Fachärztin, Neonatologin Louise-Caroline Büttner

Frühchen bei 34+3 bald 4 Jahre alt

Antwort von Fachärztin, Neonatologin Louise-Caroline Büttner

Frage:

Hallo,

Meine Zwillinge wurden damals bei 34+3 per Kaiserschnitts aufgrund einer Präeklampsie geholt. Zwilling A war 50cm groß und wog 2400g. Zwilling B war 48cm groß und wog 1940g. Nach nur 9 Tage auf der Station durften wir voller stolz beide mit nach Hause nehmen.
Als Babys waren sie am Anfang recht pflegeleicht, doch mit zunehmendem Alter wurden sie immer „unzufriedener“. Nach dem ersten Geburtstag wurde es dann wirklich schwer. Sie weinen sehr viel. Obwohl eher kreischen das richtige Wort dafür ist.
Wir fangen jetzt demnächst bei der Frühförderung mit Logo, Heilpädagogik und Ergotherapie an. Beide sind sehr groß für ihr Alter und werden locker 1 Jahr älter geschätzt. Sie haben einen großen Wortschatz, jedoch sprechen sie unverständlich. Unser großes Problem ist jedoch, dass sie das schreien was sie nach dem ersten Geburtstag begonnen haben nicht mehr abgelegt haben. Wir erziehen relativ konsequent. Doch hört das schreien nicht auf. Sie streiten natürlich viel. Das Trotzen an sich geht ja noch. Jedoch schreien und weinen die beiden so viel, dass wir sie ungern mit nehmen wenn wir zb auf eine Hochzeit gehen. Es ist sehr anstrengend. Wir versuchen immer ruhig zu bleiben. Doch nach dem 10x Geschrei werden wir dann auch mal Lauter. Ich weiß das es nicht gut ist. Doch es geht einfach echt an die Belastungsgrenze. Zwilling A ist da tatsächlich noch mehr am weinen als Zwilling B.

Zu meiner eigentlichen Frage. Könnte das viele kreischen damit zu tun haben, dass sie frühchen sind? Es gibt ja mittlerweile Studien die belegen, dass die hirnentwicklung in den letzten Wochen der Schwangerschaft recht aktiv ist und ihnen fehlt ja Zeit.
Können wir sonst noch iwas machen um unsere Zwillinge zu fördern und um evtl mehr Defizite zu erkennen ?
Entschuldigen Sie bitten diesen langen Text.

Liebe Grüße und danke.

von MEJ am 17.09.2021, 09:01 Uhr

 

Antwort auf:

Frühchen bei 34+3 bald 4 Jahre alt

Hallo,
Es gibt sogenannte frühkindliche Regulationsstörungen. Diese liegen vor, wenn der Säugling bzw. das Kleinkind sein Verhalten in Interaktion und Selbstregulation nicht angemessen regulieren kann. Regulationsstörungen sind: exzessives Schreien, Schlafstörungen oder Fütterprobleme bei Säuglingen und Kleinkindern.
Als Faustformel für exzessives Schreien gilt die sogenannte Dreier-Regel: eine durchschnittliche Schrei-/Unruhedauer von

mehr als 3 Stunden am Tag
mindestens 3 Tage die Woche
über mindestens 3 Wochen

Ob diese Störung bei Ihren Zwillingen vorliegt, oder ob Ihre Kinder sich in einer Trotzphase befinden, ist aus der Ferne nicht zu beurteilen. Die einzelnen Situationen müssen besprochen und analysiert werden.

Bitte wenden Sie sich hierfür an Ihre/n Kinderärztin/arzt.

Alles Gute, Louise-Caroline Büttner

von FÄ Louise-Caroline Büttner am 19.09.2021

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