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Geschrieben von trini79 am 01.02.2005, 7:58 Uhr

Die ersten Banken sind schon auf den Zug aufgesprungen

guten Morgen,

die ersten Banken haben die Zeichen der Zeit bereits erkannt und wollen schon ab Wintersemester 2005/2006 zinsgünstige Darlehen elternunabhängig anbieten, ohne das Bafög zu berühren.

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KfW Bankengruppe stellt Förderergebnisse 2004 vor und plant 2005 Einführung eines bundesweiten Studienkreditangebots

Die KfW Bankengruppe hat am Montag in Frankfurt ihr Förderergebnis für das Jahr 2004 präsentiert und bei diesem Anlass ihre Vorstellungen zur Einführung eines bundesweiten Studienkreditangebots erläutert. KfW-Vorstandssprecher Hans W. Reich begründete bei der Jahresauftakt-Pressekonferenz das Engagement der Bank: "In einer wissensbasierten Dienstleistungsgesellschaft ist Bildung ein wesentlicher Schlüssel für wirtschaftlichen Erfolg. Wirtschaftsförderung in Deutschland heißt in Zukunft vor allem auch Bildungsförderung."

Die KfW arbeitet zurzeit an der Einführung eines flächendeckenden Studienkreditangebots und will es möglichst zum Wintersemester 2005/2006 auf den Markt bringen. Hierfür sind in den nächsten Monaten noch wichtige offene Fragen, u. a. mit der Politik sowie dem universitären Bereich zu klären. Ziel der KfW ist ein bundesweites Kreditangebot an alle Studierenden, unabhängig von Studienfach, Einkommen und Vermögen der Eltern oder vorhandenen Sicherheiten. Studierende sollen so ihren Lebensunterhalt bestreiten und sich voll aufs Studium konzentrieren können. Die KfW will den Studienkredit unabhängig von der Einführung von Studiengebühren anbieten. Das Produkt soll so konzipiert sein, dass die Rückzahlungen einkommensabhängig und Belastungen vertretbar sind. Zusätzlich will die KfW eine mögliche soziale Flankierung für Härtefälle sowie Anreize für überdurchschnittliche Studienleistungen integrieren.

Die KfW (bzw. vormals die auf die KfW fusionierte DtA) finanziert seit rund 10 Jahren Investitionen in Aus- und Weiterbildung junger Menschen. Allein im Jahr 2004 sagte sie in diesem Geschäftsfeld Kredite über rund 812 Mio. EUR zu. Ihr Angebot im Bereich Bildung will sie mit dem neuen Studienkreditangebot ausweiten.

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Find ich eine relativ durchdachte Lösung, die hoffentlich ohne viel Bürokratie umgesetzt werden kann.

lg Kathrin

 
15 Antworten:

Ich finde es schon heftig, ...

Antwort von nini+ am 01.02.2005, 11:00 Uhr

... wie leichtfertig hier über Studiengebühren diskutiert wird.

In einem Bericht über diese zinsgünstigen Kredite gestern im TV ist man auf rund 30.000 Euro gekommen (maximaler Satz für acht Semester).

Tja, wer studiert denn noch, wenn er mit 25 Jahren weiß, dass er zwar 30.000 Euro (das sind 60.000 Mark!) Schulden hat, aber noch lange keinen Job?

Und das Akademiker so viel mehr verdienen, ist schon seit langem ein Gerücht. Das gilt vielleicht für wenige Fachrichtungen, aber normalerweise holt man die Studienjahre (sprich: Jahre in denen man Abi gemacht und studiert hat, während andere eine Ausbildung abgeschlossen haben und arbeiten gegangen sind) finanziell nie wieder auf.
Man darf sich eben nicht immer die extremen Beispiele anschauen (ungelernter Hilfsarbeiter versus Zahnarzt o.ä.), sondern muss beim Großteil der Studenten bleiben.

Und eines ist auch klar: »unrentable« Studiengänge werden wegfallen, weil es ja heute schon an eine Kamikaze-Aktion grenzt z.B. Ethnologie oder Germanistik zu studieren - diese geisteswissenschaftlichen Studiengänge lässt man ja heute schon ausbluten, weil man sie loswerden will.
Das kann man dann gut finden (wer braucht eine Million Ethnologen oder Germanisten?), aber auch für andere Bereichen bleibt zu hoffen, dass noch genügend Zeit für Forschung und Lehre genügend Zeit und Geld zur Verfügung stehen wird.

