Olivia81
Hallo, ich glaube hier bin ich richtig...(habe meine Frage versehntlich auch im andern Forum bei Frau Höfel gestellt) Meine Tochter ist 6 Wochen alt. Unser Tagesablauf sieht in etwa so aus: Nachts schläft sie zwischen 6.5 -8.5 Stunden, sodass ich am Morgen genug Milch habe um sie satt zu bekommen und um abzupumpen (nach der 7-5-3 Minuten-Methode). Dann schläft sie nochmal 4-5 Stunden und bekommt wieder beide Brüste, nur beim Abpumpen komme ich dann nur noch auf max. 20ml insgesamt. Danach kommt sie im 1-3-Stundentakt. In dieser Zeit gehen wir mit dem Kinderwagen raus(1-2 Stunden), in dem sie meistens schläft (ansonsten ist sie in dieser Zeit wach). Sobald wir zu Hause sind, meldet sie wieder Hunger. Daher handhabe ich es ab dem Nachmittag nun so, dass ich etwa alle 10 Minuten die Seiten wechsle bis sie satt ist bzw. zu sein scheint. Kommt nämlich öfter vor, dass sie dann eine halbe Stunde schläft und erneut Hunger hat. Am Abend schließlich bin ich total leer während sie vor Hunger schreit :-( ich gebe ihr also von der morgens abgepumpten Milch bis sie satt ist. Meist geht das genau auf, wir mussten aber auch schon mit Pre-Nahrung aufstocken (im besten Fall bleibt noch etwas von der abgepumpten Milch übrig). Ich habe inzwischen recht viel über das Stillen und das Erhöhen der Milchmenge gelesen. Das Stillen nach Bedarf scheint wohl das Beste für Mutter & Kind zu sein... ich habe aber das Gefühl, dass ich damit ab dem Nachmittag nur noch mit Stillen beschäftigt bin und dann zu nichts mehr anderem komme. Kann ich das irgendwie ändern? Ich möchte halt ungern zufüttern, denn insgesamt gesehen reicht die Milch ja... Nach der nächtlichen Stillpause benötigt sie nur 10-15 Minuten pro Brust und ist satt. Je mehr es gegen Abend geht, desto länger muss sie an jeder Seite trinken um satt zu werden. Teilweise zieht sie auch wüst, weil vermutlich keine Milch mehr nachkommt. Milchbildende Nahrungsmittel: Habe auch einiges über milchbildende Nahrungsmittel gelesen - gibt es da wirklich welche, die die Milchmenge erhöhen? Bisher habe ich es so versucht: trinke täglich gut 3 Liter (habe ich eh schon immer getan), darunter Malzkaffee, zwei Tassen Stilltee (anis, fenchel, kümmel, bockshornklee, zitronenverbene) und meide Minze, Salbei & Petersilie. Unsere Ernährung ist ohnehin kohlehydratbetont, da ich Probleme mit Milcheiweiß und Sojaeiweiß habe. Sekt soll ja das Mittel schlechthin sein, um die Milchmenge zu erhöhen. Welcher Bestandteil des Sekts soll dies denn bewirken, und gilt das auch für die alkoholfreie Variante?? - Wenn ja, wieviel sollte man davon trinken pro Tag? VG Olivia
Liebe Olivia, die Vorstellung, dass die Brust (ähnlich wie eine Flasche) nach dem Stillen leer ist und erst wieder aufgefüllt werden muss, ist so nicht richtig. Zwar wird zwischen den Stillmahlzeiten Milch produziert, der Hauptanteil der Milch wird jedoch erst während des Stillens gebildet. Das Saugen des Kindes gibt das entsprechende Signal zur Milchbildung, der Milchspendereflex wird dann ausgelöst. Deshalb ist es auch falsch zwischen den Stillmahlzeiten eine längere Pause einzulegen, damit sich die Milch in der Brust sammelt, sondern es muss häufiger angelegt werden, um die Milchmenge zu steigern. Es gibt keinen Grund einen Mindestabstand zwischen zwei Stillmahlzeiten einzuhalten. Im Extremfall kann das "Hinhalten" des Babys zu Gedeihstörungen führen. All die Erzählungen von einem bestimmten Rhythmus eines Babys sind schlicht und ergreifend falsch. So kleine Babys wollen im Schnitt zwischen acht und zwölf Mal innerhalb von 24 Stunden gestillt werden. Im Schnitt heißt, es gibt Babys die seltener nach der Brust verlangen (eher wenige Babys) und es gibt Babys, die häufiger an die Brust wollen (die Mehrzahl). Nun ist es jedoch nicht so, dass ein Kind zügig zwanzig Minuten trinkt und sich dann nach drei Stunden das nächste Mal rührt, sondern es kommt immer wieder zu Stillepisoden, die so ablaufen: das Kind trinkt eine kurze Weile, hört auf, döst vielleicht sogar weg und beginnt erneut kurz zu trinken usw. Dieses Verhalten heißt Clusterfeeding und ist absolut normal für kleine Babys. Besonders gehäuft treten diese Stillepisoden am Nachmittag und Abend auf, wie überhaupt die