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Geschrieben von AG1970 am 28.11.2005, 13:32 Uhr

Sohn will nicht....

Hallo an alle!

Wäre für ein paar Ratschläge seeehr dankbar:
Mein Sohn, 1. Klasse, hat keine fachlichen Probleme, d.h. er liest gut, er kann alle gelernten Wörter schreiben, rechnet gut. Allerdings hat die Lehrerin seit Anfang an schon ein massives Problem mit ihm, weil er manche Dinge einfach nicht macht. Beispiele: Sätze abschreiben von der Tafel. 4 x weigert er sich, so lange, bis sie neben ihm sitzt, das 5. Mal klappt es. Turnen: Spiele mag er nicht, also spielt er nicht.

Wir hatten mittlerweile 3 Gespräche mit der Lehrerin, vor Weihnachten werden wir noch ein viertes haben - dann das 1. Mal im Beisein meines Sohnes.

Die Lehrerin meint, er vergibt sich so viele Chancen, weil er wirklich gescheit ist, aber sich immer wieder so verhält.

Das Verhalten zeigte er anfangs im Hort auch, allerdings habe ich das Gefühlt, die Betreuerinnen konnten diesbezüglich besser handeln und es gibt keine Probleme mehr. Zu Hause bockt er natürlich auch immer mal, aber niemals in diesem Ausmaß. Auf die Frage, wie wir sie unterstützen könnten, hatte die Lehrerin eigentlich keine richtige Antwort...

Wir sind ehrlich etwas ratlos. Manchmal denke ich mir, alle Kinder lassen sich einfach nicht in unser vorgegebenes Schulsystem pressen, und ein etwas offeneres Modell wäre für meinen Sohn vielleicht besser (Montessori oder ähnliches). Aber das nützt mir nichts, weil wir in unserer Umgebung solche Schulen nicht haben.

Vielleicht hat jemand ein paar Gedanken dazu, würde mich sehr freuen.

LG Andrea

 
2 Antworten:

Re: Startschwierigkeiten...

Antwort von Astrid am 29.11.2005, 10:30 Uhr

Hallo Andrea,

hm, ich würde das nicht überbewerten. Es klingt so, als ob Dein Sohn altersbedingt noch kleinere Defizite im Sozialverhalten hätte. Und zwar in dem Sinne, dass er noch nicht erkennen kann, dass Schule u.a. darauf basiert, dass man tut, was die Lehrerin sagt ;-) Der Sohn meiner besten Freundin ist auch dieses Jahr eingeschult worden und ist genauso: Er macht manche Dinge einfach nicht. Er steht sogar manchmal mitten im Unterricht auf und möchte dann gehen. Auch dort gab es schon mehrere Eltern-Gespräche und Ratlosigkeit...

Bei manchen Kindern dauert es einfach ein bissel länger, bevor sie die neuen Regeln an der Schule erkennen und befolgen können. Zu Hause sind sie es ja gewohnt, dass sie alles mit der Mama erstmal ausdiskutieren können und es auch oft klappt, sich zu widersetzen (was ja dort auch mal sein darf). Da ist es schwer nun zu begreifen, dass es in der Schule über bestimmte Dinge eben keine Diskussion mit jedem einzelnden Kind geben kann.

Dass die Erzieherin im Hort damit besser klarkam, ist für mich kein Argument gegen die Lehrerin. Die kann schon aus Zeitmangel nur schwer auf jedes einzelnde Kind ausführlich erzieherisch einwirken, sie soll ja auch Wissen vermitteln - das müssen Hort-Erzieherinnen nicht. Die haben viel mehr Freiheit in der Gestaltung des Tagesablaufs und können sich auch mal einem Kind ganz allein widmen.

Ich würde Eurem Sohn einfach noch etwas Zeit geben. Genau wie Du sagst müssen ja alle Kinder im ersten Schuljahr plötzlich dieselbe Verhaltensnorm erfüllen, egal wie unterschiedlich sie in ihrem Wesen und ihrem Entwicklungsstand sind. Abweichungen finde ich im ersten Schuljahr daher normal.

Vielleicht könntest Du Deinen Sohn aber unterstützen, indem Du ihm zu Hause kleine, aber regelmäßige Aufgaben überträgst. Das macht nicht nur stolz, es hilft ihm auch, Zuverlässigkeit und Regelmäßigkeit zu lernen. Er sieht dann, dass man Dinge auch dann zuverlässig machen muss, wenn man mal gerade KEINE Lust dazu hat - weil z.B. eine Topfblume sonst vertrocknet. Dies würde ihm auch in der Schule zugute kommen.

Ich glaube nicht, dass ein Wechsel zu einer anderen Schulform nötig ist - das würde ihm den Schulstart zusätzlich erschweren, weil er ja nunmal bereits in der Regelschule eingeschult ist und sich eingewöhnt hat. Auch würde man damit seine Probleme überbewerten, finde ich.
Und egal welche Schulform man wählt - irgendwann muss er ja trotzdem lernen, dass man als Schulkind (leider ;-)) nicht mehr nur nach dem Lustprinzip leben kann - was ja im Leben auch generell gilt. Man wirft nicht umsonst z.B. der Waldorfschule vor, dass sie Kindern diesen Lernprozess vorenthält, weil dort nur nach dem Lustprinzip gehandelt wird. Spätestens beim Eintritt ins "richtige" Leben scheitern diese Schüler daher überdurchschnittlich oft. Mein Cousin ist ein Waldorfschüler gewesen (meine Tante ist Waldorflehrerin). Das Ergebnis seiner Schullaufbahn: Kein Schulabschluss, mehrere abgebrochene Ausbildungen und Alkoholprobleme, obwohl er begabt, sensibel und intelligent ist. Er hört immer sofort mit etwas auf, sobald es Anstrengung oder Durchhaltevermögen erfordert.

Klar gilt das natürlich nicht für alle Waldorf-Schüler, aber ich kenne außer ihm noch mehrere andere, wo es ähnlich lief.

Langer Rede kurzer Sinn: Hilf Deinem Sohn, auf der jetzigen Schule mit der Zeit besser klarzukommen, wirst sehen, in drei Jahren kannst Du Dir die jetzigen Probleme gar nicht mehr vorstellen. Und noch ein Trost: Der Vater von dem kleinen Sohn meiner Freundin, den ich oben erwähnt habe, war als Erstklässler absolut genauso. Er ist jetzt ein sehr engagierter Facharzt in eigener Praxis und ein sehr guter, gelassener Familienvater und vielseitig interessierter Mann.

Liebe Grüße,

Astrid

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Re: Startschwierigkeiten...

Antwort von AG1970 am 29.11.2005, 11:05 Uhr

Hallo Astrid!

Vielen Dank für Deine ausführliche und beruhigende (!) Antwort.

Im Prinzip sehe ich es auch so, wie Du beschrieben hast, man ist nur im Moment so hilflos, v.a. wenn's das eigene Kind betrifft. Die Anregung mit den Aufgaben, die er zu Hause übernehmen soll, finde ich sehr gut. Zum Teil haben wir es in letzter Zeit schon so gemacht, sollten wir vielleicht verstärken.

Liebe Grüße
Andrea

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