ADHS - ADS

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Geschrieben von Laufente123 am 18.08.2021, 16:58 Uhr

ADHS erst nach der Pubertät???

Meine Tochter wurde erst mit 20 Jahren mit ADHS diagnostiziert.
Der Fahrlehrer hat sie darauf gebracht, dass sie ungewöhnlich unruhig ist und überall hinschaut.
Sie meinte "jetzt ginge ihr ein Licht auf" und lies sich diagnostizieren (an der Uni).
Dort meinte man eindeutig ADHS mit Score xxx von irgendso einer Tabelle. Seitdem ist sie in Therapie (seit ca. vor einem Jahr, jetzt wegen Auslandssemester mit Pause)

Tochter erzählte mir heute "ich kann keinen Satz lesen. Lesen ist so schwer. Ich muss einen einzigen Satz x mal wieder lesen bis ich ihn verstehe".
ABER im Grundschulalter war sie eine Leseratte!?!?! Sie hat Abitur und studiert.

Sie kann stundenlang malen (meist Bleistiftzeichnungen mit Schattierungen). Jetzt wird gerade Papier geschnitten, gekocht, gepresst, geschöpft. Nebenher läuft meist Radio... sie meint sie braucht die Geräusche. Geht mir aber auch so, da ich mich sonst einsam fühle.
Sport ist nicht ihr Ding. Zu viel Bewegung. Aber sie ist gerne unterwegs auf Märkten, Festen... laut, viele Leute....

Ich empfinde das Ganze widersprüchlich.
Was ist Eure Meinung dazu?
LG
Laufente

 
14 Antworten:

Re: ADHS erst nach der Pubertät???

Antwort von Maca am 18.08.2021, 18:14 Uhr

Fokus, Fokus, Fokus….ist zwingend abhängig
von der Motivation, Motivation, Motivation……….

ADSler können super hyperfokussieren wenn sie von etwas gefesselt werden, dann klappt das auch mit dem Ausblenden unwichtiger Reize deutlich besser.

Studienlektüre ist halt nicht soooo fesselnd bzw. nicht immer und alles?

Hypotone ADSler SIND widersprüchlich, bzw. nicht in neurotypischen Kategorien erfassbar.

Sie brauchen oft Stimulanz von aussen, um ihre Reaktionsbarriere zu überwinden, sind aber aufgrund der Reizfilterschwäche eben auch schnell überfordert.
Könnten sie sich, die ihnen genehme Reizkulisse selbstständig zusammenstellen, ginge es ihnen bestimmt prima.

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Re: ADHS erst nach der Pubertät???

Antwort von Mucksilia am 19.08.2021, 9:40 Uhr

Mmmmhmhm. Ich denke, so weit her kann das mit dem ADHS nichts ein, wenn es vorher nicht aufgefallen ist und sie alles in der Schullaufbahn gut gemacht hat.
Bei "richtigen" ADHSLern merkt man das spätestens, wenn sie eingeschult werden.
Nicht böse gemeint, aber als Mutter eines ausgeprägten ADHSlers muss ich sagen, dass ich es für ausgeschlossen halte, dass es nennenswertes ADHS ist, wenn es erst mit 20 bemerkt wird (weil der Fahrlehrer findet, sie ist unruhig) und dann plötzlich jmd das diagnostiziert. Nicht falsch verstehen, sie mag ja eine ganz leichte Form haben.
Kann es sein, dass dein Tochter sich jetzt, wo sie die Diagnose hat, in die Sache reinsteigert? Klingt so. Dinge, die nie ein Problem waren, klappen plötzlich nicht mehr.
Vllt. ist das Ganze mit der Diagnose kontraproduktiv.
Ich würde versuchen, dass sie die Sache nicht so hochhängt.
Ich habe auch (jetzt so nachträglich betrachtet als Fachmutter) Symptome - noch jetzt.
Ja und, ist dann so. Ich habe Abi und studiert, hat mich also nicht eingeschränkt. Ich würde nicht auf die Idee kommen, eine Diagnose oder gar Therapie zu machen.

