Patchwork - Familien

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Geschrieben von Hellmauzi am 05.02.2021, 12:48 Uhr

Nach langen Jahren

Hi, ich bin selbst in eine Patchwork Familie aufgewachsen. Die Kindheit war nicht so toll, nein sie war einfach nur schlimm! Ich wünsche niemandem solche Zeiten! Ich habe jetzt noch Probleme, wenn ich daran denke, wie man so aufwachsen kann. Einzelheiten möchte ich nicht nennen. Ich selbst wurde von meiner Mutter, mein Stiefbruder wurde von meinem Stiefvater in die Ehe gebracht. Wir haben so ca 10 Jahre alle zusammengelebt bevor erst ich, dann mein Stiefbruder ausgezogen ist. (wir wurden rausgeworfen) Wir wohnen alle inzwischen woanders - die Eltern haben sich irgendwann scheiden lassen. Zu keinem von denen ist noch Kontakt da. Nicht mal zu meiner Mutter. Meinen Stiefbruder habe ich irgendwann mal besucht und festgestellt, wir haben nichts gemeinsames auch komme ich mit seiner Lebenseinstellung nicht zurecht. Letzter Kontakt war vor 5 Jahren. Nun hat er mich übers Internet gefunden und angeschrieben. Er würde sich gern mit mir treffen (nach - zig Jahren!) Ich möchte aber diesen Kontakt nicht mehr, ich habe inzwischen eine eigene Familie und null Interesse an frühere Zeiten. Die waren für uns beide blöd, nur das verbindet uns noch. Würdet ihr trotzdem zurückschreiben oder einfach nicht drauf reagieren? Ich bin so im Zwiespalt, einerseits tut er mir leid, vielleicht will er altes aufarbeiten, andererseits weiß ich, das bringt uns beiden nichts. Ich weiß nicht, ob jemand auch mal in so einer Situation war? Lg

 
13 Antworten:

Re: Nach langen Jahren

Antwort von spiky73 am 05.02.2021, 13:09 Uhr

Naja, frag halt zehn verschiedene Leute - und die meisten werden dir sagen, dass ihre Kindheit und Jugend ganz, ganz furchtbar war. Egal, ob man die Familie doof fand, Eltern, Geschwister, oder man das Gefühl hatte, in der Schule Außenseiter zu sein und von jedem gemobbt und ausgegrenzt zu werden. Und dass es irgendjemanden gibt, dem man irgendwas von damals noch Jahrzehnte später nachträgt und ihn deshalb nicht mehr sehen will. Dazu muss ja noch nicht mal was tragisches vorgefallen sein.

Fragt man dann die anderen - Familienmitglieder, Schulkameraden oder sogar diejenigen, die immer noch verteufelt werden, erfährt man eine ganz andere Geschichte, eine ganz andere Wahrnehmung der Situation und der betreffenden Person etc.

Gilt übrigens auch für mich, ohne selbst ins Detail zu gehen.

Du hast halt zwei Möglichkeiten: entweder bleibst du auf dem von dir eingeschlagenen Weg - oder eben nicht (und gibst dem Kontaktwunsch nach).
Aber falls nicht, was spricht denn dagegen, dem Stiefbruder fairerweise einfach eine kurze Nachricht zu schicken, dass man für die Kontaktaufnahme zwar dankt, die Vergangenheit aber hinter sich gelassen hat und nicht mehr daran rühren will? Gerne auch mit dem Hinweis, dass es keinerlei Animositäten seiner Person gegenüber gibt.
Ich meine, so habe ich das verstanden: Du hast ja nichts gegen ihn persönlich, schließlich wart ihr im gleichen Boot. Aber durch die zeitliche und räumliche Distanz ist eben die gemeinsame Vergangenheit das einzige, was euch verbindet. Und damit hast du abgeschlossen...

Keine Ahnung, ob dir das weiter hilft? :-)

Gruß,
Martina

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Re: Nach langen Jahren

Antwort von Limayaya am 05.02.2021, 14:36 Uhr

Ich denke, ich würde ihm einfach auf einen Kaffee die Chance geben, dir zu erklären, warum er mit dir den Kontakt wieder aufleben will.

