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Geschrieben von sechsfachmama am 13.09.2005, 21:55 Uhr

an kaddijj1

Hallo,
hab leider erst gerade deine Frage gelesen, wollte aber jetzt neu posten, damits nicht untergeht!
Sagen wir mal so - dein Sohn und meine Tochter gleichen sich diesbezüglich völlig. Ich will mal bissel erzählen.
Unsere Tochter (klein und zierlich, bei der Einschulung grad so 113 cm, jetzt mit 10 ist sie 126) hat am 16.6. Geburtstag. Ich fand, es ist zu früh, sie einzuschulen, lt. den Untersuchungen war sie aber schulreif. Ich sagte, mir wäre es lieber, sie würde ein Jahr in die Vorschule gehen, auch um körperlich noch bissel aufzuholen. Antwort der Direktorin: ach, das macht nichts, die schafft das schon und sollte es wirklich Probleme geben, dann können wir sie auch wieder ausschulen (wie erniedrigend für ein Kind ...). Wir haben uns dann überreden lassen - gut vielleicht hat sie Recht - und sie eingeschult.
Das erste Jahr war gut, da konnte man ja alles mit Fingerzählen in Mathe noch abdecken ...
Im zweiten Jahr gingen die Schwierigkeiten los. Kein Verständnis bei Sachaufgaben in Mathe, alles was mit den Fingern nicht zu machen war, ging so gut wie gar nicht, Deutsch unendlich viele Rechtschreibfehler usw.
Als ich das mitkriegte, bin ich zu so einer Infoveranstaltung gegangen, wo über Lese- und Rechenschwäche mal erzählt wurde (von einem Institut, die sauteure Nachhife anbieten) - und bei der Liste der Merkmale für Rechenschwäche konnte ich alle Punkte abhaken, weil sie zutrafen.
Hab dann mit der Dir. geredet - naja, das ist bestimmt nur vorübergehend. Hab im Schulamt nachgefragt - diesen Test, ob ein Kind diese Schwächen hat, kann man kostenlos vom Schulamt machen lassen, die kommen in die Schule. Die Dir. versprach mir, wenn die anderen Kinder aus ihrer Klasse, die ebenfalls "auffällig" waren, diesen Test machen, dann kann sie mit dazu. Die Tests wurden nie gemacht, die anderen drei Kinder auf die Sonderschule geschickt ... (Gründe kenne ich nicht).
Meine Tochter schaltete grundsätzlich bei sämtlichen Bemühungen meinerseits, mit ihr zu üben, auf total stur und Durchgang. Man versucht es so und so und nochmal anders zu erklären - null Chance. Sie "bockte" (es ist kein bocken, nur völliges Abblocken, weil das Kind überfordert ist), es endete letztlich in Streit - Mutti ist blöd, Papa kann das viel besser (wenn er mit ihr übte, dann war er auch der blöde ...) und unterm Strich hat sie nix gelernt dadurch, nur Nerven gelassen, Tränen vergossen usw.
Sie wiederholte die zweite Klasse (erst Deutsch 3, Mathe 4, dann bei der Wiederholung D 2, M 3), in der dritten sackte sie wieder ab, es war wieder dieser Kampf, wenn auch nicht ganz so extrem, weil ich einfach dann nicht mehr verbissen gekämpft habe, wie davor in den Jahren. Sie holte ihre guten Noten im mündlichen, praktischen usw.
Da ich mehrere Bekannte habe, die ähnliche Probleme mit den Kindern hatten und diese psych. Tests haben machen lasse (um der Sache mal auf den Grund zu gehen), habe ich mich auch beim Psych. angemeldet und über die Sommerferien haben wir das alles durchgemacht. Meine Freundin warnte mich schon vor, dass bisher alle, die dort waren (und die sie kannte) mit der gleichen "Bescheinigung" wiederkamen - bitte das Kind auf die Förderschule!
Genauso war es auch bei uns - sie machte die ganzen Tests (nach Harwig oder so ähnlich) und lt. den Tests hat sie ein absolut unterdurchschnittliches Lernmaß, eine total Lernbehinderung in allen Bereichen und einen IQ von 79.
Die Psychologin riet mir in einem Gespräch, das Kind dringend auf die Förderschule zu schicken, weil sie beim Lernen totale Probleme hat und sie ja auch wenig Erfolge zu verzeichnen hat usw.
(das kannte ich doch schon von den anderen ...)
Meine Tochter hatte das mitbekommen und obwohl ich ihr sagte, dass sie nicht auf die Förderschule geht, glaubte sie es eine ganze Weile.