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Re: ADHS erst nach der Pubertät???

Antwort von MamaausM am 19.08.2021, 12:35 Uhr

Wir sind auch gerade mit diesem Verdacht konfrontiert worden. Tochter ist 17 ..... Hat auditive Wahrnehmungsstörungen, Legasthenie und Laut apraxie (sprachbehinderung)

Seit sie drei ist in Ergotherapie und Logopädie

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Re: ADHS erst nach der Pubertät???

Antwort von MamaausM am 19.08.2021, 12:35 Uhr

Wir sind auch gerade mit diesem Verdacht konfrontiert worden. Tochter ist 17 ..... Hat auditive Wahrnehmungsstörungen, Legasthenie und Laut apraxie (sprachbehinderung)

Seit sie drei ist in Ergotherapie und Logopädie

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Re: ADHS erst nach der Pubertät???

Antwort von mama von joshua am tab am 19.08.2021, 15:42 Uhr

*Ich denke, so weit her kann das mit dem ADHS nichts ein, wenn es vorher nicht aufgefallen ist und sie alles in der Schullaufbahn gut gemacht hat.
Bei "richtigen" ADHSLern merkt man das spätestens, wenn sie eingeschult werden.
Nicht böse gemeint, aber als Mutter eines ausgeprägten ADHSlers muss ich sagen, dass ich es für ausgeschlossen halte, dass es nennenswertes ADHS ist, wenn es erst mit 20 bemerkt wird***

Man merkt das bei der Einschulung nicht, wenn es sich um den Mischtypus handelt, so zumindest die Aussage meines Arztes.
Bei mir wurde es auch erst mit knapp 40 diagnostiziert, auch ich hab nen normalen Schulanschluss mit passablen Noten und ne abgeschlossene Ausbildung. Bücher lesen war nie ein Problem, solange mich die Lektüre interessiert hat. Ansonsten konnte ich den Satz zwar lesen, aber oft nicht auf Anhieb inhaltlich erfassen.

Ich bin niemand der rumhüpft, bei mir äussert sich das "H" durch impulsives Verhalten, ich hatte eine ziemlich kurze Zündschnur und wurde auch ziemlich schnell ungeduldig ;-)

Wenn Sie die Diagnose in einer Uniklinik hat machen lassen kann man eigentlich davon ausgehen, dass es passt. Ich merke ziemlich deutlich, wenn ich die Medikamente auslasse.

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Re: ADHS erst nach der Pubertät???

Antwort von Laufente123 am 19.08.2021, 16:38 Uhr

Na ja, aber das gilt doch alles auch für neurotypische Menschen, oder?

Interessiert mich was nicht wirklich, schlafe ich ein, verstehe den Text dann auch nicht.
Interessier mich etwas, bin ich wach.

Ich persönlich traue der Uni Malta nicht so recht. Töchterlein studiert dort und ist dort in Therapie.

Und hab den Eindruck, dass eine Diagnose auch eine nette Möglichkeit ist einen Schuldigen zu finden, wenn mal etwas anstrengender ist. Also ich bin weiterhin sehr skeptisch.

Und Mischtyp? Ist das nicht jeder irgendwie?
Ich bin vermultich xx% Autismus Spektrum (wie so ziemlich alle Ingenieure, Mathematiker, Informatiker)


Danke an alle für den Input.

Letztendlich ist Töchterlein alt genug und muss es selbst wissen.

ich rate ihr jedoch von medikamentöser Therapie ab. Das verführt zu sehr "pille einwerfen = einfache lösung". Drum ist auch Homöopathie so begehrt. Pille mit Potenzial zur Lösungserbringung ohne Aufwand und ohne Nebenwirkung. Dann soll Töchterlein lieber was homöopathisches einnehmen, wenn es schon eine Art Medikament sein muss... wäre jetzt so mein Rat. Dummerweise kennt sie meine Haltung zu Homöopathie ;-)



LG
Laufente

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DANKE!