Menschen können sich ändern...

Und wie du ja schon selbst schreibst: vielleicht will er die Vergangenheit aufarbeiten und braucht DEINE Wahrnehmung von damals, um da bestimmte Situationen überhaupt einschätzen zu können? Sprich: er will nich DICH zur Rechenschaft ziehen, sondern es geht eher in Richtung "damals, in der und der Situation, weißt du noch, wie das wieter ging (wie deine Mutter damals reagiert hat, wieso hat mein Vater dann das und das gemacht)..." Und falls er da dann trotzdem von dir Erinnerungen erhofft/erwartet, die du gar nicht haben willst, kannst du es ihm ja auch sagen. Einfach, dass du an diese Geschichten nicht ran gehen willst, weil es dir eben selbst nicht gut geht damit.


Vielleicht wirklich den Kaffee auf neutralen Ort verlegen (die paar Wöchelchen Lockdown kann er jetzt nach all den Jahren auch noch warten....), dann musst du ihn ja nicht wirklich "in dein Leben lassen". Und dann halt nach oder während des Kaffees entscheiden, ob du die Sache -egal welche- weiter führen willst, oder ihm freundlich aber bestimmt sagst, dass das für dich jetzt eine einmalige Begebenheit war und gut.

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"vielleicht will er altes aufarbeiten, andererseits weiß ich, das bringt uns beiden nichts

Antwort von Limayaya am 05.02.2021, 14:42 Uhr

....da muss ich allerdings wiedersprechen.

Ohne jetzt eure Geschichte zu kennen: wenn ER etwas aufarbeiten will, ggf. sich inzwischen sogar psychologischen Beistand geholt hat, um seine -vermutlich nicht gerade prikelnde- Kindheit aufzuarbeiten, weil ihn vielleicht das Erlebte bis heute belastet:
Da solltest du dir nicht anmaßen, von vorne herein zu beschließen, dass euch das beiden nichts bringt.

Sowas kannst du vielleicht für dich entscheiden, dass es DIR nichts bringt. Und wie ich schon oben geschrieben habe: wenn DU für dich selbst da nicht daran erinnert werden willst, ist es dein gutes Recht, dich auch nicht daran erinnern zu wollen.
Aber das heißt noch lange nicht, dass dieses Ruhenlassen der Erinnerungen auch für deinen Stiefbruder dir richtige Methode ist.

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Re: Nach langen Jahren

Antwort von Sternspinne am 05.02.2021, 18:26 Uhr

Ich wäre neugierig, ob nicht doch ein interessanter Austausch stattfinden kann.

Was doof war, muss ja nicht so bleiben. Er wird es vielleicht ähnlich sehen wie du, dann tut dir das möglicherweise auch ganz gut.

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Re: Nach langen Jahren

Antwort von kunstflair am 05.02.2021, 21:35 Uhr

Ich sehe das etwas anders als die meisten hier.
Wenn man erwachsen ist und es endlich kann (als Kind ist das nicht möglich), sollte man sich selber schützen vor all dem, was einem nicht gut tut.
Du willst nicht, sonst hättest du dir die Frage gar nicht gestellt.
Es gibt kein richtig oder falsch, weil für jeden - wie man hier liest - ein anderer Aspekt wichtig ist.
Ja, ich würde auf ein Treffen verzichten.
Erst wenn mir das alles nichts mehr ausmachen würde, dann würde ich ihn treffen.
Er hat keine Schuld an dem, was die vorheriger Generation verknorzt hat, aber du fühlst dich nicht wohl beim Gedanken daran, ihn zu treffen. Warum also solltest du es tun?
Alles Gute!

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Eine Stunde Lebenszeit wäre mir das wert...

Antwort von Bela66 am 06.02.2021, 10:14 Uhr

Hallo,

man weiß nicht, ob er überhaupt etwas „aufarbeiten“ will, das ist ja reine Spekulation und vielleicht auch Wunschdenken.

