ob Fremdbetreuung oder nicht (egal ob man nun arbeiten muss oder nicht).

Meiner Meinung nach sollte der Wunsch der Eltern UND das Wohl der Kinder ausschlaggebend für eine solche Entscheidung sein. Mein Sohn geht seit er 1,5 Jahre ist für täglich 6 Stunden in die Krippe. Ich habe den Eindruck, dass es ihn sehr fördert. Er ist ausgeglichen und ein richtiger Sonnenschein, kann teilen (er gibt ohne Aufforderung ab) und auf der anderen Seite auch seine Sachen erfolgreich verteidigen, ohne aggressiv zu werden. Wie ich finde, ein ausgeprägt gutes Sozialverhalten.
Ich sah im Krippenbesuch einerseits eine Möglichkeit, seine Sozialkontakte (die ich für außerordentlich wichtig halte) herzustellen (auf den Spielplätzen ist hier bis 16.00 einfach niemand) und andererseits können wir als Eltern auch einmal ein paar Dinge ohne Kind erledigen. Glücklicherweise bin ich in der Situation, die Wahl zu haben und ich würde immer wieder so entscheiden. Persönlich halte ich Krippen für eine super Einrichtung, wenn auch die Chemie zwischen Erziehern und Eltern stimmt.

Wenn DU der Meinung bist, es wäre gut für Deine Kleine, dann versuche es einfach. Stück für Stück, immer behutsam. Falls es ihr nicht gefällt, kannst Du es immernoch sein lassen.

Wie gesagt, ist eine Bauchentscheidung.
Viel Erfolg und viel Glück!

Bine

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Re: Was sagt ihr eigentlich zur Meinung von Dr. Posth bezügl. Fremdbetreuung?

Antwort von Engel@Wolke7 am 13.09.2003, 8:09 Uhr

Guten Morgen!

Möchte gerne auch etwas dazu schreiben. Früher sagte man doch immer, dass Kinder in den ersten drei Lebensjahren geprägt werden, und was man da versäume, sei unwiederbringlich vertan. Stimmt aber nicht, denn entscheidend ist das ERSTE Lebensjahr. Also denke ich, es schadet keinem Kind, wenn es mit knapp 2 Jahren in eine Kinderkrippe geht. Dort wird es doch OPTIMAL betreut! Und da wir Frauen ja mitverdienen müssen, haben wir keine Wahl! Gut, in erster Linie ist es für das Selbstwertgefühl, aber ist es nicht besser, ein Kind wächst in einer glücklichen Familie auf (glücklich, weil man keine Geldsorgen hat) oder zwar von Mami täglich rund um die Uhr betreut, aber mit Problemen, die das Kind tagtäglich mitbekommt - Geldsorgen, Streit und und und..... .

In diesem Sinne - mach Dir keine Sorgen! Du tust das Richtige!!!

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Re: Was sagt ihr eigentlich zur Meinung von Dr. Posth bezügl. Fremdbetreuung?

Antwort von Sunshine! am 13.09.2003, 13:32 Uhr

Hallo!

Meine zwei sind nun fast drei und ein Jahr alt. In der Elternzeit des Großen habe ich noch Teilzeit von zu Hause aus gearbeitet, nach der Geburt des Kleinen nicht mehr. Ich will auch wieder arbeiten gehen und hin und wieder plagt mich schon das schlechte Gewissen, ob ich das den Mäusen "antun" kann.
Ich kenne auch Dr. Posths Meinung.

Natürlich ist es richtig, dass eine glückliche Hausfrau das beste für die Kinder ist. ABER: Nicht jede Frau kann oder will eben eine glückliche Hausfrau sein. Ich kanns nicht, ich brauche meine Arbeit, Kollegen, Abwechslung, etc.. Und bevor ich zu Hause sitze und gefrustet bin, gehe ich doch lieber arbeiten und freue mich auf die restliche Freizeit mit den Kindern.
Mehr als halbtags möchte ich noch nicht arbeiten, so dass ich denke, dass wir damit eine gute Lösung finden werden.