Antwort von Laufente123 am 19.08.2021, 16:39 Uhr

Danke an alle!

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Re: ADHS erst nach der Pubertät???

Antwort von mama von joshua am tab am 19.08.2021, 19:32 Uhr

***Dann soll Töchterlein lieber was homöopathisches einnehmen, wenn es schon eine Art Medikament sein muss... wäre jetzt so mein Rat. Dummerweise kennt sie meine Haltung zu Homöopathie ;-)***

Ehrliche Antwort? Vergiss das mit der Homöopathie. Das bringt nix

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Re: Ja!

Antwort von Dezemberbaby2012 am 19.08.2021, 19:54 Uhr

Liebe Laufente,

für mich hört sich das ganz und gar nicht unglaubwürdig an. Auch ich habe Abitur gemacht, studiert mit Abschlussnote 1, und trotzdem wurde bei mir ADHS im Erwachsenenalter diagnostiziert. Und das passt auch völlig. Auslöser für meinen eigenen Test war das ADHS meines Sohnes.

ADHS ist nicht gleich ADHS. Er hat eine etwas andere Art von ADHS, bei ihm fiel das in der Schule stark auf. Mein ADHS ist etwas anders und ich habe gelernt, es zu einem großen Teil zu kompensieren. Trotzdem hat es mich rückblickend enorm behindert und unendlich Kraft gekostet. In meinem Umfeld hat früher nie jemand an ADHS gedacht, aber als ich mich wegen meines Sohnes mit dem Thema beschäftigt habe, sind mir sozusagen die Schuppen von den Augen gefallen und ich habe vieles von mir wiedererkannt.

Ich würde dir raten, deiner Tochter den Rücken zu stärken und sie zu unterstützen. Klar kannst du ihr deine leisen Zweifel mitteilen, aber was sie jetzt glaube ich nicht gebrauchen kann, ist jemand, der ihr ihre Störung, unter der sie bestimmt unbewusst lange gelitten hat, nicht glaubt. Wie Maca schon sagte, Motivation ist bei ADHS alles. Ich habe als Kind auch Bücher verschlungen, und trotzdem musste ich die Aufgabenstellungen in der Schule fünfmal lesen, bis ich sie verstanden hatte. In der Schule hatte ich unter anderem 3en und 4en, in den Fächern, die mich interessierten, aber 1en. Und im Studium -selbst gewählt und daher interessant - war ich ein Überflieger. Unbehandeltes ADHS kann zu Depressionen oder einer Zwangserkrankung führen, ich finde es richtig und wichtig, dass deine Tochter sich damit auseinandersetzt.

Vertrau ihrem Gefühl, denn nur sie weiß, wie es in ihrem Kopf aussieht.

Liebe Grüße

Dezemberbaby

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Re: ADHS erst nach der Pubertät???

Antwort von Maca am 20.08.2021, 14:17 Uhr

“Na ja, aber das gilt doch alles auch für neurotypische Menschen, oder?

Interessiert mich was nicht wirklich, schlafe ich ein, verstehe den Text dann auch nicht.
Interessier mich etwas, bin ich wach.“


Nun ja, da gibt es schon qualitative Unterschiede.
Bei einer manifesten ADS muss sehr viel Energie aufgewendet werden, um sich bei Desinteresse zu fokussieren. Das schaffen viele nur kurzweilig oder gar nicht.
Du kannst deine individuelle Wahrnehmungsausstattung ja nicht mit der deiner Tochter tauschen, um beurteilen zu können, wie stark die Barrieren sind.
Du musst ihr vertrauen und scheinst nicht davon auszugehen, dass sie über Leidensdruck verfügt und glaubst, sie würde die Diagnose instrumentalisieren, um sich vor Anstrengung zu drücken.
Das kann ja durchaus sein.
Aber wenn nicht……….
wäre deine Haltung (möglicherweise) suboptimal für eure weitere Beziehung.

