Liebe Frau Hartz, ich wende mich heute in der Verzweiflung einer zweifachen Sternenmutter an Sie. Ich habe mein erstes Kind in der 9. Schwangerschaftswoche und meinen zweiten Sohn in der 36. Schwangerschaftswoche verloren. Die Totgeburt unseres Sohnes jährt sich bald zum ersten Mal. Nun bin ich erneut schwanger – wieder in der 36. Schwangerschaftswoche. Ausgerechnet heute bin ich genau so weit wie an dem Tag, an dem das Herz meines Sohnes aufgehört hat zu schlagen. Gleichzeitig ist heute auf den Tag genau der zweite Jahrestag des Verlustes meines ersten Kindes. Diese gesamte Schwangerschaft wird von Ängsten begleitet, doch heute ist ein besonders schwerer Tag für mich. Je weiter die Schwangerschaft fortschreitet, desto mehr entfernt sich für mich paradoxerweise die Vorstellung, eines Tages tatsächlich ein gesundes Kind in den Armen halten zu dürfen. Ich habe das Gefühl, dass mit jedem Tag nicht die Hoffnung wächst, sondern die Angst. Noch einen solchen Verlust, noch einmal diesen Schmerz und diese Sehnsucht würde ich nicht überleben. Gleichzeitig schmerzt mich der Gedanke an meinen ersten Sohn unendlich. Bald hätte er seinen ersten Geburtstag gefeiert, vielleicht seine ersten Worte gesprochen oder seine ersten Schritte gemacht. Diese Gedanken vermischen sich mit der Angst um mein ungeborenes Kind und lassen mich kaum zur Ruhe kommen. Zusätzlich zermürbt mich die Entscheidung, ob ich den natürlichen Geburtsbeginn abwarten, die Geburt einleiten lassen oder einen Kaiserschnitt wählen soll – obwohl es medizinisch derzeit keinen Grund für einen Eingriff gibt. Einerseits möchte ich meinem Baby die Chance geben, selbst zu entscheiden, wann es bereit ist, zu uns zu kommen. Andererseits habe ich panische Angst, einen entscheidenden Moment zu verpassen und erneut ein Kind zu verlieren. Meinen ersten Sohn habe ich völlig unvermittelt verloren – nur wenige Stunden nach einer vollkommen unauffälligen Vorsorgeuntersuchung. Seitdem fällt es mir schwer, darauf zu vertrauen, dass “alles gut ist”, nur weil medizinisch gerade nichts Auffälliges zu sehen ist. Ich weiß, dass Sie mir diese Entscheidung nicht abnehmen können und dass es wahrscheinlich keine Antwort gibt, die mir meine Angst nimmt. Dennoch hoffe ich sehr, dass Sie mir vielleicht einen Gedanken oder einen mentalen Weg mitgeben können, der mir hilft, diese letzten Wochen auszuhalten und nicht ausschließlich von der Angst bestimmt zu werden. Ich danke Ihnen von Herzen, dass Sie sich die Zeit nehmen, meine Nachricht zu lesen. Liebe Grüße  Sternsspange