Prof. Dr. med. Gerhard Jorch

Frühchen mit Infektion

Antwort von Prof. Dr. med. Gerhard Jorch

Frage:

Lieber Prof. Dr. Jorch,
ich stelle eine Frage für meine Schwester.
Sie hat am Samstagnacht eine kleiner Tochter, 1360 g, per Kaiserschnitt in der 29+6 SSW entbunden. Wahrscheinlich hatte sie ein Amnioninfektionssyndrom, das leider nicht sofort erkannt wurde.
Nun kam die Kleine mit einer (wahrscheinlich bakteriellen) Infektion zur Welt, die sich momentan v.a als Lungenentzündung zeigt. Sie wird antibiotisch behandelt. Leider muss sie auch beatmnet werden. CRP war anfangs 4, Leukos 60 000. Der Zustand ist bisher stabil, CRP auch rückläufig auf 1,7 . Allerdings hatte sich am Montag eine extreme Leukozytose entwickelt, bei 117 000. Die Kleine liegt in der Neonatologie einer Universitätskinderklinik und der Oberarzt dort war ratlos woher der extreme Leukozytenwert kommt, er würde nicht zu den sonstigen Symptomen passen. Daher ließ er das Blut von einem Onkologen mikroskopisch beurteilen: es handelt sich zum Glück NICHT um bösartige Zellen. ULtraschall der Leber war unauffällig. Mittlerweile sind die Leukos wieder auf 90 000 gesunken. CRP siehe oben. Der Beatmungsdruck konnte von anfangs 40% auf mittlerweile 25 % gesenkt werden. Es soll möglichst bald eine Umstellung auf eine Atemhilfe erfolgen.Ansonsten macht die Kleine den Umständen entsprechend wohl einen guten Eindruck und ist wohl v.a. was Herz/Kreislauf betrifft sehr stabil. Bisher hat sie auch keine Hirnblutung.
Wie schätzen Sie die Gesamtsituation und Prognose der Kleinen ein? Wir wissen, dass Frühchen+ Infektion keine gute Kombination ist können aber schwer einschätzen ob gute Chnacen bestehen, dass sie es einigermaßen gut übersteht bzw. überhaupt übersteht?
Haben Sie eine Idee zu der extremen Leukozytose?
Vielen herzlichen Dank!

von JohannaK am 18.08.2010, 13:49 Uhr

 

Antwort auf:

Frühchen mit Infektion

Leukozytosen kommen bei einer Reihe von neonatalen Infektionen vor. Nach ihrer Beschreibung tippe ich am ehesten auf Listerien (Listeriose) als Erreger, da diese bei der Mutter uncharakteristische Symptome machen und bei der üblichen bakteriellen Untersuchung beim Kind nicht erfaßt werden. Falls das mikrobiologische Labor noch über Proben verfügt, könnte man noch einen PCR-Nachweis versuchen. Aktuelle Probenentnahmen beim Kind sind aussichtslos, da die Listerien durch die bei Neugeborenen verwendeten Antibiotika meistens eliminiert werden.

von Prof. Dr. med. Gerhard Jorch am 19.08.2010

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