Mama, Papa, was ist Krieg?

maedchen denkt nach

© Getty Images, k.A.

Die Bilder vom Krieg in der Ukraine machen uns Erwachsene betroffen – und auch Kinder spüren, dass etwas Bedrohliches passiert. Ängste, Verunsicherung und viele Fragen sind die Folge.

Fragen, die Eltern versuchen sollten entsprechend dem Alter ihres Nachwuchses zu beantworten. Aber wie erklärt man Kindern, was Krieg ist?

Zuhören und Gefühle ernst nehmen

Wichtig ist es, die Gefühle der Kleinen zu respektieren und ernst zu nehmen, ihnen zuzuhören und die Situation am besten möglichst nüchtern, ehrlich und mit klaren Worten zu erklären. Es wäre falsch, einfach zu beschwichtigen und Trauer, Angst oder Wut der Kinder wegzuwischen. Stattdessen sollten Eltern besser nachfragen, was genau ihrem Sohn oder ihrer Tochter Sorgen bereitet. Schon dieses Interesse von Mama oder Papa kann tröstend wirken.

Ein offener und kindgerechter Umgang mit Informationen und Bildern ist wichtig, findet auch Kinderpsychiaterin und UNICEF-Komitee-Mitglied Dr. Susanne Schlüter-Müller. Sie rät, ehrlich zu sein und keinen Platz für Phantasie lassen. Auch wenn es nicht einfach ist über bedrückende Themen zu sprechen, doch sie zu meiden kann dazu führen, dass sich Kinder allein gelassen fühlen und ihre Angst noch größer wird, heißt es auf den Seiten von UNICEF. „Nichts ist schlimmer, als Kinder ihren Fantasien zu überlassen. Denn wenn sie keine Erklärung bekommen, blühen die Fantasien und Ängste", warnt die Fachfrau.

Die emotionale Lage beachten und altersgerechte Erklärungen finden

Gehen Sie individuell auf die jeweilige emotionale Lage des Kindes ein und suchen Sie nach passenden Erklärungen. Mögliche Fragen an das Kind können beispielsweise sein: Was bringt dich auf die Frage? Welche Bilder hast du gesehen? „Das hilft dabei, ein Gefühl zu entwickeln, worum es dem Kind wirklich geht", erklärt Felicitas Heyne, Psychologin und Familientherapeutin.

Denn je jünger die Kinder sind, umso schwieriger sei es für Eltern herauszufinden, welche Sorgen dahinterstecken. Die Fachfrau rät dazu, alle Fragen des Kindes zu beantworten – aber nichts was nicht gefragt wurde. „Das bedeutet nicht, dass Eltern gezielt etwas verschweigen sollen, aber Eltern sollten nicht wie ein Lexikon alles zum Thema herunterrattern", rät Heyne. Eltern sollten natürlich bestmöglich auf das Alter und den Wissensstand des Kindes eingehen. Wie viele Informationen ein Kind sich insgesamt wünscht, ist von Kind zu Kind verschieden, manche wollen alles bis ins kleinste Detail wissen, andere geben sich mit wenigen Antworten zufrieden.

„Die Wahrheit muss unbedingt dem Alter, also der kognitiven und somit emotionalen Bewältigungsmöglichkeit der Kinder angepasst werden", betont auch Dr. Susanne Schlüter-Müller. „Kleineren Kindern (Vorschulalter und frühes Grundschulalter) könnte man zum Beispiel sagen, dass in der Welt gerade ein großer Streit stattfindet. Aber dass dort, wo es Streit gibt, auch Lösungen gesucht und gefunden werden, und dass die Kinder diese nicht selbst finden müssen“, schlägt sie vor. So können Eltern ihren Kleinen Sicherheit und Orientierung vermitteln.

Bleiben Sie sachlich!

Die Ausführungen sollten auf keinen Fall Panik verbreiten! Details oder schillernde Ausführungen sind tabu! Besonders kleine Kinder mit einer magischen Fantasie kreieren ohnehin leicht eigene Vorstellungen. Insgesamt sollten Eltern deshalb unbedingt betont sachlich bleiben. Trotzdem müssen sie ihre eigene Besorgnis aber auch nicht verschweigen. Es sei oft besser zu sagen: Ich mache mir auch manchmal Sorgen.

Man solle sich keinesfalls von den eigenen Gefühlen mitreißen lassen und diese direkt weitergeben, warnen auch die Experten von Schau hin!. Es versetze Kinder nur in Angst, wenn sie merken, dass diejenigen, die auf sie aufpassen sollen, selbst ratlos sind. Wilde Mutmaßungen schüren außerdem unnötig die Verunsicherung der Kinder.

Kindgerechte Medienangebote nutzen

Lass uns gemeinsam auf die Suche gehen nach Informationen, etwa in Kindernachrichten oder in Büchern, können Eltern ihren Kindern vorschlagen. So bieten sie eine Möglichkeit an, Sorgen abzubauen und Kinder lernen damit eine Coping-Strategie fürs Leben, berichtet Felicitas Heyne.

Kindgerechte Formate im Fernsehen können sehr gut dabei helfen, den Kleinen die Ereignisse zu erklären. Kindernachrichten wie „logo!“, „neuneinhalb“ oder Sendungen im Kinderradio „KiRaKa“ erläutern die Angriffe auf die Ukraine, so Die Initiative „Schau hin! Was Dein Kind mit Medien macht“. Sie sollten gemeinsam mit den Kindern geschaut werden, betonen die Medienexperten. Ältere Kinder können sich auf der Website frieden-fragen.de zu Fragen von Krieg und Gewalt austauschen.

Ausreichend Zeit lassen: Bilder nicht mit ins Bett nehmen

Das Gespräch über den Krieg in der Ukraine sollte immer dann stattfinden, wenn Kinder danach fragen. Aber falls möglich schauen Eltern mit ihrem Nachwuchs am Nachmittag gemeinsam die Kindernachrichten – so bleibt noch Zeit, um danach darüber zu sprechen. Die Kinder haben Zeit, um die Informationen zu verarbeiten und nehmen die Bilder nicht direkt mit ins Bett. „Tauchen die beunruhigenden Fragen doch kurz vor dem Schlafen auf, sollten die Eltern sie natürlich beantworten", sagt Heyne. Anschließend solle man aber noch eine kleine Einheit mit etwas Positivem einplanen, etwa die Lieblingsgeschichte lesen.

Selbst aktiv werden

„Vielen tut es gut, wenn sie selbst aktiv werden können", berichtet Psychologin Felicitas Heyne. So bekommen sie das Gefühl, sie können etwas bewirken. Mit kleinen Kindern können Eltern etwa eine Kerze für die Kinder im Kriegsgebiet anzünden. Die Medienexperten von Schau hin! empfehlen Müttern und Vätern, sie könnten ihre Kinder dazu anregen, ihre Gefühle in einem Bild oder in einer Geschichte auszudrücken.

Manche Familien möchten vielleicht auch konkret etwas tun. Jede Hilfe ist wichtig – sei es das Kuscheltier, das ein Kind abgeben möchte, ein Zimmer, das eine Familie zur Verfügung stellt oder eine Summe, die gespendet wird. Mit Spenden unterstützt auch UNICEF Familien und Kinder aus der Ukraine. Eine Möglichkeit zum Spenden und viele weitere Tipps und Beratungsangebote bietet die Institution unter www.unicef.de/ueber-krieg-sprechen.

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