Es muss jeder mit sich selbst ausmachen. Man darf sich nur kein schlechtes Gewissen einreden lassen.
Liebe Grüße
Sunshine

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Re: Was sagt ihr eigentlich zur Meinung von Dr. Posth bezügl. Fremdbetreuung? (LANG)

Antwort von paulita am 13.09.2003, 14:15 Uhr

liebe nina

ach gott; dr. posth ist für mich einer wie viele: ein voll berufstätiger mann, der es überhaupt besser weiss. ich als berufstätige mutter und als tochter einer voll berufstätigen, allerin-erziehenden mutter, höre mir sowas - wenn überhaupt - amüsiert an. lange schon habe ich aufgehört, mich darüber aufzuregen.
ich frage mich immer wieder, woher jemand wie dr. posth diese selbstgefällige gewißheit hernimmt, die wahrheit über kinder und ihr wohl gepachtet zu haben? woher? ein historischer blick, ein blick über den deutschen tellerrand und schon sieht man, dass es woanders und wannanders auch GANZ ANDERS geht als nach dem aktuellen deutschen modell: die mama, die hausfrau ist, ist die beste. sind denn alle französischen kinder voll geschädigt, weil dort an die 80% der unter 3jährigen ganztags "fremdbetreut" werden????? oder sind alle ostdeutschen menschen total traumatisiert, weil sie ganztags in krippen, kigas und horten waren? wurden denn bis ca. 1940 in deutschland die gutsituierten bürgerkinder etwa von der mama/hausfrau betreut? nein, sondern von ammen, kindermädchen, internatslehrern usw.
will nur sagen: die angeblich so bewiesene tatsache, dass es schlecht für kleine kinder ist, auch von anderen als von der mama betreut zu werden, ist eine illusion, ein vorurteil, ein wunschdenken, ein klischee.
dr. posth geht sicher von solchen persil-toffifee-mamis aus, die für ihre "jungs" die heile, saubere welt herstellen und darin auch noch persönlich aufegehen. die mag es zwar in der echten welt auch geben, aber die regel sind sie nicht. zuhause ist nicht immer heile welt. genausowenig sind krippen, kigas, tamus etc. nur die verwahr-hölle. alles quatsch!
jede muss für sich + das kind sehen, was das beste arrangement ist!!! und jede sollte die wahl haben können. dem ist leider nicht so. manche frauen müssen arbeiten, obwohl sie es nicht wollen; manche mütter können nicht arbeiten, obwohl sie es gerne würden. manche kleinen kids leiden tatsächlich unter kigas usw., andere aber darunter, dass sie nicht dorthin gehen.
ein schlechtes gewissen haben wir alle mal, die wir früh wieder angefangen haben zu arbeiten. aber haben das "nur-hausfrauen/mütter" nicht auch mal?? machen die denn alles nur richtig und bereuen nichts? wohl kaum...
ich kann dr. posth an diesem punkt also absolut nicht folgen + lese seine kommentare zum thema auch nicht mehr.
lg
paula

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@paulita

Antwort von bine+tom am 13.09.2003, 19:05 Uhr

Danke für Deinen Beitrag, Du triffst den Nagel auf den Kopf!

Meine vollste Zustimmung!
Grußi
die bine

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Re: @paulita

Antwort von tinai am 13.09.2003, 22:02 Uhr

Also ich kann mich den anderen anschließen. Trotzdem lese ich die Meinungen von Herrn Posth schon zu diesem Thema. Ich finde, man sollte andere Meinungen nicht grundsätzlich ausblenden. Aber ich denke auch, dass das entscheidende ist, wie Mutter+Kind+Vater damit zurecht kommen und ich glaube auch, dass sie alleine am besten entscheiden können, was der Kernfamilie gut tut (da halte ich es eher mit Frau Schuster). Ich nehme die Meinung von Herrn Posth immer wieder als Anregung, unsere Situation zu überdenken - und ich denke, dass ist auf jeden Fall gut! Tina (zwei Kinder, bei beiden nach 8 Wochen wieder voll gearbeitet)

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meine Meinung

Antwort von chatilia am 14.09.2003, 11:30 Uhr

Ich habe aufgehört zu lesen. Und zwar weil ich der Meinung bin, dass es eine Frechheit ist, einer arbeitenden Mama so was zu schreiben, sofern keine Alternativen vorhanden sind. Könnte ja mal die Stromrechnung ihm senden *gradsarkastischwerd*.