Die Tochter einer Bekannten (gleicher "Weg" wie der beschriebene) war erst total schlecht in der Schule - 4. Klasse, noch nicht verstanden, wie die Uhr geht, Lese-und Rechenschwäche usw., hat mit Logopädie und Nachhilfe eine totale Verbesserung durchgemacht - sie geht in die Mittelschule in steht in Dt. auf zwei ...
Bei einer anderen wiederum war die Förderschule wirklich unumgänglich und für das Kind eine wirkliche Erleichterung.
Unsere Tochter jedoch weiß sich sprachlich gut auszudrücken, lernt seit drei Jahren ein Instrument, kann mir die Küche "schmeißen", wenn ich paar Stunden außer Haus bin (Beispiel: Vesper für alle machen, Kaffee kochen, Tisch abräumen, Geschirrspüler ein- und ausräumen, Abendbrotschnitten für alle schmieren, Tee kochen, das Baby füttern und wickeln ...) - nicht das jetzt der Eindruck entsteht, sie mache meine ganze Arbeit, nein, sie reißt sich förmlich manchmal drum, das alles machen zu dürfen (wenn sie nicht schulisch voll eingespannt ist) und behält auch voll den Überblick. Sie bettelt mich, dass sie im Haus wischen darf (und macht es auch ordentlich), sie hält Ordnung in ihren ganzen Schulsachen, räumt ihre Wäsche selbstständig ein (Mama hilft hin und wieder mal bissel und rückt die Stapel grade), sie ist hilfsbereit, umsichtig, weiß sich fast immer zu helfen usw.- bitteschön, wo kommt dieses Testergebnis her?
Zum Beispiel sollte sie so Kärtchen mit einer Bildgeschichte sortieren oder auch suchen, welche Teile auf einem Bild fehlten - das hat sie wohl ganz schlecht bewältigt und viel zu langsam. Ich hab sie dann mal gefragt, warum sie bei einigen Sachen so oder so gearbeitet hat. Antwort: einiges habe ich gar nicht verstanden (was der da gesagt hatte oder auch nicht verstanden, was sie machen sollte) - aber sie hat sich nicht getraut, nachzufragen. Oder es gab Sachen, da wusste sie eigentlich genau, dass dieses oder jenes falsch ist, was sie gemacht hatte, aber sie hatte einfach keinen Bock, noch was dran zu ändern.
Das diese Tests eine Hilfe sein können - ok, aber dass man daraus der Weisheit letzen Schluss ziehen kann - vergiss es.
Dieses Abblocken ist eindeutig ein Zeichen der totalen Überforderung. Frag doch auch mal beim Regionalschulamt nach, die haben auch Tests, die aber wohl anders sind als dieser Harwig (der wohl ein "milder" Test sein soll).
Nach dem ganzen hab ich mal im Netz recherchiert und bin auf interessante Ansätze gestoßen.
Z. B. (von einem Institut, welches sauteure Hilfsmittel anbietet) wenn ein Kind lesen und schreiben lernt, aber der Bereich im Gehirn, wo das eigentlich abgespeichert wird, noch nicht fertig ist (weil Kind noch nicht reif dafür), dann wird es das zwar lernen, aber es wird woanders abgespeichert und niemals mit dem anhaltenden Ergebnis, als wäre es gleich an der richtigen Stelle gelandet. Das Kind muss noch einmal durch sehen, tasten, fühlen, schreiben die ganzen Buchstaben räumlich erfassen, begreifen und dann an der richtigen Stelle abspeichern, erst dann bringt es was.
Und dann schrieben die auch, dass es völlig sinnlos ist, für ein Diktat so zu üben, dass man dem Kind Text diktiert und es dann schreibt (weil es das ja nicht visuell erfassen kann), besser ist es, das Kind schreibt jeden Tag 15 min an der Schreibmaschine oder am Computer irgendeinen Text ab. Durch das visuelle Erfassen der Buchstaben ist das Üben so viel erfolgreicher, als das diktierte Aufschreiben. (das sollte man wohl durchgängig machen, dadurch könnte man die Deutschleistung viel verbessern).
Hab letzten Herbst mal mit meiner Tochter für ein Diktat geübt, nur Wörter, die sie schon alle gerade in der Schule hatten, paar lustige, sinnlose Sätze draus gemacht usw. - sie hatte in 1,5 A5-Seiten um die 45 Fehler ... was bringt ihr und mir denn das dann?

Ich hoffe, ich konnte dir bissel weiterhelfen und du kannst vielleicht dir was rauslesen?

Gruß Gabi

 
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