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Geschrieben von Frosch am 10.11.2005, 13:44 Uhr

Kindern Kultur nahebringen

Hallo!


Was ist eigentlich "Kultur"?
Für mich bzw. was ich meinen Sohn nahebringen will:
Schöne Literatur, gut ausgewählt. Versuchen, Benimmregeln zu vermitteln.
Klassische Musik, einfach Offenheit gegenüber allem, was "anders" ist. Ich bin früher schräg angeschaut worden, weil ich klassische Musik mochte. Kam natürlich von meiner Mutter, und vom Klavierunterricht.

Soweit die Theorie. Jetzt sitzt Sohnemann im Bett und hört "SCHNIIIISCHNAAASCHNAPPIIII", und röhrt heiser: "MAmaKommMal!!!!!!"

LG ANtje

 
7 Antworten:

Es gibt immer 2 Seiten

Antwort von Schwoba-Papa am 10.11.2005, 14:06 Uhr

Die "SCHNIIIISCHNAAASCHNAPPIIII" und die Klassik ! Schön wenn man beides zur gegebenen richtigen Zeit kennenlernt !

Ob es angenommen wird entscheidet die Zeit und der Probant ! :-)

Grüßle

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Re: Kindern Kultur nahebringen

Antwort von wassermann63 am 10.11.2005, 14:10 Uhr

Da bin ich mal einer Meinung mit dir :-)

Ansonsten nehme ich dein posting zum Anlass, um auch nochmal auf das Thema Märchen zurückzukommen:

Tatsächlich lernen Kinder durch Nachahmung, wobei sie schon sehr gut unterscheiden können, was ihnen jetzt "anerzogen" werden soll und was ganz natürlich Teil des ungekünstelten Verhaltens der Eltern ist. Soviel zum Thema Tischkultur beispielsweise.

Wenn man als Kind mit klassischer Musik groß geworden ist, so ist es wahrscheinlich, dass auch die eigenen Kinder sehr leicht den Zugang zu eben dieser ARt der Musik finden. Wenn man als Kind Märchen erzählt bekommen oder selbst welche gelesen hat, so wird sich - wenn hieraus eine Passion geworden ist - auch bei den eigenen Kindern der Hang zur Leseratte herauskristallisieren ;-) (schon einmal weil dann höchstwahrscheinlich die Bude mit Büchern vollgerammelt ist...). Soviel zum Thema Kultur in Musik und Literatur.

Genauso das Riesentheater wegen der Märcheninhalte. Ich bin mir sicher, dass meine Kiddies zu allererst von unserem alltäglichen Verhalten lernen. Zusatzangebote zur sinnvollen Beschäftigung wie Spielen, Geschichten anhören, später Lesen etc. werden natürlich auch dankbar angenommen, aber ich bin fest überzeugt, dass die Kiddies sich selbst aussuchen, was ihnen gefällt und wofür sie eine Leidenschaft entwickeln. Und wenn meinen Söhnen die klassischen Märchen gefallen sollten, so werden sie davon garnicht genug bekommen können :-) Genauso wie Pippi oder, als DVD, Augsburger Puppentheater (fand ich derart klasse, Urmel aus dem Eis und Co.).

Auch denke ich, dass tiefsinnigste Interpretationen, die hier in gewisse Märchen reingepfrimelt worden sind, komplett an unseren Kleinen vorbeigehen und zwar unbeachtet (dazu müsste man ihnen ja erst einmal erzählen, was der vermeintlich tiefere Sinn hinter der roten Kappe von Rotkäppchen ist - ich beziehe mich da auf die Menstruationsgeschichte). Vielmehr denke ich, dass ein Mädchen mit einer, sagen wir einmal, stark emanzipierten Mutter, die u.a. auch innerhalb der Familie die Hosen trägt, mit relativ großer Wahrscheinlichkeit auch in diese Richtung tendieren wird, in ihrer Entwicklung. Ungeachtet davon, ob sie Schneewittchen gelesen hat oder nicht.

LG
Jacky

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Re: Es gibt immer 2 Seiten

Antwort von JoVi66 am 10.11.2005, 14:14 Uhr

Denke das Alter spielt ja auch eine wichtige Rolle. Ist dein Sohn drei verstehe ich Schnappi (singt meine auch, außerdem rappt sie gern *g* macht schon die geeigneten Handbewegungen dazu und liebt "Top of the pops").Wir haben auch ein Klavier rumstehen und ich habe auch schon angefangen mit ihr zu spielen. Allerdings haben wir nun ein kleines mit Kinderhand gerechten Tasten gekauft. Beim normalen Klavier ist das "Umspannen einer Oktave" für ein so kleines Kind dann doch schwierig :-) .
Gruß Johanna

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Re: Kindern Kultur nahebringen

