Prof. Dr. med. Gerhard Jorch

Frühchen

Antwort von Prof. Dr. med. Gerhard Jorch

Um Sie detailliert beraten zu können, müßten Sie mir genauer mitteilen, welche Form der Speiseröhrenfehlbildung vorliegt. Es gibt nämlich zahlreiche Varianten. Bei der häufigsten Form, die bei Ihrem Sohn vorliegen könnte, ist die Speiseröhre unterbrochen, wobei der obere Teil als Blindsack endet und der untere Teil aus der Luftröhre entspringt. Diesen unteren Teil unterbindet man rasch nach der Geburt, damit kein Magensaft in die Luftröhre geraten kann und dort und in der Lunge Schäden anrichtet. Den oberen Blindsack muß man regelmäßig absaugen (oder seitlich am Hals nach außen leiten), damit sich dort kein Mundspeichel sammelt und von oben in die Luftröhre gelangen kann. Ernähren kann man Ihren Sohn über Infusionen und/oder durch eine Sonde, die durch die Haut in den Magen geführt wird. Leztendlich wird man versuchen, die beiden Speiseröhrenenden operativ miteinander zu verbinden, entweder durch einfache Naht oder (wenn der Abstand zu groß ist) durch ein Zwischenstück aus dem Darmbereich. Das alles ist langwierig, aber letztendlich meistens erfolgreich. Gefahren drohen auf diesem monatelangen Weg durch Katheterinfektionen, Lungenentzündungen und Unterernährung.
Wenn alles gelingt, können die Kinder später normal essen. Sie und Ihr Sohn werden viel Kraft brauchen, aber es lohnt sich, da es immer noch besser ist, wenn die Speiseröhre eine Fehlanlage hat als z.B. das Hirn.

von Prof. Dr. med. Gerhard Jorch am 29.01.2004

 
Unten die bisherigen Antworten. Sie befinden sich in dem Beitrag mit dem grünen Pfeil.
Mobile Ansicht

Impressum Team Mediadaten Nutzungsbedingungen Datenschutz Forenarchiv

© Copyright 1998-2021 by USMedia.   Alle Rechte vorbehalten.