Ich kenne zwar auch einige Studenten, die schon seid Ewigkeiten an der Uni sind. Aber die bekommen keine finanzielle Unterstützung vom Staat, zahlen ihre Langzeit-Gebühren (1000 Euro pro Semester) und müssen sich ansonsten so durchs Leben schlagen.
Der Normalfall! sind aber junge Menschen, die auch ohne Studiengebühren Monat für Monat kämpfen mussten und die Balance zwischen Studium und Job finden mussten. Im Übrigen wird man bei uns nach 11 Semestern von der FH geschmissen, wenn man bis dahin nicht fertig ist (an der Uni zahlt man ab dann besagte 1000 Euro).

Die gebührenfreien Kindergärten sind sicherlich auch wichtig, stehen aber auf einem ganz anderen Blatt. Man neigt nur dazu, Dinge, von denen man selbst betroffen ist, wichtiger zu nehmen.

LG
nine

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Re: zu diesem Kreditangebot

Antwort von marit am 01.02.2005, 11:44 Uhr

zu den Studiengebühren hab ich mich ja unten schon geäußert - das hat aber mit diesem Kreditangebot, das ja vor allem für die Lebenshaltungskosten gedacht ist, wenig zu tun. Wieso sollen "unrentable" Studiengänge deswegen ausbluten, weil es eine zusätzliche (!) Finanzierungsmöglichkeit gibt? Bafög gibt es ja nach wie vor, die Eltern sind nach wie vor verpflichtet, im Rahmen ihrer Möglichkeiten ihre Kinder zu unterstützen und nur für diejenigen, die weder auf das eine oder das andere zurückgreifen können, ist so ein Kredit doch interessant (also z.B. für Studierende, deren Eltern mit der Wahl ihres Studienfaches nicht einverstanden sind, und die deshalb nicht zahlen oder für solche, deren Eltern Schulden haben, die das Bafögamt nicht anerkennt). Also für diejenigen, die JETZT 20 Semester brauchen, weil sie sich komplett selbst um ihr Geld kümmern müssen. Und DIE wiederum hätten nach einem kreditfinanzierten Studium zwar ne Menge Schulden, dafür können sie aber auch erheblich früher ins Arbeitsleben einsteigen!!! Sie haben vielleicht bessere Abschlußnoten, weil sie sich aufs Lernen konzentrieren konnten. Und was ist wohl besser: 5 Jahre länger zu studieren, oder 5 Jahre früher arbeiten können, dann aber währenddessen Schulden zurückzahlen? Für mich füllt dieses Modell genau die Lücke aus, die unserem Hochschulsystem bisher gefehlt hat. Außerdem KANN man 30.000 Euro, wenn man ein gutes Einkommen hat in ein paar Jahren zurückzahlen. Wenn man weniger verdient, kann man die Raten aber auch sehr strecken.

So viele junge Menschen sind bereit, sich für ein Haus Schulden von 200.000 Euro mit Mitte 20 ans Bein zu binden - wieso sollte denn eine optimal genutzte Ausbildung ohne finanzielle Sorgen nicht einen Bruchteil davon wert sein???
Ich hätte diesen Kredit zu einem Teil in Anspruch genommen, sogar für ein Germanistik und PhilosophieStudium. Und auch obwohl ich weniger verdiene als ein Autoschrauber bei Ford, würde mich eine monatliche Rückzahlrate von 200 Euro nicht so arm zurücklassen, wie ich es teilweise als Studentin gewesen bin. Ich habe kein Bafög bekommen, weil ich nach dem 4. Semester nicht etwas das Fach, sondern meine Abschlußart (von Staatsexamen auf Magister) gewechselt habe, obwohl ich dabei keine Zeit verloren hatte). Weil mein Vater zu dieser Zeit starb und diese Finanzierung wegfiel, mußte ich ab diesem Zeitpunkt monatlich 700 DM verdienen um mir das Leben auch nur ansatzweise leisten zu können. Und das war wirklich eine Riesenbelastung neben dem Studium, auf das ich mich sehr gerne konzentriert hätte!

