Mögliche gesundheitliche Folgen einer Frühgeburt

Mögliche gesundheitliche Folgen einer Frühgeburt

In Deutschland werden jedes Jahr etwa 63 000 Babys vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren - 8000 davon sogar vor der 30. Schwangerschaftswoche.

 

Je unreifer ein Frühgeborenes ist, desto höher ist das Risiko, dass die Kinder an schweren gesundheitlichen Komplikationen und Beeinträchtigungen leiden.

Überlebenschancen von Frühgeborenen

Im Vergleich zu reif geborenen Kindern tragen Frühchen ein höheres Sterblichkeitsrisiko. Laut Statistik überleben 60 Prozent der sehr kleinen Frühchen, die mit einem Geburtsalter von 24 Schwangerschaftswochen zur Welt kommen. Kinder, die vier Wochen später geboren werden, haben eine 90-prozentige Überlebenschance. (Mortalitätsraten des Vermont Oxford Networks) Im Hinblick auf die Überlebens- und Entwicklungschancen der Kinder, kommt es auch darauf an, wo das Frühchen zur Welt kommt. Große Perinatalzentren der Versorgungsstufe 1 und 2 sind mit einer speziellen Frühgeborenen-Intensivstation ausgestattet und verfügen über erfahrenes Personal. Hier haben besonders unreife Babys die größten Überlebenschancen.

Mögliche gesundheitliche Probleme bei Frühchen

Bei einer Geburt vor der 32. Schwangerschaftswoche sind bis zu 40 Prozent der Kinder von medizinischen Problemen betroffen. Ein Kind, dass weit vor dem errechneten Geburtstermin zur Welt kommt, ist für das Leben außerhalb des Mutterleibs noch nicht vorbereitet. Je früher es geboren wird, desto unreifer sind seine Organsysteme. Besonders Gehirn, Lunge, Darm, Nieren, Herz und Immunsystem können ihre Aufgaben noch nicht voll übernehmen. Deshalb kann es zu unterschiedlichen Komplikationen kommen. Eine Langzeitstudie von sehr kleinen Frühgeborenen, die mit einem Gewicht von unter 1000 Gramm zur Welt kamen, zeigt, dass etwa die Hälfte der Kinder sich normal entwickeln. Etwas mehr als ein Drittel weist Entwicklungsdefizite auf und etwa 16 Prozent sind schwerbehindert.

Besonders häufig sind Atemprobleme. Weil die Lunge von Frühchen unreif ist, kann nach der Geburt Sauerstoffmangel auftreten. Wichtige Entwicklungsprozesse des Gehirns können nicht im schützenden Mutterleib stattfinden. Das kann langfristig die Gehirnentwicklung auf vielfältige Weise stören. Auch die zarten Blutbahnen im Gehirn sind noch nicht auf die Druckverhältnisse außerhalb des Mutterleibs ausgelegt. Deshalb kommt es bei manchen Kindern zu Hirnblutungen. In schweren Fällen können diese Hirnblutungen das Hirngewebe schädigen oder Krampfanfälle auslösen.

Eine Langzeitstudie von Frühgeborenen, die vor der 28. Woche zur Welt kamen, hat ergeben, dass es auch auf das Geschlecht der Kinder ankommt, wie sie sich entwickeln. Jungs haben der Studie zufolge doppelt so häufig dauerhaft Probleme wie Mädchen. Dabei gehen Untersuchungen davon aus, dass die Gehirnentwicklung von Jungs zeitlich im Mutterleib etwas später stattfindet als bei Mädchen.

Bei den Augen kann es bei Frühchen zu Netzhauterkrankungen und Einblutungen kommen, die ein geschwächtes Sehvermögen zur Folge haben können. Weil das Immunsystem anfälliger für Infektionskrankheiten ist, können Infektionen, Blutvergiftungen und Darmentzündungen auftreten.

Zu früh geborene Kinder sind bis zu viermal häufiger von Verhaltensauffälligkeiten betroffen. Am häufigsten sind soziale Probleme im Umgang mit Gleichaltrigen, Ängste, ein geringeres Selbstbewusstsein sowie psychomotorische Auffälligkeiten wie Unruhe und ein schlechtes Konzentrationsvermögen.

Therapien helfen

Um Entwicklungsdefizite möglichst früh zu erkennen, sollten sehr unreif geborene Kinder beziehungsweise solche mit sehr niedrigem Geburtsgewicht regelmäßig entwicklungsneurologisch und entwicklungspsychologisch untersucht werden. Sollten Auffälligkeiten erkennbar sein, kann das Kind frühzeitig mit einem individuellen Therapiemaßnahmen unterstützt werden.

Intensive Therapien, wie Krankengymnastik, Ergotherapie und Logopädie können Entwicklungsdefizite mindern. Auch Legasthenie-Therapie kann im Schulalter Frühgeborenen helfen, mit ihrem Lern-Handicap in der Schule besser umzugehen.

Jedoch müssen sich Eltern von Frühchen, die an einem Entwicklungsdefizit leiden, darüber im Klaren sein, dass sie die wichtigsten Therapeuten für ihr Kind sind. Der Bundesverband "Das frühgeborene Kind" geht davon aus, dass 30 Prozent des Entwicklungserfolgs auf die Förderung durch die Eltern zurückgeht. Eltern sollten sich bei Entwicklungsauffälligkeiten ihres Kindes deshalb unbedingt Unterstützung von externen Therapeuten holen und sich beraten lassen, damit die Entwicklung ihres Kindes gut vorangeht.

Frühförderung für Frühchen

Unter Frühförderung versteht man heilpädagogische Hilfe für entwicklungsauffällige Kinder - ganz egal ob sie Frühchen sind oder reif geboren wurden. Frühförderung kann im Säuglingsalter beginnen und bis zum Schuleintritt dauern. Bei der Frühförderung geht es nicht nur darum, einzelne Defizite des Kindes z. B. in der Wahrnehmung oder bei der Motorik gezielt und so früh wie möglich zu schulen, sondern das Kind ganzheitlich und personenzentriert zu unterstützen. Dabei versuchen die Pädagogen gezielt Stärken des Kindes zu stärken und neue Fähigkeiten zu entwickeln. Frühpädagogen beraten auch die Eltern, wie sie im Alltag am besten mit den besonderen Bedürfnissen ihres Kindes umgehen können.

Je nach Bundesland gibt es unterschiedliche Verwaltungskriterien, wo und wie die Eltern Frühförderung für ihr Kind beantragen können. Bundesweit einheitlich geregelt ist jedoch, dass Frühförderung für alle betroffenen Familien kostenlos ist - unabhängig von den Einkommens- und Vermögensverhältnissen der Eltern.

Eltern von Frühchen sollten das Thema Frühförderung mit dem behandelnden Kinderarzt oder der behandelnden Kinderärztin besprechen. Ärzte wissen, welches Genehmigungsverfahren im jeweiligen Bundesland eingehalten werden muss, um eine Frühförderung zu beantragen.

Zuletzt überarbeitet: Dezember 2018

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