patrizia8
Liebe Biggi, ich habe vor einiger Zeit geschrieben, da meine Tochter (21 Monate) nur sehr wenig gegessen und vorwiegend gestillt hat. Sie rieten mir damals dazu, den Eisenstatus zu überprüfen und gegebenenfalls Eisentropfen zu geben. Eine Zeit lang war ihr Appetit tatsächlich größer, allerdings stellte ich nach einiger Zeit die Gabe der Eisentropfen ein, da sie unter Verstopfung litt. (Laut ärztlicher Meinung können wir Eisentropfen geben, der Status ist aber nicht weiß Gott wie problematisch.) Ich wollte nun mit der Gabe von Eisentropfen warten bis sich das aktuelle Verdauungsproblem wieder gelöst hat. Nun ist es so, dass meine Tochter (mittlerweile 22 Monate) wieder kaum isst (bis auf ein paar Bissen hiervon und ein paar Bissen davon). Ich frage mich nun einerseits, ob es tatsächlich an den fehlenden Eisentropfen liegen kann bzw. auch an der Verstopfung (5. Tag ohne Stuhl), sodass der "Bauch voll genug" ist und sie keine Lust hat zu essen. In meiner Ratlosigkeit war ich in einer Spezialambulanz für Entwickungsschwierigkeiten aller Art (Ernährung, Trockenwerden, Schlafen, etc.) Ich sprach dort mit einer Ärztin mit psychologischem und ernährungstechnischem Schwerpunkt. Bezüglich der körperlichen und kognitiven Entwicklung meiner Tochter beruhigte sie mich sehr. Sowohl Gewicht, als auch kognitive Fähigkeiten sind total in Ordnung. Unsere Interaktion möchte sie sich noch einmal ansehen. Meine Mama war mit und daher konnte sie sich kein richtiges Bild von unserer Beziehung machen, da sie ins Spiel mit der Omi vertieft war. Jedenfalls ließ sie anklingen, dass es sein kann, dass meine Tochter nicht gelernt hat, Bedürfnisse zu unterscheiden und adäquat zu befriedigen bzw. dass ich diese nicht adäquat befriedige. Die schloss sie aus folgender Situation: Meine Tochter unterbrach das Spiel mit der Omi und kam zu mir. Ich sprach gerade mit der Ärztin. Meine Tochter meinte "Mami, mitkommen!" Ich sagte, dass ich gerade mit der Dame etwas besprechen müsste und ob sie nicht noch ein Buch mit der Omi lesen möchte. Sie begann zu quengeln und meinte, ich solle mitkommen. Als ich ihren Frust begleiten wollte, meinte sie "Mamamilch tinken". Ich hatte in der Situation das Gefühl, dass sie meine Zuwendung in irgendeiner Form haben wollte und dass die Milch und das damit verbundene Kuscheln auch Trost war, dass ich gerade nicht mitkommen wollte/konnte. Unter anderen Umständen wäre ich mitgekommen und hätte genauer geschaut, was sie von mir möchte, aber da ich gerade ein Erstgespräch hatte, war ich der Meinung, dass ich ihr meine Zuwendung jetzt auch in der Form schenken könnte ohne dass es Schade anrichten würde. Die Ärztin meinte dann, dass ich ihr automatisch beim Quengeln die Brust gegeben hätte, was nicht stimmt, denn ich habe sie sie erst gegeben, als sie gerne trinken wollte. Sie meinte dann, dass das eine Form der Ersatzbefriedigung sein könnte und dass ich aufpassen muss. Ich habe wahnsinnige Angst, etwas falsch (also komplett falsch) zu machen. Kleine Fehler passieren jedem, aber seit diesem Termin ist mir ständig zum Heulen und ich weiß schon gar nicht mehr, wann ich die Brust geben "darf" und wann nicht. Bisher dachte ich, dass die Brust - dadurch dass es sich um mehr als nur Nahrung handelt - Trost, Sicherheit, Geborgenheit spendet und da es kein Fehler sein kann, diese Bedürfnisse zu befiredigen, hätte ich nicht gedacht, dass da auch eine Gefahr in solchem Ausmaß schlummert. Wie gesagt, es ist nicht so, dass ich meiner Tochter bei jedem Quengeln die Brust anbiete. Verletzt sie sich, blasen wir die wunde Stelle meist und geben ein Bussi darauf. Bei größeren Unfällen möchte sie zum Trost kuscheln und trinken, was ich dann auch zulasse, da ich keinen Sinn darin sehe, ihr in einer