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Wo wird hier leichtfertig diskutiert ?

Antwort von Schwoba-Papa am 01.02.2005, 12:07 Uhr

Woraus setzen sich die 30.000 Euro zusammen ?

..."Und das Akademiker so viel mehr verdienen, ist schon seit langem ein Gerücht."...

wo ist dann der Antrieb fürs Studium, reiner Wissensdurst oder was ?

Also sorry, aber wenn jemand Philisophie oder andere reine Geisteswissenschaften studiert, ist wirklich die Frage angebracht ob die Allgemeinheit dieses Interesse finanziell unterstützen muss.

..."Der Normalfall! sind aber junge Menschen, die auch ohne Studiengebühren Monat für Monat kämpfen mussten und die Balance zwischen Studium und Job finden mussten."...

Wohl eher die Balance zwischen Studium und Freizeitvergnügen. Wobei es immer Ausnahmen gibt, die aber bekanntlich die Regel bestätigen.

Und der Begriff "BETTELSTUDENT" gibt es tatsächlich nur noch in der Operette.

Aber wie es in diesem unserem Lande wieder und wieder üblich ist :
Das Jammern findet auf einem sehr hohen Niveau statt.

Grüßle

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@schwoba

Antwort von marit am 01.02.2005, 12:41 Uhr

Also sorry,

diese Arroganz gegenüber Geisteswissenschaftlern oder -pfui- sogar "reinen" Geisteswissenschaftlern ist wirklich zum Kotzen. Wieso gilt es eigentlich in unserer Gesellschaft als ausgemacht, daß wir keine Germanisten, Philosophen, Politikwissenschaftler, Islamwissenschschaftler oder Historiker nötig haben? Wie wollen wir denn ohne Menschen mit ethnologischen Kenntnissen in einer globalisierten Welt in Zukunft zurechtkommen? Wer sorgt denn dafür, daß du ein wohlinformierter Bürger sein kannst? die Germanisten und Politikwissenschaftler in den Zeitungs- und Hörfunkredaktionen, und vor allem die vielen "freien" Mitarbeiter dort, die dir für nen Hungerlohn komplizierte Interpretations- und Informationsangebote machen, für die Welt, in der du dich bewegst. Historische Formate im Fernsehen erfreuen sich großer Beleibtheit? Glaubst du, die fallen vom Himmel? Wer sorgt dafür, daß Bücher und Zeitschriften in halbwegs einheitlicher Rechtschreibung verfaßt sind, so daß wir und nicht total in einander unverständliche Dialektgruppen separieren? Germanisten! Wer sorgt dafür, daß wir noch ein Minimum an spannenden Kulturangeboten in Film, Fernsehen und Theater haben? Geisteswissenschaftler! Wer erfindet die Formate in der Massenunterhaltung, schreibt Gags in Comedie-formaten oder selbst die Drehbücher für Soaps? Fast ausschließlich ehemalige Germanisten (übrigens auch sehr viele abgebrochene, weshalb in diesem Fach Studienabbruch noch lange keinen Mißerfolg bedeuten muß). Geisteswissenschaftler sind hier in Deutschland sowohl ein Wirtschaftsfaktor (übrigens gerade deshalb, weil sie nicht so teuer einzukaufen sind)als auch fast die einzigen verbliebenen Kulturträger, die wir noch haben. Wir haben in Deutschland einen florierenden Buchmarkt. Es gibt kaum einen Autor oder eine Autorin, die nicht von ein paar Semestern geisteswissenschaftlicher Studien profitiert haben. Wie Texte funktionieren lernt man in der Regel nämlich nicht autodidaktisch.
Die Germanistik oder generell die Literaturwissenschaft ist deshalb ein Massenfach, das nicht auf einen klaren Beruf abzielt, WEIL die Absolventen so flexibel einsetzbar sind. Es ist lächerlich, gerade dies einem Fach dann wieder vorzuwerfen.

Und gerade in einer Situation, in der sich herausstellt, daß jeder 4. 15jährige nur noch rudimentär lesen kann sollten wir es uns erst recht nicht leisten können, gerade auf dieses Fach leichtferig zu verzichten.

