Prof. Dr. med. Christoph H. Lohmann

Prof. Dr. med. Christoph H. Lohmann

Kinderorthopäde

Prof. Dr. med. Christoph H. Lohmann ist als Orthopäde und Kinderorthopäde besonders spezialisiert mit der Behandlung von Babies und Kleinkindern. Eine besondere Erfahrung besteht in der Behandlung von Hüftdysplasien, Klumpfüßen, speziellen Bewegungsstörungen und anderen Fehlbildungen.

mehr über Prof. Dr. med. Christoph H. Lohmann lesen

Prof. Dr. med. Christoph H. Lohmann

Roentgenaufnahme bei Hueftdysplasie

Antwort von Prof. Dr. med. Christoph H. Lohmann

Frage:

Sehr geehrter Prof Lohmann,
Ich hatte ihnen bereits letzte Woche geschrieben (siehe Text unten). Es ist wirklich nicht so, dass wir die Hueftdysplasie nicht Ernst nehmen. Deshalb moechten wir sie ja bei Gelegenheit gerne einem Kinderorthopaeden in Deutschland vorfuehren. Leider muessen wir aber momentan mit dem irischen System leben und ich war mir einfach nicht sicher, dass die Roentgenaufnahme bei einem 4 Monate alten Kind eine sichere Diagnose ermoeglicht? Was meinen sie dazu? Waere ein Ultraschall in ihrem Alter besser?
Ich wuerde auch gerne verstehen, ob die gemessenen Winkel im Ultraschall und in der Roentgenaufnahme irgendwie miteinander in Bezug stehen oder nicht, da es fuer mich verwunderlich war dass jetzt beide Hueften den gleichen suboptimalen Wert hatten (waehrend ja die rechte Huefte in den Ultraschall-Untersuchungen vorher ok war).
In Deutschland werden glaube ich auch andere Therapie-Vorrichtungen verwendet, unsere Plastikschale ist schon sehr rigide und schraenkt unsere Tochter sehr ein. Ich bin mir auch nie sicher, ob sie richtig passt oder ob ich sie richtig anlege, denn sie scheint ihre Beine schon zum Teil in einen sehr unnatuerlichen Abspreizwinkel zu zwingen. Kann man da etwas kaputt machen, wenn die Beine in einer falschen Haltung fixiert werden? Deshalb ja auch meine Frage, ob wir gelegentlich Tragetuecher oder Carrier verwenden koennen, die die Beine in eine aehnliche Abspreizhaltung bringen (aber vielleicht bequemer sind).
Zu guter Letzt, gibt es Bewegungen, die wir mit den Beinen unserer Tochter besser nicht machen sollten, wenn sie aus der Schiene draussen ist? Ist es ok, ihre Beinchen an den Bauch zu druecken, wie z.B. um Blaehungen zu loesen?
Ich danke Ihnen im Voraus sehr fuer ihre Hilfe.


Sehr geehrter Prof Lohmann,
wir leben in Irland und unsere Tochter wurde am Tag nach ihrer Geburt mit einer 'dislocatable hip' diagnostiziert und hat dann sofort fuer 8 Wochen ein Pavlik Harness bekommen. Mit zwei Wochen waren ihre Werte im Ultraschall 53 Grad links und 63 Grad rechts, ein beta-Winkel wurde nicht bestimmt. Nach den 8 Wochen im Harness waren ihre Werte 60 Grad links und 73 Grad rechts. Beta-Winkel wurde wieder nicht bestimmt, aber ein Stress-Test ausgefuehrt, wo uns gesagt wurde dass die Huefte links auch sehr stabil sei. Dann durften wir das Harness entfernen, haben aber weiter breit gewickelt. Mit 4 Monaten wurde jetzt eine Roentgenaufnahme gemacht und ihre rechte und linke Huefte hatten angeblich beide einen Wert von 30 Grad (statt 28 und niedriger). Deshalb wurde uns jetzt geraten sie fuer 23 Stunden am Tag in ein 'Rhino abduction brace' zu stecken.