Situation, in der es ihr eh schon schlecht geht, die Brust zu entziehen mit dem Ziel ihr andere Strategien aufzudrängen. Es ist mir natürlich klar, dass sie mit der Zeit andere Strategien außer "Mamamilch tinken" zur Problemlösung entwickeln soll, aber heißt das, dass ich ihr die Brust jetzt nicht mehr zum Trost, als Ort der Sicherheit und Geborgenheit geben soll, nur DAMIT sie jetzt irgendetwas lernt? Das widerspricht irgendwie meiner Vorstellung. Beim Schlafen handhaben wir es auch so, dass sie einschlafgestillt wird und bei uns im Bett schläft. Hier würde ich auch nichts aktiv machen, um ihr das Schlafen "beizubringen". Ich denke, dass das irgendwann von alleine kommt, wenn sie genug Sicherheit erfahren hat. Ist es in den anderen Situationen nicht auch ähnlich? Natürlich versuche ich ihre Gefühle zu verbalisieren. Wenn sie hinfällt und weint, gehe ich zuerst darauf ein und sage "au, das hat bestimmt wehgetan" und frage wo genau es weh tut etc. Im Zuge dessen möchte sie dann vielleicht trinken und das gebe ich ihr dann für gewöhnlich. Wenn sie müde wirkt und trinken möchte, sage ich meist auch etwas wie "Sollen wir uns gleich hinlegen, möchtest du schon schlafen, du wirkst müde." Seit unserem Termin achte ich darauf natürlich mehr denn je, denn ich habe nun wirklich Angst, dass ich nicht genügend auf die dahinterstehenden Bedürfnisse eingegangen bin. Während ich diese Nachricht schrieb, kam meine Tochter herein, nachdem sie ca eine halbe Stunde mit meiner Mama gespielt hat. Sie wollte auf meinen Schoß und wieder trinken. Normalerweise wäre ich diesem Wunsch einfach nachgekommen, jetzt habe ich aber gefragt, ob ich vielleicht mit ihr spielen soll, etc. Sie wurde immer ungeduldiger und meinte "nein, nein, NUR Mamamilch". Woher soll ich denn jetzt wissen, was dahinter steht. Vielleicht wollte sie ja tatsächlich einfach nur ihren Mamaspeicher auffüllen. Jetzt spielt sie glücklich und zufrieden weiter mit meiner Mama. Mein Eindruck ist, dass das ständoge Rückversichern meinerseits, ob sie wirklich Mamamilch will zu mehr Unsicherheit führt und die Folge davon ist: Noch mehr Mamamilch... Ich kann ja jetzt nicht bei jedem Mal Stillen vorher alles durchfragen, was sie alternativ haben möchte, zumal das bei ihr kontraproduktiv wirkt... Ich habe schon den Eindruck, dass sie sich selbst schon recht gut spürt. Zum Beispiel ist sie zwar noch nicht trocken, aber sie nimmt bewusst wahr, wenn sie "Lulu" muss und verlangt nach einer Windel (Töpfchen, Klo ist ihr noch nicht ganz geheuer). Oft stellt sie dann noch fest, dass es in der Windel warm wird. Oft sagt sie mir z.B. auch, dass sie schlafen möchte. Manchmal ist es zwar falscher Alarm und ein bisschen ein "Codewort" für trinken (wobei ich dann sage, ich glaube nicht, dass du müde bist, du möchtest wahrscheinlich kuscheln und trinken), aber oft entspricht es tatsächlich ihrem Bedürfnis nach Schlaf. Was durchaus sein kann, ist dass sie manchmal aus "Langeweile" trinkt. Wenn wir zu zweit zu Hause sind und sie oft daran denkt, will sie teilweise alle 20min trinken und das ist mir dann zu viel, das sage ich dann eigentlich auch und biete andere Aktivitäten an. Anstrengend ist es dennoch, weil die Forderung ständig kommt. Ich habe den Eindruck, dass ich ohnehin schon ein verkopfter Mensch bin und jetzt habe ich das Gefühl, es spitzt sich noch mehr zu. Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen Eindruck von unserem Problem vermitteln und mich würde sehr interessieren, was sie zu meiner Sorge, dass Stillen bei uns Ersatzbefriedigung sein könnte, sagen und wie weit wir AKTIV an anderen Strategien arbeiten und das Stillen dabei unterbinden sollen? Meine 2. Sorge bezieht sich auf unsere Bindung. Seit diesem Termin in dieser Ambulanz stelle ich alles in Frage, lese viel im Internet. Meine Tochter ist recht schpchtern. Sie hatte im Mai außerdem einen Allergieprovokationstest. Wir waren 3 Tage im Spital, sie wurde natülich gepiekst und hatte dann irrsinnige Angst vor allen Schwestern und Ärzten dort. Finde ich auch logisch. Seitdem fühlt sie sich oft sehr unsicher, wenn wir neue Gebäude betreten oder fremde Leute, wie die Ärztin in dieser Ambulanz, den ihr nicht vertrauten Raum betreten. Ich bereite meine Tochter immer auf "Pieksis" vor, damit sie die Sicherheit entwickeln kann, dass nur etwas "passiert", wenn ich es vorher gesagt habe. Ich habe sie auch auf den Termin in der Ambulanz vorbereitet und ihr gesagt, dass wir mit der Frau nur sprechen und sie nicht gestochen wird. Als die Ärztin den Raum betrat, fing sie an zu weinen, flüchtete sich auf meinen Schoß, begann zu weinen und sich an mich zu klammern. Mamamilch wollte sie auch und da sie so große Angst hatte, wollte ich ihr die Sicherheit geben. Sie schaute an der Brust skeptisch beruhigte sich aber und ich erklärte ihr weiter, dass kein Pieksi kommt und dass ich weiß, dass sie Angst hat, weil sie die Frau nicht kennt. Die Ärztin meinte mit verständnislosem Blick, als meine Tochter zu weinen begann, "was ist denn jetzt los?" Ich erklärte ihr, dass sie Angst hat und sie verunsicherte mich irgendwie mit dieser Reaktion. Als meine Tochter merkte, dass wirklich nichts passierte, löste sie sich von mir uns spielte mit meiner Mama, die auch im Raum war. Aufgrund der Reaktion der Ärztin, mache ich mir jetzt Gedanken, ob das Verhalten meiner Tochter auf eine unsichere Bindung schließen könnte. Sie flüchtete zwar zu mir, aber sollte sie beim Betreten einer fremden Person nicht alleine durch meine Anwesenheit beruhigt sein. Auch habe ich Angst, dass das häufige Stillen heißt, dass die Bindung nicht stark genug ist, sodass sie sich ständig rückversichern muss. Bei ihrem Papa und ihren 2 Omas bleibt sie ohne Probleme einige Stunden (3-4 je nach Verfassung), wenn ich dann wieder komme, läuft sie mir entgegen und begrüßt mich. Meist will sie dann zur Begrüßung auch wieder Mamamilch trinken. Wenn eine ihr unbekannte Person zu Besuch kommt, ist sie meist sehr reserviert. Manchmal weint sie auch. Sehen Sie hier Anzeichen einer unsicheren Bindung? Ich habe eigentlich immer darauf geachtet, prompt zu reagieren, Verständnis zu haben (was mit nicht schwer fällt), viel Körperkontakt zu haben, etc. Sollte es tatsächlich zu einer ERSATZbefriedigung durch Stillen gekommen sein, könnte es sich aber tatsächlich um eine unsichere Bindung handeln, oder? Vielen Dank im Vorhinein und dass Sie diesen Roman gelesen haben! Liebe Grüße, Patrizia
Liebe Patrizia, am liebsten würde ich Dich erst einmal in den Arm nehmen und drücken, es tut mir so leid, wie verunsichert Du bist! Du machst nichts falsch, Dein Baby zeigt sehr deutlich, was es braucht und das ist gut so und zeigt eine GUTE Bindung! Stillen ist viel, viel mehr als reine Nahrungsaufnahme. Es ist Trost, Geborgenheit, sicherer Hafen und ein Weg zur Ruhe zu kommen, wenn die Wellen des Alltags so hoch geschlagen sind, dass das Kind keinen Weg mehr weiß, um mit sich selbst und der Umgebung ins Reine zu kommen. Leider verstehen manche Menschen (vor allem diejenigen, die selbst nicht oder nur sehr kurz gestillt haben) nicht, dass Stillen all das, was ich oben beschrieben habe und noch viel mehr bedeutet. Sie erkennen nicht, dass ein entsetztes, wütendes oder verletztes Kind an der Brust wieder den Weg zu sich selbst zurück findet und dabei auch noch sein Gesicht wahren kann. Es wird von der Mutter nicht bloßgestellt, sondern angenommen und kann sich in der sicheren Geborgenheit des Stillens wieder erholen und beruhigen. Ganz wichtig: das Stillen bietet in dem Alter der ersten Ablösung wichtige emotionale Hilfe. Dein Kind kann immer wieder den "Heimathafen" ansteuern, wenn etwas beängstigend ist oder wenn es einfach nur müde ist. Mit der Brust kannst Du dein Kind nicht zustöpseln. Kein Kind lässt sich an die Brust zwingen und wenn dein Kind nicht gestillt werden will, sondern ein anderes Bedürfnis hat, dann wird es dies unmissverständlich kund tun. Stillen ist eine aktive Sache von beiden Partnern und ohne dass das Kind mitmacht, geht es nicht. Stillen ist viel mehr als nur eine Form der Ernährung: es ist Trost, gibt Nähe, Geborgenheit und Zuwendung. Deshalb ist das Stillen in keiner Hinsicht mit dem Flaschegeben zu vergleichen. Dennoch bedeutet es keineswegs, dass eine stillende Frau nur mit der Brust Zuwendung gibt. Seit Anbeginn der Menschheit werden Kinder an der Brust der Mutter getröstet und Essstörungen sowie die ganzen (angeblichen) Schlafstörungen bei Kindern sind ein recht neue Erscheinung, die es in unserer modernen Welt gibt, in der die überwiegende Mehrheit der Menschen nicht oder nur kurz gestillt wurden. Es wird immer wieder behauptet, dass Stillen nach Bedarf und auch Langzeitstillen zu Abhängigkeiten führe oder gar irgendwelchen Verhaltensstörungen oder der Sucht Vorschub leiste. Es ist jedoch genau das Gegenteil der Fall. Durch die Befriedigung der Bedürfnisse muss das Kind keinen Ersatz suchen und somit verringert sich die Suchtgefahr. Sucht bedeutet ja, dass ein Ersatz gesucht und verwendet wird, weil ein Bedürfnis nicht gestillt wurde. Das Verhalten deines Kindes wird sicher von manchen Menschen als extrem anhänglich oder mutterfixiert bezeichnet, doch es ist ein vollkommen normales Verhalten für ein Baby. Es ist sogar wichtig, dass ein Kind zunächst eine feste und verlässliche Bindung zu einer Person aufbaut (und diese Person ist bei einem gestillten Kind naturgemäß fast immer die Mutter). Aufbauend auf dieser Erfahrung kann das Kind dann später seinen Horizont erweitern und Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen. Doch das "Fundament" der engen Beziehung zur ersten Bezugsperson sollte fest sein und so zum Fundament der Beziehungsfähigkeit und Bindungsfähigkeit überhaupt zu werden. Keine Angst, dein Baby wird weder ein „Muttertöchterchen“ noch ein ewig unselbstständiger Mensch, sondern Du legst jetzt den Grundstock für einen in sich ruhenden, selbstbewussten und selbstständigen Menschen. Dein Kind kann nicht "verwöhnt" werden, wenn es viel Nähe und Zuwendung bekommt. Eine Kollegin von mir hat dazu einen schönen Text geschrieben, aus dem ich jetzt einen Abschnitt zitiere: "Das Kind wird verwöhnt und verzogen. "Ja, das ist jetzt schon total verwöhnt" "Ihr verzieht das Kind, nachher will es nur noch auf den Arm" "So lernt das Kind ja nie alleine einzuschlafen, alleine zu spielen, sich mit sich selbst zu beschäftigen ..." "Wie soll das Kind denn seinen Rhythmus finden, wenn Du es ständig mit der herumziehst". So und ähnlich lauten viele Aussagen wohlmeinender Freunde, Verwandte und auch wildfremder Menschen, von denen man auf der Straße angesprochen wird. Was ist dran an dieser Theorie, dass das Baby durch die Zuwendung, die es erhält verwöhnt und verzogen wird? Bernadette Stäbler beschreibt in ihrem Buch "Mama" die Angst, sein Kind nicht richtig zu erziehen: "Und schon ist sie da, diese Angst, sein Kind zu verziehen. Welche Ursachen hat sie? Denn, wer dieses unschuldige Baby anschaut, fühlt sich sehr glücklich. Niemand kann sich vorstellen, dass es eines Tages unerwünschte Handlungen vollbringen wird. Wenn wir also von "verziehen" sprechen, haben wir ein älteres Kind vor Augen. Das Kind im Trotzalter, das immer "nein" ruft, läßt seine Mutter denken: "Was für einen Dickkopf