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Totales Missverständnis und schlechter Bericht gestern, wer nicht richtig hingehört hat....

Antwort von tinai am 01.02.2005, 13:09 Uhr

.... Der Kredit von der KfW ist für den monatlichen Unterhalt in Höhe von 650 Euro - unabhängig vom Einkommen der Eltern und von Bafög. Er stellt damit auch eine Alternative für Studenten dar, die bisher ihr Studium selbst bestreiten mussten (ich hätte so ein Angebot liebend gerne angenommen).

30.000 Euro Schulden entstehen für die Lebenshaltung - wer sich entscheidet, sein Studium auf Hochtouren durchzuziehen udn nicht nebenher zu arbeiten, für den ist das ideal!!!!!

Das sind zwei völlig verschiedene Sachen, der Kredit der KfW und die Studiengebühren. Aber wer gester nicht genau hingehört hat - und die interviewten haben das auch nicht - da wurde beides vermengt.

Gruß Tina
Pro Studiengebühren!

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Re: Totales Missverständnis und schlechter Bericht gestern, wer nicht richtig hingehört hat....

Antwort von schnappi am 01.02.2005, 13:19 Uhr

Die Kreditangebote finde ich annehmbar und wegen der Studiengebühren sollte man mal überlegen, wie viele arbeitende Eltern ihr Erststudium neben Beruf und Familie an privaten Akademien durchziehen, wo Semestergebühren von 350 Euro und mehr keine Seltenheit sind. Und ein studierter Chemiker verdient sicher auch ein Vielfaches vom ungelernten Arbeiter. In dieser Hinsicht muss ich Schwoba beipflichten. In der Regel wird ja nicht studiert, um anderen zu zeigen, für wie schlau man sich hält. Der finanzielle Aspekt ist keinesfalls zu vernachlässigen.
Grüße
mn

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Re: Wo wird hier leichtfertig diskutiert ?

Antwort von tinai am 01.02.2005, 13:22 Uhr

Also grundsätzlich sollte man keine Diskussion über "Wertigkeit" von Studiengängen sagen - schon gar nicht im Land der Philosphen und Dichter.

ABER: Die die hier so laut schreien, als Akademiker verdiene man ja oft nicht so viel wie ein Facharbeiter (dem stimme ich zu), denen muss auch gesagt werden, dass ihr Studium von eben den Facharbeitern finanziert wird, die dem Staat nicht mit 13-14 Jahren schule plus 4-6 Jahren Studium auf der Tasche liegen, sondern mit 10 Jahren Schule plus 3 Jahren Berufsschule (bereits als sozialversicherungszahler im Gegensatz zu familienversicherten Studenten) belasten.

Ich sehe in den Studiengebühren eine echte Chance, dass die Universitäten UND die Studenten mal aus ihrem Dornröschenschlaf aufwachen. Erstere, weil dann wirklich echte Konkurrenz zwischen den Unis entsteht und das ist nur gut für letztere!

Übrigens jobben bei uns immer Studenten neben dem Studium, die verdienen nciht schlecht und keiner von denen hat deswegen auch nur ein Semester versäumt (die meisten haben aber ein AUto!).

Schwobi hat recht: Es wird auf einem furchtbar hohen Niveau gejammert.

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Komm mal runter Marit :-)

Antwort von Schwoba-Papa am 01.02.2005, 13:34 Uhr

Getroffene Hunde bellen oder heulen sie ? :-)

Ich forderte nicht die Abschaffung von Geisteswissenschaften , was wirklich Blödsinn wäre.
Nur habe ich wirklich ein Problem eine Studentin steuerlich "durchzufüttern" weil sie den Sinn des Lebens suchen will und dadurch Philisophie belegt.

Es gibt genügend Geisteswissenschaftler, die auf der Straße sitzen, da muß die Frage erlaubt sein ob diese Studiengänge ökonomisch fruchtend sind.
Ansonsten wären es Hobbys auf Kosten anderer.