Nein, wenn er dieser Meinung ist, darf er sie selbstverständlich kundtun. Er sagt das ja auch nicht ins Blaue hinaus.

Allerdings sehe ich es nicht so wie er. Aber ich sage das auch nicht einfach so aus Bequemlichkeit und ins Blaue hinaus.

Chatilia

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Re: Was sagt ihr eigentlich zur Meinung von Dr. Posth bezügl. Fremdbetreuung?

Antwort von marit am 14.09.2003, 12:05 Uhr

Also ich lese das schon sehr amüsiert, und zwar weil ich denke, daß die Situation "Mutter fest zu hause und immer ansprechbar, Vater verdient die Kohle" nur einen so kurzen Zeitraum überdauert hat, daß ich mir gar nicht vorstellen kann, daß es da wirklich aussagekräftige Vergleichsstudien gibt. Das ist doch ein Familienmodell, das überhaupt nur so ca von 1950-1970 Bestand hatte. Davor haben Frauen immer gearbeitet, seit 1970 tun sie es wieder häufiger. D.h. das was Dr. Posth hochhält, ist vermutlich das Modell seiner eigenen Herkunftfamilie. Da hat wohl einer nen verklärten Blick auf die eigene Kindheit....
Wichtig für dieses Modell ist auch die Automatisierung der Hhausarbeit. Daß früher eine Frau jede Menge Zeit für Ihre Kinder hatte, wenn Waschtag am Zuber war oder so, kann ich mir wahrlich nicht vorstellen.
Außerdem ist durch die Kita auch sichergestellt, daß die Kinder weniger fernsehen, daß sie auch mal kleine Geheimnisse untereinander austauschen können (das geht ja in den ach so heilen Familien oft verloren, alles findet unter den Argusaugen Erwachsener statt und mit Fremden dürfen die Kinder häufig gar nicht sprechen), also: die Welt in einer Kita ist viel kindgerechter als so eine Wohnung, in der man mit der Mutter den Tag verbringt....

Für mich ist die Kita eher der Ersatz dafür, daß die Kinder heute leider nicht mehr in Gruppen den ganzen Tag um die Häuser ziehen können. Dem Kind, das zu hause von der Mutter mit Knete und Malstiften versorgt wird (inclusive der ganzen Verbote, was damit NICHT gemacht werden darf), gehts da sicher nicht besser.

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@paulita: Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen - Bravo! - LG

Antwort von fiammetta am 14.09.2003, 17:15 Uhr

:-)

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Aaaalso ...

Antwort von Cosma am 14.09.2003, 22:21 Uhr

Hallo !

Ich sehe das nicht ganz so konträr wie ihr weil ich fachlich gesehen eine hohe Meinung von Dr. Posth habe.
Er ist Arzt und beschäftigt sich mit Studien zu dem Thema, was für Kinder in ihrer frühkindlichen Entwicklung heute als das Ideal gilt.
Ich bin auch angehende Ärztin und vertraue da der inhaltlichen Validität seiner Aussagen.
Ich nehme mir das ganze also schon zu Herzen und habe (aber hauptsächlich aus meinem eigenen Bauchgefühl und unserer Familiensituation heraus) meine Arbeit für unser 2. Kind gerade auch fast völlig unterbrochen.

Es ist nunmal unbestrittene Tatsache, dass gerade Kleinstkinder entwicklungsphysiologisch noch gar nicht die Vorraussetzungen haben können und müssen sich in Gruppen einzuführen, abzuwarten, zu teilen etc.
Sie benötigen in erster Linie uneingeschränkte Aufmerksamkeit einer festen Bezugsperson.

Will natürlich nicht heissen, dass einige gute Tagesmütter oder Kleinst-Kitas nicht ein fast perfekter Ersatz sein können. Mein erster Sohn war z.B. auch vormittags für 3 Stunden betreut seitdem er 1 1/2 ist.