Antwort von JoVi66 am 10.11.2005, 14:17 Uhr

Dann weiß ich ja, wohin meine Tochter tendieren wird :-)
Gruß Johanna

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Re: Kindern

Antwort von fiammetta am 10.11.2005, 14:36 Uhr

Hi,

gute Frage - an der kloppen sich so manche Geisteswissenschaftler*grins*. Hier also meine Gedanken dazu:

Ich bin der festen Ansicht, daß man Kindern nur dann "Kultur" vermitteln kann, wenn man selbst diese auch begriffen und verinnerlicht hat und lebt. Soll heißen, wenn die Eltern nur eine literarische Viertelbildung haben, dann hilft auch der Gruselsatz "Lies doch `mal ein gutes Buch!" nicht. Es reicht meines Erachtens nach auch nicht, die gesamte Insel-Bibliothek (o.ä.) wahllos gelesen zu, wenn der Hintergrund zu Autoren und Geschichte vollständig fehlt. Ebenso sinnlos ist es, durch` Museum zu wandern, aber nur die Kritik in der Zeitung dazu zu kennt. Etc.pp.

Ein gebildeter Mensch ist auch in der Lage dazu, zur eigenen Ignoranz zu stehen und darüber zu lachen. Man kann nicht alles wissen. Peinlich wird`s, wenn man das jedoch für sich beansprucht und dann nur innhaltlichen Stuß von sich gibt. Natürlich ist manchmal der Einäugige König - aber wie armselig ist jemand, der an einen Gebildeteren gerät und diesen dann noch belehren will...

Benimmregeln sind hervorragend, taugen allerdings nur etwas, wenn man auch in der Lage ist, "Nein" zu sagen und anderen Grenzen zu stecken. Ansonsten verkommt das beste Benehmen, das einem ja das Leben erleichtern soll, zu reinem Duckmäusertum und ist die Lizenz zum gemobbt werden. Zu gutem Benehmen gehört meines Erachtens nach auch die Fähigkeit zur Selbstironie. Ich finde es übrigens weniger wichtig zu wissen wie man einen Hummer richtig ißt als einem armen Menschen etwas vom eigenen Überfluß abzugeben.

Klassische Musik - großartig, wenn man sich damit ernsthaft befaßt, lächerlich, wenn man sie braucht, um sich als etwas Besseres darzustellen. Ich hatte `mal `ne Kursteilnehmerin, die jedes Mal, wenn das Telefon klingelte, den CD-Player mit klassischer Musik einschaltete, um ihre angebliche Bildung zu beweisen. Wurde natürlich zum running gag. Meiner Meinung nach muß halt auch noch Platz für zeitgenössische U-Musik bleiben, d.h. das eine zu Gunsten des anderen verteufeln führt nur zu Ablehnung des von den Eltern bevorzugten.

Theater - es gibt Menschen, die finden alles großartig, was im Theater gegeben wird oder lehnen es mit der Begründung ab, es sei schlecht gewesen, es habe ihnen nicht gefallen, etc. Auch blödsinnig, d.h. es ist legitim etwas abzulehnen, aber dann muß ich`s auch begründen können und dafür brauche ich eben eine gewisse Theatererfahrung (geht auch mit amüsierter Distanz) und entsprechende Vorinformationen. Ich bin am Theater aufgewachsen und hatte dort auch ein Engagement - es gibt nicht lausigeres als ein blasiertes, aber leider völlig ignorantes Publikum. Kam allerdings nur selten vor.

Offenheit, Interesse und Neugier gegenüber anderen Menschen und Kulturen schüren. Mittel: Reisen, sich mit ausländischen Mitbürgern austauschen, jedem Menschen jeden Tag eine neue Chance geben (so lange er es verdient). Diskutieren und erklären ohne das Kind als "kleinen" Gesprächspartner zu behandeln.


Langer Rede kurzer Sinn: die "Zeit" als Kulturwegweiser allein zu lesen reicht nicht, v.a. dann nicht, wenn man selbst nicht bereit ist, an sich zu arbeiten, sich also kontinuierlich weiterzubilden und auch zu eigenen Defiziten zu stehen. Das merken Kinder spätestens, wenn sie in die Pubertät kommen - und dann wird die Ablehnung um so schlimmer.

LG,

Fiammetta

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Re: Kindern Kultur nahebringen

Antwort von cheese am 10.11.2005, 14:36 Uhr

Also mein Kleiner steht auf Vivaldi, Rammstein und Kid Rock...
Er ist sehr höflich und sagt immer "bitteschön" und "dankeschön", aber ist ein ziemlicher Rabauke und haut auch schonmal zu, wenn ihm was nicht passt.
Ansonsten steht er vor allem auf Motorräder und keiner weiß wieso...

Was wird denn nun aus dem Mal? Ein höflicher Motorrad-Rocker, der bei jedem Schlag, den er jemanden verpasst "bitteschön" sagt???

LG Claudia

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Re: Huldvolle Worte, aber ich gebe dir recht o.T aber lG

Antwort von JoVi66 am 10.11.2005, 14:57 Uhr

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