Grüßle

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Re: Komm mal runter Marit :-)

Antwort von marit am 01.02.2005, 14:01 Uhr

Hallo Schwoba,

klar hab ich mich als Literturwissenschaftlerin (mit ehemaligem 2. Hauptfach Philosophie) getroffen gefühlt. Und zwar weil es wirklich für alle ausgemacht scheint, daß wir nix Wichtiges für die Gesellschaft leisten und es so ein Luxus-Fach ist, während gleichzeitig doch in fast allen Bereichen Geisteswissenschaftler am Werk sind, die man bloß nicht direkt sieht. Ich reg mich darüber auf, weil und finanzeill im Fachberech das Wasser bis zum Hals steht und wir heute mit halbiertem Personal 5 mal so viele Studentinnen und Studenten versorgen müssen. Und diese Studierenden studieren nicht für die Arbeitslosigkeit, wie immer alle zu glauben scheinen. Es gibt de facto nicht mehr arbeitslose Germanisten als arbeitslose Ingenieure oder Juristen. Das Problem von Germanisten ist nicht die Arbeitslosigkeit, sondern eher die relativ zum Studienaufwand geringen Einkommen. Wenn du zum Anwalt gehst, ist dir klar, daß das ein ehemaliger Jurastudent ist - wenn du aber Zeitung liest verstellt das "Medium" Zeitung sozusagen den Blick auf diejenigen, die da im Hintergrund arbeiten. Die wenigsten Philosophiestudenten sind übrigens so naiv "den Sinn des Lebens" in einem philosophischen System zu suchen. In der Philosophie lernt man v.a. etwas darüber, nach welchen Gesetzen das Denken funktioniert und es ist sicher nicht falsch, wenn eine Gesellschaft sich einige Menschen leistet, die etwas davon verstehen. Es ist ja nun nicht gerade so, daß dieses Studienfach total überlaufen wäre.

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mal ne grundsätzliche Nachfrage...

Antwort von marit am 01.02.2005, 14:10 Uhr

Glaubt ihr tatsächlich alle, daß man nur studiert um später mal ein besseres Einkommen zu haben?

Also wenn die Berufswahl REIN FINANZIELL motiviert wäre - wieso sollte dann überhaupt irgendjemand freiwillig Friseurin oder Erzieherin werden wollen?

Also mir wäre mein Leben zu teuer erkauft, wenn ich 10 Stunden täglich einen Job machen müßte, der mir zuwider ist nur damit ich dann die restlichen 6 (wachen) Stunden etwas mehr Geld ausgeben kann. Ich habe mein Fach durchaus in dem Bewußtsein gewählt, daß ich auch nach einem langen Studium nicht reich werde. Ich jammere also nicht über mein jetziges Einkommen, sondern eher darüber, daß das Geld in der Institution Uni so knapp bemessen ist, daß ich meinen eigentlichen Beruf (! also der Grund, weshalb ich mein Fach überhaupt gewählt habe) inzwischen nur noch in meiner Freizeit ausüben kann, während ich mich den Rest der Zeit mit administrativem Kram und Geldbeschaffung herumschlagen muß.

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Re: mal ne grundsätzliche Nachfrage...

Antwort von andrea70 am 01.02.2005, 14:29 Uhr

Hallo Marit,

warum wird jemand freiwillig Friseur oder Erzieherin und kein Anwalt, wo man vielleicht viel mehr Geld verdienen kann? Ich schätze mal, weil es für den entsprechended Schulabschluß nicht gereicht hat. Glaubst du wirklich, ein Azubi für das Friseurhandwerk macht das nur aus Liebe zum Beruf?
Aus deinen Postings erkennt man oft deine Begeisterung für dein Fach, aber du schreibst ja selber, daß du andere unliebsame Tätigkeiten ausüben mußt, um dein Geld zu verdienen.
Natürlich arbeiten wir nicht nur um Geld zu verdienen, aber doch hauptsächlich deswegen.
Meine Berufswahl war damals durchaus auch davon beeinflußt, welche Berufschancen man danach hat und natürlich auch wieviel man verdienen kann.
Ich kann dafür nicht sagen, daß ich meinen Beruf über alles liebe, aber das ist doch auch gar nicht nötig bzw. realistisch.
"Man muß nicht tun was man mag, sondern mögen was man tut". Blöder Spruch, aber es ist schon was dran.

