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Geschrieben von Schniesenase am 29.09.2019, 23:11 Uhr

Toilettengänge während des Unterrichts

Hi,

bei uns an der Schule (Sek I und II) war es eine Jahrgangsteamentscheidung, dass Toilettengänge in der Stunde untersagt werden. In dringenden Ausnahmefällen haben wir es natürlich dennoch erlaubt. Was soll man schon machen, wenn jemand wirklich mal muss? Man stand aber als Lehrerin schon blöd da, wenn man etwas lässiger damit umging, weil es ja ein Jahrgangsbeschluss war und andere Lehrende sich dann immer anhören konnten, dass andere das auch zuließen.

Ich persönlich sehe das etwas differenzierter. Wenn mein Unterricht so aufgebaut ist, dass es längere Phasen gibt, in denen die Schüler eigenständig an ihren Wochenplänen oder am epochalen Unterricht arbeiten, dann können sie auch selbst entscheiden, wann sie auf die Toilette gehen und ob das in ihrem Zeitplan noch drin ist. Wenn ich darin mal Phasen habe, bei denen die Anwesenheit aller Schüler notwendig ist, kann ich die betreffenden Schüler bitten, sich noch kurz zu gedulden, bis diese Phase vorbei ist, falls sie es hinbekommen.

Wenn mein Unterricht aber stark lehrerzentriert ist, stört jeder Toilettengang immens, und Toilettengänge werden als Flucht- oder Protestmittel genutzt. Zugleich bin ich als Lehrerin sehr gefordert, weil alles jede Sekunde von mir abhängt und ich eine ganze Klasse an der Angel haben muss, und das mit einem gleichen Thema, das nicht jeden gleich interessiert. Ich muss also die Schüler disziplinieren, es sei denn, ich wäre eine Lehrkraft mit außergewöhnlichem Charisma, die die Schüler entsprechend so lange fesseln kann. Ich selbst habe in meiner Ausbildung gelernt, dass Stunden Phasen haben und alles minütlich geplant wird, was geschehen soll. Da gibt es dann zwar Differenzierungsmöglichkeiten, aber weiter ist das nicht gegangen. Ich habe mich - zumindest im Grundschulbereich, wo Lehrende meist mehrere Fächer in einer Klasse unterrichten können - weitgehend davon gelöst und epochal, mit Plänen oder größeren Projekten gearbeitet, oft fächerübergreifend und je nach Möglichkeit der einzelnen Kinder sehr unterschiedlich in der Dosierung der Lehrerkontrolle. Das führte dazu, dass ich nach der Pause in die Klasse kam und fast alle arbeiteten, weil sie es eben eigenverantwortlich taten. Einige brauchten dann besondere Schützenhilfe, viel ließen sich durch Mitschüleren helfen, und so entstand die Frage nach Toilettengängen gar nicht. Wer musste, ging, und arbeitete dann weiter. Das störte dann auch niemanden, weil die Sitzordnung eh aufgelöst war und teilweise im Flur oder woanders gearbeitet wurde. Es ist toll, sowas zu erleben, aber nicht alle Lehrenden haben diese Erfahrung gemacht und folgen eben noch ihrer Ausbildung, die ihnen oft eine unmögliche Rolle gibt, insbesondere bei besonders großen Unterschieden der Lern- und Leistungsfähigkeit in ihrer Klasse bzw. großen Klassen.

Ich habe übrigens in den Anfängen auch mit Toilettengutscheinen gearbeitet. Wer seine aufgebraucht hatte, musste sich dann mal im Beisein der Eltern erklären, warum er oder sie so oft "musste". Später habe ich die Kinder direkt im Einzelgespräch gefragt, dass mir auffiele, sie gingen so oft zur Toilette und ich den Eindruck hätte, sie wichen damit der Situation in der Klasse aus und warum das wohl ihrer Meinung nach so sei. Mir ging es darum, die Situation so zu ändern, dass die Kinder das nicht nötig hatten.

Es ist eine Grundsatzfrage, aber der Umgang mit Menschen in der Schule hängt auch davon ab, wie "groß" ich sie werden lasse, ob ich ihnen eine Menge Eigenverantwortung gebe und zutraue oder ob ich sie eben an der Angel hängen lasse.

Die Lehrerin des betroffenen Kindes macht sich das Leben schwer, weil sie keine anderen Mittel kennt bzw. sich nichts anderes vorstellen kann.Die Verweigerung von Gesprächen zeigt, dass sie sich unter sehr viel Druck sieht und in der Defensive ist. Das ist bedauerlich. Eine Supervision mit entsprechenden Hilfsangeboten würde hier weiter helfen als eine disziplinarische Maßnahme oder schulamtgesteuerte Inquisition.

Als Eltern würde ich in so einem Fall immer wieder eindringlich das Gespräch suchen und der Lehrerin unsere Unterstützung anbieten.

Ich hoffe, bei Euch wird eine Lösung für dieses Problem gefunden, die für alle gut ist. Was katastrophal wäre, wäre, wenn die Lehrerin nun verboten bekäme, so weiter zu machen, ohne dass ihr Hilfsangebote gemacht würden bzw. ihre Not ebenfalls bearbeitet würde. Dann nämlich hätten die Schüleren, die auf Krawall gebürstet sind, gewonnen, und das wüssten sie dann auch. So etwas hilft niemandem.

Alles Gute!

VG Sileick

 
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