Grundschule - nichts für Jungs?

Papa und Sohn spielen mit Autos

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Stillsitzen, Ausmalen und leise sein: Fähigkeiten, die in der Grundschule gefragt sind, mit denen sich Jungs aber oft schwer tun.

Warum Jungs mit der Grundschule - aber auch mit weiterführenden Schulen - mehr Probleme haben als Mädchen, hat viele Gründe.

Jungen wollen sich bewegen

Gerade das Stillsitzen fällt vielen Buben in der Grundschule schwer. Wenn Jungs zu lange sitzen müssen, kribbelt es den meisten buchstäblich in den Beinen und sie werden unruhig. Eine Ursache hierfür ist biologischer Natur: Testosteron, ein männliches Sexualhormon bewirkt, dass Jungs von Natur aus einen stärkeren Bewegungsdrang haben als Mädchen.

Grundschullehrer wissen das. Deshalb machen viele Lehrer in den ersten Grundschulklassen regelmäßig kleine Pausen zwischen den Unterrichtseinheiten. Die Kinder dürfen aufstehen, sich bei einem Spiel bewegen, singen oder tanzen, bevor es zur nächsten Unterrichtseinheit geht.

Manchen Jungs genügt das, andere würden am liebsten eine Runde um das Schulhaus rennen, um ihre Unruhe in den Griff zu bekommen. Pädagogen, die mit Zappel-Kandidaten gut umgehen können, beschäftigen sie deshalb mit Botengängen quer durchs Schulhaus. So bekommen die Jungs eine Extraportion Bewegung, ohne unangenehm aufzufallen.

Grundschule - Lerninhalte sind oft auf Mädchen abgestimmt

Aber auch durch ihr anderes Lern- und Arbeitsverhalten fallen Jungs oft unangenehm im Unterricht auf: Buben sind lauter als Mädchen, nehmen das Lernen nicht so wichtig, fordern dafür den Lehrer oder häufiger die Lehrerin mehr heraus und stören mit ihrem Verhalten den Unterricht. Manchmal ist aber auch Langeweile der Grund für auffälliges Verhalten: Ausmalen, basteln und mit Seidentüchern tanzen - das Grundschulprogramm gefällt Mädchen. Jungs können damit teilweise wenig anfangen, weil die Themen oder auch die Methodik ihnen nicht entsprechen.

Schule ist Frauensache

Wie Inhalte vermittelt werden, liegt dabei wesentlich an der Lehrkraft. An Grundschulen unterrichten fast 90 Prozent Frauen - ein Umstand, der sich natürlich auch auf den Unterricht auswirkt. Nur an Gymnasien ist der Anteil von männlichen und weiblichen Lehrern fast ausgeglichen. Doch Jungs orientieren sich nun mal an männlichen Vorbildern - und da tut sich die Lehrerin natürlich schwer.

Ein Schulsystem für Mädchen

Es gibt auch kritische Stimmen die meinen, Jungs werden nicht nur in der Grundschule, sondern im ganzen Bildungssystem benachteiligt. Wir haben ein Schulsystem für Mädchen, sagen Schulpsychologen und die Statistik gibt ihnen recht: Jungs werden seltener vorzeitig eingeschult als Mädchen, bleiben aber öfter sitzen und schaffen seltener das Abitur, als ihre fleißigen und angepassten Mitschülerinnen. Letztendlich verlassen sie häufiger mit einem niedrigeren Bildungsabschluss die Schule und gehen auch öfter ganz ohne Abschluss von der Schule, als gleichaltrige Schülerinnen.

Jungs brauchen Unterstützung

Verstehen Eltern und Lehrer es jedoch den "Jungs-Code" zu knacken und mit diesen Besonderheiten umzugehen, kann man Buben nachhaltig für Sachen begeistern. Die meisten wilden Kerle sind nämlich sehr wissbegierig, wollen Dingen auf den Grund gehen, sind experimentierfreudig und hinterfragen Sachverhalte kritisch. Wenn Lehrer es verstehen, diese Neugierde und diese Freude am Wissen und Erkennen zu mobilisieren, kann Schule auch für Jungs zum Kinderspiel werden.

Lesen Sie hier, wie man Jungs gezielt fördern und für die Schule motivieren kann.

Zuletzt überarbeitet: April 2019

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