Abstände zwischen den Stillzeiten im Verlauf des Tages immer kürzer werden. Dazu kommt, dass in bestimmten Alterstufen Wachstumsschübe zu erwarten sind, in denen die Baby manchmal schier ununterbrochen an die Brust wollen. Das Dauerstillen kann sehr anstrengend und auch nervend sein, aber es hat seinen Sinn. Rein wissenschaftlich gesehen ist es so, dass das Baby durch den Stillmarathon die Prolaktinausschüttung anregt und so dafür sorgt, dass die Milchbildung angeregt wird und genügend Milch für das Kind zur Verfügung steht. Wird in dieser Situation zugefüttert, so wird in das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage eingegriffen und das kann der Beginn des unfreiwilligen, vorzeitigen Abstillens sein. Es kann gut sein, dass dein Kind durch die Flasche saugverwirrt ist und deshalb an der Brust weint. Die Trinktechniken an Brust und Flasche (künstlichem Sauger) unterscheiden sich grundlegend. Manche Kinder kommen mit dem Wechsel zwischen den beiden Techniken nicht klar und versuchen dann mit der falschen Technik an der Brust zu trinken. Das funktioniert nicht, das Kind bekommt an der Brust keine oder nur wenig Milch, ist frustriert und lehnt die Brust dann im schlimmsten Fall sogar ab. In dieser Situation spricht man dann von einer Saugverwirrung. Nun kann ein verhängnisvoller Kreislauf beginnen: da das Kind mit der falschen Technik an der Brust trinkt, wird es an der Brust hektisch, saugt an, lässt wieder los, dreht den Kopf hin und her schluckt viel Luft (die wiederum führt möglicherweise zu Bauchproblemen) und da es die Brust nicht mehr richtig stimuliert kommt es zu einem Rückgang der Milchmenge und damit zu weiterem Zufüttern, wenn dieser Kreislauf nicht unterbrochen wird. Eine Saugverwirrung ist alles andere als lustig und Stillberaterinnen wissen aus Erfahrung nur zu gut, warum sie künstlichen Saugern wie Schnuller und Flasche kritisch gegenüberstehen, denn beide bescheren uns immer wieder eine Menge "Beschäftigung". Wenn eine Frau merkt, dass ihre Milchmenge nicht mehr für der Bedarf des Kindes ausreicht, dann ist die erste Maßnahme, das Kind häufiger anzulegen. So erhält die Brust das Signal "es wird mehr Milch gebraucht" und reagiert mit einer gesteigerten Milchbildung. Wird in dieser Situation zugefüttert geschieht genau das Gegenteil: der Brust wird ein noch geringerer Bedarf vorgegaukelt und die Milchbildung verringert sich, statt sich zu erhöhen. Doch eine Saugverwirrung kann überwunden werden. Dabei ist es die erste Maßnahme, dass sämtliche künstlichen Sauger weggelassen werden. In leichteren Fällen kann dies schon ausreichen und dein Kind trinkt ja meist noch gut an der Brust. Auf die (angebliche) milchflussfördernde Wirkung von Bier oder Sekt sollte verzichtet werden. Alkohol geht bereits in kleinen Mengen in die Milch über und belastet den Stoffwechsel des Babys. In so ziemlich jeder Kultur gibt es irgendwelche Nahrungsmittel oder Getränke, denen milchbildungsfördernde Eigenschaften zugeschrieben werden, doch letztlich bringt nur ein Weg mehr Milch: Die Stimulation der Brust, sprich häufiges Anlegen und effektives Trinken des Kindes. Wenn die Milchmenge gesteigert werden soll, dann muss das Kind häufiger angelegt werden oder - wenn die Situation es erfordert - zusätzlich abgepumpt werden. Zaubermittel, die die Milch einfach so fließen lassen, gibt es leider nicht. Nun kann ich aber weder dich noch dein Baby sehen und kann daher das Saugverhalten nicht beurteilen und dir auch nichts zeigen. Am besten wendest Du dich deshalb einmal an eine Stillberaterin in deiner Nähe und lässt dir beim Stillen zuschauen. Die Kollegin kann dir dann bei Bedarf Tipps zum korrekten Anlegen geben, kann dir erklären, woran Du erkennst, ob dein Kind korrekt saugt und dir überhaupt gezielte Hinweise geben. Im direkten Kontakt lassen sich viele Fragen viel besser klären. Adressen von Stillberaterinnen findest Du im Internet unter: http://wwwlalecheliga.de (Stillberaterinnen der La Leche Liga), http://www.afs-stillen.de (Stillberaterinnen der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl-stillen.de (Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC). LLLiebe Grüße, Biggi
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