habe ich mir großgezogen. Sicher habe ich es falsch gemacht!" Ist es wirklich so wichtig, dass unsere Kinder vor der Zeit lernen, alleine zu schlafen, alleine zu sein und sich mit sich selbst zu beschäftigen? Ist es notwendig, dass wir Erwachsenen unseren Lebensrhythmus ändern und an das Baby anpassen, damit sich das Kind gut entwickelt? Auch hierzu möchte ich wieder aus dem Buch von Bernadette Stäbler zitieren: "In vielen ursprünglich lebenden Kulturen, die wir "primitiv" nennen, wurden inzwischen Untersuchungen durchgeführt, deren Ergebnisse eine Umwälzung unserer Ansichten über die herkömmliche Kindererziehung mit sich brachten. Ich möchte eine afrikanische Studie herausgreifen und vereinfacht darstellen: Die erste Gruppe gebar ihre Babys zuhause und ließ diese keinen Moment allein. Geborgen bei der Mutter, wurden sie nach Bedarf gestillt und mussten niemals schreien. Bald ging die Mutter wieder auf das Feld, um die gewohnte Arbeit zu verrichten, das Neugeborene in ein Tragtuch geschlungen. Die Kontrollgruppe bekam ihre Babys im Krankenhaus mit aller medizinischen Hilfe, einschließlich schmerzlindernden Medikamenten. Gleich nach der Geburt wurden Mutter und Kind getrennt, um zu ruhen. Die Babys bekamen Fläschchen und Schnuller, weil dies "das Moderne" war. Daheim schliefen die Kinder in ihrem Bettchen, in ihrem eigens dafür hergerichtetem Zimmer. Allein, ohne Körperkontakt. Alles ging recht zivilisiert zu, nämlich nach einem genauen Zeitplan, denn die Kinder sollten sich früh an ein geordnetes Leben gewöhnen und weder kleine Tyrannen noch nervös werden. Ein Jahr später offenbarte sich das Unerwartete: Die Kinder der ersten Gruppe waren in allem den anderen voraus: Sie waren intelligenter in ihren Verhaltensweisen und auch viel sozialer eingestellt, selbst die körperliche Entwicklung war besser, obwohl sie die ganze Zeit "festgebunden" waren. Ähnliche Ergebnisse ergaben vielseitige Studien in den verschiedensten Kulturkreisen. Wenn wir versuchen, dies mit einer natürlichen, einfühlsamen Intelligenz nachzuvollziehen, wissen wir, warum das Ergebnis so ausfallen musste. Das Baby fühlt sich bei seiner Mutter geborgen. Es muss seine Kräfte nicht für das Weinen verbrauchen. Der mütterliche Körper gibt ihm Wärme. Wenn das Baby sich an seine Mutter schmiegt, fühlt es ein wenig von dem Glück, das es neun Monate lang im Mutterleib haben durfte. Es kennt von daher ja auch schon die Herztöne seiner Mutter, es kennt sogar schon ihre Stimme und nun sieht es endlich ihr Gesicht, ihre Augen und darf an der Brust trinken, wenn es möchte. Das ist das Glück, die mütterliche Liebe, die Impulse gibt für die Intelligenz und das soziale Verhalten. Wenn das Baby sich an die Körperbewegungen der Mutter anpassen muss, während sie ihre alltägliche Arbeit verrichtet, übt es in wundervoller Weise seine Muskeln und den Gleichgewichtssinn." (Aus: Denise Both: „Tragen") Also, ganz klar: Du hast nichts falsch gemacht, und es liegt auch nicht an dir, dass deine Kleine sich verhält, wie sie sich verhält! (wäre es anders, warum glaubst du gibt es soooo viele Ratgeber zum Thema??) Auch ich war damals verunsichert und wurde als Glucke und sonstwas bezeichnet ;-). Heute sind meine Kinder meine größten Stützen und ich weiß, dass Achtsamkeit nichts mit Verwöhnen zu tun hat. Ist dir schon einmal aufgefallen, dass niemand fragt „Wann muss das Kind selbstständig atmen lernen" oder „Wann muss das Kind frei laufen können"? Beim ersteren geht jeder davon aus, dass dies eine Fähigkeit ist, die ein gesundes Kind selbstverständlich beherrscht und bei zweiten wird eine große Zeitspanne von vorneherein als normal angenommen. Nur beim Stillen, da wird dem Kind nicht die Kompetenz zugestanden, dass es auch diese Fähigkeit selbst