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Re: ADHS erst nach der Pubertät???

Antwort von asclepiatina am 21.08.2021, 8:29 Uhr

Ja ADHS kann auch erst spät auffallen und durchbrechen...

Wenn ihr Medikamente geraten werden soll sie sich das Überlegen, denn meist rutschen genau diese “ich nehm keine Medikamente“ oder “ um himmelswillen mein Kind darf keine Medis nehmen“ in die Drogensucht! Denn.... die Menschen suchen sich dann den Ruhepol auf eine andere Art und Weise. Sie müssen runter kommen können. Stell Dir mal vor du bist im Unisaal, sollst dich konzentrieren. Hörst aber das Atmen deines Sitznachbarn laut der hinter dir hat nen Kuli der knirscht, nimmst genau so laut auf. Vor dir hat eine n lila Band in den roten Haaren, das trickert dich und der Prof hat n fehlenden Knopf am Hemd, trickert dich auch. Und deine Gedanken fangen an wie ein Fischschwarm bei Angriff auseinander zu stoben. Du schaffst es nicht den Gedanken an den Unterricht zu fassen der Fisch glitscht dir immer wieder aus den Händen. Deine Gedanken und Mühen dem Unterricht zu Folgen beschäftigen dich so sehr, das du dann gar nichts mehr mitbekommst. So in etwa geht es einem ADHSler!
Mein Sohn 8Jahre konnte in der Schule 2.Klasse keine 5Minuten mehr dem Unterricht folgen. Hab lange gezögert aber nun mit Medis kann er die 5h super durchhalten! Er ist ein 1er Schüler..

Versuche nicht dagegen anzusprechen, wenn in der Uni sowas diagnostiziert wird hat das seinen Grund und Richtigkeit. Akzeptiere das, les dich ein!! Unterstütze Sie, und mach es ihr nicht auch noch unnötig schwer....

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Danke für die Einblicke! Hilft sehr. o.T.

Antwort von Laufente123 am 21.08.2021, 23:34 Uhr

o.T.

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Danke auch an Maca und asclepetania!

Antwort von Laufente123 am 21.08.2021, 23:37 Uhr

Ok, viel zum Nachdenken!
Danke Euch.

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Re: ADHS erst nach der Pubertät???

Antwort von kea2 am 23.08.2021, 10:21 Uhr

Dass das so läuft, ist bei den über 40-jährigen eher die Regel als die Ausnahme.
Die haben sich oft ganz gut ohne Medikamente durchgeschlagen, bis sie bei ihren eigenen Kindern eine Diagnose erhalten und hellhörig geworden sind.

Damals hatte man bei AD(H)S nur die hyperaktiven Kinder im Focus, wenn überhaupt.
Die Träumer oder Mischformen wurden als Teil des Charakters gedeutet, bzw. als Unreife.

Es ist auch heute noch kein Problem für die ADS-Träumer ohne Diagnose "durchzurutschen" bis sie 20 sind.
Der Punkt ist, dass diese Kinder eher selten den Unterricht sprengen und ähnliches. Lehrer sind nicht ausgebildet, solche Kinder zu erkennen.

Viele von diesen Kindern glauben selbst, mit mehr Mühe ihrerseits seien ihre Probleme in den Griff zu bekommen und kommen damit nicht selten auf mittelmäßige oder sogar ganz gute Noten, wie wir damals auch.
Dann denken die Eltern, dass Kind sei eben verträumt, sensibel, ein bisschen langsam und manchmal zu impulsiv, komme aber ja klar.

Man findet auch immer noch viel, viel mehr Informationen über hyperaktive Kinder im Netz als über Träumer oder Mischformen.

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