Dr.Posth gibt w.g. nur den wissenschaftlichen Stand der Dinge weiter und spricht vom Ideal (das natürlich echt nicht für jeden umsetzbar ist, logo.)

Argumente wie "in Frankreich sind ja auch nicht alle verhaltensgestört" etc. sind meiner Meinung nach nicht objektiv belegbar, denn ich denke in diesem Zusammenhang wird nicht das Extreme als Auswirkung erwähnt, sondern das innerpsychische.

Will sagen: woher will man ohne Studien diebezüglich wissen, ob nicht doch viele frühstfremdbetreute Kinder (in Frankreich oder wo auch immer) psychische Konflikte ertragen müssen.

Viele Menschen heute tun sich heute schwer damit selbstbewusst ihren Platz im eigenen Leben zu finden.
Der familiäre Halt und die Betonung desselben als Wichtigkeit für unsere Kinder soll ja nicht uns arbeitende Mütter anprangern sondern uns helfen, nach heutigem Wissensstand erzieherische Prioritäten zu setzen.

Cosma

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Wenn ich Gewissensbisse brauche, telefoniere ich mit meiner Mutter. Da brauche ich kein Expertenforum ;-) m.T.

Antwort von astrid67 am 14.09.2003, 23:20 Uhr

Hallo,
also ich arbeite 8 Stunden täglich. Weil wir das Geld brauchen und es mir Spaß macht. Meine Kinder sind in der Kita. Meine Tochter ist inzwischen 8 Jahre, sehr gut in der Schule und überhaupt kein Soziopath.

Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, kümmere ich mich um meine Kinder. Wir essen zusammen, wir spielen zusammen oder machen irgendwas anderes. Sie wissen, dass sie geliebt werden und nicht abgeschoben werden. Meine Tochter hat wichtige Entwicklungsschritte in der Kita gelernt und fühlt sich dort pudelwohl.

Mein Sohn wird bald ein Jahr alt und da fällt es schwerer ihn dort zu lassen. Aber auch da kann ich nur sagen, super wie die Erzieherinnen damit umgehen.

Ich vertraue hier auf unsere Erfahrungen und habe kein schlechtes Gewissen und die Nase gestrichen voll von männlichen Experten. Wenn dieser Dr. irgendwas 3 oder 5 Jahre seinen wahrscheinlich gut dotierten Posten hat ruhen lassen, von Sozialhilfe gelebt oder dem Arzthelferingehalt seiner Frau die Familie ernährt hat, nur um seinen Kindern die nötige Nähe zu bieten, dann kann er wieder kommen und wir reden darüber.
Liebe Grüße,
Astrid

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Re: Was sagt ihr eigentlich zur Meinung von Dr. Posth bezügl. Fremdbetreuung?

Antwort von lisa_68 am 15.09.2003, 7:30 Uhr

ich bin zwar daheim bei meinen kindern und fühle mich wohl so.... aber ganz ehrlich: wenn es für DICH stimmt, dann lass doch die experten sagen was sie wollen. deine kinder sind bestimmt nicht unglücklicher als meine. hauptsache ist, dass du glücklich bist, das überträgt sich nämlich auch auf die kinder, davon bin ich überzeugt. darum mach dir keinen kopf, lass dir kein schlechtes gewissen einreden und geniess die zeit mit deinen süssen :-)

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Nur eines GRUSELIG...;-) LG

Antwort von Anna und Paul am 15.09.2003, 13:22 Uhr

n

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An Cosma

Antwort von Irotchka am 15.09.2003, 13:45 Uhr

hallo cosma,

also ich hänge mich ja nun schon seit einiger zeit nicht mehr in die diskussion, aber dein beitrag hat mir mal wieder echt zu denken gegeben.

es kam letzte woche eine super sendung auf arte, da wurden drei länder – die schweiz, deutschland und frankreich – verglichen in bezug auf kinderbetreuung. das fazit der sendung war, dass es zwar einiges in bezug auf die individualitätsentwicklung zu bemängeln gibt, aber ansonsten das französische system als das erwünschenswerteste angesehen wurde, u.a. auch in bezug auf unsere HEUTIGE gesellschaft und nicht die vor dreissig jahren. ich lebe seit einigen jahren in frankreich muss ich noch erwähnen.

