Es ist Herbst und Winter, alle schniefen – und in den Kinderkliniken werden wieder viele Kinder mit schweren Atemwegsinfektionen behandelt. Auch das Respiratorische Synzytial-Virus, kurz RSV, spielt dabei eine wichtige Rolle und kann insbesondere für die Kleinsten zu einer erheblichen Belastung werden.1
RSV – häufige Infektion im Babyalter
Tatsächlich infizieren sich fast alle Babys im Laufe des 1. Lebensjahres mit RSV.2 Bis zum zweiten Geburtstag haben nahezu alle Kinder eine RSV-Infektion durchgemacht.2 Ob ein Kind daran schwer erkranken wird oder nicht, lässt sich leider nicht vorhersagen. Auch vollkommen gesunde Babys, die zum errechneten Geburtstermin geboren wurden und sich gut entwickeln, können schwer erkranken. Die meisten Einweisungen ins Krankenhaus durch RSV-Infektionen wurden bei ansonsten gesunden Babys verzeichnet.1
Hochsaison der Erkrankung: von Oktober bis März
STIKO-Empfehlung - Alle Säuglinge vor RSV schützten
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt seit Juni 2024 für alle Neugeborenen und Säuglinge in ihrer ersten RSV-Saison eine Prophylaxe zum Schutz vor schweren Atemwegsinfektionen durch RSV.[2,3] Laut einer Auswertung der STIKO sind RSV-Erkrankungen bei Säuglingen nach Einführung der Prophylaxe in der Saison 2024/25 im Vergleich zur Saison 2023/24 ohne die STIKO-Empfehlung um ungefähr die Hälfte zurückgegangen. Auch die Krankenhausaufenthalte von Säuglingen haben sich um ca. die Hälfte reduziert.4
"Alle Säuglinge, die zwischen April und September geboren sind, können nun einen Schutz vor RSV für ihre erste RSV-Saison erhalten. Neugeborene, die während der RSV-Saison geboren werden, sollen diesen Schutz möglichst rasch nach der Geburt erhalten, idealerweise bei Entlassung aus der Geburtseinrichtung. Hierzu bietet sich die Vorsorgeuntersuchung U2 an, die am 3. bis 10. Lebenstag durchgeführt wird. Weitere Informationen erhalten Eltern bei ihrem Kinderarzt oder ihrer Kinderärztin."
Rund ums Baby - Experte und Kinderarzt
Dr. Andreas Busse
Die passive Immunisierung kann einen unmittelbaren Schutz vor schweren RSV-Erkrankungen über die Dauer einer typischen RSV-Saison bieten.[5] Die Immunisierung kann gleichzeitig mit oder in beliebigem Abstand zu den im Säuglingsalter von der STIKO empfohlenen Standardimpfungen verabreicht werden.5 Neugeborene, die während der RSV-Saison zur Welt kommen, sollten idealerweise rasch nach Geburt noch vor der Entlassung aus der Klinik die Immunisierung erhalten. Dafür eignet sich zum Beispiel die U2. Säuglinge, die bereits im Frühjahr oder Sommer auf die Welt gekommen sind, sollten im Herbst vor dem Beginn ihrer ersten RSV-Saison zwischen September und November die Immunisierung in der kinderärztlichen Praxis erhalten.3,6 Eine weitere Möglichkeit ist die maternale Immunisierung, also die Impfung der Mutter in der Schwangerschaft. Dieser alternative Schutz des Neugeborenen über die Mutter wird derzeit aber nicht von der STIKO empfohlen.4,6 Laut STIKO steht mit der RSV-Prophylaxe eine wirksame und gut akzeptierte Alternative für den Schutz von Neugeborenen und Säuglingen zur Verfügung. Die STIKO wird ihre Empfehlung zur RSV-Prävention jedoch regelmäßig überprüfen, einschließlich einer möglichen RSV-Impfung in der Schwangerschaft, und bei Bedarf die Empfehlungen anpassen.4,6
RSV - was sollten Eltern darüber wissen?
Das Respiratorisches Synzytial-Virus (RSV) kann eine Infektion der Atemwege verursachen. Im 1. Lebensjahr kann diese zu typischen Entzündungen der kleinen Bronchien führen - "Bronchiolitis", bei älteren Kindern zur obstruktiven Bronchitis. Auch eine Lungenentzündung kann sich hieraus entwickeln. Das Virus ist in Deutschland vor allem in den Monaten von Oktober bis März weitverbreitet. Es wird vor allem durch Tröpfcheninfektionen aus den Atemwegen direkt oder seltener durch Kontakt mit Erregern über verunreinigte Oberflächen übertragen.2
Dagegen hilft: nach Möglichkeit Kontakt zu Menschen mit Erkältungssymptomen meiden, sich regelmäßig die Hände waschen und im Zweifelsfall eine Maske tragen, um die Übertragung des Virus zu stoppen.2
Gehen Sie besser frühzeitig mit Ihrem kranken Baby zum Kinderarzt oder zur Kinderärztin!
"Eltern sollten schon erste Beschwerden ernst nehmen: Wenn Ihr Säugling krank ist und Schwierigkeiten beim Atmen hat, sollten Sie nicht zögern, sich umgehend an Ihre Kinderarztpraxis, den Kindernotdienst oder die nächste Kinderklinik zu wenden."
Rund ums Baby - Experte und Kinderarzt
Dr. Andreas Busse
Eine RSV-Infektion beginnt zumeist wie alle „Erkältungen“ mit laufender oder verstopfter Nase und trockenem Husten.7 Oft kommen Fieber und Appetitlosigkeit dazu.7
Innerhalb von 1–3 Tagen wird zumeist der Husten deutlicher und produktiver, die Kranken atmen schneller und es kann zu einer Behinderung vor allem der Ausatmung kommen mit typischen pfeifenden oder zischenden Atemgeräuschen.2
Die Entzündung der kleinen Bronchien durch das RS-Virus (RSV-Bronchiolitis) bei Säuglingen kann sehr rasch zu einem verschlechterten Allgemeinzustand führen mit Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme (Trinkschwäche, Aufsteigen der Magensäure, Erbrechen) neben der beschleunigten Atmung, Husten und Atemnot.2
Dies ist dann ein absoluter Notfall: Das Baby muss umgehend in die Kinderklinik und intensiv überwacht werden.
MAT-DE-2403626-v3.0-10/2026