Frage im Expertenforum Stillberatung an Kristina Wrede:

"Trotz" und Stillen

Frage: "Trotz" und Stillen

Mitglied inaktiv

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Hallo, meine Tochter ist 20 Monate alt und fleissige Elternbett/Einschlafstillerin. Wir stillten bis vor ein paar Wochen nur noch zum Abend- und Mittagschlaf und 3-xxmal nachts. Nun hat sie öfters am Tag Wein- oder richtige Tobsuchtsanfälle, die meistens im Zusammenhang mit Anziehen oder Ausziehen stehen, und eigentlich zu 95% nur auftreten, wenn ich etwas mit ihr machen will. Beim Papa oder im Kinderland ist es einfacher. Insgesamt ist sie sehr empfindlich und kommt ganz schnell zum Weinen. Ausserdem ist der "Busi" nun viel wichtiger geworden, sie braucht auf einmal morgens noch 20 Minuten Aufwachnuckeln, und auch nach dem Mittagsschlaf möchte sie erstmal nichts machen, ausser Nuckeln. Sie schaut mich dabei die ganze Zeit an und wenn ich mit ihr plaudere "wir gehen nachher zum Spielplatz" "heute Abend baden wir" sagt sie eigentlich nur zu allem "nein" (mit dem Busi im Mund). Nachts hängt sie auch stundenlang dran.... Ich war vor drei Monaten eigentlich dabei, sie so langsam nachts abgewöhnen zu wollen... Ist dieses "jammerige" Dauernuckeln direkt auf die "Trotz"-Situationen zurückzuführen? (ich mag das Wort nicht) Was kann ich noch tun, um Ihre Unsicherheit zu besänftigen? Ich fand es eigentlich gut, tags nicht mehr stillen zu müssen, kann ich ihr das vorenthalten, wenn sie nur danach fragt ? (wenn sie weint bekommt sie immer die Brust). Tut mir leid, war umständlich und lange! herzliche Grüsse Heike


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Liebe Heike, auch unsere Kleinen entwickeln sich weiter... :-) Durch diese Wutanfälle erkennst du, dass sie dabei ist, ihren "eigenen" Weg zu erkunden... Da kann es schon sein, dass im Ausgleich das Stillen (egal ob Nuckeln oder wirkliches Trinken) auch wichtiger wird, weil es ja die allerbeste Art ist, wieder "herunterzukommen"... Vielleicht ist das Leben für deine Tochter jetzt auch gerade sehr aufregend. Lernt sie gerade etwas Neues? Habt ihr mit etwas Neuem angefangen (z.B. mit einer Krabbelgruppe oder Du mit etwas Neuem)? Das Meistern von neuen Fähigkeiten führt oft zu unruhigen Nächten und nicht selten auch zur Verzweiflung beim Kind, wenn es feststellen muss, dass es doch etwas so gerne können möchte, es aber noch nicht schafft. Da können ganz gewaltige Wutanfälle zustande kommen, wenn ein Kind immer wieder an seine Grenzen stößt. Überlege dir, in wie weit Du in der Lage und Willens bist, deiner Tochter entgegenzukommen und wo Du dazu nicht bereit bist. Wenn du NICHT mehr stillen möchtest, als in letzter Zeit, dann halte dich daran. Kennst Du den 10. Grundsatz der La Leche Liga? „Von früher Kindheit an brauchen Kinder liebevolle Begleitung. Dazu gehören eine angemessene Berücksichtigung ihrer Fähigkeiten und das Eingehen auf ihre Gefühle." Im englischen Original wir hier von „loving guidance" gesprochen, was für mich noch treffender als „liebevolle Begleitung", den Hintergrund der Anleitung und Führung in der Erziehung trifft. Wichtig ist, dass Du selbst dir darüber klar wirst, was Du zulassen willst und was nicht und danach deine Strategie entwickelst, wie Du vorgehst. Für ein Kind ist vor allem die Klarheit wichtig. Zweifel, Unsicherheiten und ein Verhalten das sich nach „heute ja, morgen nein und übermorgen wieder anders" richtet, verunsichern ein Kind und lassen es dann oft verzweifelt an einem Verhalten klammern, nur um den Halt zu haben, dass etwas gleich bleibt. Lieben Gruß, Kristina


Mitglied inaktiv

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Hallo Kristina, vielen Dank für die schnelle und ausführliche Antwort. Gestern hat mich die Leiterin von Emmys Großpflege auf die Seite genommen, die Erziehergruppe hätte kürzlich im Gespräch darüber diskutiert, ob meine "enge Stillerei und Dauernuckelei" Emmy überfordert und sie sich deswegen durch das Wutverhalten (bekommen die meist beim Anziehen mit) von mir abgrenzen wolle, weil ich ihr zu viel Nähe aufzwinge. Ihr "Trotz"Verhalten sei für ihr Alter noch nicht angemessen. Ich würde sie damit zu sehr an mich binden. Dagegen würde sie sich auflehnen. Im Kopf weiss ich ja, dass das Quatsch ist. oder? Emmy ist in der Gruppe auffällig "stark" und selbstbewusst und spricht sehr viel. Nur seit der Wutzeit ist sie ein bisschen zurückgenommen, geht aber total gerne hin und liebt die anderen Kinder. Ich möchte gerne stillen, so lange sie möchte und ich es schaffe (arbeite noch nicht), hoffe auf den 2. Geburtstag.... Als die Dame dann noch meinte, man bekäme die Kinder dann nie aus dem Elternbett, wusste ich eigentlich, dass ich auf sie sowieso nicht zu hören brauche.. Könntest Du mir sagen, wie ich ihr begegnen kann? Sie wollen Emmy auch an ihrem zweiten Geburtstag auf eine 3-tägige Reise mit der ganzen Gruppe mitnehmen. Das möchte ich eigentlich nicht. Aber wie kann ich mit ihr diskutieren, ohne als Übermutter dazustehen? Liebe Grüsse und Danke heike


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