LG Andrea

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@schwobi.... also das ist ein bisschen schlicht

Antwort von tinai am 01.02.2005, 14:35 Uhr

....

Ich habe mal vor langer, langer Zeit den Studiengang Maschinenbau belegt mit den besten Voraussagen für die Zukunft und auch brav in kürzester Zeit mein Diplom gemacht - da sah es aber gleich ganz anders aus, Deutschland arbeitete kurz und ich bekam nur eine befristete Stelle, weil ich einen sehr guten Abschluss hatte, sonst wäre es gar nichts gewesen.

Eine Bewertung der Studiengänge unter reinökonomischen Gesichtspunkten finde ich gefährlich.

Wer ein geisteswissenschaftliches Studium gut und gerne oder sogar sehr gut leistet und sich darauf einstellt, auch fachfremd zu arbeiten und dabei flexibel ist, wird der Gesellschaft und der Volkswirtschaft sicherlich einen größeren Dienst erweisen als ein schlechter BWL-er, Architekt, Ingenieur etc....... von denen gibts nämlich auch jede Menge Arbeitslose Hochschulabsolventen. In Stuargart alleine 9000 Architekten!!! Die zum großen Teil glauben, dass sie tatsächlich noch eine STelle als Architekt bekommen. Juristen gibts auch jede Menge - einzig bei den Ärzten scheints nicht ganz schlecht zu sein, die kriegen wengistens in Kliniken noch Stellen.

KURZUM: Ich glaube, es kommt nicht so sehr auf das Fach an als auf die Qualität des Abschlusses und die Bereitschaft udn Flexibilität das Absolventen.

Grüßle vom Maschbauer, der nicht mehr Maschinen baut.

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Auch als Nicht-Geisteswissenschaftlerin stimme ich Marit zu.....

Antwort von tinai am 01.02.2005, 14:43 Uhr

...man sollte sich nicht auf die "Wertigkeit" eines Studiums einlassen.

Die ökonomisch/finanzielle Wertigkeit legt ohnehin der Markt fest. Und kein Geisteswissenschaftler kann sich auf die faule Haut legen, sondern muss sich fachfremd was suchen, wenn er nichts findet - so wie die anderen Akademiker eben auch. Gerade die vielzitierten Chemiker sind en gros arbeitslos nach einem endlos langen Studium. Richtig ist: Die wenigen, die in Lohn und Brot sind, die verdienen wirklich gut, aber all die anderen müssen sich auch was suchen.

Wer einen Beruf nur zum "Kohle machen" sucht, sollte gleich gar nicht studieren, sondern eine kaufmännischer Lehre machen und dann in den Vertrieb gehen, da wird richtig Geld verdient und man fängt viel früher an als der promovierte Prokurist, der erst mit Ende 20 das Arbeiten lernt.

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@marit @tinai

Antwort von Schwoba-Papa am 01.02.2005, 15:04 Uhr

Es liegt mir fern Studiengänge auf den Sinn hin zu bewerten, jedoch stellt sich mir die Frage ob eine Studienzeit nach Lust und Laune und das auch noch kostenlos angebracht ist.
Wie Tinai selbst schreibt gibt es Unmengen von "Akademikerüberhänge", für mich ein Zeichen das
hier die Nachfrage nicht das Angebot regelt.

Vielleicht sollten man ein Drittel der Unis schließen, dadurch die Lehrmöglichkeiten steigern und weniger Studenten dadurch mehr bieten.

Grüßle

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Re: @andrea

Antwort von marit am 01.02.2005, 15:25 Uhr

Klar kann man mit Hauptschulabschluß nicht Anwalt werden. Man kann aber im industriellen Sektor (z.B. papierverarbeitende Industrie, Gummiwerke etc.) sehr viel mehr Geld verdienen als als Kindergärtnerin oder Friseurin. Dennoch sind solche Jobs so unbeliebt, daß die dort ausgeschriebenen Lehrstellen kaum besetzt werden. Offenbar, weil viele Menschen lieber mit Menschen arbeiten, statt am Fließband zu stehen, selbst dann, wenn es für letzteres wesentlich (!) mehr Geld gibt.

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