diese leidige diskussion mit der frühen fremdbetreuung und den arbeitenden müttern gibt es echt nur in deutschland !!!

ich gebe dir natürlich recht, dass ein baby, dass ich mit 3 monaten in die krippe gebe nicht vor einem jahr wirklich was mit dieser einrichtung anfangen kann. aber es ist in guten händen, es wird liebevoll betreut und am späten nachmittag von einer mutter abgeholt, die dann NUR ZEIT FÜR DAS KIND hat. und spätestens mit einem jahr nimmt es aktiver teil. ich gebe dir auch recht, dass es kleine gruppen sein sollten. unsere krippe hat 16 kinder und ausreichend personal. es gibt in frankreich auch andere fälle.

bei meinem sohn ging es das erste halbe jahr nach hinten los, weil er nur krank war (aber er ist auch allergiker). er kam mit 3,5 monaten in die krippe und ich bin wieder vollzeit arbeiten gegangen. bei ihm hätte ich mir mehr zeit gewünscht, die ich bei meiner tochter hatte (die zwei monate später in die krippe kam). bei ihr gab es bisher noch keine nennenswerten krankheiten. ich gehe jetzt wieder teilzeit arbeiten, was ich für mich als die akzeptalste lösung ansehe und die familien (bisher erst ab dem zweiten kind, aber jan. 2004 auch ab dem ersten kind) werden auch vom staat unterstützt.

allerdings bezüglich der ‚école maternellee (vorschule ab 3 jahren)" , sehe ich das nicht ganz so rosig aufgrund des akuten personalmangels hier in frankreich, aber mein sohn geht ja erst seit zwei wochen dahin und die diskussion ging hier ja um baby und kleinkind und deren betreuung und nicht die kindergartenzeit.

es gibt so viele kontroversen, aber unsere heutige gesellschaft kann nicht mehr auf solchem „mamamussbeimbabybleiben“- argumenten aufbauen. das ist meine meinung!
mich würden mal diese viel zitierten studien interessieren, die beweisen, dass eine frühe fremdbetreuung schlecht ist für die kinder.

ich moechte keinesfalls frauen angreifen, die gerne zu hause bleiben, das um gottes willen nicht. denn meine beste freundin hat hier in frankreich den job fuer ihre kinder an den nagel gehangen. sie will sich nur auf ihre kinder konzentrieren, was ich auch gut finde. aber für frauen, die arbeiten gehen möchten oder die, die es leider müssen (ich gehöre zu denen, die es möchten), denen sollte doch HEUTZUTAGE kein schlechtes gewissen mehr eingeredet werden.

danke fuers zulesen.

irina

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Re: Aaaalso ...

Antwort von berita am 15.09.2003, 22:29 Uhr

Ich war als Kind von klein auf ganztags in Krippen, Kindergaerten und im Hort. Nach aussen hin sah zwar alles immer gut bei mir aus ("braves" Maedchen und gute schulische Leistungen), aber innerlich und was das Sozialverhalten angeht.. Naja ich will es gar nicht weiter ausfuehren, ich bin auch kein Psychologe, aber vermute sehr stark, dass viele meiner Probleme mit meiner Kindheit in Fremdbetreuung zusammenhaengen. Das ist kein Vorwurf an meine Eltern (sie wussten es nicht anders und war damals auch ueblich so), aber ich denke, man kann solche Bedenken nicht einfach lapidar abtun mit der Notwendigkeit, denn meistens gibt es irgendeine Moeglichkeit, dem Kind mehr Zeit zu widmen, auch wenn man dadurch finanzielle Einbussen hat oder seinen Stolz runterschlucken muss. Ob es nun das Ideale ist, wenn das Kind den ganzen Tag bei der Mutter ist.. das glaube ich eher nicht, es braucht auch Kontakt zu anderen Menschen/Kindern. Aber schon als Saeugling und Kleinkind den ganzen Tag nur einer von vielen zu sein in einer Einrichtung, das kann nach meiner Erfahrung schon Spuren hinterlassen und das moechte ich meiner Tochter nicht antun.

LG
Berit

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Re: Aaaalso ...