Ich habe einige Fragen:

1. Wie stehen denn die Winkel, die im Ultraschall und in der Roentgenaufnahme gemessen werden, miteinander in Verbindung? Oder stehen sie gar nicht in Verbindung? Wir fanden es etwas seltsam dass auf einmal die rechte Huefte, die ja immer ok war, den selben Wert wie die linke Huefte hat und auch leicht dysplastisch sein soll.

2. Nach meinen Recherchen hoert es sich so an, als ob eine Roentgenaufnahme in ihrem Alter (4 Monate) nicht sehr geeignet sei, um die Huefte ordentlich zu diagnostizieren? Ich habe von weitem auch nicht viel gesehen auf der Aufnahme ausser den Oberschenkelknochen... Sollten wir uns auf diese Diagnose verlassen, oder kann es gut sein dass ihre Hueften entweder besser oder schlechter sind als daraus geschlossen?

3. Wir ueberlegen, ob wir ihre Hueften einmal in Deutschland untersuchen lassen sollten. Koennten sie Kinderorthopaeden im Raum Oldenburg/Bremen/Hamburg, Hannover/Braunschweig, Berlin, oder Duesseldorf/Koeln empfehlen?

4. Ich bin etwas unsicher, ob wir ihr dieses Brace wirklich zumuten muessen oder ob es vielleicht reichen wuerde dass sie nachts in dem Brace schlaeft, da ihre Hueften ja -zumindest dieser Diagnose nach- nur sehr leicht dysplastisch sind? Sie weint tagsueber viel wenn sie in dem Brace steckt und kann sich ja auch kaum bewegen. Das bricht mir etwas das Herz, den sie hatte ja gerade angefangen sich viel zu bewegen und zu spielen. Es schien hier keine Abstufungen bei der Therapie-Empfehlung zu geben?

5. Gibt es Alternativen zum abduction brace fuer tagsueber, z.B. sie viel in einem Tragetuch oder im Ergobaby-Carrier zu tragen?

Ich bedanke mich im Voraus sehr fuer Ihre Hilfe!

von schrodem am 06.03.2014, 12:44 Uhr

 

Antwort auf:

Roentgenaufnahme bei Hueftdysplasie

Ich verstehe Ihre Verunsicherung - ich möchte nur betonen, wie wichtig eine Behandlung bei einer Dysplasie ist, auch wenn diese unangenehm ist/erscheint.
Wir in Deutschland bevorzugen im alter von 4 Monaten die Sonographie. Die Röntgenaufnahme wird erst nötig/sinnvoll, wenn die Hüftkopfkeren sicher ausgebildet sind - also ca. nach 12 Monaten. Bis dahin ist die Sonographie das bessere Verlaufkontrollverfahren, weil auch die Gelenkränder (Labrum, knorpeliges Dach etc.) besser beurteilt werden können, weil sie noch nicht verknöchert sind.
Gelenkwinkel im Röntgen und die Winkel gemessen in der Sonographie sind nicht identisch, entscprechen sich aber in ihrer Aussage.

Dennoch kann man jetzt auch noch in der Sonographie die Stabilität besser untersuchen.

Achten Sie darauf, dass bei Ihrer Tochter die Beinchen mind. 90 Grad in der Hüfte gebeugt werden. Die Abspreizung durch die Schiene sollte ca. 60 Grad haben. 90 Grad ist bei stabilen Hüften meist nicht nötig/sinnvoll.
Mit freundlichen Grüßen, C. Lohmann

von Prof. Dr. Christoph H. Lohmann am 09.03.2014

Mobile Ansicht

Impressum Team Mediadaten Nutzungsbedingungen Datenschutz Forenarchiv

© Copyright 1998-2021 by USMedia.   Alle Rechte vorbehalten.