und in dem für es passenden Tempo entwickeln wird. Da wird immer wieder behauptet, dass die Eltern das Kind entsprechend „trainieren" müssen. Wenn es DICH also nicht stört, dann schenke deinem Kind diese Zeit. Wie traurig ist es doch, dass wir unseren Menschenkindern kaum noch die natürliche Zeit gönnen, die sie zum gesunden Gedeihen brauchen. Es gibt keinen Grund, dass Du etwas daran ändern musst, dass Du dein Baby nach Bedarf stillst und auch in den Schlaf stillst, es sei denn DICH persönlich stört etwas daran. Auch die immer wieder geäußerten Argumente, das Baby würde auf diese Weise verwöhnt oder es würde so nie lernen alleine einzuschlafen bzw. nie wieder aus dem Elternbett ausziehen, sind nicht stichhaltig. Babys in diesem Alter können noch nicht verwöhnt werden und Kinder, die sich den Platz im Elternbett nicht erkämpfen oder ertrotzen mussten, ziehen von selbst aus dem Elternbett aus, sobald sie reif genug dafür sind. Im Gegensatz dazu wollen viele Kinder, die als Babys alleine schlafen mussten noch lange ins Elternbett, weil ihr Bedürfnis (noch) nicht gestillt wurde. Sobald ein Baby die nötige Reife hat, lernt es alleine (ein)zuschlafen und wird auch längere Schlafphasen haben. Ich hoffe, ich konnte Dir ein wenig Zuversicht schenken!? Ganz liebe Grüße Biggi
Newyorkdoll
Liebe Patriza,
auch von mir ein fester Drücker. Aus meiner Erfahrung kann och Dir sagen, dass Du nichts falsch machst. Meine Tochter (jetzt 31 Monate) war auch so. Sie hat sehr gern und viel getrunken (stillt sich gerade ab). Wenn ich für jeden blöden Kommentar nur einen Euro bekommen hätte, wäre ich jetzt reich
.
Wenn sie bei den Omas&Opas oder bei meinem Mann ist/war hat sie nie nach Mamamilch verlangt - klar, sie is ja nich doof. Da gibt es sie einfach nicht. Sie war mal drei Tage ohne mich ohne "Verlangen" danach. Kaum war ich wieder da, hat sie angedockt. Sieh' es mal so, Deine Tochter ist bei Ihren anderen Betugspersonen entspannt, weil Du Ihr sicherer Hafen bist, um den sie nicht kämpfen muss, bei dem sie wieder auftanken kann, wenn du da bist. Sei stolz darauf und dankbar dafür.
Lass Dich bitte nicht verunsichern. Zeig solchen nicht sehr empathischen Ärzten / Menschen innerlich den Mittelfinger!
patrizia8
Vielen lieben Dank für die ausführliche Nachricht! Sie gibt mir wirklich wieder Zuversicht zurück! Danke, danke, danke! Du leistet hier so tolle Arbeit! Liebe Grüße , Patrizia
patrizia8
Danke für die liebe Antwort! Es tut immer gut zu hören, dass es bei anderen ähnlich war/ ist. Meine Tochter war bisher immer nur ein paar Stunden von mir getrennt und bis auf wenige Ausnahmen, hat sie dann einfach gewartet bis sie wieder bei mir war - ein paar Stunden kommt man ja auch mit wenig bis keiner Nahrung aus. Wie du sagst - sie sind ja nicht dumm! Ich versuche mich wieder ein bisschen zu entspannen und unseren Weg Tzu gehen! Danke noch mal für deine Antwort und Erfahrung! Das Forum hier ist echt toll! Liebe Grüße
:-)))))
Mitglied inaktiv
Hallo, Ich bin zwar keine Psychologin sondern nur Sozialpädagogin,aber ich finde das Statement der Ärztin weit hergeholt und auf Grund einer Momentaufnahme auch nicht fundiert. Heutzutage wird in alles viel zu viel hineininterpretiert und Eltern Angst gemacht. Wir haben auch 4 Jahre gestillt und meinetwegen war es auch eine Ersatzbefriedigung für meinen Sohn,aber heute ist er grade in die Schule gekommen und ein sehr cleverer,toller und aufgeschlossener Junge,der wunderbar auch ohne mich kann. Wenn wir traurig sind brauchen wir doch auch eine Umarmung etc und keiner würde das komisch finden,wieso dann nicht die Brust?Ich finde das nur natürlich und an deiner Stelle würde ich zu dem "Verein" nicht mehr hin gehen. LG
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