Antwort von Cosma am 15.09.2003, 23:37 Uhr

Hallo Berit,

genau das meinte ich und ich glaube das ist auch der springende Punkt, den Dr. Posth wichtig findet.
Es ist eben nicht immer zu diesem frühen Stadium einsehbar, was es nun genau mit Kinderseelen macht, wenn sie so viele Stunden (fast den ganzen Tag oft) nicht im "geschützen Rahmen" der Familie sind.
Gegen stundenweise Betreuung ist je nach Kind ja sicher nichts einzuwenden (meinem Kleinen haben seine Spielfreunde vormittags 3 Stunden auch viel Spass bereitet).


Ich denke nicht, dass es hier ums Schlechte-Gewissen-machen geht.


Cosma

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@berita

Antwort von andrea70 am 16.09.2003, 9:14 Uhr

Hallo Berit,
ich glaube bei mir ist das ähnlich. Ich war als Kind auch schon mit 8 Wochen bei einer "Fremden", kann mich daran natürlich nicht mehr erinneren, aber später weiß ich noch, wie ich oft am Fenster stand und meiner Mutter traurig nachgesehen habe (obwohl sie nur einen halben Tag weg war -Lehrerin). Ich hatte und habe unter anderem immer große Probleme mit dem Alleinsein bzw. "Verlassenwerden" und ich glaube auch, daß es damit zusammenhängt. Wir haben uns auch dafür entschieden, daß einer (bei uns der Vater) nur für die Kinder da ist, auch wenn es für Ihn erst mal bedeutet das berufliche Fortkommen auf Eis zu legen.

LG Andrea

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Re: Was sagt ihr eigentlich zur Meinung von Dr. Posth bezügl. Fremdbetreuung?

Antwort von eulalie am 16.09.2003, 16:34 Uhr

hallo nina,

meine söhne sind jeweils mit 22 und 23 mon. in die kita gekommen. wir hatten eine ziemlich lange eingewöhnungszeit. beim 1. etwa
5 - 6 wochen, beim 2. 4 wochen. beide gehen in die selbe altersgemischte gruppe. das hat dem kleinen den einstieg sehr erleichtert.

ich finde 1.5 j ist das minimum alter für regelmäßige fremdbetreuung. nach meiner erfahrung sind dann schon viele kleinkinder soweit, dass sie anfangen sich für andere kinder zu interessieren und mit ihnen spielen wollen. die neugierde ist größer als die trennungsangt.

voraussetzung für einen guten start in der kita ist m. e. eine sanfte eingewöhnung. wenn das kind sich von den betreuern trösten lässt, ist es eingewöhnt.

dr. posth hat gute ansätze. doch gleichzeitig geht er mir auf die nerven. hm. woran mag das liegen?
ein punkt ist, er lehnt das langzeitstillen ab, weil nach seiner ansicht die loslösung des kinds von der mutter verhindert würde (was echter quatsch ist! ich hab ganz andere erfahrung), andererseits behauptet er aber, fremdbetreuung erst dann, wenn das kind so weit ist. für mich ein ganz klarer sachlicher widerspruch. der mich misstrauisch macht. ergo, er verkauft sein eigenes weltbild. warum auch nicht, tun wir ja alle ;-), nur bitte erst den weißen kittel ausziehen und dann vom pferd erzählen!!

und noch ein grund, jedes kind ist anders und alle kinder sind wiederum gleich, was ihre neugierde betrifft und ihren drang, die welt zu erforschen. kommen sie in ein liebevolles umfeld, das ihnen angebote macht, etwas neues zu lernen in einer netten gemeinschaft - den meisten kinder gefällts. wie gesagt, meine persönliche grenze ist 1.5 jahre.

schlechtes gewissen hat wohl jede mutter mal. egal, um welches thema es geht. wichtig finde ich dabei, ehrlich zu bleiben und auf sein kind zu schauen. was will es mir sagen (durch sein verhalten)? und manchmal müssen eben andere lösungen her. nur so ist wirklich sichergestellt, dass die bedürfnisse des kindes ernst genommen werden. darum gehts, finde ich :-)

lg
e.

www.rabeneltern.org

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