Mehrsprachig aufwachsen

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von Ivdazo  am 21.03.2018, 13:10 Uhr

Ich habe die Wurzeln meiner Kinder gekappt....

Deine Kinder sind jetzt alt genug, um selber zu entscheiden, wo die Wurzeln sind. Sie können auch etwas dazu tun, um weiterhin mit Deutschland verbunden zu sein, es gibt heutzutage so viele Möglichkeiten: deutsche Bücher, Fernsehen, Internet, Radio... Mit der Familie telefonieren/skypen. Inwieweit die Kinder das nutzen, ist ihre Entscheidung, du kannst es ihnen nur ermöglichen.

Meine ältere Schwester und ich sind mit 10 und 14 nach Deutschland gekommen. Wir reden zu Hause mit der Familie russisch, untereinander teils/teils (aber auch manchmal Englisch, nur zum Spaß, weil wir das beide können). Wir lesen beide viel, in mehreren Sprachen, und nutzen russischsprachige Medien.
Sie hat sich fürs "Deutsch-Sein" entschieden, ich für meine Wurzeln.
Sie hat Deutschland von Anfang an recht gut akzeptiert (zumindest soweit ich weiß), ich habe mich dagegen gewehrt, wollte auch lange Zeit kein Deutsch mit ihr reden. Nach Jahren (so 8-9) habe ich dann gemerkt, dass ich zunehmend Fehler mache, wenn ich Russisch rede (Betonungen falsch, da ich die Wörter nur gelesen und nie gehört habe, viele Wörter sind mir nicht auf Anhieb eingefallen, etc.) Ich habe dann von mir aus Gegenmaßnahmen ergriffen: Bücher übersetzt (D->R), meiner Mutter vorgelesen, damit sie mich verbessert, Grammatikübungen gemacht, KEIN WORT mehr Deutsch zu Hause gesprochen. Da hatte ich zwar keine Antipathie mehr gegenüber Deutschland, aber ich wollte keinen Teil von mir verlieren.

Was ich damit sagen will: Mach Dir keine Vorwürfe! Kinder sind unterschiedlich, und hängen auch unterschiedlich stark an der Heimat. Lass sie selbst wählen, und unterstütze sie in ihrer Wahl. Zwingen kannst du sie ja sowieso nicht. Und (selbst wenn es von mir kommt): Es ist nicht schlimm, nicht deutsch sein zu wollen! ;-) Jeder weiß selbst am besten, wo er sich zu Hause fühlt! Irgendwann werden deine Kinder dankbar sein für die Erfahrungen, und auch für die Wahlmöglichkeit.

P.S.: Es tut mir leid, ich möchte weder jemanden beleidigen noch vor den Kopf stoßen. Ich finde Deutschland an sich toll. Es ist lediglich nicht meine Heimat.

 
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