Ich denke trotzdem, dass Du Dich ein einziges Mal mit ihm treffen solltest (aber nicht bei Dir zu Hause). Nur um zu hören, was er will, und zu sehen, ob er sich verändert hat.

Denn wenn Du es nicht tust, wirst Du Dich immer mal wieder fragen, was er wohl gewollt haben könnte und ob es ein Fehler war, das Treffen abzulehnen. Erfahrungsgemäß kann man solche ungeklärten Dinge nämlich nicht abhaken, sondern sie beschäftigen einen unterschwellig weiter, oft jahrelang.

Deshalb würde ich einen Kaffee mit ihm trinken. Wenn er noch der Alte ist und Du merkst, es bringt nichts, dann bleibt es bei diesem Kaffee, Du wünschst ihm noch ein schönes Leben – und das war‘s. Wenn er Dich aber überrascht, weil sein Anliegen okay ist und sich bei ihm etwas verändert hat, dann kannst Du überlegen, was Du damit machen möchtest. Und ob Du einen losen weiteren Kontakt in Erwägung ziehen willst.

So oder so riskierst Du nichts und verlierst auch nichts. Eine Tasse Kaffee und eine Stunde Lebenszeit wäre mir die Sache wert.

LG

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Re: Eine Stunde Lebenszeit wäre mir das wert...

Antwort von kunstflair am 06.02.2021, 15:48 Uhr

Ich finde belas argumente lesen sich vernünftig, aber einen einwand habe ich: es gibt (schlechte) begegnungen von einer stunde, die mich lange beschäftigen.
Da verzichte ich lieber grad im voraus.

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Re: Nach langen Jahren

Antwort von Pamo am 07.02.2021, 15:49 Uhr

Ich bin neugierig und würde das Gespräch suchen.

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Re: Nach langen Jahren

Antwort von tonib am 08.02.2021, 9:07 Uhr

"Naja, frag halt zehn verschiedene Leute - und die meisten werden dir sagen, dass ihre Kindheit und Jugend ganz, ganz furchtbar war."

Das deckt sich überhaupt nicht mit meinen Erfahrungen - mit ganz wenigen Ausnahmen fanden alle ihre Kindheit toll und möchten gerne für ihre Kinder auch so etwas schaffen.

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Re: Eine Stunde Lebenszeit wäre mir das wert...

Antwort von tonib am 08.02.2021, 9:08 Uhr

Ich würde mich auch treffen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es so wirklich gar nichts Verbindendes gibt, aber ich bin natürlich nicht die Person, die das einschätzen muss.

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Selbst wenn du keinen Kontakt möchtest,

Antwort von blessed2011 am 08.02.2021, 20:59 Uhr

würde ich ihn nicht ignorieren. Du könntest eine nette Karte mit guten Wünsche schreiben aber eben auch, dass du für dich mit der Vergangenheit abgeschlossen hast, und nicht wieder Altes hervor holen möchtest. Das ist nicht persönlich gegen ihn, es dient dir und deiner Familie.

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Re: Nach langen Jahren

Antwort von NeleTwins2003 am 09.02.2021, 21:13 Uhr

Wenn du es wirklich nicht möchtest, dann sehe ich es wie Martina: Kurze Nachricht mit Danke, aber du ich hab damit abgeschlossen... Das ist nur fair und ehrlich. Ich habe auch lernen müssen Nein zu sagen, wenn mir etwas oder jemand nicht guttut und warum soll man sich mit etwas belasten, was lange vorbei ist? Es war jahrelang Funkstille und es geht dir gut damit, also tu was dein Herz dir sagt!

Alles Liebe!

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Re: Nach langen Jahren

Antwort von Mommy2be8.17 am 10.02.2021, 23:09 Uhr

Ich würde ihm zurückschreiben u. ihm sagen, dass kein Interesse besteht. Oder aber Du fragst ihn direkt, warum er auf einmal wieder Kontankt möchte.

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